Regie: Regie: Peter Weissflog (Realfilm), Marek Burda (Animation)
Altersfreigabe der FSK: o. A.
Nach seinen spannenden Abenteuern mit dem Schiffskoch Odessi und dem blauen Klabauter auf hoher See ist Pumuckl wieder nach Hause gekommen und sucht dort nach seinem Meister Eder. Die Enttäuschung ist groß, als der kleine Kobold nur eine leere Werkstatt vorfindet. Eder ist gestorben und sein Vetter Ferdinand, ein wohlhabender Restaurator, holt gerade die restlichen Habseligkeiten ab, darunter auch Pumuckls Schaukel und Bett. Als blinder Passagier steigt Pumuckl in Ferdinands Wagen. Der ältere Herr glaubt nicht an die Geschichten, die ihm Eders ehemalige Haushälterin über den unsichtbaren Mitbewohner erzählt. Er ist daher sehr erstaunt, als plötzlich seltsame Dinge in seinem Haus geschehen. Als Pumuckl absichtlich an einer offenen Dose Holzleim kleben bleibt, damit er für den eigentlich doch sehr netten Herrn Eder sichtbar wird, möchte dieser aber nichts mit dem Schabernack treibenden Kerl zu tun haben. Zu allem Unglück weiht Eder auch seine allein erziehende Nachbarin Frau Straub in das Geheimnis ein, die es gleich im Zirkus, in dem sie arbeitet, weitererzählt. So kommt es, dass ein Zauberkünstlerduo auf Pumuckl aufmerksam wird. Die besonders ehrgeizige Frau des Magiers kidnappt Pumuckl bei einem Besuch in Eders Werkstatt und bringt ihn in den Zirkus, um ihn als besondere Attraktion zu vermarkten. Während Pumuckl den ganzen Zirkus in Aufruhr versetzt, merkt Ferdinand Eder endlich, dass er den vorwitzigen Kobold lieb gewonnen hat. Gemeinsam mit der Nachbarin und ihrem Sohn Markus macht er sich auf den Weg, um Pumuckl zu befreien.
Wie ist der Film gemacht?1962, vor gut 40 Jahren, erfand die Autorin Ellis Kaut diesen lustigen Kerl, dessen Streiche zunächst in zahlreichen Hörspielfolgen, später in mehreren Fernsehserien und in Büchern zu sehen waren. Gemeinsam mit ihrer Tochter Ursula Bagnall hat sie auch das Drehbuch zu Pumuckls neuen Abenteuern im Zirkus verfasst, für den inzwischen dritten Kinospielfilm. Er spielt wieder in München, was der Geschichte ein unverwechselbares Lokalkolorit samt leicht bayerischem Dialekt verleiht. Der Schauspieler und Synchronsprecher Hans Clarin, der bis dato Pumuckl seine typische, krächzende Stimme geliehen hatte, überließ diesen Part erstmals seinem jüngeren Kollegen Kai Taschner und übernahm stattdessen die neue Rolle von Ferdinand Eder, dem väterlichen Freund des gewieften Kobolds. Wie schon 1978, als Pumuckl nach dem bis heute beibehaltenen Figurenentwurf von Barbara von Johnson im Fernsehen zum ersten Mal "das Laufen lernte", bezieht der Film seinen besonderen Reiz aus der Verbindung von Real-
und Trickfilm. Zunächst wurden die einzelnen Szenen komplett mit echten Schauspielern gedreht, die sehr darauf achten mussten, an welcher Stelle Pumuckl später im fertigen Film erscheinen und welche Bewegung er im Detail ausführen würde. Nach dem Schnitt digitalisierte man diesen Film und kopierte den Kobold an den vorgesehenen Stellen jeweils Bild für Bild ein. Jeder einzelne Bewegungsablauf der Trickfigur wurde nach alter Methode in Handarbeit gezeichnet, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Animierung per Computer den unverwechselbaren Charme und den Charakter dieses Knirpses zerstört hätte.
Was ist das Besondere an diesem Film?Mit seinen vielen lustigen Streichen, seinen frechen Antworten, seinem Schabernack, der sich vor allem gegen die Selbstgefälligkeit und Ignoranz mancher Erwachsener richtet, seiner unbändigen Lust auf Süßigkeiten und seiner umwerfend komischen, kindlichen Logik ist Pumuckl eine geradezu ideale Identifikationsfigur für die Kinder und spricht ihnen ganz aus dem Herzen. Ihm ebenbürtig zur Seite steht der etwas eigenbrötlerische, aber rundum ehrenwerte
Handwerker Meister Eder, der früher von Gustl Bayrhammer und nun von Hans Clarin als dessen Vetter verkörpert wird. Hier wie dort gibt Eder das Vorbild eines rundum liebenswerten, bedächtigen, zuverlässigen, nicht allzu strengen und doch Grenzen setzenden "Großvaters", der für seinen "Enkel" jederzeit ein offenes Ohr hat und vor allem genügend Zeit und Muße für ihn aufbringt. Angesichts real oft abwesender oder überforderter Eltern -
auch dieses Thema klingt durch die Situation von Eders Nachbarin im Film an -
und dem Bedürfnis aller Kinder nach Geborgenheit und einem liebevollen Zuhause ist es kein Wunder, dass der kleine Kobold schon so viele Jahre die Herzen seiner Fans erobert und keineswegs nur die der Kinder. Dass der Film sein Zielpublikum ernst nimmt und nicht allein auf einer Erfolgswelle reiten will, merkt man schon an der Art und Weise, wie er Ferdinand Eder zu Beginn einführt, wie der Tod seines Vetters und die Einsamkeit des Alters so beiläufig wie selbstverständlich zur Sprache kommen. Später in der neuen Umgebung und im Zirkus überwiegen dann aber die lustigen Momente und urkomisch wird es, als Pumuckl den circensischen Tricks der Magier mit eigener Zauberei begegnet.
Thomas Werner