Regie: Anne Sewitsky, nach dem Roman „Tilla liebt Philipp“ von Vigdis Hjort
Anne fühlte sich immer schon ein bisschen anders als die anderen Mädchen ihres Alters. Als sie fünf Jahre alt war, wollte sie unbedingt ein Wikinger sein, der mit dem Schwert kämpft – und nicht etwa eine Prinzessin in schönen Kleidern. Inzwischen ist sie zehn Jahre alt und hat wie
Beate und Anne sind beste Freundinnen, aber noch ohne Freund
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auch Beate, ihre einzige und beste Freundin, in der Klasse noch keinen Freund. Das ständige Gerede der anderen um die Liebe geht beiden gehörig auf die Nerven. Doch dann zieht Philipp Ruge mit seiner
Familie in den Ort. Philipp stellt Annes Leben gehörig auf den Kopf, denn zwischen beiden funkt es gleich bei ihrer ersten Begegnung. Obwohl Anne sich im siebten Himmel fühlt, kann sie die neuen Gefühle nicht richtig genießen. Denn auch Ellen, das beliebteste Mädchen in der Klasse, beginnt sich für den neuen Klassenkameraden brennend zu interessieren. Anne glaubt, gegen sie kaum eine Chance zu haben. Stressig ist auch, dass Philipp in dem Haus wohnt, von dem Annes Bruder Ole behauptet, darin würde es spuken. Hier soll einst ein Vater seine Tochter Helga eingemauert haben, nachdem diese sich in einen jungen Mann verliebt hatte. Anne ist zwar keine besonders gute Schülerin, aber in
Ellen und Tone sind ebenfalls befreundet – und nicht immer so brav
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ihrer Fantasie unschlagbar. Die Geistergeschichte beginnt zu wirken. Schon bald glaubt sie, mit dieser Helga vieles gemeinsam zu haben. In ihrer Eifersucht bemerkt Anne auch gar nicht, dass sie sich um Philipp und seine Zuneigung nicht wirklich Sorgen machen muss. Stattdessen fälscht sie einen Liebesbrief von Ellen, die in ihrer Eifersucht ebenfalls wenig zimperlich ist. Als Annes Betrug auffliegt, wenden sich alle in der Klasse von ihr ab. In ihrer Verzweiflung rächt sie sich an Ellen, indem sie ihr – wie einst Helga ihrer Rivalin – den Zopf abschneidet. Aber nicht nur das. Zugleich stößt sie ihre Freundin Beate vor den Kopf. Rückhalt findet Anne jetzt nur noch in ihrer Familie. Aber sie lernt auch, dass jeder Mensch einmal Fehler macht und dass dadurch längst nicht alles verloren ist.
Wie ist der Film gemacht?Für ihren zweiten Kinofilm hat die Regisseurin Anne Sewitsky einen in
Norwegen überaus erfolgreichen Jugendroman von Vigdis Hjort zur Vorlage genommen. Bereits 1984 erschienen, wurde der Roman später auch ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel „Tilla liebt Philipp“ veröffentlicht.
Einar, Anne und Beate vor dem Helga-Haus, in dem es spuken soll
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In der Buchvorlage wie in der Originalfassung des Films heißen die beiden Kinder Anne und Jørgen. Das seht ihr in der deutsch synchronisierten Fassung beispielsweise anhand von Philipps Fotoalbum, das im Film eine wichtige Rolle spielen wird. Die Welturaufführung hatte der Film übrigens nicht in Norwegen, sondern in
Berlin 2011. Dort lief er im
Wettbewerb der Kinderfilmsektion bei den Berliner Filmfestspielen.
Für ihren flott und ganz aus Annes Perspektive erzählten Film hat Anne Sewitsky die Figur der Helga, mit der sich Anne stark identifiziert, ausgebaut. Sie griff dabei auf Mythen und Legenden ihres Landes zurück. Die parallel erzählte Geschichte von der etwas älteren Helga wird zum direkten Spiegel von Annes Ängsten und Gefühlen. Gefühle wie Liebe und Eifersucht sind für sie so neu und überraschend, dass sie mit ihnen noch gar nicht richtig umgehen kann. Der Film macht das durch verschiedene Versionen der Geschichte um Helga klar, die sich widersprechen. Mal wird
Beim Spiel Flaschendrehen “müssen” Anne und Philipp sich küssen
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Helga grausam von ihrem Vater bestraft, in einer anderen Version springt sie dagegen aus Liebeskummer ins Wasser. Ein bisschen gruselig ist Helgas Geschichte schon, zumal sie mit Bildern und Tönen erzählt wird, die auch in Horrorfilmen zum Einsatz kommen. Auf der anderen Seite macht der Film deutlich, dass in Annes Gefühlslage sogar eine an sich harmlose Fernsehwerbung oder eine Unterhaltungsshow zum Auslöser für Horrorvorstellungen werden können. Allzu sehr braucht sich dennoch niemand zu fürchten. Immer wieder gibt es humorvolle und entspannende Momente im Film und die gelungene Musikuntermalung wirkt ausgleichend und weist damit schon auf ein Happy End hin, das stimmig aus beiden Geschichten entwickelt wird.
Was ist das Besondere an diesem Film?Wenn du einen Film siehst, regt das deine Fantasie an. Wenn du einen Roman liest, wirkt in deiner Vorstellung vielleicht alles noch bunter und lebendiger, als bei so mancher Verfilmung. Unschlagbar in der Fantasie ist jeder Mensch vor allem bei eigenen Ängsten oder Befürchtungen. Du
Manchmal möchte man sich am liebsten unter dem Bett verstecken
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hast das sicher selbst schon erlebt, wenn du dir eine Sache viel schlimmer ausgemalt hast, als sie dann in Wirklichkeit wurde. Der Film macht solche wichtigen Erfahrungen deutlich. Mit Annes Augen können wir ihre Gefühle spüren und nachempfinden, in denen sie mal vor Glück platzen könnte, aber auch Momente des blanken Horrors erlebt. Das macht die große Qualität dieses Films aus. Zugleich zeigt er, wie wichtig Freunde und Familie auch dann sind, wenn es um die erste Liebe oder um Eifersucht geht.
Thomas Werner