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Abgeordnete
Abgeordnete im Deutschen Bundestag bei einer Abstimmung
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Die
Bürgerinnen und Bürger einer Stadt oder eines Landes können nicht alle gleichzeitig darüber entscheiden, welche
Politik gemacht wird. Sie wählen daher Frauen oder Männer für eine bestimmte Zeit als ihre Vertreter. Diese
Abgeordneten gehören meist einer
Partei an. Sie sollen im
Parlament -
das kann der
Bundestag, der
Landtag, ein Stadt-
oder
Gemeinderat sein -
die Interessen ihrer
Wählerinnen und Wähler vertreten und möglichst in deren Sinne entscheiden. Der wichtigste Teil der Abgeordnetenarbeit findet in Arbeitsgruppen und
Ausschüssen statt. Dort wird beispielsweise beraten, wie die Jugend-
oder Gesundheitspolitik aussehen soll. Die finanzielle Entschädigung für Abgeordnete, die für eine bestimmte Zeit ihren normalen Beruf nicht ausüben, nennt man "
Diäten".
Abschwung / Rezession
Die Wirtschaft eines Landes muss wachsen, damit sich das Land weiter entwickeln kann. Gibt es zeitweise keinen Zuwachs mehr, spricht man von "
Stagnation", das heißt "Stillstand", "Stau". Wenn sich die
wirtschaftliche Lage aber verschlechtert, befindet sich ein Land im Abschwung. Das wird auch "Rezession", auf Deutsch "Rückgang" genannt. Das heißt zum Beispiel, dass die Unternehmen weniger produzieren und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Die Zahl derjenigen, die vom
Staat unterstützt werden müssen, steigt. Der Staat muss Schulden machen, kann sich nicht mehr um alle öffentlichen Aufgaben, zum Beispiel den Bau oder Ausbau von Verkehrswegen kümmern. Die
Regierung versucht dann, mit den Mitteln der
Konjunkturpolitik die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Zum Beispiel können die
Steuern gesenkt werden, damit die Unternehmen in die Lage kommen, billiger zu produzieren, und die Menschen wieder mehr Geld in der Tasche haben, um mehr einkaufen zu können.
Absolutismus
Ludwig XIV. von Frankreich, der "Sonnenkönig". Das Reiterbildnis wurde gemalt von René-Antoine Houasse.
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Heutzutage können
Königinnen oder Könige zum Beispiel in
England oder
Spanien keineswegs alleine politische Entscheidungen treffen. Gewählte Parlamente und Regierungen bestimmen in diesen Ländern die Politik. Anders war dies in der Staatsform des
Absolutismus, die sich nach dem Ende des Dreißigjährigen
Krieges (1648) in
Europa entwickelte und von der Französischen
Revolution (1789) beendet wurde. Ein einzelner Herrscher, der Monarch, übte im Absolutismus die unumschränkte Herrschaft aus. Er stand über dem
Volk und allen
Gesetzen, fühlte sich von Gott für diese Arbeit ausgewählt. Berühmt und charakteristisch für diese Herrschaftsform ist der Ausspruch des absoluten Herrschers Ludwig XIV., des sogenannten "Sonnenkönigs". Er verkündete: "Der Staat bin ich" (auf
Französisch, denn der König sprach Französisch: "L'état c'est moi").
Adolf-Grimme-Preis
Seit 1964 wird der Fernsehpreis des Deutschen Volkshochschul-
Verbandes an herausragende und vorbildliche Fernsehproduktionen vergeben. Benannt wurde der Preis nach Adolf Grimme und inzwischen kennt man diese begehrte Auszeichnung unter dem Namen "
Adolf-Grimme-Preis". Zu diesem Fernsehpreis kommt seit 2001 der "
Grimme Online Award" hinzu für deutschsprachige Websites von hoher Qualität. Wer war Adolf Grimme?
Geboren wurde der Pädagoge und Politiker am
31. Dezember 1889 in Goslar, gestorben ist er am 27. August 1963 in Degerndorf am Inn. Nach Studium und Examen war Grimme ab 1924 Lehrer in Hannover, ab 1925 Schulrat in Magdeburg. Drei Jahre später wurde er
Beamter im preußischen Kultusministerium. 1930 wurde er preußischer Kulturminister, verlor diese Stelle aber, nachdem die
Nationalsozialisten die Macht in
Deutschland übernommen hatten. Seine politische Haltung und besonders seine Verbindungen zur
Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" brachten ihn während des Nationalsozialismus in
Konflikt mit der Geheimen Staatspolizei. 1942 wurde Grimme verhaftet und saß bis Kriegsende 1945 im Zuchthaus. Dass er auch Flugblätter gegen das Regime geschrieben hatte, kam zum Glück nicht heraus. Es hätte ihn das Leben gekostet.
Nach dem Krieg wurde Adolf Grimme
Kultusminister von Niedersachsen und 1948 Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks. 1973 wurde das nach Adolf Grimme benannte Medieninstitut im westfälischen Marl gegründet, das seit 1977 die jährliche Verleihung des Adolf-
Grimme-
Preises organisiert.
Ältestenrat
Als Ältestenrat bezeichnet man eine Gruppe von Personen, die aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung bei wichtigen Fragen gehört wird, die Empfehlungen gibt und bei Streitigkeiten vermittelt. Im Deutschen Bundestag gibt es einen Ältestenrat. Ihm gehören der
Bundestagspräsident, seine Stellvertreter sowie 23 Abgeordnete an, die von den verschiedenen
Fraktionen benannt werden. Anders als man meinen könnte, müssen die Personen, die dem Ältestenrat angehören, nicht die ältesten Mitglieder im Bundestag sein. Ihre Aufgaben bestehen vor allem darin, die Termine der Bundestagssitzungen zu planen und bei Unstimmigkeiten zu vermitteln. Der Ältestenrat unterstützt den Bundestagspräsidenten bei der Führung seiner Geschäfte. Er kann Ratschläge erteilen, aber keine direkten Entscheidungen treffen.
Agenda 21
1992 fand in
Rio de Janeiro eine "Konferenz für
Umwelt und Entwicklung der
Vereinten Nationen" statt. Die 180 Teilnehmerstaaten sowie viele dort vertretene
nichtstaatliche Organisationen beschlossen das Aktionsprogramm
Agenda 21. Der Begriff "Agenda" heißt "Tagesordnung" und die Zahl 21 steht für das 21. Jahrhundert. Das Thema
Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt des Programms und das bedeutet: Die Menschen sollen nicht mehr verbrauchen, als in der Natur nachwachsen kann. In der Agenda 21 werden die heute lebenden Menschen aufgefordert, ihren Bedarf zum Beispiel an
Energie und anderen Rohstoffen nicht auf Kosten der späteren
Generationen zu decken. Sie sollen auch nicht einfach die Urwälder abholzen und damit das Weltklima negativ beeinflussen, denn darunter werden vor allem die Generationen leiden, die nach uns kommen. Die Agenda 21 fordert auf über 300 Seiten und in 40 Kapiteln, dass in der Wirtschafts-
, Umwelt-
und
Entwicklungspolitik der Gedanke der Nachhaltigkeit berücksichtigt wird.
Aktien
Aktie des "Erzgebirgischen Steinkohlen-Actien-Vereins" aus dem Jahr 1846.
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Die Aktie (aus dem lateinischen "actio", das bedeutet so viel wie "Handlung") ist eine Urkunde. Sie bescheinigt ihrem Besitzer, dass er einen bestimmten Geldbetrag einem Unternehmen (einer Aktiengesellschaft oder kurz AG) zur Verfügung gestellt hat. Das hat er nicht aus Großzügigkeit getan, sondern weil er mit dieser Aktie bestimmte Rechte erwirbt. Zum Beispiel wird er Miteigentümer dieser AG und hat einen Anspruch auf einen Teil des Gewinns, den das Unternehmen erwirtschaftet. Wenn dieser Gewinn hoch ist, steigt auch der Wert der Aktien. Der Aktienbesitzer (
Aktionär genannt) kann sie dann zu einem höheren Preis wieder verkaufen und so, besonders wenn er viele Aktien gekauft hat, eine Menge Geld verdienen. Wenn aber das Unternehmen keinen Gewinn, sondern Verluste oder gar Pleite macht, kann der Aktionär auch viel Geld verlieren.
Der Aktionär hat noch weitere Rechte. So kann er in der Jahreshauptversammlung des Unternehmens, von dem er Aktien, also Anteile hat, mitbestimmen, wie es weitergeht mit der AG. Er kann zum Beispiel mitentscheiden, ob der Vorstand seine Sache gut gemacht hat oder ob er abgewählt werden soll. Aktien und andere
Wertpapiere werden an der
Börse gehandelt.
Amnestie
Aus dem Altgriechischen übersetzt heißt
Amnestie "Vergessen", "Vergebung". Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet Amnestie, dass ein Staat bzw. dessen Regierung darauf verzichtet, Menschen, die eine bestimmte Straftat begangen haben, zu bestrafen.
In manchen Bundesländern gibt es zu Weihnachten für einige Strafgefangene eine Amnestie - sie werden also vorzeitig aus der Haft entlassen
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Bei der Amnestie geht es um alle Menschen, die eines bestimmten Vergehens schuldig sind. So wäre es theoretisch zum Beispiel denkbar, dass eine Amnestie für alle diejenigen erfolgt, die bisher ihre Steuern nicht korrekt gezahlt haben. Sie würden dann nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Die Amnestie bezieht sich immer auf Taten, die in der Vergangenheit liegen. In Deutschland kann eine Amnestie nur durch ein Gesetz ("Straffreiheitsgesetz") erlassen werden. Die Amnestie unterscheidet sich von der Begnadigung. Begnadigt werden immer nur einzelne Täter. In Deutschland kann nur der
Bundespräsident jemanden begnadigen.
amnesty international (ai)
"50 000 Schritte für eine Welt frei von Folter" - Eine Aktion von amnesty international vor dem Berliner Reichstag im Dezember 2001
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Das ist der englische Name einer internationalen Organisation, die sich weltweit für die
Menschenrechte einsetzt. Sie wurde 1961 in
London gegründet.
Amnesty international versucht Menschen in der ganzen Welt zu helfen, die aus politischen,
weltanschaulichen oder
religiösen Gründen verfolgt, bestraft und mit dem Tode bedroht werden. 1977 erhielt amnesty international, deren Mitglieder in mehr als 160 Staaten tätig sind, den
Friedensnobelpreis. Jedes Jahr bringt ai einen Jahresbericht heraus, in dem aufgelistet wird, wo und wie auf dieser Welt die Menschenrechte verletzt werden. Im Bericht über das Jahr 2007 steht zum Beispiel, dass in 81 Staaten der Welt Menschen
gefoltert und in 24 Staaten Todesurteile vollstreckt werden. In 45 Ländern werden Menschen wegen ihrer politischen Überzeugungen inhaftiert, in 77 Ländern wird die
Presse-
und
Meinungsfreiheit nicht beachtet. Die Jahresberichte benennen auch die Länder, wo Unrecht passiert.
Beispielsweise wird der Regierung in Myanmar vorgeworfen, politische Gegner zu verfolgen und verschwinden zu lassen. Die
USA werden beschuldigt, auf Guantanamo
Gefangene gefoltert zu haben. Auch dass in dem afrikanischen Staat Malawi Jungen und Mädchen, die zum Teil erst zehn Jahre alt sind, als
Arbeitskräfte eingesetzt werden, wird von amnesty angeprangert.
Die Vorsitzende von ai ist zurzeit Irene Khan. Sie stammt aus Bangladesch.Der Begriff "Amnestie", von dem das englische Wort "amnesty" kommt, stammt ursprünglich aus dem
Griechischen. Es bedeutet "Vergebung", "Vergessen".
Amok
Das Wort kommt aus dem Malaiischen und bedeutet "Wut" oder "in blinder Wut angreifen und töten". Solche extremen Situationen und Handlungen, wie man sie mit dem Begriff "Amok" bezeichnet, hatte man zuerst bei malaiischen männlichen Eingeborenen beobachtet. Scheinbar völlig unbegründet und mit großer Brutalität griffen diese "pengamok" (übersetzt mit "Amokläufer") Menschen und Tiere in der Absicht an, sie zu töten.
Vor ihrer zerstörerischen Tat isolieren sich die
Amoktäter oft von ihrer Umgebung. Sie ziehen sich ganz in sich selbst zurück. Nach dem Amoklauf sind sie oft völlig erschöpft, haben Erinnerungslücken, verstümmeln sich selbst oder begehen Selbstmord.
Die Ursachen für Amok sind bisher noch nicht endgültig geklärt. Es gibt dafür verschiedene Erklärungsversuche: Besessenheit, krankhafte Verfolgungsideen,
Depression (Niedergeschlagenheit) und weitere seelische Erkrankungen gehören dazu, aber auch der Verlust von sozialen Bindungen oder Ausbrüche von Krankheiten wie Epilepsie oder Malaria.
In Deutschland gab es in den letzten Jahren mehrere schwere Fälle von Amokläufen an Schulen: am 26. April 2002 erschoss in Erfurt ein junger Mann 17 Menschen, am 20. November 2006 wurde in Emsdetten ein Mann getötet. Am 11. März 2009 tötete ein 17-
jähriger Schüler in Winnenden 16 Mitschüler/innen, Lehrerinnen und Passanten und erschoss sich dann selbst.
Amt
Das Bundeskanzleramt in Berlin
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Im Wort "Polizeibeamter" steckt das Wort "Amt". Das Wort entwickelte sich aus einer mittelalterlichen Sprache und hieß früher "Ambet" oder "Ammet". Es bedeutet, dass jemand bestimmte Aufgaben hat, die er für andere Menschen erledigt, wie es zum Beispiel der
Polizist oder auch die Finanzbeamtin tut. Der Beamte hat also ein Amt. Man unterscheidet, ob das Amt hauptberuflich oder neben dem eigentlichen Beruf als sogenanntes
Ehrenamt ausgeübt wird. Wer hauptberuflich ein Amt ausübt, wird dafür bezahlt, für ein Ehrenamt wird man nicht bezahlt. Die Gebäude oder Diensträume, in denen die Menschen arbeiten, die ein öffentliches Amt haben, werden Ämter oder Behörden genannt. Wir kennen das
Finanzamt und das Sozialamt. Wir hören oft vom
Kanzleramt, wo der Regierungschef arbeitet. Denn die Arbeit des
Bundeskanzlers ist auch ein öffentliches Amt und wird in einem dafür vorgesehenen öffentlichen Gebäude erledigt.
