Der Bauer Ferdinand lebt mit seiner afrikanischen Frau Juliette und seinem Adoptivsohn Tom auf einem hoch gelegenen Bauernhof. Ihre nächsten Nachbarn – die
Familie Lamotte – haben einen kleinen Zoo. Es gibt dort viele Tiere, zum Beispiel Löwen, Giraffen, Tiger und Elefanten -
aber kein Krokodil. Deshalb machen sich Lilis Eltern auf eine große Reise, um ein Krokodil zu holen. Sie geben Lili bei Ferdinand und seiner Frau ab, die gerne auf Lili und die Tiere aufpassen.
Als Tom und Lili beim Spielen in die Nähe eines Tümpels kommen, fangen die Frösche dort plötzlich zu reden an. Sie warnen die Kinder, dass es bald 40 Tage und Nächte
Lili und Tom lauschen der Prophezeiung des Frosches
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regnen und es eine große Sintflut geben werde. Dabei hatte die
Wettervorhersage im Radio doch gerade erst eine Hitzewelle angekündigt. Noch ehe die Kinder recht wissen, wem sie glauben sollen, zieht ein fürchterliches Gewitter auf und bald schon ist alles vom Regen überflutet. Ferdinand kann gerade noch die Tiere in Sicherheit bringen. Am nächsten Morgen finden sich die Kinder mit Ferdinand als Kapitän und Juliette als Schiffsköchin sowie mit allen Tieren wohlbehalten in der Scheune wieder. Diese treibt auf dem Wasser und geht nur deshalb nicht unter, weil sie auf dem Schlauch eines Traktorreifens schwimmt. Tom hatte nämlich am Tag zuvor ein Loch im Schlauch geflickt und den Schlauch dann fast bis zum Bersten aufgeblasen.
Vorerst sind nun alle gerettet. Weil in der Scheune die Kartoffelernte lagerte, haben auch alle etwas zu essen. Aber es ist eng in der Scheune und so kommt es bald zum Streit. Besonders unzufrieden sind die fleischfressenden Tiere, die hinter vorgehaltener Pfote flüstern, dass die Hühner und Schweine eine willkommene Abwechslung im Speiseplan wären. Ferdinand kann den Streit gerade noch rechtzeitig schlichten. Aber dann säht eine aus dem Wasser gefischte verletzte Schildkröte erneut Zwietracht unter den Tieren und es kommt zu einer Meuterei. Ferdinand und Juliette gehen über Bord und die beiden Kinder sind zunächst ganz auf sich alleine gestellt. Doch voller Selbstvertrauen meistern sie gemeinsam die schwierige Situation.
Wie ist der Film gemacht?Insgesamt sechs Jahre hat der ehemalige
französische Schulpädagoge und erfahrene Animationsfilmer Jacques-
Rémy Girerd mit zeitweilig über 200 Mitarbeitern an diesem beeindruckenden Animationsfilm gearbeitet. Mehr als eine Million Zeichnungen wurden nach konventioneller Tricktechnik angefertigt.
Die Stimmung trügt: ein flotter Tanz von Hund und Kuh auf dem Schiffsparkett
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Mit seiner einfachen, chronologisch erzählten Geschichte und der auf das Wesentliche konzentrierten Struktur der Zeichnungen und Figuren, die von großer Menschlichkeit geprägt sind, spricht der Film die Kinder unmittelbar an. Und die Kinder sind auch genau die Zielgruppe des Films. Allerdings verlangt der Film gerade jüngeren Kindern auch einiges ab, weil die durch die Sintflut hervorgerufene und sich ständig zuspitzende Lage über das Breitwandformat noch verstärkt wird. Die bedrückende Stimmung hält über einen längeren Zeitraum an und wird nicht – wie etwa bei Disneyproduktionen üblich – gleich von heiteren Momenten unterbrochen. Die Ängste von Tom und Lili sind sehr real und werden
Tom, Juliette, Lili und Ferdinand winken Lilis Eltern zum Abschied
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noch intensiviert, als Lili befürchten muss, ihre Eltern seien in den Fluten ums Leben gekommen. Sie tauchen später aber wieder wohlbehalten auf. Besonders ängstliche und sehr junge Kinder, denen vielleicht auch das Motiv der biblischen Sintflut noch unbekannt ist, sollten den Film daher besser in Begleitung ihrer Eltern sehen. Der große Zuspruch des Films beim jungen französischen Publikum und bei Kindervorstellungen auf internationalen Festivals hat aber gezeigt, dass den Kindern die durch die Animation abgeschwächte Geschichte durchaus zugemutet werden darf. Kindermärchen wie „Hänsel und Gretel“ sind schließlich auch nicht harmlos. Die Auseinandersetzung mit den vorhandenen Verlustängsten der Kinder kann zudem eine sehr wertvolle Erfahrung bedeuten. Als Kinoerlebnis ist dieser sehr gelungene Film ohnehin empfehlenswert.
Das von Girerd und anderen Pädagogen 1984 gegründete Trickfilmstudio Folimage hat mit zahlreichen kürzeren Filmen bereits mehr als 200 internationale Auszeichnungen gewonnen und sich zum wichtigsten Studio für Animationsfilme in Frankreich entwickelt. Dies ist nun der erste lange Animationsfilm für das Kino seit mehr als zwanzig Jahren, der ausschließlich in Frankreich produziert worden ist.
Was ist das Besondere an diesem Film?Der animierte Märchenfilm handelt von den Grundprinzipien des menschlichen Zusammenlebens, von
Toleranz und davon, wie
Gewalt entstehen und eskalieren kann. Es wird gezeigt, wie wichtig Regeln und Grenzen für das Miteinander sind und wie man lernt, dabei auch seinen eigenen Weg im Leben zu finden. Bereits die Patchwork-
Familie zeugt von Verständnis und Toleranz. Der ehemalige Seefahrer Ferdinand ist zwar eigenwillig, aber auch sehr gütig, seine Beziehung zu der dunkelhäutigen Juliette überwindet Alter und Rassenschranken. Die Erwachsenen gehen so liebevoll mit dem Waisenkind Tom und dem Nachbarskind Lili um, als wären es ihre leiblichen Kinder. Lediglich die Rollenverteilung ist nach reichlich konventionellen Strukturen ausgerichtet.
Mensch und Tier in Reih und Glied nach der Versöhnung
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Die Situation auf der Arche spiegelt unsere
Gesellschaft mit sich widerstreitenden Interessen und häufigen
Konflikten. Der Film macht deutlich, dass man für ein gemeinsames Ziel, insbesondere für das Überleben aller, auch Opfer bringen muss. Und Konflikte mit Gewalt zu lösen, ist der falsche Weg, er führt zum Untergang aller Beteiligten. Selbst die intrigante Schildkröte, die demagogisch die anderen aufstachelt und die kritische Lage für eigene Zwecke nutzt, wird am Ende wieder integriert. Ihr Motiv, sich an den Menschen zu rächen, weil diese Raubbau an der Natur begingen und ihren Artgenossen Jahrhunderte lang nachstellten, wird zwar als falscher Weg bezeichnet. Aber trotzdem werden die Zuschauer dadurch angeregt, über das Verhältnis von Mensch und Natur nachzudenken.
Die Geschichte wird sehr einsichtig erzählt und ist auch für jüngere Kinder nachvollziehbar. Die Bildsprache ist sehr klar.
Thomas Werner