Der zehnjährige Marcello hat es nicht leicht: Sein italienischstämmiger Vater möchte die eigene Fußballbegeisterung im Sohn verwirklicht sehen, während die
schwedische Mutter, die einmal als Aupair in
Italien arbeitete, den Papst bewundert und ihren Sohn als zukünftigen Priester sieht. Am schlimmsten allerdings ist es für den ängstlichen Marcello, dass er in der Schule von den anderen gemieden wird und sich bald "als der nutzlosester Mensch auf Erden" fühlt. Von Albträumen geplagt, wendet er sich in der Kirche an Jesus und der scheint tatsächlich ein offenes Ohr für den Jungen zu haben. Am nächsten Tag kommt Fatima, eine neue Mitschülerin aus dem Libanon, in Marcellos Klasse. Sie ist selbstbewusst, gegen den Willen ihrer
Familie fußballbegeistert und wenig ängstlich, kurzum das Gegenteil von Marcello. Die beiden Außenseiter schließen schnell Freundschaft und Marcello findet heraus, dass er trotz seiner Höhenangst am liebsten Pilot werden möchte. Als Fatimas Vater, der an den Rollstuhl gefesselt ist, aus Versehen das Modellflugzeug ihres fiesen Klassenkameraden Oscar zerstört, verlangt dieser eine hohe Entschädigung von Fatima. Marcello will ihr helfen und findet in Jesus erneut den richtigen Ansprechpartner. Mit einem unverhofften Geldsegen kann Marcello Fatimas Schulden begleichen und Oscar sich endlich einen Paraglider kaufen. Marcello und Fatima schließen am Ende eine Wette ab: Wenn Marcello sich traut, mit Oscars Paraglider vom Dach des Wohnblocks zu fliegen, wird Fatima trotz des handgreiflichen Verbots ihrer zwei Brüder als einziges Mädchen in der Fußballmannschaft des Jugendclubs mitspielen ...
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Wie ist der Film gemacht?Der dritte Spielfilm des schwedischen Kinderfilmregisseurs Ulf Malmros ("Ein toller Sommer") hat bereits mehrere internationale Kinderfilmpreise gewonnen und war in seinem Heimatland ein Riesenerfolg. Geschickt verbindet der Regisseur typische Alltagskonflikte aus dem Leben von Kindern, die sich aus den Erwartungshaltungen der Eltern, den Verhaltensregeln in der Schule und dem Grundbedürfnis nach Akzeptanz durch die anderen ergeben, mit der Fantasie-
und Erlebniswelt von Kindern und darüber hinaus mit gesellschaftlichem Konfliktstoff. Letzterer ergibt sich aus einer angespannten Arbeitsmarktlage, die Marcellos Vater, einen Dachdecker, zum Putzmann degradiert, aus der Geldnot der Eltern, aus der Konfrontation mit Menschen aus fremden Kulturkreisen und aus dem Schicksal von
Flüchtlingen, die in ihrem Heimatland zu Kriegsopfern geworden sind. Alle diese Elemente werden -
und das entspricht zwar der Wahrnehmungsweise von Kindern, ist stilistisch aber eher ungewöhnlich für einen Kinderfilm -
gleich realistisch und mit den gleichen filmischen Mitteln erzählt, ob es sich nun um die Bedrohung durch Oscar handelt, um Marcellos Albträume, seine Gespräche mit dem lebendigen Jesus oder gar um das von diesem erbetene Geld, das urplötzlich von der Decke herab regnet. So wird Marcello beispielsweise sehr real von Oscar und seinen Kumpanen in die Zange genommen und man sieht, wie Marcellos Fluchtversuch mit dem Hubschrauber scheitert. Erst in der nachfolgenden Szene entpuppt sich durch sein Hochschrecken aus dem Bett alles als wüster Albtraum, der uns gleichwohl Auskunft über Marcellos reale Ängste und seine Gemütsverfassung gibt.
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Was ist das Besondere an diesem Film?An manchen (Kinder-
)Filmen scheiden sich nicht nur die Geister, sondern auch die
Generationen. Zumindest ansatzweise könnte es auch diesem Film so ergehen. Erwachsene und insbesondere Pädagogen werden zu Recht bemängeln, dass die Geschichte sehr konstruiert wirkt, Marcellos tumbe Eltern rein gar nichts mitbekommen und der Sohn einerseits komplett verunsichert und voller Selbstzweifel ist, andererseits aber sehr spontan und selbstsicher auf Fatima zugeht. Die Figur des sprechenden, sich besonders cool gebenden Jesus, der Marcello genau wie dessen Klassenkameraden für ein "Weichei" hält, wird sicher nicht nach jedem Geschmack sein, und sich ohne Übung und Erfahrung mit einem Paraglider vom Hochhausdach zu stürzen, ist der pure Wahnsinn. Problematisch auch die deutschen Synchronstimmen von Fatimas Brüdern, die allzu sehr dem Klischee des
türkischen Duos Erkan und Stefan nachempfunden sind, um glaubwürdig zu sein. Aber für Kinder zählt offenbar etwas ganz anderes: Auf dem Stuttgarter Kinderfilmfestival beispielsweise hat eine Kinderjury diesen Film mit der Begründung ausgezeichnet, er berichte über die Entwicklung einer Freundschaft und wie man Angst überwinden könne. Positiv gesehen wurden auch die gelungene Mischung aus Tragik und Humor und die Gleichwertigkeit von Fatima und Marcello in der Geschichte. Sie findet eine Entsprechung in lustigen Anspielungen auf angeblich typische Rollenmuster bei den Geschlechtern, die solcherart als Klischees entlarvt werden. Aller möglichen Kritik also zum Trotz: "2 Kleine Helden" ist ein gut gespieltes, temporeiches und unterhaltsames Feel-
Good-
Movie, das Mut macht, die eigenen Träume zu verwirklichen, das optimistisch in die Zukunft blickt und zeigt, dass auch persönliche Feindschaften, eigene Ängste und sogar
kulturelle Gräben zu überwinden sind. Mit viel Witz und mit Sympathie für seine Figuren treffen der Regisseur und seine zwei kleinen Filmhelden mit ihren alltäglichen Sorgen und Nöten in Elternhaus und Schule genau das Lebensgefühl vieler Kinder.
Thomas Werner