Analphabet
Mit diesem Wort, das aus dem Griechischen kommt, wird ein Mensch bezeichnet, der weder lesen noch schreiben kann. Die meisten Analphabeten – es gibt weltweit über 1 Milliarde – leben in Asien, Afrika und Südamerika. Dort gibt es in vielen Ländern kein geordnetes Schulwesen, also auch keine
Schulpflicht. Die Analphabeten hatten daher gar nicht die Chance, lesen und schreiben zu lernen.
Aber auch in hoch entwickelten
Industrieländern gibt es trotz Schulpflicht sehr viele Menschen, die nicht oder nur teilweise lesen und schreiben können. Nach Schätzungen der
UNESCO (das ist die Organisation der UNO für Erziehung, Wissenschaft und
Kultur) können allein in den USA über 13 Prozent der Menschen, die über 17 Jahre alt sind, als Analphabeten bezeichnet werden. Und in Deutschland sind es über drei Millionen Menschen, die auch nach der Schule nur wenig oder gar nicht lesen oder schreiben können.
Anarchie
Das griechische Wort "anarchos" bedeutet übersetzt so viel wie "Herrschaftslosigkeit" oder "Gesetzlosigkeit". Eine
Gesellschaft, in der
Anarchie herrscht, ist eine Gesellschaft, in der niemand das Sagen hat. Hier gibt es keine
staatliche Gewalt, keine gewählten Volksvertreter in einem Parlament, keine Monarchie oder irgendeine sonstige Herrschaftsform. Diejenigen, die eine Anarchie wollen (man nennt sie Anarchisten), treten für die totale
Freiheit des Menschen ein. Es soll keine Regeln geben, keiner soll über den anderen herrschen und man soll nicht nach Gesetzen leben, die von anderen Menschen oder einer Regierung gemacht werden. Manche Menschen glauben, dass eine solche Gesellschaft erstrebenswert ist, andere befürchten, dass in einer solchen Gesellschaft nur der Stärkste gewinnt und das Chaos herrscht.
Anfrage (Kleine/Große)
Abgeordnete im Bundestag wollen zum Beispiel von der Regierung wissen, wann das
Kindergeld erhöht wird oder warum die Benzinsteuer steigen soll. Diese und ähnliche Fragen werden dann von mehreren Abgeordneten aufgeschrieben und der Regierung übergeben. Die Regierung muss darauf antworten. Wenn die Regierung die Fragen schriftlich beantwortet, handelt es sich um eine "
Kleine Anfrage". Bei einer "Großen Anfrage" wollen die Fragesteller die Sache genauer wissen und darüber im Bundestag diskutieren. Dies geschieht dann in einer "Fragestunde" im Bundestag, wo jeder Abgeordnete das Recht hat, seine Fragen zu stellen und seine Meinung zu sagen. Mit diesen "Anfragen" soll besonders der
Opposition, die ja, wie ihr wisst, nicht in der Regierung sitzt, die Möglichkeit gegeben werden, alle wichtigen Angelegenheiten im Bundestag genau zu besprechen und Entscheidungen der Regierung zu kontrollieren.
Antisemitismus
Wenn Menschen
Juden gegenüber feindlich eingestellt sind, nennt man das "Antisemitismus". Das kann sich in Beschimpfungen äußern, in Lügen, Erniedrigungen und Ungerechtigkeiten. Es kann sich aber auch in körperlicher Gewalt zeigen oder sogar in organisierter Massentötung, wie beim
Holocaust, dem staatlich ausgeübten Massenmord an Juden im Nationalsozialismus.
Der Begriff "Antisemitismus" für "Judenfeindschaft" kam in Deutschland im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf. Er hat sich bis heute gehalten, obwohl "Antisemitismus" genau übersetzt eigentlich etwas anderes bedeutet. Die Semiten sind eine Volksgruppe, zu der alle Völker gehören, die semitische Sprachen sprechen. Eine semitische Sprache ist zum Beispiel Hebräisch – das ist die Sprache der Juden -
, aber dazu gehören auch Aramäisch, Äthiopisch und Arabisch. Weil "anti" "gegen" heißt, müsste sich Antisemitismus also gegen die Semiten richten. Tatsächlich bezeichnet der Begriff "Antisemitismus" aber die Abneigung oder Feindschaft gegenüber Juden, nicht aber gegenüber Arabern. In unserem
Grundgesetz steht ausdrücklich, dass
antisemitische Handlungen und Äußerungen verboten sind. Aber es gibt den Antisemitismus immer noch; besonders in Kreisen der
Neonazis werden judenfeindliche Parolen verbreitet oder an Wände geschmiert und jüdische Grabmale geschändet. Die Täter werden verfolgt und bestraft.
Arbeitskampf
Angenommen, Arbeiter und Angestellte in der Autoindustrie fordern mehr
Lohn oder wollen kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen haben. Sie beauftragen die
Gewerkschaften, also diejenigen, die ihre Interessen vertreten, mit den Unternehmern und deren
Verbänden über die Lohnerhöhung zu verhandeln. Wenn die Arbeitgeber Nein sagen, wenn sie sagen, das ist uns zu viel, das können wir nicht bezahlen oder mehr Urlaub oder kürzere Arbeitszeiten können wir nicht
Mit der Urabstimmung wird festgestellt, ob ausreichend viele Gewerkschaftsmitglieder streiken wollen.
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verkraften, dann gibt es einen Konflikt. Die Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaften sowie der Arbeitgeber versuchen dann in Gesprächen, eine Lösung zu finden. Wenn es auch nach mehreren Verhandlungsrunden zu keiner Einigung kommt, beschließen die Arbeiterinnen und Arbeiter häufig, zu
streiken, das heißt für eine bestimmte Zeit nicht zu arbeiten.
Die Arbeitgeber können auf diesen Streik mit "
Aussperrung" reagieren. Sie schließen die Arbeitnehmer dann für eine bestimmte Zeit von der Beschäftigung aus und zahlen für die Zeit auch keinen Lohn.
Streik und Aussperrung sind Druckmittel in
Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften auf der einen Seite und Arbeitgeberverbänden auf der anderen Seite. Dabei müssen bestimmte Regeln beachtet werden -
zum Beispiel, wie lange verhandelt werden muss, bevor es zu einem Streik oder einer Aussperrung kommen darf.
Arbeitslosengeld
Wenn jemand seine Arbeit verliert und
arbeitslos wird, hat er für eine bestimmte Zeit Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zurzeit gelten dafür folgende Regelungen:
Ausgezahlt wird das Geld von der Agentur für Arbeit. Bevor jemand Arbeitslosengeld (ALG I) beantragen kann, muss er in den vorangegangenen zwei Jahren mindestens zwölf Monate lang gearbeitet haben. Er muss zudem von seinem Gehalt oder Lohn monatlich einen gewissen Betrag in die
Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Wie hoch das Arbeitslosengeld ist, hängt davon ab, wie viel der Arbeitslose vorher verdient hat. Und wichtig ist auch, in welcher persönlichen Situation der Arbeitslose lebt. Jemand, der zum Beispiel eine
Familie zu ernähren hat, bekommt 67 Prozent vom früheren Lohn, Arbeitslose ohne Kinder erhalten 60 Prozent.
Das Arbeitslosengeld wird bis zu zwölf Monate lang bezahlt. Die Dauer hängt davon ab, wie lange jemand vorher beschäftigt war. Menschen, die 50 Jahre oder älter sind,
Die Agentur für Arbeit zahlt das Arbeitslosengeld II aus
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erhalten es 15 bis 24 Monate lang. Um aber überhaupt Arbeitslosengeld bekommen zu können, muss sich der Arbeitslose für Arbeitsangebote der Agentur für Arbeit verfügbar halten. Er muss sich zudem Mühe geben, eine neue Arbeit zu finden. Bietet die Arbeitsagentur dem Arbeitslosen eine zumutbare Arbeit an, muss der Arbeitslose diese Arbeit annehmen. Weigert er sich, bekommt er weniger Geld. Melden sich die Arbeitslosen bei der Arbeitsagentur nicht in regelmäßigen Abständen, riskieren sie, dass das Arbeitslosengeld gekürzt oder sogar gar nicht mehr gezahlt wird.
Neben dem sogenannten Arbeitslosengeld I gibt es auch das Arbeitslosengeld II (ALG II). Dafür wird umgangssprachlich der Begriff "
Hartz IV" benutzt. Das ALG II können alle Menschen beantragen, die arbeitslos sind oder aber trotz einer Arbeit hilfsbedürftig sind und staatliche Unterstützung brauchen, um ihre Grundbedürfnisse befriedigen zu können.
Die Agentur für Arbeit betreut die Arbeitslosen. Sie organisiert Bildungsmaßnahmen, an denen die Arbeitslosen teilnehmen, um wieder eine Arbeit finden zu können.
Arbeitslosigkeit
Die Agentur für Arbeit in Potsdam
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Jeder, der arbeiten möchte, aber keine Arbeit findet, ist arbeitslos. Auch wer bei seiner Arbeitsstelle entlassen worden ist, ist arbeitslos. Um zu zeigen, dass man arbeiten möchte und bei der Arbeitssuche Unterstützung braucht, muss man sich bei der Agentur für Arbeit melden. Dort bemüht man sich, für die Arbeitslosen eine Arbeit zu finden.
Für viele Menschen ist Arbeitslosigkeit eine schlimme Erfahrung. Sie haben das Gefühl, dass man sie nicht braucht, obwohl sie noch arbeiten könnten und wollen. Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, haben dann viel weniger Geld als vorher, denn die Arbeitslosenversicherung, in die sie während ihrer Beschäftigung eingezahlt haben, zahlt nur ungefähr 60 Prozent ihres alten Gehaltes. Das gilt auch für diejenigen Menschen, die nicht von ihrem Arbeitgeber entlassen wurden, sondern von sich aus gekündigt und dann keine Arbeit gefunden haben. Je länger die Arbeitslosigkeit dauert und je älter die Menschen sind, die Arbeit suchen, umso schwieriger wird es, einen neuen Job zu finden.
Das Wort "Arbeit" hat sich aus dem Mittelhochdeutschen entwickelt, aus dem Wort "Arebeit". Das hieß vor ungefähr 700 Jahren "Mühe" oder "Not".
Arbeitsmarkt / Arbeitsmarktpolitik
Der Arbeitsmarkt ist kein Platz, den man sehen oder besuchen kann wie einen Gemüse-
oder Jahrmarkt. Man bezeichnet damit einen "virtuellen", also unsichtbaren und nur vorgestellten Ort, auf dem die Nachfrage und das Angebot von Arbeitskräften zusammentreffen. Wenn zum Beispiel in einem bestimmten Industriezweig, sagen wir auf dem Bau, Arbeiter und Ingenieurinnen gebraucht werden, versuchen die Firmen über die Agentur für Arbeit oder durch Stellenanzeigen die richtigen Leute zu finden. Auf dem Arbeitsmarkt wird auch über die Höhe der Löhne und Gehälter verhandelt und über die Arbeitsbedingungen. Damit nicht jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer alleine über den Lohn oder die Arbeitszeit oder auch die Zahl der Urlaubstage verhandeln muss, haben sich viele Arbeitnehmer in Gewerkschaften zusammengeschlossen, die ihre Interessen vertreten. Für unser Beispiel Bauindustrie wäre das die Gewerkschaft IG BAU (Industriegewerkschaft Bau Agrar Umwelt). So wie die Arbeitnehmer sich in den Gewerkschaften zusammenschließen, so schließen sich auch die Arbeitgeber in eigenen
Verbänden zusammen. Diese sollen dafür sorgen, dass auf dem Arbeitsmarkt die Interessen der Arbeitgeber berücksichtigt werden.
Mit Arbeitsmarktpolitik werden alle Maßnahmen bezeichnet, die das Angebot und die Nachfrage von Arbeitskräften regeln. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Arbeitslosigkeit entsteht oder -
was auch passieren kann -
dass es einen Mangel an Arbeitskräften gibt. Zur Arbeitsmarktpolitik gehört es auch, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass möglichst viele neue Arbeits-
und Ausbildungsplätze entstehen können.
Arbeitsrecht
Alle Frauen und Männer, die in einem Betrieb arbeiten oder in einer Behörde angestellt sind, also "abhängig beschäftigt" sind, haben auch bestimmte Rechte, die sie schützen sollen. Das ist zum Beispiel das Recht auf einen Arbeitsvertrag mit dem Arbeitgeber, in dem alle Bedingungen der Arbeit genau festgelegt sind. Dazu gehören die Regelungen über Lohn und Urlaubstage, über Arbeitszeit oder über Kündigungsgründe und -
fristen. Das
Arbeitsrecht umfasst auch
Das Bundesarbeitsgericht hat seinen Sitz in Erfurt
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eine Reihe von Bestimmungen über den
Jugendschutz, über den Mutterschutz, über die Arbeit von Schwerbehinderten. Es gibt eine Vielzahl von Gesetzen im Arbeitsrecht. Die Anfänge des Arbeitsrechts reichen weit zurück bis ins 19. Jahrhundert. Damals sind die ersten Fabriken entstanden, in denen Menschen gearbeitet haben. Wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin, ein Angestellter oder eine Angestellte sich ungerecht behandelt fühlen oder sie die Opfer eines eindeutigen Verstoßes gegen eine Bestimmung des Arbeitsrechtes sind, können sie vor einem
Arbeitsgericht ihr Recht einklagen.
