Wieder einmal kommen die Waisenkinder Andi und ihr jüngerer Bruder Bruce zu neuen Pflegeeltern, die bereit sind, beide Geschwister aufzunehmen. Das sei in ihrem Alter äußerst selten, erklärt ihnen der Sozialarbeiter Bernie,
Sozialarbeiter Bernie versteht sich gut mit Bruce und seiner Schwester
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der sie seit Jahren betreut, sie längst ins Herz geschlossen hat und bisher ihre Trennung vermeiden konnte. Die reichlich unkonventionellen und schrillen Scudders interessieren sich allerdings nur wenig für die Belange der Kinder und träumen lieber von einer Karriere als Rockmusiker. Das lässt den Geschwistern viel Freiraum, doch in einem Punkt gib es kein Pardon: Friday, der so geliebte wie „verfressene“ Hund der beiden, darf nicht mit in die Wohnung. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe für Friday entdecken die Kinder ein leerstehendes altes Hotel in der Stadt, in dem sich bereits der riesige Bullmastiff Lenny häuslich niedergelassen hat. Schnell merken die Geschwister, dass auch andere Hunde dringend ihrer Hilfe bedürfen. Für eine Unterkunft wäre also gesorgt, aber wie sollen diese Hunde ihr tägliches Fressen bekommen,
Andi und Bruce müssen noch lernen, mit mehreren Hunden Gassi zu gehen
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wer geht mit ihnen Gassi und beschäftigt sich mit ihnen, damit sie vor Langeweile nicht durchdrehen? Für Hundefutter ist gesorgt, als Andi einen Jungen kennen lernt, der in einer Tierhandlung arbeitet und sich für sie und für Hunde gleichermaßen interessiert. Andis Bruder Bruce, der mit seinen kreativen Fähigkeiten bisher nur wenig Beachtung fand, wächst über sich selbst hinaus und bastelt mit großem Erfindungsreichtum aus den Hinterlassenschaften des Hotels eine Vorrichtung nach der anderen, von der Wurfmaschine zum Apportieren über einen ausgeklügelten Mechanismus zur automatischen Fütterung bis zum Vergnügungspark – und natürlich gibt es auch eine Lösung für die natürlichen „hündischen Bedürfnisse“. Wartungsfrei sind aber auch diese Maschinen nicht und als Andi und Bruce einmal verhindert sind, ist das Chaos perfekt.
Polizei und Hundefänger schreiten ein und sperren die Hunde ins
Asyl. Um die Tiere, die eingeschläfert werden sollen, zu befreien und ihr Hundehotel zu retten, das ihnen längst zu einem neuen Zuhause geworden ist, riskieren die Geschwister sogar ihre eigene Trennung.
Wie ist der Film gemacht?Regisseur Thor Freudenthal, der in
Berlin geboren und zur Schule gegangen ist und dort sowie in Kalifornien Kunst studierte, bevor er unter anderem an den ersten beiden Teilen von „Stuart Little“ mitarbeitete, nahm sich für sein Spielfilm-
Regiedebüt die Kinderbücher von Lois Duncan zur Vorlage. Seine als modernes
Märchen erzählte Großstadtkomödie wirkt in vielen Teilen typisch
amerikanisch, weicht in der Aufbereitung der Themen und der visuellen Umsetzung des Drehbuchs aber auch deutlich von den gängigen Familienfilmen ab, in denen Kinder und Hunde die Hauptrollen spielen. Normalerweise würde ein Film, in dem so viele Hunde unterschiedlicher Rassen tragende Rollen spielen und sich in vielen witzigen und teilweise
Andi und Bruce wissen nicht, wohin mit ihrem Hund Friday
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absurden Situationen vollkommen realistisch verhalten müssen, viel leichter als computeranimierter Animationsfilm herzustellen sein. Freudenthal verfilmte die Geschichte jedoch als Realfilm, und selbst wenn die Handlung und insbesondere das Happy End insgesamt märchenhaft wirken und nicht an logischen Plausibilitätsgründen gemessen werden dürfen, wirken alle Details, die bildsprachlichen Mittel, der Einsatz von Licht und Farbe zur Erzeugung von Stimmungen und nicht zuletzt die Gefühlswelten der jugendlichen Hauptdarsteller und ihre Reaktionen in sich stimmig. Zu diesem Eindruck trägt ebenfalls bei, dass die Hunde dank eines vorausgegangenen 16-
wöchigen Trainings unter der Leitung des Tiertrainers Mark Forbes im Film tatsächlich das machen, was ihnen vom Drehbuch abverlangt wird. Auf Special Effects wurde verzichtet. Ein Teil der Hunde wurde zuvor tatsächlich von der Straße gerettet und später gut untergebracht. Einfallsreich
Die Polizei bei der Verfolgung der befreiten Hunde
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und im unmittelbaren Wortsinn sehenswert sind auch die Maschinen, die Bruce aus Schrottteilen für die Tiere bastelt. Um den Tieren Abwechslung zu verschaffen, baut er mit alten Autotüren, einem Filmprojektor und einem Ventilator ein Erlebnis-
„Hundekino“, in dem die Tiere ihren Kopf in den Fahrtwind halten können, ganz wie bei einer echten Autofahrt.
Was ist das Besondere an diesem Film?„Das Hundehotel“ ist ein etwas anderer Tierfilm und ein etwas anderer Familienfilm, der spannende Unterhaltung mit einer klaren
Botschaft über den Wert von Freudschaft, Zusammenhalt, Fürsorge und Verantwortung verbindet. Er nimmt die Kinder und die Tiere in ihren Bedürfnissen ernst und entlässt sein Publikum mit einem Lächeln und einem optimistisch stimmenden Gefühl. Jeder der Hunde weist eine ausgeprägte Persönlichkeit auf, hat deutliche „Macken“, die zu dramatischen Situationen führen, aber auch zur Situationskomik beitragen und als Running Gags dienen. Dennoch werden die Hunde in keiner Weise vermenschlicht, sie sind und bleiben Tiere, die der Fürsorge, der Zuwendung und der kontinuierlichen Pflege der Menschen bedürfen. In diese Aufgabe wachsen Andi, die sich zugleich rührend um ihren Bruder kümmert, und Bruce mit
Automatische Essensausgabe am Tisch für die Hunde
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Hilfe der neu gewonnenen Freunde langsam hinein. Sie übernehmen mit allen Konsequenzen die Verantwortung für die Tiere. Dies fördert ihr Selbstbewusstsein und ihre Stärke und sie gewinnen eine Art Groß
familie mit trautem Heim. Man könnte lediglich einwenden, ihre jetzigen Pflegeeltern in ihrer Talentlosigkeit als verhinderte Rockstars seien zu sehr eine Karikatur ihrer selbst. Dramaturgisch erklären sie allerdings, warum die Geschwister überhaupt so viel Spielraum für ihre Aktivitäten erhalten und warum sie sich so nach einer „echten“ Familie sehnen, in der alle einen Platz zum Wohlfühlen haben.
Thomas Werner