Regie: Vincent Bal, Bilder: Warner Bros. Film GmbH.
Niederlande 2001, 86 Min.
Können Katzen sprechen? In diesem Film können sie sogar die Sprache der Menschen verstehen und sich auch in Menschen verwandeln. Der armen Minusch passiert das, als sie beinahe von einem Lieferwagen überfahren wird und eine Flüssigkeit aufleckt, die aus einer heruntergefallenen Tonne sickert. Das ungewohnte Menschsein macht ihr keinen Spaß. Dann jagt sie auch noch ein bissiger Hund auf einen Baum. Dort findet sie der schüchterne und erfolglose Nachwuchsjournalist Tibbe. Wenn er nicht endlich eine gute Story findet, wird ihm am nächsten Tag gekündigt. Für ein Dach über dem Kopf bietet Minusch ihm an, ihn regelmäßig mit Neuigkeiten aus der Stadt zu versorgen, die sie von den anderen Katzen erhält. Tibbe macht Karriere, aber man munkelt über seine seltsame Assistentin. Die soll sich nachts auf Dächern herumtreiben und manchmal ihre Krallen zeigen.
Durch Zufall erfährt Minusch, dass der mächtige Industrielle Ellemeet, der sich in der Stadt als Wohltäter und Tierfreund ausgibt, den
Bürgermeister besticht. Die
Gemeinde soll einem Erweiterungsbau seiner Parfümfabrik zustimmen. Aus dieser Fabrik stammt auch die Flüssigkeit, die Minusch verwandelte. Jetzt ist schnelles Handeln erforderlich. Wird Minusch Tibbe davon überzeugen können, dass er ohne "menschliche" Beweise Ellemeets dunkle Geschäftspraktiken in der
Zeitung anprangern muss? Unterdessen versuchen Minusch und Bibi, die Tochter von Tibbes Vermietern, zusammen mit den Katzen das wahre Gesicht des Bösewichts zu entlarven. Und dabei machen sie eine schreckliche Entdeckung, bei der es für die Katzen sogar um Leben und Tod geht.
Wie ist der Film gemacht?Der Film wurde gedreht nach dem Kinderbuch der Schriftstellerin Annie M.G. Schmidt, das schon vor mehr als 30 Jahren geschrieben wurde. Die Schriftstellerin gilt als "holländische
Astrid Lindgren". Für Regisseur Vincent Bal ist es der zweite Kinofilm und gleichzeitig sein zweiter erfolgreicher Kinderfilm. Viele dressierte Katzen spielen mit und es macht viel Spaß, die ganz natürlich sprechenden Tiere groß auf der Leinwand zu sehen und zu hören. Alle Katzen haben eine unverwechselbare Persönlichkeit, von "
Einstein" über "Frau Pastor" bis zu "Kratzbürste" und "Tante Mohrchen". Darauf wurde bei der Herstellung des Films viel Sorgfalt verwendet.
Natürlich und selbstverständlich wirken auch die menschlichen Figuren, manchmal fast ein bisschen altmodisch. Der Regisseur hat bewusst auf tricktechnische Spezialeffekte verzichtet, etwa wenn Minusch sich in einen Menschen verwandelt oder katzengleich über die Dächer der Stadt klettert. Denn im Mittelpunkt des Films stehen die Personen, ihre Gefühle und Taten. Spannende und lustige Momente wechseln sich ab und zumindest die Älteren unter euch werden besonders in der Kameraführung auch Anspielungen auf andere Filme und Genres entdecken.
Was ist das Besondere an diesem Film?Wer keine Katzen leiden kann und lieber Jungen und Mädchen als Darsteller sehen möchte, wird dem eigenwilligen Charme dieses modernen Märchens für die ganze
Familie nicht erliegen. Aber Bibi, die achtjährige Nachbarin von Tibbe, wird vielen gefallen: sie ist schlau und mutig, kann mit Technik genauso gut umgehen wie sportlich auf Hausdächer klettern. Sie ist für ihr Alter sehr selbstständig und lässt sich von den Erwachsenen nicht alles gefallen. Auch die Idee, menschliche Probleme einmal aus der Sicht von Katzen zu beleuchten, ist weitgehend gelungen. Dabei kommen auch die "Bedürfnisse" der Katzen nicht zu kurz: Tier-
und
Umweltschutz bilden den Hintergrund für die spannende Geschichte mit Krimielementen. Mensch und Tier verbünden sich, um gemeinsam Probleme zu lösen. Und wo sonst in einem Kinderfilm erfährt man eine Menge über die tägliche Arbeit der freien
Presse und ihre wichtige Funktion in unserer
Gesellschaft?
Holger Twele