Aristokratie
Aus dem Griechischen übersetzt heißt
Aristokratie "Herrschaft der Vornehmsten". Damit wird eine Staats-
und Regierungsform bezeichnet, in der eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft die Macht hat. Das können zum Beispiel Menschen sein, die über besonderen Reichtum verfügen oder auch solche, die aus besonderen Familien
Dem House of Lords, der zweiten Kammer des englischen Parlaments, gehören nur Aristokraten an
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stammen und sogenannte Privilegien (das sind Sonderrechte) haben. Aristokratien gab es im antiken Griechenland in Athen und Sparta in den Jahrhunderten vor Christus. Auch in
Rom regierten Aristokraten vom 6. bis 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. In
Japan herrschten von 800 bis 1200 nach Christus aristokratische Familien. Eine aristokratische Herrschaft steht im Gegensatz zur Monarchie sowie zur
Demokratie. Aristokratische Elemente gibt es aber bis heute in manchen Demokratien. Das bekannteste Beispiel ist das englische Oberhaus, das einen Teil des englischen Parlaments bildet. Dort sitzen nur Menschen, die aus ausgewählten gesellschaftlichen Gruppen stammen wie dem Adel oder der Kirche.
Wenn eine aristokratische Herrschaft nur dem Eigennutz einiger weniger Personen oder Familien dient, wird sie "
Oligarchie" genannt.
Mit "Aristokratie" bezeichnet man heute in erster Linie die Angehörigen des Adels. Im Gegensatz zu früheren Zeiten haben sie in unserer Demokratie keine Sonderrechte mehr. Man erkennt sie häufig daran, dass sie einen Titel wie Gräfin, Baron oder Freifrau tragen oder ein "von" zu ihrem Familiennamen gehört.
Armut
Eine obdachlose Frau in Guatemala schläft im Müll
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Auf der Welt gibt es über eine Milliarde Menschen, die auf der Straße leben, nicht genug zu essen und kaum Kleidung haben. Viele von ihnen können nie zur Schule gehen. Sie leben in bitterer
Armut. Die Armut hat viele Ursachen. Oft finden die Menschen keine Arbeit, weil es keine Arbeit gibt oder weil sie keine Ausbildung haben.
Weitere Gründe sind Überbevölkerung und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder lange Dürrezeiten, die oftmals zu schlechten Ernten führen. In vielen Ländern fehlen Rohstoffe, um eine Industrie aufzubauen, die Arbeitsplätze schaffen könnte. Auch Kriege oder die Ausbeutung durch die eigenen Regierungen stürzen Menschen ins Elend.
Auch bei uns in Deutschland gibt es viele Menschen, die nicht jeden Tag ausreichend zu essen haben und nur wenige Dinge besitzen. Darunter sind besonders viele alte Menschen, allein erziehende Frauen und Kinder. Die Hauptursache der Armut in unserem Land ist die hohe Arbeitslosigkeit. Der Staat versucht zum Beispiel durch
Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II, die schlimmsten Auswirkungen dieser Armut zu mildern und ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Auch Spenden und Hilfen vieler Bürgerinnen und Bürger helfen, Not zu lindern.
Assimilation
Der Begriff kommt aus dem Lateinischen ("assimilare" heißt "ähnlich machen"). Eine
Assimilation ist also eine "Angleichung" oder "Anpassung". Wenn zum Beispiel Einwanderer aus fremden Ländern nach Deutschland kommen, kommen sie in Kontakt mit der hier lebenden
Bevölkerung. Dann beginnen allmählich das Einleben und die Eingewöhnung in die neue Gesellschaft, die Menschen integrieren sich. Die Einwanderer lernen andere Gebräuche, Einstellungen und Lebensweisen kennen, die sie aus ihrer Heimat nicht kannten, und übernehmen sie teilweise. Auch das Erlernen der Sprache gehört dazu. Bei manchen Einwanderern kommt es nach und nach zu einer Assimilation: Das Einfinden in die neue Gesellschaft führt dazu, dass die Einwanderer die Eigenschaften verlieren, die sie aus ihrer früheren Heimat mitgebracht haben. Insbesondere jüngere Menschen fühlen sich dann nicht mehr der Heimat ihrer Eltern zugehörig. Dieser Prozess der Assimilation ist meist langsam und kann sich über viele Generationen hinziehen.
Asyl
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Heim", "Unterkunft" und "Zufluchtsstätte". In vielen Ländern werden Menschen wegen ihrer religiösen oder politischen Überzeugungen verfolgt, verhaftet, gefoltert, mit dem Tode bedroht oder sogar umgebracht. Deswegen fliehen viele Menschen und bitten in anderen Ländern um Asyl. Das heißt, sie möchten dort ohne
Verfolgung und Bedrohung leben und arbeiten. In vielen demokratischen Staaten steht in der
Verfassung, dass der Staat Asyl gewährt. In Deutschland heißt es zum Beispiel im Artikel 16 des Grundgesetzes (so nennt man die deutsche Verfassung): "Politisch Verfolgte genießen
Asylrecht."
Attentat
Am 22. November 1963 wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen.
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Dieser Begriff stammt von dem lateinischen Wort "attentatum" ab, was "versuchtes Verbrechen" bedeutet. In unserem Sprachgebrauch beinhaltet dieses Wort aber nicht nur ein geplantes oder versuchtes Verbrechen, sondern auch einen ausgeführten
Anschlag oder Mord. Hinter einem
Attentat steht entweder eine einzelne Person, eine Gruppe oder eine Organisation – zum Beispiel eine Widerstandsgruppe, ein
Geheimdienst oder eine
terroristische Vereinigung. Attentäter wollen gewaltsam gesellschaftliche und politische Veränderungen nach ihren eigenen Vorstellungen herbeiführen. Manchmal wird ein Attentat auch aus religiösen Gründen gegen Menschen begangen, die einen anderen Glauben als die Täter haben. Attentate erfolgen oft unerwartet aus dem Hinterhalt. Die Täter benutzen außer Pistolen und Gewehren oft auch Bomben, die viele Menschen töten. Sogenannte Selbstmordattentäter sprengen sich inmitten ihrer Opfer selbst in die Luft, nehmen so ihren eigenen Tod in Kauf.
Opfer der Anschläge sind meist prominente Personen aus der Politik, zum Beispiel Staatsoberhäupter, Regierungsmitglieder, aber auch Sportler und Sportlerinnen, Popstars, Richter,
Richterinnen oder wichtige Mitglieder religiöser Organisationen. Mittlerweile sind auch Verkehrsmittel wie Flugzeuge oder U-
Bahnen oder Gebäude wie Synagogen, Bahnhöfe und Hochhäuser zum Ziel von Attentätern geworden. Der furchtbare Anschlag auf das World Trade Center in New York am
11. September 2001 ist solch ein schreckliches Attentat der Terrorgruppe Al-
Qaida gewesen, bei dem weit über 3000 Menschen starben.
Attentatsversuch auf Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1981
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Weitere Attentate:
März 44 vor Christus: Der römische Kaiser Julius Cäsar wird ermordet.
28. Juni 1914: Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau werden in Sarajevo erschossen. Dieses Attentat löste den
Ersten Weltkrieg aus.
20. Juli 1944: Anschlag auf Adolf Hitler durch Claus Graf Schenk von Stauffenberg, den Vertreter einer Widerstandsgruppe von Offizieren der deutschen Wehrmacht. Der
Diktator überlebte den Anschlag.
22. November 1963: John F. Kennedy, damaliger
Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika, wird in Dallas/Texas auf offener Straße erschossen.
Aufenthaltsgenehmigung
Ausländerinnen und Ausländer, die keine Bürger eines EU-
Staates sind und sich für eine bestimmte Zeit in Deutschland aufhalten wollen, brauchen dafür eine Genehmigung. Diese wird von der Ausländerbehörde für eine bestimmte Zeit erteilt. Um die
Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, muss man angeben, weshalb man in Deutschland leben möchte. Wer zum Beispiel studieren möchte oder für eine bestimmte Zeit eine Arbeit hat, kann diese Genehmigung erhalten. Wenn das Studium oder die Arbeit beendet ist, muss der ausländische Bürger wieder ausreisen.
Es gibt auch die Möglichkeit, dass jemand eine Aufenthalts
erlaubnis erhält. Sie unterscheidet sich von der Aufenthalts
genehmigung: für die Aufenthaltserlaubnis muss man kein Studium oder eine Arbeit nachweisen. Eine Aufenthaltserlaubnis wird vor allem an Familienangehörige von Ausländern erteilt, die in Deutschland mit einer Aufenthaltsgenehmigung leben.
Aufklärung
König Friedrich II. von Preußen (1712-1786), einer der berühmtesten Herrscher im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus
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Ein bestimmter, zunächst unklarer Sachverhalt wird erklärt und dann aufgedeckt. Auch ein Verbrechen wird (hoffentlich) aufgeklärt. In der Schule gibt es im Fach Sexualkunde ebenfalls
Aufklärung. Zusammenhänge, die ihr vorher noch nicht verstanden habt, sind euch dann deutlich geworden, ihr seid darüber aufgeklärt worden.
Mit dem Wort "Aufklärung" wird auch eine geistige Bewegung bezeichnet, die am Ende des 17. Jahrhunderts in Europa entstand. Diese Denkrichtung erklärte die Vernunft (Rationalität) des Menschen und ihren richtigen Gebrauch zum Maßstab allen Handelns. Nur das, was mit dem Verstand begründet werden kann, was beweisbar ist, kann als Richtschnur des eigenen Verhaltens dienen.
Der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724-1804)
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Der Philosoph
Immanuel Kant, einer der bedeutendsten Vertreter der Aufklärung, forderte: "Habe Mut, deinen Verstand zu gebrauchen." Die Aufklärer sagten, dass das Hauptziel aller Erziehung sein müsse, die Fähigkeiten des Verstandes auszubilden. Nur so sei ein freiheitliches, menschenwürdiges und glückliches Zusammenleben der Menschen möglich. Weitere wichtige Vertreter der Aufklärung im deutschsprachigen Raum neben Kant waren: in der Politik König Friedrich II. ("Friedrich der Große"), in der Erziehung Johann Heinrich Pestalozzi, in der Literatur
Gotthold Ephraim Lessing.
Gemälde des deutschen Lyrikers und Literaten Gotthold Ephraim Lessing (1729.1781). Er war ein herausragender Vertreter der Aufklärung.
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Im geistigen Leben des 18. Jahrhunderts breiteten sich die Ideen der Aufklärung in Europa und Nordamerika immer stärker aus, modernere Zeiten nahmen ihren Anfang. Denn mit zunehmenden bürgerlichen Freiheiten wurden die alten Mächte des
Feudalismus, die sich auf die Tradition und die Autorität von Königen und Fürsten stützten, zurückgedrängt.
Aufschwung
Wenn sich die wirtschaftliche Gesamtlage eines Landes verbessert, spricht man von "
Aufschwung". Man kann ihn an verschiedenen Anzeichen erkennen: Die Arbeitslosenzahlen sinken, die Unternehmen bekommen wieder mehr Aufträge und produzieren mehr. Für den Aufschwung ist es auch wichtig, wie zum Beispiel Politiker und Unternehmer die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung einschätzen. Eine optimistische Einschätzung verbreitet Mut und Hoffnung, was sich auf das Verhalten von uns allen auswirken kann. Die Unternehmen investieren dann mehr Geld und die Menschen kaufen wieder mehr als vorher. Das beflügelt die Wirtschaft weiter, es wird noch mehr produziert, es entstehen mehr Arbeitsplätze, mehr Steuern kommen in die
Staatskasse, die
Volkswirtschaft erholt sich. Wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, spricht man dagegen von "Abschwung".
Aufstand/ Aufständische
Als "Aufstand" bezeichnet man den Widerstand von Menschen gegen politische oder wirtschaftliche Verhältnisse in ihrem Land. Die Aufständischen wollen diese Verhältnisse nicht länger dulden, deshalb schließen sie sich zusammen und wehren sich. Ein Aufstand ist nicht immer gewaltsam. Ein Beispiel für einen friedlichen Aufstand ist der Widerstand, den 1989 viele Bürgerinnen und Bürger der
DDR gegen die
kommunistische Regierung leisteten. Er führte zum Ende der DDR und dann später zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten.
In der Vergangenheit kann man aber auch viele Beispiele für gewaltsame Aufstände finden: Beim Bauernaufstand in Deutschland 1525 haben die Bauern,
Handwerker und Tagelöhner mit Waffen gegen die
Obrigkeit gekämpft, letztlich aber ohne Erfolg. 1943, als der
Zweite Weltkrieg stattfand und die Juden in Europa verfolgt und ermordet wurden, haben jüdische Einwohner des Warschauer Ghettos in einem Aufstand gegen die deutschen Besatzer gekämpft. Der Aufstand scheiterte, weil die Übermacht des Gegners zu groß war.
Ausländer/in
In Deutschland leben rund 7 Millionen Männer, Frauen und Kinder, die nicht die deutsche
Staatsangehörigkeit haben. Alle Ausländerinnen und Ausländer, die in Deutschland leben, müssen sich an die deutschen Gesetze halten. Wenn Ausländerinnen oder Ausländer aus einem Land der
Europäischen Union kommen, also zum Beispiel aus Frankreich, Italien oder England, haben sie fast die gleichen Rechte und Pflichten wie die deutschen Staatsbürger. Sie können arbeiten und wohnen, wo sie wollen. Anders ist es bei Menschen, die nicht aus EU-
Ländern kommen, also zum Beispiel aus Amerika, Afrika oder Asien. Sie müssen beim Ausländeramt bestimmte Genehmigungen beantragen, etwa eine Aufenthaltserlaubnis und eine Arbeitsgenehmigung. Oder sie müssen einen Antrag auf Asyl stellen, damit sie in Deutschland bleiben können. Das Ausländerrecht enthält alle Bedingungen, die den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern regeln.
Ausländer sind wir alle - fast überall
© Stefan Eling
Auslieferungsantrag
Angenommen, ein deutscher Staatsbürger flieht nach einer Straftat ins Ausland, um der Verfolgung und Verurteilung durch deutsche Gerichte zu entgehen. Die deutschen Gerichte können dann im Ausland beantragen, dass der Straftäter an Deutschland ausgeliefert wird. Dazu stellen sie einen Auslieferungsantrag. Die deutschen Gerichte bitten dabei das Land um Rechtshilfe, wie es in der Fachsprache heißt. Damit aber eine solche Bitte überhaupt erfolgreich sein kann, muss zwischen Deutschland und diesem Staat ein
Auslieferungsabkommen bestehen.
