USA 2009, 96 Minuten (bzw. 102 Minuten mit dem Kurzfilm "Teilweise wolkig")
Schon als kleines Kind träumt Carl Fredricksen von großen Abenteuern. In der frechen Ellie findet er eine Gleichgesinnte. Später heiraten die beiden, leben glücklich miteinander und träumen weiter von einer Abenteuerreise nach Südamerika. Ihr Traum geht jedoch nicht in Erfüllung, denn Ellie stirbt.
Russel nervt Carl mit seiner Trompete
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Carl zieht sich nach ihrem Tod von der Außenwelt zurück. Zudem drängen ihn Bauunternehmer, endlich sein altes Holzhaus zu verkaufen. Als er zu einem Bauarbeiter rabiat wird, soll er in ein Altersheim eingewiesen werden. Carl möchte das auf gar keinen Fall. So kommt der alte Ballonverkäufer auf die Idee, Tausende von Luftballons an sein Haus zu binden und sich doch noch seinen Lebenstraum zu erfüllen. Das Unterfangen glückt und Carl entschwebt mitsamt Haus nach Südamerika. Da klopft es plötzlich an seine Tür. Davor steht zitternd der achtjährige Russel. Den ehrgeizigen kleinen Pfadfinder konnte Carl kurz zuvor noch abwimmeln. Russel hat sich daraufhin unter der Veranda versteckt, denn er braucht den Senior unbedingt für eine gute Tat. Nur so bekommt der Junge das Abzeichen, das ihn in einen höheren Pfadfinderrang versetzt. Der kleinen "Nervensäge" und dem grantigen Alten bleibt nichts anderes übrig, als sich aufeinander einzulassen.
Nach einiger Zeit gelangen sie mit dem Haus tatsächlich nach Südamerika und landen auf einem gewaltigen Felsplateau in Sichtweite eines riesigen Wasserfalls. Dorthin hat es Carl und Ellie in ihren Träumen immer gezogen. Das letzte Stück müssen der gehbehinderte Carl und der tollpatschige Junge mit dem Haus im Schlepptau zu Fuß schaffen.
Russel auf der Veranda, hoch über den Wolken
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Es wird eine harte Gedulds-
und Belastungsprobe für die beiden. Russel nervt den Alten zusätzlich, weil er sich mit einem bunt schillernden riesigen Paradiesvogel anfreundet. Zu allem Überfluss gesellt sich noch der treuherzige Golden Retriever namens Dug zu den Abenteurern. Seine Gedanken sind mit Hilfe eines High-
Tech-
Halsbands zu hören. Dug gehört zu einer gefährlichen Hundemeute, die im Auftrag ihres Herrchens den berühmten Paradiesvogel ausfindig machen soll. Es ist derselbe, mit dem Russel gerade Freundschaft geschlossen hat. Bei dem Hundebesitzer handelt es sich zu Carls Überraschung um Charles Muntz, einen mittlerweile steinalten Forscher. Er war einst Carls großes Vorbild. Muntz kam mit seinem Luftschiff vor vielen Jahrzehnten in die Gegend, um der Welt die Existenz dieses seltenen Vogels zu beweisen. Für den Beweis ist ihm jedes Mittel recht. Carl und Russel befinden sich daher in großer Gefahr, die sie nur gemeinsam abwehren können.
Wie ist der Film gemacht?"Oben" wurde in den Pixar-
Studios hergestellt, die auch international so erfolgreiche Filme wie "Toy Story", "Findet Nemo", "Die Monster AG" oder "Wall-
E" produziert haben. Er ist der zehnte, ganz im Computer entstandene Film der Studios, ein sogenannter CGI-
Animationsfilm (Computer-
Generated Imagery, so der englische Fachausdruck) und er ist der erste, der auch in dreidimensionaler Qualität zu sehen ist, also ein räumliches Sehen wie im wirklichen Leben ermöglicht.
Mit seinem Fernglas sucht Russel Orientierung in der Wildnis
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Wie alle Pixar-
Filme bietet auch "Oben" wieder inhaltlich und filmtechnisch Neues. Beispielsweise stand in einem solchen Animationsfilm noch nie zuvor eine 78-
jährige Person im Mittelpunkt. Und die aus verschiedenen Blickwinkeln gefilmten Szenen mit dem Holzhaus, das an etwa 20.000 Ballons hängt, erforderte besonders umfangreiche Programmierungsarbeiten am Computer. Ein Techniker der Produktion hat übrigens ausgerechnet, dass in der Realität mindestens 26,5 Millionen solcher Ballons erforderlich wären, damit ein Holzhaus dieser Größe tatsächlich in die Luft steigen könnte. Aber wir befinden uns natürlich in einem Märchen. Da sind noch ganz andere Dinge möglich wie die rasche Genesung von Carl. In der Stadt ist er völlig auf seine Gehhilfe angewiesen, in der Wildnis wandelt er sich zu einem wahren Hochleistungssportler. Alle Figuren sind als Karikaturen angelegt, also überzeichnet und auf wenige charakteristische Merkmale beschränkt. Besonders deutlich ist das an Russels rundem Gesicht und an Carls übergroßem viereckigem Kopf zu erkennen. Dennoch wirken die Figuren in ihren Gefühlen glaubwürdig.
Russel und Carl mit dem Holzhaus im Schlepptau
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Auch das ist eine große Leistung der Filmemacher. Denn solche Gefühlsäußerungen werden allein durch die verwendete Software und nicht durch wirkliche Menschen dargestellt. Die Landschaft in Südamerika sieht im Film geradezu fantastisch aus. Sie ist aber nicht frei erfunden. Solche hohen Tafelberge, auf denen Carl und Russel landen, gibt es wirklich in Südamerika, und in Venezuela existiert auch der mit 1000 Metern höchste Wasserfall der Erde.
Was ist das Besondere an diesem Film?Oft haben Großeltern für ihre Enkel mehr Zeit als die Eltern, vor allem wenn diese berufstätig sind. Russel beispielsweise sieht seinen Vater sehr selten und ist noch nie mit ihm zelten gewesen. Der Film erzählt von der gelungenen Begegnung zwischen alten und ganz jungen Menschen. Bevor es allerdings zu einer echten Freundschaft zwischen Alt und Jung kommt, müssen Carl und Russel noch viel voneinander lernen und ihre gegenseitigen Schwächen annehmen. Russel bringt mit seiner Neugier und Unbefangenheit Carl wieder ins farbige Leben zurück, von dem er sich nach dem Tod seiner Frau bereits verabschiedet hat. Durch den Jungen erkennt Carl, dass im Leben vor allem menschliche Beziehungen und Freundschaften zählen. So gesehen hat er sein größtes Abenteuer in der glücklichen Ehe mit Ellie erlebt.
Kevin, Russel, Dug und Carl gratulieren sich zu ihrem Erfolg
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Carl wiederum bietet dem Jungen Halt und Sicherheit, er ist für ihn da. – Als Zugabe zu "Oben" gibt es gleich zu Beginn den fünfminütigen Kurzfilm "Teilweise wolkig". Er erzählt augenzwinkernd, woher die Babys kommen und warum manche Störche ganz schön alt aussehen, wenn sie ihre wertvolle "Fracht" überbringen.
Thomas Werner