Der siebenjährige Lepel kann sich nur noch schwach an seine Eltern erinnern, die wenige Monate nach seiner Geburt zu einer Weltreise mit einem
Heißluftballon aufgebrochen sind. Täglich hofft Lepel auf ihre Rückkehr und darauf, dass sie ihn von der ungeliebten Großmutter Koppenol erlösen. Diese lässt ihn im Haushalt für sich arbeiten und zwingt ihn sogar, im Kaufhaus Knöpfe von den Kleidern abzuschneiden, die sie anschließend in ihrem Knopfladen
Lepel und Pleun verstecken sich im Kaufhaus
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teuer verkauft. Bei einer dieser Diebestouren rennt Lepel weg, versteckt sich in der Bekleidungsabteilung und wird dort über Nacht eingeschlossen. Aber er ist nicht allein. Die elfjährige Pleun ist ihren Eltern davongelaufen und hat sich im Warenhaus häuslich eingerichtet und dabei Unterstützung von Max erhalten. Er ist dort der erfolgreichste Verkäufer und heimlich in seine Chefin Broer verliebt. Pleun und Max helfen Lepel, den Nachstellungen von Koppenol zu entkommen. Sie will den Jungen um jeden Preis zurückhaben und hat in Lepels Mathematiklehrer Bijts unverhofft einen Verbündeten gefunden.
Als Max entdeckt, dass Koppenol gar nicht Lepels leibliche Großmutter ist und seine Eltern vor langer Zeit gestorben sind, ist der Junge sehr traurig. So verspricht ihm Max, er werde eine neue Mutter für ihn finden. Es melden sich tatsächlich viele Frauen, die den Jungen aufnehmen würden. Doch keine erscheint Max gut genug für Lepel, den er längst in sein Herz geschlossen hat.
Lepel wehrt sich vor dem Zugriff seiner "falschen" Großmutter Koppenol
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Pleun wiederum hält die Kaufhauschefin Broer für die Richtige und versucht mit Lepel, ein Treffen zwischen ihr und Max zu arrangieren. Der Plan geht schief, denn Broer meint, sie sei als Mutter ungeeignet, und träumt lieber von einer Afrika-
Rallye, die sie fahren möchte. Am Ende wird Lepels Traum von einer neuen
Familie doch noch in Erfüllung gehen.
Wie ist der Film gemacht?Die Gefühle der Kinder und die Charaktere sind stimmig und realitätsnah angelegt und ermöglichen bereits jüngeren Zuschauern eine unmittelbare Identifikation und direkte Vergleiche mit ihrer Alltagsrealität. Die eher unrealistischen und überzogenen Elemente der Handlung, etwa dass die böse Koppenol ein fremdes Kind stehlen und sogar einschulen konnte oder Max sich eigentlich strafbar macht, wenn er die Kinder im Kaufhaus versteckt, sorgen lediglich für einen dramaturgischen Spannungsbogen, stellen aber die authentische Gefühlsqualität der Handlungsträger in keiner Weise in Frage. Der zweite Kinofilm des holländischen Regisseurs Willem van de Sande Bakhuyzen (er ist in seinem Heimatland vor allem durch populäre TV-
Serien bekannt geworden),
Pleun und Lepel vor einem Heißluftballon
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auf HD-
Cam gefilmt und erst nach der Endbearbeitung auf konventionelles Filmmaterial ausbelichtet, wurde in Gera, Weimar und Leipzig gedreht. Obwohl der knallige Trabbi (Trabant) des Mathematiklehrers ebenfalls an vergangene
DDR-
Zeiten erinnert und sich als Gag wie ein roter Faden durch den Film zieht, erzählt "Lepel" eine universelle Geschichte. Sie könnte überall dort spielen, wo Kinder von Erwachsenen vernachlässigt oder gar ausgebeutet werden.
