Regie: Henrik Ruben Genz, nach dem Kinderbuch von Bjarne Reuter
Nach dem Tod der Mutter lebt der neunjährige Hodder allein bei seinem Vater.
Dieser würde seinem Sohn gerne mehr Zeit schenken, doch als Plakatkleber ist er die ganze Nacht unterwegs und auch am Tag hat er nicht viel Zeit. Da Hodder von seinen Schulkameraden für einen Spinner gehalten und regelmäßig zum Sündenbock gemacht wird, zieht sich der Junge immer mehr in eine Fantasiewelt zurück. Eines Nachts erscheint eine Fee in seinem Zimmer und verkündet ihm, er sei ausgewählt, die Welt zu retten. Hodder fühlt sich mit dieser gewaltigen Bürde komplett überfordert. Auf den Ratschlag der Bäckerin hin will er ganz klein anfangen – am besten mit einer weit entfernten Insel vor der afrikanischen Küste. Für seine Rettungsexpedition versucht er Alex, den schlausten Jungen in seiner Klasse, und Filip, den Stärksten, anzuwerben. Von beiden erntet er aber nur Spott und Hohn. Als Hodder schon aufgeben will, erscheint ihm die Fee ein zweites Mal und ermutigt ihn, seine
Mission fortzuführen. Seine erste Verbündete dabei wird eine junge Frau aus der Nachbarschaft, die wie Hodders Vater ausschließlich in der Nacht arbeitet. Und dann entdeckt der Junge, dass Filip nur deshalb so gemein zu ihm ist, weil dieser unter der drohenden Trennung seiner Eltern leidet. Als am nächsten Tag die ganze Klasse über Filips Situation spricht, hält Filip Hodder für einen Petzer und will sich an ihm rächen. Doch dann nimmt alles noch eine unerwartet gute Wendung.
Wie ist der Film gemacht?Regisseur Henrik Ruben Genz setzt in seinem Debütspielfilm die Tradition des
dänischen Kinderfilms fort, die im Einsatz filmsprachlicher Mitteln keinen grundlegenden Unterschied zwischen einem Kinderfilm und einem Film für Erwachsene sieht.
Das bedeutet vor allem: Kinderfilme haben denselben Produktionsetat, es wird nicht an der Ausstattung gespart, Kinder und Erwachsene werden in ihren Problemen und Eigenarten gleichermaßen realistisch gezeichnet und auf die künstlerische Umsetzung wird viel Sorgfalt verwendet. Gerade dieser Film lebt von seiner ruhigen Erzählweise, von zahlreichen Details wie die Begeisterung Hodders für den Parfumduft seiner Lehrerin, von leisen Zwischentönen und psychologischen Anspielungen, die eher über genaues Beobachten und über Gefühle transportiert werden statt über Worte und Verstand. Das heißt aber nicht, der Film würde die konkrete Erfahrungs-
und Erlebniswelt der Kinder ignorieren. Im Gegenteil: Die Kamera nimmt ganz die Perspektive des Jungen ein, visualisiert seine Innenwelt. Nahtlos wechselt der kleine Held noch zwischen der realen Welt der Erwachsenen und seiner Fantasiewelt, genauso wie sich die klaren Grenzen zwischen diesen beiden Welten bei Kindern tatsächlich erst später herausbilden. Obwohl Hodder sehr unter seiner Einsamkeit und der Ablehnung durch seine Mitschüler leidet, dramatisiert der Film nicht mit schockartigen Szenen, sondern nähert sich seinem Thema sehr behutsam und sensibel. Damit ist dem Regisseur die Übertragung der bekannten Kinderbuchvorlage von Bjarne Reuter auf das Medium Film ansprechend gelungen, so dass er auf dem Kinderfilmfestival in Kopenhagen auch mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden ist. Der verhaltene, sehr poetische Erzählstil des Films wirkt schließlich als Gegengewicht zu den schnell geschnittenen, oft atemberaubenden Abenteuern anderer Leinwandhelden, die nicht Hodder, sondern eher Potter heißen.
Was ist das Besondere an diesem Film?Hodder steht stellvertretend für die vielen Kinder und insbesondere die Einzelgänger, denen die Realität (nicht nur die der Erwachsenen) Angst macht und die lernen müssen, diese Angst zu überwinden.
Nicht jedes Kind wird so extreme Erfahrungen von Einsamkeit und Verlassenheit machen wie Hodder, der als Einzelkind unter der Abwesenheit der Eltern und der Ablehnung durch die Gleichaltrigen besonders leidet und dringend einen Freund braucht. Dennoch dürften solche Gefühle keinem Kind fremd sein. Indem Hodder seine Ängste überwindet, seine Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber anderen bewahrt und bereit ist, mutig für etwas zu kämpfen, gewinnt er neue Freunde sowohl unter den Erwachsenen wie in der Schule. Er wird auch zum Vorbild für alle anderen kleinen Helden und Heldinnen auf dieser Welt. Und das ist ganz sicher ein wichtiger Beitrag zur "Rettung der Welt".
Thomas Werner