Regie: Cyrill Boss & Philipp Stennert, nach dem gleichnamigen Buch von Helmut Ballot
Viktor ist mit seiner
Familie gerade erst in das Stadthaus des alten Onkels umgezogen, da müssen die Eltern für einige Tage verreisen. Eigentlich sollen die älteren Schwestern Louise und Cora auf ihn aufpassen, doch beide sind mit anderen Dingen beschäftigt. So ist der elfjährige Viktor weitgehend sich selbst überlassen. Der Onkel war einst ein Großwildjäger in Afrika. Daher hängen überall in der alten Villa Erinnerungsstücke wie seltsame Masken, antike Waffen, Fotos von der Großwildjagd und ausgestopfte Tiere, vor allem Krokodile. Beim Stöbern durch
Frau Debisch verhält sich merkwürdig
© Constantin Filmverleih
diese Überreste einer fernen Welt sieht Viktor plötzlich einen maskierten Mann in einem Spiegel. Als Viktor sich in
Panik schreiend umdreht, ist der Mann verschwunden. Durch sein Schreien sind aber die Nachbarn auf ihn aufmerksam geworden, die auf Viktor nicht vertrauenserweckend wirken. Frau Debusch, die ehemalige Haushälterin des Onkels, wohnt mit ihrem längst erwachsenen Sohn Friedrich im Parterre. Sie kennt sich bestens in der Villa aus und da alle Türen abgeschlossen sind, kann Viktor nur ein Hirngespinst gesehen haben. Weil er sich nicht ernst genommen fühlt, stößt Viktor wutentbrannt gegen die Türe eines ihm verbotenen Zimmers, die sich knarrend öffnet. Neugierig betritt er das ehemalige Arbeitszimmer seines Onkels. Durch einen Zufall entdeckt er eine Geheimschublade, in der sich das Tagebuch eines Mädchens namens Cäcilie befindet. Es stellt sich heraus, dass Cäcilie die Tochter des Onkels war. Sie ist als Kind durch einen mysteriösen Sturz im Treppenhaus ums Leben gekommen. Ihr Tagebuch ist voller
Im Keller der Villa kommt Viktor dem Geheimnis näher
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geheimnisvoller Zeichnungen mit Krokodilen und seltsamen Augen, die das Mädchen ständig zu beobachten scheinen. Viktor ist sofort klar, dass dieses Buch Hinweise auf ihren Tod gibt. Auch der Einbrecher, der eines Nachts erneut zu hören ist, muss es wohl auf dieses Buch abgesehen haben. Zwischen Angst und Neugier schwankend, folgt Viktor in detektivischer Kleinarbeit den Hinweisen, die er im Tagebuch findet. Dabei muss er durch einen überfluteten dunklen Keller waten und sich mehrfach mit den unliebsamen Nachbarn auseinandersetzen. Als die Spuren ihn auf den Dachboden des Hauses führen, wird er von einem anderen Nachbarn überrascht, der sich höchst seltsam benimmt. Bis es Viktor gelingt, ohne jede Hilfe das Geheimnis um den Tod von Cäcilie zu lüften und den Einbrecher zu überführen, muss er aber noch eine Reihe von weiteren Mutproben bestehen.
Wie ist der Film gemacht?Dieser Kinderkrimi, der es perfekt versteht, Abenteuer und Grusel miteinander zu verbinden, entstand nach dem Jugendbuch von Helmut Ballot. 1976 wurde es schon einmal verfilmt, in einer sechsteiligen deutschen Fernsehserie. Viktor wurde damals von dem zehnjährigen Kinderstar Thomas Ohrner gespielt. In der jetzigen Kinoversion hat er einen Gastauftritt als Viktors Vater. In eurer Elterngeneration sorgte der Grusel des Fernsehfilms
Viktor versucht die Hinweise in Cäcilies Buch zu deuten
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mit dem maskierten Mann im Spiegel und den unheimlichen roten Augen in den Zeichnungen von Cäcilie für schlaflose Nächte. Aber zugleich weckte dieser Grusel das dauerhaft in Erinnerung bleibende Gefühl, etwas wirklich Außergewöhnliches erlebt zu haben. Die Neuverfilmung ist ebenfalls sehr spannend und so erzählt, dass man sich wirklich gruseln kann. Dieser Grusel wird aber immer wieder durch lustige und entspannende Momente aufgehoben.
Es war nicht einfach, einen Jungen zu finden, der die Rolle von Viktor übernehmen konnte. Denn zu dieser Rolle gehört es, zugleich Angst und kriminalistisches Gespür glaubwürdig zu vermitteln. Als man Kristo Ferkic schließlich fand, hatten die Filmemacher besonderes Glück. Denn seine
Viktor ist mit seinen beiden Schwestern in der Villa des Onkels
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beiden älteren Schwestern waren ebenfalls schon filmerfahren und somit eine Idealbesetzung für den Film. Das ist deutlich am Umgang der (echten) Geschwister miteinander zu spüren. Es war auch nicht einfach, eine alte Villa zu finden, die geheimnisvoll und bedrohlich wirkte. Man fand die Villa schließlich in Bad Homburg bei Frankfurt, selbstverständlich ohne die Ausstattung, die im Film Staunen und Gruseln erzeugt. Da die Geschichte ganz aus der Sichtweise Viktors erzählt wird, verschwimmen manchmal die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Aber die jungen Krokodile beziehungsweise Kaimane im Film waren wirklich echt.
Was ist das Besondere an diesem Film?In vielen Kinderkrimis wirken die Erwachsenen tollpatschig und unbeholfen, damit niemand sich wirklich vor ihnen fürchten muss. Wenn sich dann die Kinder gegen dumme Erwachsene behaupten müssen, ist dies wirklich ein Kinderspiel. In diesem Film aber, den Thomas Ohrner als „Hitchcock für
Im Herrenzimmer entdeckt Viktor ein Bild von Cäcilie an der Wand
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Kinder“ (Alfred Hitchcock war ein bekannter,
britischer Regisseur, der sehr spannende Filme gemacht hat) bezeichnet, sind die Erwachsenen echte Gegenspieler des Jungen. Ihr Verhalten ist, wenn auch nicht auf Dauer, undurchsichtig und unberechenbar. Die Vorgänge in der unheimlichen Villa mit den Krokodilen sind manchmal zum Gruseln. Indem Viktor diesen Grusel aushält, lernt er auch mit seinen Ängsten besser umzugehen. Aus dem verschlossenen, in sich gekehrten Außenseiter wird schließlich ein mutiger Junge, der offen auf andere zugehen kann.
Thomas Werner