Es war einmal vor einiger nicht allzu fernen Zeit, dass ein Mädchen mit seinen Eltern auf einem einsam gelegenen Gehöft irgendwo inmitten der Natur lebte. Eines Morgens begegnet das Mädchen einem jagenden Fuchs, dem es fasziniert folgt. Auch in den nächsten Tagen nutzt
Im tiefen Schnee versucht der Fuchs, der Raubkatze zu entfliehen
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es jede Gelegenheit, das scheue Tier zu beobachten. Am liebsten würde es mit ihm durch die Wälder streifen, doch der Fuchs bleibt zunächst unnahbar und es vergeht ein ganzer Winter, in dem das Mädchen hofft und bangt, der Fuchs werde genug zu fressen finden und nicht zur Beute anderer wilder Tiere werden. Im Frühjahr nimmt sie die Spur des Fuchses wieder auf und mit einigen Tricks und viel Geduld gelingt es ihr tatsächlich, langsam das Vertrauen der Füchsin zu gewinnen, denn das Mädchen hat inzwischen erfreut festgestellt, dass es im Fuchsbau Nachwuchs gegeben hat. Es dauert weitere Monate, bis der Fuchs so zutraulich geworden ist, dass er nicht nur die Gegenwart des Mädchens duldet, sondern sogar gemeinsame Streifzüge durch die wilde und geheimnisvolle Natur unternimmt. Eines Tages jedoch stößt auch diese Freundschaft an ihre schmerzvollen Grenzen.
Wie ist der Film gemacht?Die sich behutsam anbahnende Freundschaft zwischen dem Fuchs und dem Mädchen ist in beinahe dokumentarisch wirkenden wunderschönen Landschafts-
und Tieraufnahmen erzählt und mit dem zurückhaltenden Kommentar einer Frau unterlegt. Erst gegen Ende des Films hin erschließt sich den Zuschauern, das jenes Mädchen als junge Erwachsene diese Geschichte ihrem Sohn schildert.
Glücklich beobachtet das Mädchen den Fuchs
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Der Film ist weitgehend aus der Perspektive des Mädchens erzählt, das sich anschaulich vorstellt, wie es dem Fuchs allein im tiefen Winter ergehen mag und welchen Gefahren er ausgesetzt sein könnte. Erst spät, wenn der Fuchs sein natürliches Misstrauen überwunden hat und das Mädchen näher an sich heran lässt, wirken einige Szenen auch wie aus der Perspektive des Fuchses selbst gedreht. Eine weitere Perspektive, etwa die der Eltern oder Szenen aus dem normalen Lebensalltag des Mädchens, das wie alle Kinder die Schule besucht, gibt es nicht. Das hätte die bezaubernde und märchenhafte Atmosphäre des Films zerstört, in dem allein die Beziehung zwischen dem Fuchs und dem Mädchen inmitten einer ursprünglichen Natur zählt, alles andere wird allenfalls vage angedeutet. Zur Hervorhebung dieser auf Beschaulichkeit setzenden Entzeitlichung im Wechsel der Jahreszeiten sieht das Mädchen immer gleich aus, das Kind trägt tagein, tagaus dieselbe Kleidung und die rotblonden Haare sind immer in derselben Frisur gesteckt. Das unterstreicht zugleich die Wesensverwandtschaft der beiden. So wie das Mädchen exemplarisch für die vielen Kinder steht, die Tiere mögen und die Natur erforschen möchten, steht auch der Fuchs – eigentlich gibt es mehrere Tiere in der gleichen Hauptrolle – stellvertretend für seine Gattung und nicht als Individuum.
Der Fuchs und das Mädchen genießen den Blick ins Tal hinab
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Auf der europaweiten Suche nach naturbelassenen Landschaften, in denen die Fauna und Flora noch so unverfälscht erhalten blieb, wie vor Jahrhunderten auch bei uns, wurde der Regisseur Luc Jacquet in
Frankreich im Département Ain fündig, in seiner Heimat, die er als Kind intensiv durchstreift hatte, sowie in den
italienischen Abruzzen, wo es tatsächlich noch Bären und Wölfe gibt, die auch in diesem Film auftauchen. Ein großer Teil der dokumentarischen Naturaufnahmen entstand in den Abruzzen, wo ein kleines Filmteam erst einmal ein halbes Jahr lang Füchse in freier Wildbahn beobachtete und versuchte, zu den Tieren eine Beziehung aufzubauen. Im weiteren Verlauf der umfangreichen Dreharbeiten arbeitete das Team sowohl mit wilden als auch mit trainierten Tieren, die der Regisseur achtungsvoll als "Schauspielerfüchse" bezeichnet. Die elfjährige Hauptdarstellerin Bertille, ein in der Stadt aufgewachsenes Mädchen, das sich tatsächlich mit einem zahmen älteren Fuchs angefreundet hat, ist in diesem Film in ihrer zweiten Rolle zu sehen. Sie macht den Film erst zu dem, was dem Regisseur als Idee über eine märchenhafte Beziehung zwischen Mensch und wildem Tier vorschwebte und verleiht der Geschichte Glaubwürdigkeit.
Der Fuchs und das Mädchen auf gemeinsamem Streifzug durch die Natur
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Vielleicht eher zufällig aufgrund der Naturverbundenheit und dem wie selbstverständlich wirkenden Mut des Mädchens oder doch bewusst inszeniert: Einige Szenen des Films, etwa wenn das Mädchen über einen Abgrund springt oder unfreiwillig die Nacht im Walde verbringt und im schemenhaften Schattenreich die Augen von geheimnisvollen Tieren aufleuchten, erinnern stark an "Ronja Räubertochter", einen Klassiker des Kinderfilms.
Was ist das Besondere an diesem Film?Genau genommen ist an diesem Film alles besonders, die Grundidee, das Thema und die Umsetzung. Es ist in heutigen Zeiten allein schon eine Kunst – und ein geglücktes Wagnis, einen Film zu drehen, der sich visuell ganz darauf konzentriert, bewegungslos zu bleiben, sich zu vergessen, einfach nur zu betrachten, was vor sich geht. Luc Jacquet formuliert das folgendermaßen:
Der Fuchs in Großaufnahme
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"Das Prinzip des Films ist es, die Natur so zu zeigen, wie sie sich zeigt, wenn man nicht da ist, um sie zu beobachten." Es gelingt ihm und seinem Drehteam tatsächlich, eine "natürliche" Welt filmisch zu präsentieren, zu der normalerweise niemand Zugang hat, die sich verändert, sobald der Mensch einen Zugang versucht. Kein Wunder also, dass er seinen Film deshalb als Märchen und zugleich als "Geschichte von kleinen Glücksmomenten" betrachtet. "Der Fuchs und das Mädchen" lässt sich insofern auch kaum mit seinem international erfolgreichen Vorgängerfilm "Die Reise der Pinguine" gleichsetzen, der in einer fernen Welt spielt, die nicht zugleich diejenige des Menschen ist. In diesem Film geht es um weit mehr als um das Thema der Freundschaft zwischen Fuchs und Mädchen. Es geht um Respekt gegenüber den Tieren, um die richtige Wahrnehmung der Natur und die Achtung vor ihr, schließlich auch um die "Natur" des Menschen, der versucht, das "Wilde" zu zähmen und es sich in "besitzergreifender Zuneigung" dem eigenen Willen zu unterwerfen – manchmal mit tödlicher Konsequenz.
Thomas Werner