Die Welt des fetten, faulen Katers Garfield ist rundum in Ordnung: Er hat einen eigenen Fernsehsessel, zappt sich tagsüber durch seine Lieblingsprogramme und erhält von Herrchen Jon, einem schüchternen Single, die beste Fürsorge, die man sich nur denken kann.
Garfield verzieht das Gesicht, er ist eifersüchtig auf Odie
20th Century Fox
Mitunter luchst Garfield ihm sogar etwas von seiner Lieblingsspeise Lasagne ab. Die unbeschwerten Tage gehen abrupt zu Ende, als Jon der hübschen Tierärtin Liz zuliebe, in die er schon seit der gemeinsamen Schulzeit verknallt ist, den Hundewelpen Odie bei sich aufnimmt. Odie wird von den Menschen sofort überall ins Herz geschlossen, er darf sogar zu Jon ins Bett und allein mit Liz und Jon auf einen Ausflug. Als Garfield neidisch
rebelliert, setzt Jon ihn kurzerhand vor die Tür.
Solidarisch kriecht Odie durch die Katzentür zu ihm auf die Fußmatte, doch ungerührt nutzt Garfield den Augenblick, um seinerseits zurück ins Haus zu gelangen und Odie auszusperren. Dieser verirrt sich in der fremden Umgebung und wird von einer älteren Dame aufgenommen. Happy Chapman, der erfolglose Moderator einer Katzensendung, der zuvor schon bei einer Hundeausstellung Odies Tanzkünste bewunderte, wird auf die Suchplakate der Dame aufmerksam. Er wittert seine Chance, mit Odie eine bessere Show aufzuziehen und gibt sich als der rechtmäßige Besitzer des zugelaufenen Hundes aus. Als Garfield im Fernsehen sieht, wie Odie auf Befehl blöde Kunststückchen ausführen muss, verlässt er schuldbewusst erstmals seine vertraute Umgebung, um in der Stadt Odie aus den Fängen des bösen Mr. Chapman zu befreien – und gerät dabei selbst in große Gefahr, als er als vermeintlich streunender Kater einem Katzenfänger ins Netz geht.
Wie ist der Film gemacht?
Garfield bringt Odie einen flotten Tanz bei
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25 Jahre lang wurden Garfields flotte Sprüche der von Jim Davis gezeichneten Comics täglich von 260 Mio. Lesern in 2600
Zeitungen gelesen. Das heißt auch, viele Menschen sind mit Garfield aufgewachsen. Erst die fortgeschrittene Computertechnik ermöglichte es, Garfield als Realfilm und nicht als Zeichentrickversion auf die Leinwand zu bringen. Bis auf Garfield selbst, der in Anlehnung an seine Herkunft als Comicfigur mit einfachen Kulleraugen und orangefarbenem Fell komplett im Computer erzeugt worden ist, sind neben den Menschen auch alle Tiere – die anderen Katzen, 35 Hunde, etliche Ratten und Mäuse – echt. Lediglich die Mundbewegungen dieser Tiere beim Sprechen wurden später ebenfalls im Computer nachbearbeitet. Damit alles bis ins kleinste Detail möglichst echt wirkt und man wirklich denkt, dieser Kater würde in der realen Umgebung agieren, mussten die einzelnen Szenen von den Schauspielern genau einstudiert und mehrfach gedreht werden, zunächst mit einem Stofftier an Garfields Stelle, dann ohne ihn, schließlich noch einmal mit reflektierenden und neutralen Pappkartons, um später an der betreffenden Stelle auch den richtigen Lichteinfall und Reflexe auf Garfields Fell im Computer nachgestalten zu können. Garfield wendet sich in der Rolle des Icherzählers sogar mehrmals direkt an das Publikum. Auch die anderen Tiere können sprechen bis auf Odie. Das wirkt zunächst etwas befremdlich, verdeutlicht aber,
Odie holt Herrchen die Zeitung
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dass Odie als Hundewelpe wie ein menschliches Baby einfach nur süß und unschuldig, noch ohne jegliche Lebenserfahrung und Sprache ist. Sein tollpatschiges und naives Verhalten sorgt für reichlich unbeschwerte Situationskomik. Es steht im Kontrast zu den abgeklärten, coolen, sehr reflektierten Sprüchen von Garfield, deren hintersinnige Wortspielereien manchmal auch erst von etwas älteren Kindern verstanden und goutiert werden können. Wortgefechte zwischen Garfield und Odie würden die ganze Atmosphäre des Films und die dramaturgische Anlage der in sich abgeschlossenen Handlung zerstören. Im englischen Original hat der international bekannte Komiker Bill Murray Garfield seine Stimme geliehen, in
Deutschland der Entertainer Thomas Gottschalk. Dieser wird Garfields vielschichtigem Temperament nicht immer voll gerecht, bringt aber dessen coole Sprüche gut rüber. Regie führte der
Brite Pete Hewitt, der schon mit "Ein Fall für die Borger" (1997) und "Donnerhosen" (2001) sein komödiantisches Gespür und sein Talent für lustige wie spannende Familienunterhaltung bewiesen hat.
Was ist das Besondere an diesem Film?
Garfield "erduldet" Odies Liebkosungen
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Für alle Katzenliebhaber ist dieser Film ein unbeschwertes Kinoerlebnis, denn er trifft die typischen Verhaltensweisen von Katzen sehr gut und bietet hohen Wiedererkennungseffekt. Auch Hundeliebhaber dürften auf ihre Kosten kommen, zumal die Hunde hier den Katzen zahlenmäßig sogar weit überlegen sind. Erwachsene werden in der Figur von Garfield ihre kleinen "Fehler", etwa Müdigkeit und Faulheit, Antriebslosigkeit, üppiges Essen und das Abhängen vor dem Fernseher wie in einem Spiegel sehen,
Jon und Liz in zärtlicher Umarmung vor dem Fernseher
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Kinder sich vor allem mit seiner Coolness und seiner natürlichen Abneigung gegen selbst ernannte Autoritäten identifizieren. Das Grundthema der geschwisterlichen Rivalität ist überall auf der Welt verständlich und bereits von den Jüngsten gut nachvollziehbar. Der Film zeigt auch, dass Rivalitäten und Feindschaften nicht schicksalhaft sein müssen, sondern sich positiv ändern lassen. Garfield lernt, Rücksicht auf Schwächere zu nehmen und rettet am Ende seinen neuen Freund, der längst untrennbar zur "
Familie" gehört. Selbst das Jagen von Mäusen erscheint im Analogieschluss auf menschliches Verhalten nicht naturgegeben, sondern entspricht von außen herangetragenen Erwartungshaltungen. Solidarisch verbünden sich daher alle Tiere, um effektiv gegen das Böse in Gestalt des egoistischen Tierquälers Happy Chapman vorgehen zu können. Und wenn Garfield seine Bequemlichkeit überwindet, weil es ein Ziel gibt, für das sich wirklich zu "kämpfen" lohnt, aus dem faulen Kater ein mutiger Held wird, der in der Fremde lernt, auf eigenen Beinen zu stehen, so ist das eine
Botschaft, die Jung und Alt sicher ebenso so gut mundet, wie Garfield seine geliebte Lasagne.
Thomas Werner