Regie: Tim Burton, nach dem Kinderbuchklassiker von Roald Dahl
Der etwa elfjährige Charlie Bucket lebt mit seinen Eltern und allen vier Großeltern in einem windschiefen alten Haus in unmittelbarer Nähe der Fabrik des als exzentrisch geltenden Schokoladenfabrikanten Willy Wonka.
Die Führung durch das Schokoladenreich von Willy Wonka kann beginnen
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Eine Tafel von dessen Schokolade kann sich Charlie allerdings nur einmal im Jahr zu seinem Geburtstag leisten, denn die Buckets sind
arm, der Vater ist gerade
arbeitslos geworden und das tägliche Essen besteht fast nur noch aus dünner Kohlsuppe. Trotzdem fühlt sich Charlie nicht unglücklich. In seiner
Familie herrschen Eintracht und Harmonie und Charlies Großvater Joe opfert sogar seinen letzten Notgroschen, um seinem Enkel eine Freude zu bereiten.
Eines Tages lässt Willy Wonka verkünden, er wolle fünf Kindern mit einer erwachsenen Begleitperson einen Tag lang ermöglichen, seine Fabrik zu besichtigen, die seit nunmehr 15 Jahren niemand mehr von innen zu Gesicht bekommen hat; einem der Kinder würde gar eine besondere Überraschung zuteil. Überall auf der Welt steigt daraufhin der Absatz von Wonka-
Schokolade sprunghaft in die Höhe, denn die Eintrittskarten sind in fünf Tafeln versteckt. Der deutsche Metzgersohn Augustus Glupsch, vor lauter Schokolade ist er schon ganz dick, zieht als Erster ein Los. In
England kauft ein reicher Fabrikant tonnenweise Schokolade auf und sichert so seiner verwöhnten Tochter Veruschka das Eintrittsticket. Die selbstbewusste Violetta Beauregarde ist Weltmeisterin
Schokoladenfabrikant Willy Wonka mit Pagenschnitt und Zylinderhut
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im Kaugummikauen, sammelt zum Stolz ihrer Mutter eine Trophäe nach der anderen und findet ihr Glück selbstverständlich. Nicht minder überheblich und obendrein altklug ist Micky Schießer, ein gefühlloser Technikfreak, der von seinen Eltern mit jedem erdenklichen Computerspiel eingedeckt wurde. Die letzte Eintrittskarte findet Charlie. Zusammen mit seinem Großvater Joe macht er sich auf die abenteuerliche Reise in das Fantasieland des Süßigkeitenfabrikanten, in deren Verlauf die Kinder mit ihren Fähigkeiten und vor allem ihren Fehlern konfrontiert werden. So ist am Ende des erlebnisreichen Tages für alle Beteiligten einschließlich Willy Wonka nichts mehr so wie es einmal war.
Wie ist der Film gemacht?Die in 32 Sprachen übersetzte und millionenfach verkaufte Buchvorlage aus dem Jahr 1964 stammt von dem 1990 verstorbenen Kinderbuchautor Roald Dahl. Regisseur Tim Burton, der von Dahls Witwe unterstützt wurde, hat sich eng an die berühmte Buchvorlage und die Zeichenentwürfe des Autors gehalten. Zugleich aber hat er die Geschichte mit seinem eigenen filmischen Universum gefüllt und um wichtige Details ergänzt wie Wonkas Rückblicke in seine Kindheit, die seine Entwicklung zum weltfremden Einsiedler und seinen Charakter plausibel machen. Wonka wird überzeugend gespielt von Johnny Depp, der bereits 1990 mit Tim Burton für "Edward mit den Scherenhänden" zusammenarbeitete, ein moderner Fantasy-
Märchenfilm, der ähnlich wie "Charlie und die Schokoladenfabrik" Ausschnitte unserer Realität wie in einem Zerrspiegel wiedergibt. Auch die Kinderdarsteller wirken sehr glaubwürdig, was viel zum Gelingen des Films beiträgt.