Kamera und Montage unterstützen die emotionale Perspektive der Kinder. Lepels bruchstückhafte Erinnerungen an seine Eltern werden in kurzen Rückblenden vermittelt, die sich auch optisch deutlich vom realistischeren Erzählstil der Gegenwart abheben. Pleuns ausgelassene Geburtstagsfeier im nächtlichen Kaufhaus ist als fantasievolle Sequenzmontage in kurzen von Musik untermalten Szenen verdichtet. Und wenn es besonders spannend wird, wie bei der Enttarnung Koppenols als Kaufhausdiebin oder bei Broers Sprung mit ihrem Geländewagen über einen tiefen Graben, ist dies in Zeitlupe zu sehen.
Für regelmäßige Kinogänger und aufmerksame Leser der Hanisauland-
Filmtipps sind einige der Hauptdarsteller übrigens keine Unbekannten mehr. Die junge Darstellerin der Pleun spielte zuvor die Hauptrolle in "Weiter als der Mond" und die Darstellerin von Broer sowie der Darsteller des Lehrer wirkten bereits in "Die geheimnisvolle Minusch" mit.
Was ist das Besondere an diesem Film?Auf dem "Deutschen Kinder-
Film&Fernseh-
Festival GOLDENER SPATZ 2005" erhielt der Film einen Preis für das beste Drehbuch, der an die Autorin Mieke de Jong ging.
Lepel an der Tafel verblüfft den Mathelehrer mit seinen Rechenkünsten
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Die Jury begründete ihr Entscheidung mit dem Hinweis, der fantastische Realismus des Films sei besonders geeignet, Zugänge zu aktuellen Problembereichen von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, gerade weil er die soziale Realität als Ausgangspunkt nehme, die vom Zerfall der Familien und der Suche nach Geborgenheit bestimmt sei. Vor diesem allgemeinen Hintergrund reflektiert der Film drei weitere Themen: selbstsüchtige Erwachsene, typische Rollenklischees sowie Freundschaft und Liebe.
Statt für das Wohl ihrer Schutzbefohlenen zu sorgen, vernachlässigen viele Erwachsene die Kinder. Im Film betrachtet Koppenol den Jungen nicht als eigene Persönlichkeit, sondern als Besitz und funktionalisiert ihn als billige Haushaltshilfe. Die potenziellen Mütter sehen den Jungen ebenfalls nur als Projektionsfläche ihrer eigenen Wünsche und Bedürfnisse, dem Lehrer geht es bei Lepels Begabung nur um persönliche Eitelkeit und Geltungssucht und Pleun hat ihre Eltern verlassen, weil sie nur beschimpft und bestraft wurde. Zugleich macht der Film gängige Rollenklischees durchschaubar und spielt mit alternativen Handlungskonzepten. Max, der sich dem Jungen als "Ersatzmutter" anbietet, hilft
Verkäufer Max, ein potenzieller Vater für Lepel?
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den Kindern spontan und ohne Eigennutz. Er versteht ihre Sorgen, zeigt Empathie und andere "weibliche" Charaktereigenschaften, ist kein typischer Frauenheld. Selbst der in Liebesdingen noch unerfahrene Lepel kann ihm bereits gute Ratschläge erteilen. Auf der anderen Seite sieht sich Broer nicht als Mutter, ist zunächst an ihrer beruflichen Karriere interessiert, steht auf PS-
starke Geländewagen und Rallyes. Von den in ihnen angelegten alternativen Rollenmustern profitieren auch die Kinder.
Zwischen den Kindern entwickelt sich eine Freundschaft, die von Verantwortung für den anderen getragen wird. Auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind, helfen sie einander.
Kaufhauschefin Broer, vielleicht eine Mutter für Lepel?
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Und am Ende wird ihre Hoffnung auf eine bessere Familie erfüllt, nachdem die neuen "Eltern" gelernt haben,
Kompromisse einzugehen, ohne dabei die eigenen Träume aufgeben zu müssen.
Thomas Werner