Es gibt internationale Verträge, in denen steht, in welchen Fällen die Auslieferung ausländischer Bürger rechtlich möglich ist. Ausländer, die in ihrem Heimatland politisch verfolgt werden und bei uns
Asylrecht haben, können nicht einfach ausgeliefert werden. Bevor ein ausländischer Straftäter aus Deutschland an ein anderes Land ausgeliefert wird, muss immer erst eine gerichtliche Prüfung stattfinden.
Ein Deutscher, der im Ausland eine Straftat begangen hat, aber in Deutschland lebt, weil er im Ausland nicht gefasst wurde, darf nicht ins Ausland ausgeliefert werden. Das verbietet unser Grundgesetz. Er muss sich dann aber vor einem deutschen Gericht verantworten. Innerhalb der EU-
Länder gibt es Ausnahmefälle, die durch Gesetze geregelt sind.
Ausschuss
Als "Ausschuss" bezeichnet man eine gewählte Arbeitsgruppe. Im Deutschen Bundestag gibt es unterschiedliche Ausschüsse, in denen Abgeordnete der verschiedenen Parteien sitzen. In den Ausschüssen werden Aufgaben erledigt, für die nicht vom gesamten Parlament übernommen werden können. Hier werden Gesetze vorbereitet, was zumeist viel Fachwissen und Zeit erfordert. In den Ausschüssen versuchen die Abgeordneten auch,
Kompromisse zwischen unterschiedlichen Meinungen der Parteien auszuhandeln.
Der Auswärtigen Ausschuss es Deutschen Bundestages beschäftigt sich mit Fragen der
Außenpolitik. Es gibt auch einen Innenausschuss, einen Verkehrsausschuss oder den Sportausschuss. Insgesamt hat der Deutsche Bundestag derzeit mehr als 20 Ausschüsse, die sich mit unterschiedlichen Themen befassen. (Sie heißen "ständige" Ausschüsse, weil sie während der gesamten
Legislaturperiode regelmäßig tagen). Es gibt auch Ausschüsse, die nur für eine bestimmte Zeit eingerichtet werden. So kann ein
Untersuchungsausschuss gebildet werden, wenn Missstände bei der Regierung untersucht werden sollen. Nach Abschluss der Untersuchung wird er wieder aufgelöst. Auch der
Vermittlungsausschuss kommt nur zeitweise zusammen: Wenn bei Gesetzesvorlagen keine Einigkeit zwischen Bundestag und
Bundesrat erzielt worden ist, versucht er, Kompromissvorschläge zu erarbeiten, damit ein Gesetz doch noch beschlossen werden kann.
Außenpolitik / Außenminister/in
Das Auswärtige Amt in Berlin
© Bundesbildstelle
Die Außenpolitik beschäftigt sich mit den Beziehungen eines Staates zu anderen Staaten und zu internationalen Organisationen wie zum Beispiel der UNO. Außenpolitische Beziehungen gibt es im Bereich der Politik, der Wirtschaft, der Kultur, des
Militärs oder auch des Rechts. Durch die
Diplomatie, durch Verträge und Bündnisse werden außenpolitische Beziehungen gestaltet. In manchen Bereichen betreibt Deutschland zusammen mit anderen Staaten eine gemeinsame Außenpolitik. Das geschieht durch Bündnisse wie die EU oder die
NATO. In Deutschland ist für die Außenpolitik das Auswärtige Amt zuständig, dessen Chef ist der Außenminister. Seine amtliche Bezeichnung ist "
Bundesminister des Auswärtigen".
Aussiedler/in
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten viele Millionen Deutsche, die im Osten des ehemaligen Deutschen Reiches lebten, ihre Heimat verlassen. Etwa 12,3 Millionen
Vertriebene haben sich im Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland niedergelassen. Doch nicht alle Deutschen sind aus den sogenannten Ostgebieten
geflohen. Es lebten noch weiterhin Millionen Menschen deutscher Abstammung in Staaten des ehemaligen Ostblocks, so in
Polen, in der
Sowjetunion und anderen Ländern. Ihre Vorfahren waren einst aus Deutschland ausgewandert. In unserem Grundgesetz steht, dass diesen Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit zusteht. Sie können, wenn sie es wünschen, gemeinsam mit ihrer Familie für immer in die Bundesrepublik Deutschland kommen. So ist das im Bundesvertriebenengesetz geregelt. Die
Aussiedler dürfen, wenn sie in Deutschland wohnen, sämtliche Rechte wahrnehmen, die allen Deutschen per Gesetz zustehen. Den Aussiedlern fällt es nicht immer leicht, sich in Deutschland einzugewöhnen, weil vieles für sie fremd und ungewohnt ist. Deshalb kommt es immer wieder zu Konflikten. Insbesondere die Jugendlichen, die kein Deutsch sprechen, haben es am Anfang oft sehr schwer. Deshalb werden unter anderem Sprachkurse angeboten, die den Aussiedler-
Familien dabei helfen sollen, in Deutschland Fuß zu fassen.
Aussperrung
In einem Arbeitskampf versuchen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, ihre jeweiligen Interessen durchzusetzen. Das Grundgesetz bestimmt, dass
Arbeitskämpfe nach bestimmten Regeln ablaufen. Wenn die Arbeiter und Angestellten streiken, so können die Arbeitgeber darauf mit einer Aussperrung reagieren. Die Aussperrung bedeutet, dass die Arbeitgeber für einen bestimmten Zeitraum ihre streikenden Arbeiter oder Angestellten von der Arbeit ausschließen können. In dieser Zeit müssen auch keine Löhne oder Gehälter gezahlt werden. Eine Aussperrung ist keine Kündigung. Wenn der Arbeitskampf beendet ist, sollen die Arbeitsverhältnisse wieder normal aufgenommen werden. Das ist in Artikel 9 des Grundgesetzes festgelegt.
Autonomie
Im Griechischen bedeutet das Wort so viel wie "Selbstgesetzgebung". Mit "
Autonomie" wird demnach das Recht eines
Staates, einer Gruppe oder einzelner Menschen bezeichnet, die eigenen Verhältnisse selbst zu regeln. Bei einem Staat bedeutet das, dass er in der Lage ist, sich seine Gesetze selbst zu geben, sich selber zu verwalten und politische Entscheidungen zu treffen, ohne dass sich andere Staaten einmischen. Wenn sich innerhalb eines Staates eine Organisation selbst verwalten und sich selbst Regeln geben kann, nach denen sie funktioniert, dann ist sie autonom (Fachleute sprechen dann von "innerstaatlicher Autonomie"). Zum Beispiel haben Städte und
Gemeinden, auch Gewerkschaften oder Universitäten das Recht, ihre Angelegenheiten autonom zu regeln. Dabei müssen sie natürlich die geltenden Gesetze beachten.
Zur Ergänzung: Als "Autonome" bezeichnen sich in der Bundesrepublik Deutschland einige meist politisch links stehende Gruppen. Ihr Ziel ist es, in einer herrschaftsfreien Gesellschaft (Anarchie), in der es keinerlei Autoritäten gibt, zu leben. Um ihre Ziele zu erreichen, schrecken sie oft auch vor Gewalt nicht zurück. So sieht man immer wieder sogenannte Autonome, die bei
Demonstrationen Steine werfen oder Schaufenster eintreten.
Autoritäres System
Wenn ein Mensch sich allen anderen überlegen fühlt, wenn er weder Kritik noch Widerspruch zulässt, bezeichnet man ihn als autoritär. Wenn ein Jugendlicher meint, dass sein Vater immer alles bestimmt, kann er ihm vorwerfen: Du bist aber autoritär! Übertragen auf einen Staat würde das bedeuten: Eine Herrschaft, eine Regierung, die autoritär handelt, hindert Parteien oder Gruppen daran, demokratisch im Staat mitzuwirken. Eine autoritäre Herrschaft lässt keine anderen Meinungen zu und verhindert, dass
Zeitungen, Fernsehen und andere
Medien kritisch berichten können. Dies ist zum Beispiel in einer Diktatur oder in einem Staat der Fall, in dem nur eine einzige Partei, Gruppe oder Familie das Sagen hat und die Opposition verfolgt wird.
Anmerkung: Das Wort "autoritär" wird meistens in negativem Sinne gebraucht. Eine "Autorität" dagegen ist jemand, der wegen seiner Stellung, seiner Kenntnisse und Leistungen ein besonderes Ansehen genießt. Eltern können das sein, auch Lehrerinnen und Lehrer, wenn sie als Vorbild für andere gelten können. Vielleicht kennt ihr ja in eurer Umgebung Menschen, die man als Autoritäten bezeichnen kann.
EU: Außenminister/in der Europäischen Union
Jedes Land hat einen Minister oder eine Ministerin, der/die die Interessen des eigenen Landes gegenüber anderen Staaten vertritt. Das ist normalerweise die Aufgabe des Außenministers . In der Europäischen Union wurde mit dem Vertrag von
Lissabon, der Anfang Dezember 2009 in Kraft trat, ebenfalls ein solches Amt geschaffen. Es heißt offiziell "
Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik". In der Kurzfassung sagt man Außenminister der EU. Gewählt wird der Außenminister für fünf Jahre. Die Person, die dieses Amt innehat, ist "das Gesicht" der europäischen Außenpolitik. Der EU-
Außenminister ist zugleich Vizepräsident der
Europäischen Kommission sowie Vorsitzender im Rat für Auswärtige Angelegenheiten. Die wichtigste Aufgabe des Außenministers ist es dafür zu sorgen, dass die EU-
Mitgliedsstaaten auch wirklich eine gemeinsame Außen-
und Sicherheitspolitik betreiben.
Als erste EU-
Außenministerin wurde die englische Politikerin Catherine Margret Ashton ernannt.
Bafög
Alle Schüler/innen und Studierende haben einen Rechtsanspruch auf eine Ausbildung, die ihren Fähigkeiten und ihrer Leistung entspricht. Doch eine Ausbildung kostet Geld und nicht alle können sie sich finanziell leisten. Deshalb gibt es das "Bafög" – das ist die Abkürzung für "
Bundesausbildungsförderungsgesetz". Dieses Gesetz regelt, welche finanzielle Unterstützung Schüler/innen und Studierende vom Staat für ihre Ausbildung bekommen können, wenn sie selbst dafür nicht genug Geld zur Verfügung haben. Die Höhe der finanziellen Hilfe richtet sich im Wesentlichen danach, wie hoch das Einkommen der Eltern oder das eigene Einkommen ist. Wer verheiratet ist, muss auch das Einkommen des Ehepartners bei dem Antrag auf Bafög angeben.
Seit 1990 wird das Bafög an Studierende zur Hälfte als Zuschuss und zur anderen Hälfte als zinsloses Darlehen gegeben. Das heißt, dass die Hälfte der Förderung später zurückgezahlt werden muss. Anders ist das bei Schülerinnen und Schülern. Das Bafög, das sie erhalten, muss nicht zurückgezahlt werden.
Bankenkrise / Finanzkrise
Die
Bankenkrise im Jahr 2009 hat dazu geführt, dass viele Menschen ihr Erspartes verloren haben. Manche Banken sind zusammengebrochen, viele Staaten auf der ganzen Welt haben sehr viel Geld ausgeben, damit nicht noch Schlimmeres passiert. Inzwischen ist deutlich geworden, dass durch die Bankenkrise viele Probleme entstanden sind: Menschen haben ihre Arbeit verloren. Banken haben ernste Schwierigkeiten. Sie sind in schwerer Geldnot und einige sind sogar bankrott. Und der Staat hat viele Schulden gemacht, um den Banken zu helfen.
Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Wieso gibt es diese Krise ? Angefangen hat alles vin den USA. Dort gab es Probleme mit Krediten für Häuser. Viele Menschen hatten von ihren Banken Geld geliehen, um ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Normalerweise leihen Banken nur Menschen Geld, die es irgendwann auch zurückzahlen können. Aber in den USA wurde das Geld auch sehr armen Menschen geliehen. Trotzdem erwarteten die Banken, dass die Menschen das Geld zurückzahlen würden. Irgendwann. Aber die Preise stiegen, viele Menschen verloren ihre Arbeit, und konnten das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Und sie konnten auch nicht die
Zinsen zahlen, also die Gebühr, die die Banken dafür verlangen, dass sie Geld verleihen.
Als die Banken merkten, dass sie das geliehene Geld nicht zurückbekommen würden, haben einige von ihnen die Schulden der armen Menschen an andere Banken weiterverkauft. Dabei wurde viel verschleiert, es wurden hohe Gewinne versprochen und oftmals auch falsche Angaben über den Wert der Häuser gemacht.
Schulden, Schulden, Schulden…Banken auf der ganzen Welt kauften diese Schulden von amerikanischen Banken. Die
Bank-
Manager im Ausland dachten, dass sie damit viel Geld verdienen würden. Denn die Menschen würden ja ihre Schulden mit Zinsen zurückzahlen. Dazu fehlte aber den armen Bankkunden das Geld. So gab es plötzlich einen riesigen, unübersichtlichen Berg von Schulden. Niemand wusste mehr so recht, wer wem was schuldete. In diesem Chaos behielt kaum jemand den völligen Überblick. Doch eines war schnell klar: die Schulden stellten keinen Wert dar, die Banken hatten sich verspekuliert. Jetzt fehlte ihnen das Geld, und die ersten Banken gingen bankrott.
Banken leihen Geld bei anderen BankenFrüher haben sich die Banken, wenn ihnen kurzfristig Geld fehlte, von anderen Banken Geld geliehen. Die Banken, die das Geld verliehen haben, vertrauten darauf, das geliehene Geld plus Zinsen wieder zurückzubekommen. Aber wegen dieser schlechten Geschäfte, die viele amerikanische Banken gemacht haben, vertrauen sich viele Banken nicht mehr untereinander. Und Banken, die kein Geld haben und auch kein Geld geliehen bekommen, "gehen pleite".