Augustus Glupsch stürzt in den Schokoladenfluss
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Um die fantastische Welt von Willy Wonkas Schokoladenfabrik, in der alles aus Schokolade und Zuckermasse besteht und sogar das Gras essbar ist, für die Kinoleinwand anzupassen, war ein riesiger technischer Aufwand erforderlich. Doch die technische Perfektion steht ganz im Dienst der Fantasie und Kreativität. Geschickt wurden im Studio gedrehte Szenen vor realer Kulisse mit Computeranimation verbunden. In einer der lustigsten Szenen überprüfen 64 im Kreis sitzende Eichhörnchen die Nüsse daraufhin, ob sie hohl sind, und trennen die guten von den schlechten. Teilweise sind im Film echte, dressierte Eichhörnchen zu sehen, teilweise computeranimierte Bilder. Ähnlich wurde mit dem Schokoladenfluss verfahren, der über einen riesigen Wasserfall stürzt. Er floss in echten Kulissen mit knapp einer Million Liter Wassermischung dahin und wurde für einige Actionszenen zugleich im Computer generiert. Die winzigen Umpa Lumpas, die fleißigen Fabrikarbeiter Willy Wonkas, sehen alle gleich aus. Sie werden von dem Schauspieler Deep Roy unter Zuhilfenahme des Motion Capture-
Verfahrens verkörpert, mit dessen Hilfe gefilmte Bewegungen und Reaktionen des Darstellers im Computer auf verschiedene Handlungsfiguren übertragen wurden, die dann vervielfältigt in einer einzigen Szene zusammen zu sehen sind.
Zahlreiche humorvolle Anspielungen gibt es insbesondere für die erfahrenen Kinogänger, etwa wenn Burton eine berühmte Szene aus Kubricks "2001" zitiert und sie in den Dienst der eigenen Geschichte stellt. Den Sprachwitz der Dialoge und die dezent eingesetzte Situationskomik können aber auch die jüngeren Zuschauer problemlos nachvollziehen.
Was ist das Besondere an diesem Film?Tim Burtons filmischer Geniestreich ist ein sehr unterhaltsamer und zugleich
moralischer Film, der aber niemals pädagogisch aufdringlich wirkt. Er vermittelt eine zutiefst humane
Botschaft, die für Jung und Alt gleichermaßen geeignet ist und zum gelungenen Dialog zwischen den
Generationen beitragen kann.
Umpa Lumpas mit den Besuchern in einem durchsichtigen Zuckerschiff
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Der Besuchstag in seiner Fabrik dient Willy Wonka zu keinem anderen Zweck, als beizeiten einen geeigneten Nachfolger zu finden, der sein Lebenswerk fortsetzen könnte. In dieser Hinsicht ähnelt Wonka Violettas Mutter, die ihre eigenen unerfüllten Hoffnungen und Träume als Erblast auf die nachfolgende Generation überträgt. Besonders gut vermittelt der Film, wie sehr die Menschen durch ihre Erziehung geprägt werden, die sogar entscheidenden Einfluss auf den späteren Berufswunsch nehmen kann. Mit viel Humor und Sprachwitz bringt der Film Erziehungsfehler der Erwachsenen auf den Punkt, karikiert sie an den Kindern, die entweder überfordert oder so behandelt werden, dass ihnen keine Grenzen gesetzt sind und sie ohne Orientierung bleiben. Die Kinder sind nur schlecht erzogen und daher trifft die teils zuckersüße Strafe zugleich und vor allem ihre Eltern. Umgekehrt zeigt Charlies Beispiel, wie sehr das Glück der Kinder und Enkel die ältere Generation beflügelt, so wie Charlies Großvater neue Energien schöpft und seinen Enkel in die Fabrik begleitet.
Die häufig in
amerikanischen Filmen auftauchende Botschaft des notwendigen Zusammenhalts einer Familie ist hier einmal nicht
ideologisch verbrämt, sondern viel stärker damit verknüpft, ob eine Familie nur für materielle Sicherheit sorgt, oder auch immaterielle
Werte vermitteln kann.
Glücklich genießt Charlie den Überfluss an süßen Leckereien
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Der Film verdeutlicht, dass eine intakte Familie, die von Liebe und gegenseitigem Verständnis getragen ist, im Leben viel wichtiger sein kann, als Geld, Ansehen oder beruflicher Erfolg. Deshalb steht am Ende nicht nur die positive Titelfigur Charlie als Gewinner da (das weiß man eigentlich spätestens nach der Vorstellungsrunde seiner vier Mitstreiter), auch Willy Wonka kann von Charlie und seiner Familie noch einiges lernen.
Thomas Werner