Wenn Banken zahlungsunfähig sind, geraten viele Menschen in
Panik. Sie fürchten, dass ihr Geld verloren geht und dass die Sparbücher nichts mehr wert sind. Aber auch die Wirtschaft wird nervös. Viele Unternehmen wissen nicht, wie sich die wirtschaftliche Lage in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt und machen sich Sorgen, dass es keine Aufträge mehr gibt. Die Folge ist, dass an den Börsen weltweit die Aktien sehr stark fallen.
Wie geht es weiter?Noch weiß niemand, wie alles ausgehen wird. Angst hilft aber nicht weiter. Die Staatschefs und -
chefinnen der Europäischen Union haben sich deshalb dafür entschieden, den Banken Geld zu leihen, damit nicht das ganze Finanzsystem zusammenbricht. Denn das würde für alle schlimm werden. In Deutschland hat die Regierung versprochen, dass das Geld der Bürgerinnen und Bürger auf den Konten sicher ist. Außerdem überlegen die Politikerinnen und Politiker weltweit, was zu tun ist, damit solche Probleme nicht noch einmal passieren können.
Lest dazu auch das Interview der "Berliner Zeitung" vom 27.10.2008 mit der HanisauLand-
Lexikonexpertin Christiane Toyka-
Seid:
Bankett
Das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet "Festmahl" oder "Gastgelage". Wenn bei offiziellen und feierlichen Anlässen, wie zum Beispiel bei Staatsbesuchen, der König oder der Präsident eines Landes die hohen Gäste zum
Abendessen einlädt, nennt man das zumeist "Bankett". Die Herren erscheinen im Frack, die Damen im langen Abendkleid, Reden werden gehalten und das Glas wird auf das Wohl der Gäste und der Gastgeber erhoben.
Ein Bankett im Weißen Haus, dem Amtssitz des amerikanischen Präsidenten
© AP Photos
Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, was Bankett auch noch bedeuten kann: Beim Straßenbau wird der Seitenstreifen zur Befestigung der Böschung oder zum Aufstellen von Leitplanken "Bankett" genannt.
Hin und wieder wird mit dem Wort auch eine Fußbank bezeichnet.
Bank
In jeder Stadt und jedem größeren Dorf gibt es mindestens eine Bank. Alle Menschen haben mit ihr zu tun. Sie besitzen ein Sparbuch, eine Geldkarte oder ein
Konto. Darauf wird zum Beispiel der Lohn, den man bei seiner Arbeit verdient, eingezahlt. Aber auch jeder Einzelne kann Geld auf ein Konto einzahlen. Mit der Geldkarte wiederum kann man Geld von seinem Konto abheben.
Die Bank ist also eine Art
Zwischenlager für das Geld, das Menschen zu ihr bringen und nach Bedarf wieder abholen. Dafür, dass die Bank das Geld verwaltet und Geldgeschäfte für ihre Kunden erledigt, müssen die Kunden eine Gebühr bezahlen.
Die Bank verleiht außerdem auch Geld. Wer Geld bei der Bank leiht, also einen
Kredit aufnimmt, muss dafür bezahlen: Er muss natürlich das Geld zurückzahlen, zusätzlich aber auch Zinsen, die unterschiedlich hoch ausfallen können.
Banken sind für die Wirtschaft und für das gesamte Arbeitsleben sehr wichtig. Sie gehören großen Finanzgesellschaften oder Privatpersonen. Für die Banken gibt es viele Gesetze, die sie bei ihren Geschäften beachten müssen. In Deutschland entstanden die ersten Banken vor über fünfhundert Jahren.
Banknote
Banknoten
Bundesbildstelle
Banknote ist ein anderes Wort für "Geldschein". Die
Banknoten werden als Zahlungsmittel verwendet. Damit sie möglichst nicht gefälscht werden können, haben sie besondere Sicherheitsmerkmale wie das Wasserzeichen oder einen Sicherheitsfaden.
Bannmeile
Mit "Bannmeile" ist ein bestimmter Umkreis um den Sitz von einigen Verfassungsorganen gemeint, in dem politische Demonstrationen und andere öffentliche Versammlungen grundsätzlich verboten sind. Diese Bannmeilen, man nennt sie manchmal "Bannkreis", "Verbotszone" oder "
befriedeter Bezirk", gibt es in Deutschland um den Bundestag, den Bundesrat, das
Bundesverfassungsgericht und um die Parlamente der Länder. Ausnahmen von diesem Verbot können in Absprache mit dem Präsidenten des jeweiligen Verfassungsorgans für Volksfeste oder religiöse Feste gelten.
Warum gibt es diese Zonen? Die
Verfassungsorgane sollen dadurch geschützt werden und ohne jeden direkten Druck durch die Bevölkerung, wie es zum Beispiel eine Demonstration wäre, arbeiten können. Übrigens gibt es bei Wahlen um die Wahllokale ebenfalls eine Art Bannmeile, in der jegliche Werbeaktionen der Parteien verboten sind. In der Regel hat dieser Bereich einen Radius zwischen 10 und 50 Meter.
Seit dem Mittelalter war der Bannkreis ein festgelegtes Gebiet rund um eine Stadt. Darin durften fremde Händler keine Waren anbieten. Dadurch sollten die Interessen der städtischen Händler geschützt werden. An den großen Markttagen allerdings wurde diese Bannmeile aufgehoben.
Barrel
Dieser Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet "Fass" oder "Tonne". "
Barrel" ist eine Maßeinheit, die insbesondere bei der Erdölförderung von Bedeutung ist. Ein Barrel Rohöl sind 42 US-
Gallonen oder 159 Liter. Auf dem Weltmarkt wird der Preis für Rohöl in US-
Dollar pro Barrel angegeben.
Beamte
Jeder von uns kennt Beamte oder Beamtinnen, zum Beispiel Polizisten, Leute von der Stadtverwaltung, Lehrerinnen. Die meisten von ihnen sind Beamte oder "Staatsdiener", wie manchmal gesagt wird. In diesem Wort steckt schon drin, was sie von anderen Berufsgruppen (Arbeitern oder Angestellten zum Beispiel) unterscheidet. Sie sind vom
Staat angestellt (das kann der
Bund sein, ein
Bundesland oder eine Gemeinde), sie sollen dem Staat dienen, "hoheitliche" Aufgaben im Auftrag des Staates ausführen. Bei einem Polizisten oder Kriminalbeamten versteht man das sofort, auch beim Finanzbeamten, der schließlich dafür sorgt, dass der Staat unsere Steuern bekommt. Beamte haben besondere "Dienst-
und Treuepflichten". Sie müssen der Verfassung dienen und unparteiisch sein. Sie dürfen auch nicht, wie andere Arbeitnehmer, für mehr Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen streiken. Sie haben, wie es heißt, dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen, also für uns alle da zu sein. Das Beamtenrecht umfasst die Gesetze und
Verordnungen, die für Beamte gelten. Auch wie Beamte bezahlt (besoldet) werden und wie viel Geld sie im Ruhestand bekommen, ist genau festgelegt.
Behinderte Menschen
Der Rollstuhl wird nur durch Mimik - Lidschlag, Blickrichtung und Augenbrauen - bewegt
© AP Photos
Vielleicht habt ihr einen Mitschüler, der im Rollstuhl sitzt oder andere Hilfe braucht. Vielleicht begegnet ihr auf der Straße behinderten Nachbarn. Wahrscheinlich habt ihr auch schon von den "
Paralympics" gehört oder anderen internationalen Wettkämpfen des Behindertensports. Aber ziemlich sicher wisst ihr nicht, dass es alleine bei uns in Deutschland fast sieben Millionen Menschen gibt, die mit einer schweren Behinderung leben. Etwa die Hälfte von ihnen ist über 65 Jahre alt. Dabei sind in dieser Statistik nicht einmal alle Betroffenen erfasst, sondern nur diejenigen, die einen Schwerbehindertenausweis bei der Behörde beantragt haben. Man sieht also, dass behinderte Menschen zu unserem Alltag gehören und eine große Gruppe in unserer Gesellschaft sind. Im Grundgesetz steht, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Deshalb gibt es verschiedene Hilfen, um behinderten Menschen das Leben in der Gesellschaft, in der Schule und bei der Arbeit zu erleichtern. Im
Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) aus dem Jahre 2002 sowie in weiteren Gesetzen und Verordnungen gibt es dazu genaue Vorschriften. Aber auch jeder Einzelne sollte sich darum bemühen, behinderte Menschen so gut es geht dabei zu unterstützen, sich im Leben zurecht zu finden.
Als Behinderungsarten gelten Körperbehinderungen, dauerhafte Schädigungen innerer Organe, Schädigungen beim Hören, Sehen oder Sprechen, geistige Behinderungen, psychische Behinderungen (zum Beispiel Suchtkrankheiten) und soziale Behinderungen wie Lernbehinderungen und Verhaltensstörungen. Allgemein gesagt heißt das, Personen sind behindert, deren Alltag und Teilnahme am Leben der Gesellschaft sehr erschwert ist. Genaue Festlegungen darüber, was als Behinderung zu gelten hat, stehen im "Sozialgesetzbuch".
Die Deutsche Behindertenhilfe "Aktion Mensch" ist die größte Organisation in Deutschland, die sich für die Aufklärung über die Situation von Behinderten und für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen einsetzt. Das Geld, das sie für ihre Arbeit braucht, sammelt sie über eine Lotterie und mit Spendenaktionen.
Berliner Blockade
Am 24. Juni 1948 sperrten die sowjetischen Truppen alle Zufahrtswege nach West-
Berlin. Damit begann die
Berliner Blockade, sie dauerte bis zum 12. Mai 1949. In den westlichen Besatzungszonen war am 20. Juni 1948 die
Währungsreform durchgeführt worden, jetzt sollte die neue
Währung auch auf Westberlin ausgedehnt werden. Die Sowjetunion nahm das zum Anlass, West-
Berlin von den westlichen Besatzungszonen abzutrennen. Damit sollte ganz Berlin unter die Kontrolle der Sowjetunion gebracht werden. Zudem sollten die westlichen Siegermächte USA, England und Frankreich dazu gezwungen werden, auf die Gründung eines demokratischen Staates in ihren Besatzungszonen zu verzichten.
Die Transportmaschine von US-Pilot Gail Halvorsen beim Anflug auf Berlin. Der Pilot hatte an kleine Taschentuch-Fallschirme Süßigkeiten angebunden, die er für die Kinder abwarf. Er wurde deshalb auch der 'Candyman' genannt.
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Als Reaktion auf diese Blockade veranlasste der amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay (1897-
1978) die Einrichtung einer Luftbrücke. West-
Berlin, das von den Westzonen abgeschnitten war, wurde nun über die Luft versorgt. Fast ein Jahr lang kamen alle lebenswichtigen Güter (vor allem Lebensmittel, Baumaterialien und Brennstoffe) für die Bevölkerung mit Flugzeugen in die Stadt. Im Volksmund wurden die Transporte "
Rosinenbomber" genannt, weil sie häufig vor ihrer Landung kleine Päckchen mit Schokolade und Rosinen für die Kinder in West-
Berlin abwarfen. Die Blockade von Berlin war der erste Höhepunkt im
Kalten Krieg.
Berliner Mauer
In der Nacht vom 12. auf den
13. August 1961 haben Grenzpolizisten der DDR damit begonnen, in Berliner Straßen das
Pflaster aufzureißen, Barrikaden aus den Steinen zu errichten und quer durch die Stadt Stacheldraht zu ziehen. Sie bauten rund um West-
Berlin eine drei Meter hohe ,
unüberwindliche Mauer. Dadurch wurde der westliche Teil Berlins von der DDR und Ostberlin abgetrennt. Wieso?
Die Berliner Mauer, erbaut am 13. August 1961
Bundesbildstelle
Um das zu verstehen, müssen wir etwas über den geschichtlichen Hintergrund wissen:
Ende des Zweiten WeltkriegsDer Zweite Weltkrieg endete 1945 mit der Niederlage der nationalsozialistischen Diktatur. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen eingeteilt. Die
Hauptstadt Berlin wurde von den vier Siegermächten USA, Sowjetunion, England und Frankreich gemeinsam verwaltet und in vier Bereiche, sogenannte Sektoren, aufgeteilt. Von Anfang an gab es zwischen den Siegermächten große Spannungen und schon bald brach die
Koalition der Siegermächte auseinander. Es kam zum Kalten Krieg.
Bundesrepublik Deutschland und DDR entstehen1949 entstanden zwei deutsche Staaten: Im Westen die Bundesrepublik Deutschland, ein demokratischer Staat mit der vorläufigen Hauptstadt Bonn; im Osten die DDR, eine kommunistische Diktatur mit der Hauptstadt Ost-
Berlin. West-
Berlin stand unter dem Schutz der westlichen Siegermächte.
In den ersten Jahren der deutschen Teilung konnten die Menschen die
Grenze zwischen der DDR und dem Westen noch ziemlich leicht überqueren. Das war besonders im geteilten Berlin wichtig, da viele Menschen, die im Osten der Stadt wohnten, im Westteil arbeiteten. Die
wirtschaftliche Lage der DDR verschlechterte sich aber zwischen 1950 und 1960 zunehmend. Die Menschen in der Bundesrepublik (und in West-
Berlin) erlebten dagegen einen wirtschaftlichen Aufschwung, es ging ihnen gut. Das führte dazu, dass viele Menschen die DDR verließen und im Westen blieben. Deshalb fehlten im Osten allmählich immer mehr Arbeitskräfte.
Die Mauer wird gebautSo beschloss die oberste Partei-
und Staatsführung der DDR, die Menschen daran zu hindern, die DDR zu verlassen. Sie ließen die Grenzanlagen befestigen und in Berlin im August 1961 die Mauer bauen. Die DDR errichtete entlang ihrer Grenze Wachtürme, von denen aus beobachtet wurde, ob Menschen das Land verlassen wollten. Außerdem wurden Minen verlegt, die die Menschen töteten, wenn sie berührt wurden. Dies war der sogenannte Todesstreifen, der nachts von starken Scheinwerfern beleuchtet wurde.
Berliner Mauer
© Stefan Eling
Mit dem Mauerbau war der Osten Berlins total vom Westen abgeriegelt. Viele Familien wurden auseinandergerissen und konnten sich Jahrzehnte lang nicht mehr treffen.
Obwohl die Mauer als unüberwindbar galt, versuchten dennoch viele Menschen, aus der DDR zu fliehen und riskierten dabei ihr Leben. 136 Menschen starben zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer. An der gesamten Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR starben fast tausend Menschen.
Herbst 1989: Die Mauer fällt1989 wurde der Protest der Bevölkerung in der DDR gegen das Regime immer stärker. Und auch die Sowjetunion hatte ihre Politik geändert und
Reformen angemahnt. Am 9. November stürmten die Menschen die Mauer, nachdem die DDR-
Führung neue Reiseregelungen verkündet hatte. Die Mauer war geöffnet. Abgerissen wurde sie erst, nachdem die DDR zusammengebrochen war.
Am 13. August 1998 wurde in Berlin eine Mauer-
Gedenkstätte in der Bernauer Straße eingeweiht. Sie besteht aus einem etwa 70 Meter langen, von Stacheldraht eingefassten Mauerrest.
Beschlussfähigkeit
In Sitzungen des Bundestages, des Bundesrates, aber auch im Landtag oder im Stadtrat stellt sich manchmal die Frage, ob genug Mitglieder anwesend sind, um etwa ein neues Gesetz, eine neue Verordnung oder Regelung zu beschließen. Nur dann nämlich ist ein Parlament oder eine andere Organisation beschlussfähig. Steht zum Beispiel ein neues Gesetz im Bundestag zur Debatte, so benötigt es im Normalfall die
Mehrheit der anwesenden Abgeordneten, damit das Gesetz beschlossen ("verabschiedet") werden kann. Der Präsident des Bundestages stellt vor entscheidenden Abstimmungen die
Beschlussfähigkeit fest. Auch in den anderen gewählten Volksvertretzungen, sei es auf Länder-
oder Gemeindeebene, ist in der Regel die Anwesenheit der Mehrheit der Mitglieder erforderlich, um Beschlüsse zu fassen.
Betriebsrat
Eine Klasse oder eine Schule kann sich eine Vertretung wählen, die berechtigt ist, im Namen aller zu sprechen. Die Beschäftigten eines privaten Betriebes oder Unternehmens können sich ebenfalls eine Vertretung wählen, den Betriebsrat. Das entspricht dem Gedanken der
Mitbestimmung. Der Betriebsrat nimmt gegenüber der Firmenleitung die Interessen der Arbeiter und Angestellten wahr. Er kann zum Beispiel die Vorschriften zur Unfallverhütung überwachen oder Beschwerden von Arbeiterinnen und Arbeitern entgegennehmen und sie an die Verantwortlichen weiterleiten. Bei Einstellungen oder Entlassungen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wird der Betriebsrat gehört. er kann auch mitbestimmen, wann die Arbeitszeiten beginnen und enden, wann Pausen und wann Urlaub genommen wird.
Im
Betriebsverfassungsgesetz sind die Rechte und Pflichten eines Betriebsrates geregelt. Die Vertretung der Arbeitnehmer in einem staatlichen Betrieb, etwa einem
Ministerium oder einer Stadtverwaltung, wird Personalrat genannt.
Bevölkerungswachstum
Zurzeit leben fast 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Bis zum Jahr 2050 werden es voraussichtlich 9 Milliarden sein. Diesen rasanten Zuwachs in der Bevölkerung nennt man
Bevölkerungsexplosion. Um den Bevölkerungszuwachs zu berechnen, muss man wissen, wie viele Menschen sterben und wie viele im gleichen Zeitraum geboren werden. Ganz genau vorhersagen kann dies niemand. Wenn sich aber die Entwicklung der letzten Jahre fortsetzt, dann wird die Bevölkerung in Asien am stärksten wachsen, von 3,8 Milliarden Menschen im Jahr 2003 bis auf vermutlich 5,3 Milliarden im Jahr 2050. In den 50 ärmsten Ländern der Welt wird sich die Bevölkerung mehr als verdoppeln. Dagegen ist in den westlichen Industrieländern die
Geburtenrate eher gering und es findet fast kein Bevölkerungswachstum statt.
Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 25 Jahre alt, 87 Prozent dieser Menschen leben in
Entwicklungsländern. Die Regierungen in diesen Ländern aber können nicht das Geld aufbringen, um immer mehr Menschen zu ernähren, auszubilden und gesundheitlich zu versorgen. Bei einer geringeren Geburtenrate würde mehr Geld für
Gesundheit und
Bildung übrig bleiben. Die Weltgemeinschaft hat sich deshalb das Ziel gesetzt, durch Aufklärung und finanzielle Hilfen für die armen Länder mitzuhelfen, dass das Bevölkerungswachstum begrenzt werden kann.
Bildung
Dieser Mann oder diese Frau ist sehr gebildet, hört man manchmal jemanden sagen. Oder auch: Der oder die hat eine gute Allgemeinbildung. Damit meint man, dass eine Person viel weiß. Bildung ist also das gesamte Wissen eines Menschen. Unter dem Begriff versteht man aber auch den Weg, wie dieses Wissen erworben wird. Das kann durch die Ausbildung in der Schule, in der Lehre oder in der Universität geschehen. Man kann sich aber auch selber viel beibringen, wenn man sehr neugierig ist, viel liest und sich für viele Fragen interessiert. Für Bildung gibt es keine Altersbegrenzung.
Mit dem Begriff "Bildung" ist aber auch noch etwas anderes gemeint, und das geht über die Ansammlung von Wissen hinaus. Es ist die innere Bildung, die sogenannte Herzensbildung, also die geistige und seelische Ausbildung des Menschen. Sie gibt ihm die Fähigkeit, in seinem Leben verantwortlich zu handeln, seine Anlagen und Talente verantwortlich umzusetzen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, an seine Mitmenschen zu denken und entsprechend zu handeln.
Bildungsreform
Reform bedeutet "Umgestaltung", "Neuordnung", "Verbesserung".
Untersuchungen haben gezeigt, dass das deutsche Bildungssystem (man nennt das auch
Bildungswesen) verändert werden muss, damit alle Schülerinnen und Schülern mehr lernen und bessere Schulabschlüsse bekommen können. Dann können sie auch ihre Ausbildungs-
und Berufsziele besser erreichen und ihren Lebensweg besser gestalten.
Um die künftigen Änderungen zu planen, treffen sich die Kultusminister der Bundesländer auf der Kultusministerkonferenz (KMK). Ein Teil der
Bildungsreform ist zum Beispiel der Beschluss, dass man nach 12 Schuljahren das Abitur machen kann. Die Bildungsreform betrifft aber auch die Hochschulen, für die nicht nur die Bundesländer, sondern auch der Bund zuständig ist. Die Bildungsreform ist noch nicht umgesetzt, vieles befindet sich noch in der Planung.
Bildungswesen
Eure Schule gehört zum Bildungswesen in Deutschland. Dazu zählen auch alle anderen öffentlichen oder privaten Schulen, die Fachschulen, Volkshochschulen und Universitäten und auch die Vorschule im Kindergarten. Es ist das gesamte Schul-
und Ausbildungswesen eines
Staates mit seinen vielen verschiedenen Schul-
und Universitätsabschlüssen sowie den Möglichkeiten der Weiterbildung. Dazu gehören auch Bildungseinrichtungen von Verbänden und Parteien.
Vorlesung in einem Hörsaal der Technischen Universität München
© AP Photos
Das Bildungswesen ist zwar in allen Staaten unterschiedlich organisiert, aber es gibt viele Ähnlichkeiten. In Deutschland wie in fast allen anderen Ländern der Welt besteht Schulpflicht. Sie beginnt in unserem Land für alle Kinder mit sechs Jahren. Auch die Schulpflicht ist ein Teil des Bildungswesens.
In Deutschland liegt die Verantwortung für das Bildungswesen bei den Bundesländern. Sie bestimmen, wie viel Geld für Schulen und Lehrer zur Verfügung steht, wie lange man zur Schule gehen muss, welche Fächer besonders wichtig sind und was die Schülerinnen und Schüler lernen müssen. Man sagt: "Bildungswesen ist Ländersache". Aber nicht alle Angelegenheiten des Bildungswesens regeln die Bundesländer. Der Bund ist zuständig für die Berufsausbildung und die Berufsberatung, er erlässt Gesetze für die Hochschulen und kümmert sich um die Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Damit sich der Bund und die Bundesländer bei der Planung bestimmter Aufgaben nicht gegenseitig behindern, gibt es eine Bund-
Länder-
Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, die sich regelmäßig trifft.
Als "Bildungspolitik" bezeichnet man alle Handlungen des Staates, die damit zu tun haben, wie die Bildung der Bürger durchgeführt wird.
Binnenmarkt
Innerhalb der Länder der Europäischen Union kann nach einem
Abkommen von 1993 frei und ohne
Zollschranken Handel getrieben werden. Die EU ist also, wie es heißt, ein abgegrenztes Wirtschaftsgebiet, ein "
Binnenmarkt". Er umfasst den Handel mit Waren,
Dienstleistungen und Kapital. Auch die Arbeit der Menschen gehört dazu. In einem Binnenmarkt können die Menschen ihren Arbeitsplatz frei wählen. Der Gegensatz zum Binnenmarkt ist der Weltmarkt, der durch vielerlei Zölle und andere Beschränkungen gekennzeichnet ist. Statistisch gesehen sind die größten Binnenmärkte der Welt die USA, die Europäische Union und Japan. Der Begriff "Binnenmarkt" wird auch für den Wirtschaftsmarkt innerhalb eines Landes verwendet.
Blauer Engel / Gütesiegel
Heutzutage gibt es einige Produkte, die Schadstoffe von sich geben, ohne dass wir es merken. Diese schädlichen Stoffe können in unserer Kleidung enthalten sein, in Farben, Spielsachen, Möbeln und vielem anderen mehr. Seit 1978 gibt es in Deutschland ein sogenanntes Gütesiegel für umweltfreundliche Produkte. Es heißt Blauer Engel. Dieser Blaue Engel ist ein
Umweltzeichen (Öko-
Label) und wird für Dinge vergeben, bei denen man untersucht hat, ob sie wirklich nicht zu viele Schadstoffe enthalten. Wenn das Produkt wenig oder keine Schadstoffe hat, dann erhält es den Blauen Engel. Der Blaue Engel kennzeichnet auch Waren, die so hergestellt wurden, dass die Umwelt dabei möglichst wenig geschädigt wurde. Die Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie ihr Produkt prüfen lassen. Auch innerhalb der Europäischen Union gibt es ein Umweltzeichen, das für umweltfreundliche Produkte vergeben wird und in allen EU-
Ländern gleich ist. Das ist das sogenannte ECO-
Label.
Börse
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse
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Eine Börse ist ein Markt, auf dem Wertpapiere oder Devisen (ausländische Zahlungsmittel wie zum Beispiel der Dollar) gekauft und verkauft werden. Der Unterschied zu anderen Märkten liegt darin, dass man an der Börse die Ware nicht sehen und auch nicht mitnehmen kann, wie zum Beispiel ein Fahrrad oder einen Sack Äpfel. Man sieht lediglich an einer Tafel die Preise, die Börsenkurse genannt werden. Diese Börsenkurse können sich von Minute zu Minute ändern. Werden beispielsweise von einer
Aktie sehr viele gekauft, steigt ihr Wert (Kurswert) sofort an. Werden viele verkauft, sinkt der Aktienkurs wieder. Da es sich nicht genau vorhersagen lässt, was die Anleger (also diejenigen, die mit Wertpapieren oder Aktien handeln) gerade kaufen oder verkaufen möchten, kann man an der Börse in kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen, aber auch sehr viel Geld verlieren.
Botschaft / Botschafter/in
Die Botschaft von Großbritannien in Berlin
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Den höchsten diplomatischen Vertreter oder die Vertreterin eines Landes in einem anderen Staat nennt man "Botschafter" oder "
Botschafterin". Die Botschafter haben in ihrem Gastland besondere Rechte. Um ein Beispiel zu nennen: Der deutsche Botschafter in Ägypten kann den Staatschef oder Außenminister um ein Gespräch bitten, um ihm eine wichtige Mitteilung (Botschaft) zu überbringen oder eine dringende Angelegenheit im Auftrag seiner Regierung zu besprechen. Umgekehrt kann er selber zum Regierungschef oder einem Minister seines Gastlandes gerufen werden, um eine wichtige Nachricht oder einen Brief an seine Regierung entgegenzunehmen.
Die Gebäude, in denen die Botschafter mit ihren Mitarbeitern im Ausland arbeiten, sind die Botschaften. Das Gastland hat die Pflicht, sie zu schützen. Deutsche Bürger können in einer deutschen Botschaft im Ausland Rat und Hilfe erbitten, wenn sie zum Beispiel ihren
Pass oder ihr Geld verloren haben. Deutschland hat in 148 Ländern eine Botschaft.
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Viele Menschen stellen in Deutschland im Laufe eines Jahres eine Menge Dinge her, wie zum Beispiel Autos, Waschmaschinen, Fernseher und vieles andere. Diese Sachgüter, wie man sie nennt, stellen einen bestimmten Wert dar. Dann gibt es noch die sogenannten Dienstleistungen. Das sind Leistungen, die zum Beispiel Verkäuferinnen und Verkäufer in den Geschäften, Friseure im Haarschneidesalon, Ärztinnen im Krankenhaus,
Rechtsanwälte in der Kanzlei oder Angestellte am Bankschalter erbringen. Dazu zählen auch die Leistungen der Polizistinnen und Polizisten, die den Verkehr regeln und für die Sicherheit sorgen, der Beamten in den Stadtverwaltungen oder der Lehrerinnen und Lehrer, die euch unterrichten. Diese Liste von Beispielen kann man natürlich noch verlängern. Alle diese verschiedenen Tätigkeiten lassen sich mit Geld bewerten (das sieht man schon daran, dass die Menschen Geld für diese Arbeiten bekommen). Wenn man nun wissen will, wie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes aussieht, dann rechnet man den Wert der Dienstleistungen und der Sachgüter (zum Beispiel Autos, Waschmaschinen usw.) zusammen und erhält dann das sogenannte
Bruttoinlandsprodukt (abgekürzt BIP).
Früher hat man immer vom Bruttosozialprodukt gesprochen. Aber heute verwendet man, auch wenn man verschiedene Länder vergleichen will, das Bruttoinlandsprodukt.
Bruttolohn / Nettolohn
Beide Wörter kommen aus dem Italienischen. "Brutto" bedeutet im Deutschen "ohne Abzug" oder "vor Abzug". Wenn jemand von seinem "
Bruttolohn" spricht, meint er damit seinen Verdienst plus die Steuern und Beiträge zur
Renten-
, Kranken-
und Arbeitslosenversicherung. Steuern und sogenannte
Sozialversicherungsbeiträge zieht der Arbeitgeber direkt vom Lohn ab und überweist das Geld an das Finanzamt und die
Versicherungen. "Netto" ist der Gegensatz dazu: Bei einem Nettolohn sind alle Abgaben wie Lohnsteuer, Kranken-
, Renten-
, Pflege-
und Arbeitslosenversicherungsbeiträge schon abgezogen.
Buddhismus
Buddha-Figur in Bodh Gaya, Indien
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Siddharta Gautama (er lebte ungefähr von 560 bis 480 vor Christi Geburt) war ein
indischer Fürstensohn. Nachdem er eine schwere Krankheit überstanden hatte, gab er sein bisheriges Luxusleben auf. Er verließ seine Familie und zog sich in die Einsamkeit zurück. Dort dachte er viel über das Leben und den Tod nach. Der Legende nach hatte er unter einem Feigenbaum eine Erleuchtung. Ihm war klar geworden, wie die Menschen richtig und sinnvoll leben könnten. Deshalb wurde er fortan Buddha (das heißt "Der Erleuchtete") genannt. Er zog durch das Land und verkündete seine Lehre, den Buddhismus. Es gibt mehrere Gebote, die die
Buddhisten in ihrem Leben beachten müssen. Sie dürfen unter anderem nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen und keinen Alkohol trinken.
Die Buddhisten sind davon überzeugt, dass die Menschen häufig wiedergeboren werden. Nur wer nach den Grundsätzen des Buddhismus lebt, wird eines Tages von der Wiedergeburt erlöst werden. Er wird dann, so der Glaube, endgültig ins Nirwana ("Nichts") eingehen. Buddha selbst wird von den Anhängern dieser Religionsgemeinschaft als Lehrer und Vorbild verehrt. Am stärksten ist der Buddhismus mit 336 Millionen Anhängern in Asien verbreitet.
Der Buddhismus gehört wie das
Christentum, der
Islam, das Judentum und der
Hinduismus zu den großen Religionen dieser Welt.
Die Anzahl der Anhänger/innen aller großen Religionen in Deutschland und weltweit findet ihr beim Stichwort "Religion".
Bürger/in / Bürgertum
Du bist ein Bürger oder eine Bürgerin, deine Freunde und Freundinnen auch. Heute sind nahezu alle Menschen Bürger zum Beispiel von Deutschland, Frankreich, Italien oder anderen
Staaten. Früher wurden Menschen "Bürger" genannt, die im Umkreis einer Burg lebten und das Recht hatten, bei Kriegsgefahr innerhalb der Burgmauern Schutz zu suchen. Dieses Recht hatten etwa die Bauern oder die fahrenden Händler und Gaukler nicht. Auch Gäste der Burg standen oft unter einem anderen Recht als die Bürger. Aus dem Begriff "Bürger" entwickelte sich das "Bürgertum". Das waren die Stadtbewohner und -
bewohnerinnen. Das Bürgertum unterschied sich durch seine Arbeit, seine Kleidung, seine Wohnungen und Umgangsformen von den anderen Schichten der Gesellschaft. Heute spielen diese Unterschiede keine Rolle mehr und alle Bürgerinnen und Bürger eines Staates haben die gleichen Rechte und Pflichten.
Bürgerinitiative
Angenommen, der Sportunterricht fällt an eurer Schule für eine ganze Weile aus, weil kein Sportlehrer eingestellt wird. Das passt euch nicht, ihr protestiert, macht ein Spruchband, geht auf den Schulhof und sammelt Unterschriften. Dann habt ihr gegen den Ausfall dieses Unterrichts eine Schülerinitiative gegründet ("Initiative" kommt aus dem Lateinischen und Französischen und heißt so viel wie "Entschlusskraft", "Unternehmungsgeist"). Was den Sportunterricht betrifft, sind hier alle einer Meinung. Bei anderen Themen können die Schüler und Schülerinnen aber auch ganz unterschiedlicher Meinung sein.
Ähnlich ist es bei einer Bürgerinitiative. Bürger, die sonst vielleicht ganz verschiedenen Parteien angehören oder in vielen Dingen unterschiedliche Interessen haben, schließen sich bei einer bestimmten Sache zusammen, um gemeinsam für oder gegen etwas zu kämpfen. Sie protestieren zum Beispiel gegen ein Atomkraftwerk, gegen eine Autobahn in der Nähe eines Wohngebietes oder sie fordern einen neuen Kindergarten oder einen Sportplatz. Je mehr Menschen bei einer solchen Initiative mitmachen, desto eher wird die Öffentlichkeit aufmerksam und die Chance erhöht sich, dass sich Politiker für die Sache einsetzen. In Deutschland sind seit dem Ende der 1960er Jahre mehrere Tausend solcher
Bürgerinitiativen entstanden, die viel erreicht haben. Manche von ihnen haben sich nach einiger Zeit auch wieder aufgelöst.
Bürgerkrieg
Bürgerkrieg ist die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Bürgern eines Staates. Dabei überfällt nicht ein Staat einen anderen Staat, sondern zwei oder mehrere Gruppen in einem Staat bekämpfen sich untereinander. Oft werden
Bürgerkriege geführt, um politische oder gesellschaftliche Verhältnisse gewaltsam zu verändern. Manchmal will auch eine Gruppe im Staat die Regierung stürzen und die Macht an sich reißen oder ein Teil der Bevölkerung will sich vom Gesamtstaat abspalten. So haben – um ein bekanntes geschichtliches Beispiel zu nennen – die Südstaaten den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-
1865) ausgelöst: Sie gründeten einen eigenen Staat, es kam zum Krieg, in dem weit mehr als 500.000 Menschen starben. Die Armee der Südstaaten verlor diesen Bürgerkrieg, die Einheit der USA wurde wiederhergestellt. Auch in Europa gab es verheerende Bürgerkriege, in denen viele tausend Menschen starben. Nach der
russischen Oktoberrevolution 1917 kam es in Russland zu einem jahrelangen Bürgerkrieg. In Spanien brach 1936 ein Bürgerkrieg aus, der drei Jahre dauerte. Eines der jüngsten Beispiele: Im ehemaligen Jugoslawien bekämpften sich nach dem Zerfall des alten jugoslawischen Bundesstaates im Bürgerkrieg in den 1990er Jahren unterschiedliche Volksgruppen, die bis dahin friedlich nebeneinander in ihrem Staat gelebt hatten.
Nach dem
Völkerrecht gilt ein Bürgerkrieg nicht als "Krieg", sondern als innere Angelegenheit eines Staates. Daher entstehen immer wieder Diskussionen, ob sich ausländische Staaten in Bürgerkriege einmischen dürfen und sollten, um den bedrohten Menschen zu helfen.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
Viele Bereiche unseres Lebens sind durch Gesetze geregelt. Ob es sich dabei um Kaufverträge handelt oder um Schulden, um Mietprobleme oder um Erbschaften -
all das ist im
Bürgerlichen Gesetzbuch, das kurz BGB genannt wird, geregelt. Vereinfacht gesagt sind dort die Rechte und Pflichten der Bürger untereinander festgelegt.
Das BGB ist in fünf Teile gegliedert. Im Allgemeinen Teil findet man grundsätzliche Regelungen zum Beispiel darüber, wann jemand geschäftsfähig ist oder was beachtet werden muss, wenn man einen Vertrag schließen will. Im zweiten Teil geht es um die Rechte und Pflichten von Gläubigeren und Schuldnern, das heißt, welche Rechte habe ich beim Kauf oder Verkauf von Sachen, welche Regeln gelten, wenn ich Mieter oder Vermieter bin, was muss ich bedenken, wenn ich mir Geld leihe. Im dritten Teil werden die Fragen behandelt, die mit Eigentum und Besitz zu tun haben. Im vierten Teil, dem Familienrecht, werden die rechtlichen Beziehungen zwischen Eltern, Kindern und Verwandten geregelt. Im letzten Abschnitt schließlich, dem Erbrecht , geht es um die Frage, wer was und wieviel erben kann.
Das BGB gibt es schon seit mehr als 100 Jahren. Weil sich unsere Vorstellungen von dem, was zeitgemäße Regeln sind, im Laufe der Zeit immer wieder ändern, wird auch das BGB immer wieder der modernen Zeit angepasst.
Bürgermeister/in
Alle Aufgaben und Abläufe in einer Stadt oder
Gemeinde finden nach bestimmten Regeln statt. Diese Regeln sind in der Gemeindeverfassung festgelegt. Geleitet wird die Gemeinde von einem Bürgermeister oder einer Bürgermeisterin. Er oder sie wird für eine bestimmte Zeit gewählt und übt dieses Amt meistens hauptamtlich, hin und wieder auch ehrenamtlich aus. Eine wichtige Aufgabe des Bürgermeisters ist es, den Gemeinderat oder den Stadtrat zu leiten. Der Bürgermeister berät und entscheidet mit, ob zum Beispiel ein neues Jugendzentrum gebaut oder Geld für eine Sportanlage ausgegeben wird. Vor allem aber vertreten die
Bürgermeister/innen ihre Gemeinden nach außen. Deswegen sind sie auch hin und wieder in der Zeitung zu sehen, wenn sie zum Beispiel Besuchergruppen empfangen, die sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen.
Bürgerwehr
Unruhen, Kriege oder andere Notstände bedrohten zu allen Zeiten die Bürger in den Städten. Früher haben die Herrscher nicht immer dafür gesorgt, dass ihre Untertanen auch ausreichend geschützt waren. Deshalb schlossen sich die Bürger manchmal zusammen, um selbst die Gefahren abzuwehren und sich mit Waffen zu schützen. Eine solche
Bürgerwehr gibt es bei uns heute nicht mehr. Es ist die Polizei, die im Auftrag des Staates die Bürger und Bürgerinnen schützt. Allerdings gibt es private Bewachungsfirmen, Leibwächter oder Leute, die zum Beispiel zum Schutz von Gebäuden angestellt werden. Diese Wachleute (die "Schwarzen Sheriffs" in der U-
Bahn oder auf dem Bahnhof habt ihr vielleicht schon gesehen) haben aber kein Recht, wie die Polizei vorzugehen. Sie dürfen keine Waffen tragen und keine Straftäter
verhaften.
Jeder Bürger darf sich aber bei Gefahr oder in
Notwehr auch selber schützen oder sein Privateigentum verteidigen. Allerdings gelten auch dafür Gesetze, die beachtet werden müssen.
Bürokratie
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Das Wort "
Bürokratie" kommt aus dem Französischen. Es beschreibt, wie wichtige Vorgänge im Staat ablaufen. In einer Bürokratie ist alles genau geregelt und streng geordnet, jeder hat seine klar umschriebene Aufgabe. Vorschriften bestimmen das Handeln, kein Mitarbeiter einer solchen
Verwaltung wird etwas tun, wofür er nicht zuständig ist. Die sogenannten Dienstwege werden strikt eingehalten, jeder Vorgang wird in den Akten genau und lückenlos festgehalten. Eine Verwaltung, in der viel Bürokratie herrscht, ist oft starr und unbeweglich. Das verärgert sehr oft die Bürger. Wer bei Ämtern lange warten und sich mit vielen Formularen herumschlagen muss, wird unzufrieden. Daher gibt es in den letzten Jahren in den staatlichen Stellen immer wieder Überlegungen, wie man die Verwaltungen besser, das heißt beweglicher, schneller und "bürgernah" machen kann. Das nennt man Bürokratie-
Abbau.
Bundeskanzler/in
Angela Merkel
Bundespresseamt
Der Chef oder die Chefin der Regierung heißt Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin. Er oder sie wird vom Bundestag gewählt und bestimmt, welche Politik gemacht wird (bestimmt die "Richtlinien der Politik"). Die Amtszeit dauert üblicherweise vier Jahre. Zum Bundeskanzler / zur Bundeskanzlerin kann gewählt werden, wer
volljährig ist. Der Kanzler oder die Kanzlerin sucht die
Ministerinnen und Minister aus, mit denen er oder sie die Regierungsmannschaft bildet. Diese werden dann vom Bundespräsidenten ernannt. Seit November 2005 ist Angela Merkel Bundeskanzlerin. Sie ist die erste Frau, die in Deutschland dieses Amt innehat.
Schritt für Schritt und mit einem Bild haben wir
hier ganz genau erklärt, wie man Bundeskanzler/in wird.
Bisherige deutsche Bundeskanzler:
| Konrad Adenauer (CDU) | 1949-1963 |
| Ludwig Erhard (CDU) | 1963-1966 |
| Kurt Georg Kiesinger (CDU) | 1966-1969 |
| Willy Brandt (SPD) | 1969-1974 |
| Helmut Schmidt (SPD) | 1974-1982 |
| Helmut Kohl (CDU) | 1982-1998 |
| Gerhard Schröder (SPD) | 1998-2005 |
| Angela Merkel (CDU) | seit 2005 |
Bundeskartellamt
Stellt euch vor, es gäbe nur drei oder vier Unternehmen, die Inlineskates verkaufen. Diese Unternehmen könnten sich zusammentun und beschließen, dass sie nur wenige Inlineskates produzieren, diese dann aber teuer verkaufen. Solch einen Zusammenschluss von unabhängigen Unternehmen, die das Ziel haben, den Markt zu kontrollieren, nennt man "Kartell". In solch einem Fall gäbe es für die Kartelle keine
Konkurrenz mehr, und ihr müsstet viel mehr für Inlineskates bezahlen, als sie wert sind, oder darauf verzichten. Damit so etwas nicht passiert, gibt es das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), das solche Kartelle verbietet.
Das sogenannte
Bundeskartellamt, das seinen Sitz in Bonn hat, überprüft, ob dieses Verbot auch beachtet wird. Wenn ein Verdacht vorliegt, untersucht es, ob Verstöße gegen das Kartellgesetz bestehen. Es kontrolliert zum Beispiel, ob Firmen sich abgesprochen haben, wie teuer sie eine Ware machen. Dies ist nicht erlaubt. Das Bundeskartellamt schützt also den Wettbewerb. Deshalb müssen auch große Unternehmen, die zu einem noch größeren Unternehmen verschmelzen möchten, also eine so genannte Fusion anstreben, vorher das Bundeskartellamt um Erlaubnis fragen.
Bundesländer / Föderalismus
Deutschland ist ein Bundesstaat. So bezeichnet man den Zusammenschluss mehrerer Staaten zu einem übergeordneten Gesamtstaat. Bei uns nennt man die einzelnen Staaten Bundesländer, das sind zum Beispiel Nordrhein-
Westfalen, Brandenburg oder
Bayern. Es gibt insgesamt 16 Bundesländer, darunter auch die sogenannten Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Die politische Macht wird aufgeteilt zwischen der Bundesregierung in Berlin (man spricht oft von dem "Bund") und den Regierungen der einzelnen Bundesländer. So vertritt zum Beispiel der Bund das Land nach außen (Außenpolitik). Diese Form der Machtverteilung zwischen Bund und Bundesländern nennt man Föderalismus. Der Begriff kommt vom lateinischen Wort "foedus", das heißt "Bündnis", "Staatsvertrag".
Die einzelnen Bundesländer bestimmen mit ihren Regierungen, in denen auch ein Ministerpräsident oder eine
Ministerpräsidentin sowie Minister und Ministerinnen sitzen, über die Organisation der Polizei oder auch die Schul-
und Kulturpolitik. Daher kann es vorkommen, dass eine Abschlussprüfung in Bayern anders bewertet wird als in Mecklenburg-
Vorpommern. Die Aufgabenverteilung dieser beiden politischen Ebenen -
Bund und Länder -
ist im Grundgesetz geregelt.
Bundespolizei
Leitstelle des Bundespolizeipäsidiums in Potsdam
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Die Bundespolizei, die früher "
Bundesgrenzschutz" (BGS) hieß, ist die Polizei des
Bundes. In Deutschland sind zwar grundsätzlich die Bundesländer für die Polizei zuständig. Aber in manchen Bereichen hat der Bund mit der Bundespolizei die Verantwortung. So schützt die Bundespolizei die Grenzen Deutschlands sowie wichtige staatliche Gebäude – zum Beispiel das Bundeskanzleramt, die Ministerien oder den Amtssitz des Bundespräsidenten. Sie schützt aber auch die Bahnhöfe und Flughäfen oder auch die
Botschaften Deutschlands im Ausland. Wenn es Katastrophen oder besondere Unglücksfälle gibt, kann die Bundespolizei eingesetzt werden. Zu den Aufgaben dieser Polizei gehört unter anderem auch der Schutz der Umwelt auf der Nord-
und Ostsee. Auch bei Aktionen der UNO oder der EU kann die Bundespolizei tätig werden.
Bundespräsident/in
Der Bundespräsident ist der erste Mann im
Staat. Bisher gab es in Deutschland nur Männer in diesem Amt. Vielleicht wird auch einmal eine Frau dieses Amt bekleiden. Kein
Gesetz spricht dagegen. Der Bundespräsident wird von der
Bundesversammlung für fünf Jahre gewählt. Die Bundesversammlung tritt nur zu diesem Zweck zusammen. Sie besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und aus Personen, die von den Parlamenten der Bundesländer gewählt werden. Dies können ganz normale Bürgerinnen und Bürger oder auch Prominente sein. Zum Bundespräsidenten kann jeder Deutsche gewählt werden, der mindestens 40 Jahre alt ist. Oft ist der Bundespräsident im Fernsehen zu sehen, wenn er andere Staatsoberhäupter empfängt oder selber Staatsbesuche macht.
In diesem Saal im Schloss Bellevue empfängt der Bundespräsident seine Gäste.
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Darin liegt eine seiner wichtigsten Aufgaben: die Vertretung Deutschlands gegenüber dem Ausland und der Abschluss von Verträgen mit anderen Ländern. Gesetze gelten ohne seine Unterschrift nicht. Zur Arbeit des Bundespräsidenten gehört auch die Ernennung des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin und der Minister und Ministerinnen. Der Bundespräsident hat ein besonderes Recht: Er kann Gefangene begnadigen.
Nach dem Rücktritt des bisherigen Bundespräsidenten Horst Köhler am 31. Mai 2010 nahm der Präsident des Bundesrates, Jens Böhrnsen, die Aufgaben des Bundespräsidenten wahr. Am 30. Juni wurde Christian Wulff von der Bundesversammlung zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Mit der
Vereidigung von Christian Wulff am 2. Juli endet die Amtszeit von Jens Böhrnsen.
Deutsche Bundespräsidenten seit 1949:
| Theodor Heuss | 1949-1959 |
| Heinrich Lübke | 1959-1969 |
| Gustav Heinemann | 1969-1974 |
| Walter Scheel | 1974-1979 |
| Karl Carstens | 1979-1984 |
| Richard von Weizsäcker | 1984-1994 |
| Roman Herzog | 1994-1999 |
| Johannes Rau | 1999-2004 |
| Horst Köhler | 2004-2010 |
| Christian Wulff | ab 2. Juli 2010 |
Bundesrat
Der Bundesrat in Berlin
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Die politischen Vertreter der 16 Bundesländer bilden den Bundesrat. Der Bundesrat ist an wichtigen bundespolitischen Entscheidungen beteiligt. Wenn im Deutschen Bundestag ein Gesetz beschlossen wird, kann der Bundesrat ihm zustimmen, es ablehnen oder
Einspruch einlegen. Manche Gesetze können nur dann gültig werden, wenn der Bundesrat zustimmt.
Der Bundesrat hat 69 Mitglieder. Jedes Bundesland hat mindestens drei, höchstens sechs Stimmen. Je mehr Einwohner ein Bundesland hat, desto mehr Stimmen hat es im Bundesrat. Die Vertreter der Bundesländer im Bundesrat sind nicht direkt vom Volk gewählt wie die Mitglieder des Bundestages, sondern sie gehören den jeweiligen Landesregierungen an. Der Bundesratspräsident oder die Bundesratspräsidentin wird jeweils für ein Jahr gewählt. Er oder sie ist Vertreter/in des Bundespräsidenten.
Bundesrepublik Deutschland
Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Dieses Datum gilt als Gründungstag unseres Staates. Zu der Gründung kam es, weil sich nach dem Ende des
Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden zwei völlig unterschiedliche politische Systeme gegenüberstanden: In der sowjetisch besetzten Zone entstand die DDR; auf dem Gebiet, das von den westlichen Siegermächten USA, Frankreich und Großbritannien besetzt war, entstand die Bundesrepublik Deutschland.
Im Artikel 20 des Grundgesetzes ist festgelegt, dass die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist. Seit der Verkündung unserer Verfassung ist daher "Bundesrepublik Deutschland" die offizielle und amtliche Bezeichnung für unser Land.
Bundesstaat / Bund
Wenn sich mehrere Staaten zu einem Gesamtstaat verbinden und dabei teilweise ihre Selbstständigkeit aufgeben, wird daraus ein Bundesstaat. Im Unterschied zum
Staatenbund hat der Bundesstaat ein Staatsoberhaupt und eine
Regierung. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein solcher Bundesstaat. Der Bundespräsident und die Bundesregierung haben ihren Amtssitz in Berlin. Sie vertreten den Gesamtstaat, der auch "Bund" genannt wird. In den einzelnen Bundesstaaten, die bei uns "Bundesländer" genannt werden, gibt es Länderregierungen. Die Landesregierung von Nordrhein-
Westfalen beispielsweise hat ihren Sitz in Düsseldorf. Die staatlichen Aufgaben in einem Bundesstaat, die Verwaltung und die
Gesetzgebung werden zwischen der Regierung des Gesamtstaates und den Regierungen der Bundesländer aufgeteilt.
Unsere Nachbarländer Österreich und Schweiz, aber auch
Kanada und die USA sind Bundesstaaten. (In den USA werden auch die einzelnen Staaten "Bundesstaat" genannt). Weil die Europäische Union weder ein einfacher Staatenbund, noch ein richtiger Bundesstaat ist, hat das Bundesverfassungsgericht festgelegt, dass sie als Staatenverbund zu bezeichnen ist.
Bundestagspräsident/in
Nach dem Bundespräsidenten bekleidet der Bundestagspräsident das zweithöchste Amt in unserem Staat. Wenn ein neuer Bundestag gewählt worden ist, wählen die Abgeordneten in geheimer Wahl ihren Präsidenten oder ihre Präsidentin. Normalerweise gehört er oder sie der stärksten Fraktion an. Der Bundestagspräsident repräsentiert den Deutschen Bundestag nach außen und leitet zusammen mit seinen Stellvertretern und Stellvertreterinnen die Sitzungen des Parlaments.
Die bisherigen Präsidentinnen und Präsidenten des Deutschen Bundestages:
| Erich Köhler (CDU) | 1949-1950 |
| Hermann Ehlers (CDU) | 1950-1954 |
| Eugen Gerstenmaier (CDU) | 1954-1969 |
| Kai-Uwe von Hassel (CDU) | 1969-1972 |
| Annemarie Renger (SPD) | 1972-1976 |
| Karl Carstens (CDU) | 1976-1979 |
| Richard Stücklen (CSU) | 1979-1983 |
| Rainer Barzel (CDU) | 1983-1984 |
| Philipp Jenninger (CDU) | 1984-1988 |
| Rita Süssmuth (CDU) | 1988-1998 |
| Wolfgang Thierse (SPD) | 1998-2005 |
| Norbert Lammert (CDU) | seit 2005 |
Bundesverfassungsgericht
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Wenn jemand der Meinung ist, dass ein neues (oder auch ein altes) Gesetz gegen das Grundgesetz verstößt, kann er das prüfen lassen. Zum Beispiel, ob es richtig ist, Soldaten und Soldatinnen in ein fremdes Land zu senden oder das Rentengesetz zu verändern. Jeder
Bürger, jede Bürgerin hat dann das Recht, eine Klage vor das Bundesverfassungsgericht nach
Karlsruhe zu bringen. Dieses Gericht ist der oberste Hüter der Verfassung, es achtet darauf, dass Gesetze mit dem Grundgesetz in Einklang sind. Sollte dort dem Kläger, der Klägerin Recht gegeben werden, muss das Gesetz zurückgenommen oder zumindest so verändert werden, dass es dem Grundgesetz nicht widerspricht. Das Bundesverfassungsgericht ist also eine sehr wichtige Einrichtung in Deutschland. Es ist den anderen hohen Verfassungsorganen (Bundestag, Bundesregierung, Bundesrat, Bundespräsident/in) gegenüber unabhängig und gleichgestellt. Natürlich sollen die Bürgerinnen und Bürger nicht wegen jedem Nachbarschaftsstreit nach Karlsruhe gehen. Dafür sind andere Gerichte zuständig oder noch besser: Man sollte sich friedlich ohne Gericht einigen.
Bundesversammlung
Wenn ein Bundespräsident oder eine Bundespräsidentin gewählt wird (oder der bisherige wieder gewählt wird), tritt die Bundesversammlung zusammen. Dies geschieht alle fünf Jahre. In der Bundesversammlung sind alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages vertreten. Dazu kommen genau so viele Personen, die von den Landtagen der einzelnen Bundesländer gewählt werden. So wird sichtbar zum Ausdruck gebracht, dass der Bundespräsident sowohl den Bund als auch die Länder repräsentiert.
Bundeswahlleiter/in
Der
Bundeswahlleiter bereitet die Wahlen zum Deutschen Bundestag vor und sorgt dafür, dass sie rechtmäßig durchgeführt werden. Er wird vom Bundesminister des Inneren ernannt. Nach einer langen Tradition ist es stets der Präsident des
Statistischen Bundesamtes, der in das Amt des Bundeswahlleiters berufen wird. Bei seiner Arbeit wird der Bundeswahlleiter von den Landeswahlleitern sowie den Leitern der Wahlkreise und
Wahlbezirke unterstützt.
Zu den Aufgaben des Bundeswahlleiters gehört, dass er prüft, ob die Parteien, die sich zur Wahl stellen wollen, auch alle Voraussetzungen erfüllen, die das Parteiengesetz vorschreibt. Wenn die Wahl vorbei ist, verkündet der Bundeswahlleiter nach der Stimmenauszählung das amtliche Endergebnis der Wahl. Auch bei der Wahl der deutschen Abgeordneten für das Europäische Parlament ist der Bundeswahlleiter zuständig.
Bundeswehr
Grundausbildung bei der Bundeswehr
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"
Bundeswehr" ist der Name für die deutschen Streitkräfte. Die Bundeswehr wurde 1955 gegründet und darf nach dem Grundgesetz nur zur Verteidigung (und nicht zum Angriff) eingesetzt werden. Zuerst waren nur Freiwillige in der Bundeswehr, 1956 wurde dann die
Wehrpflicht für Männer ab 18 Jahren eingeführt. Die Bundeswehr ist in drei Teile aufgeteilt. Die Soldaten gehören zum Heer, wenn sie zum Beispiel Panzerfahrer sind, zur Luftwaffe, wenn sie Piloten sind, oder sie gehören zur Marine, wenn sie ihren Dienst auf einem Schiff tun.
Das Kommando über die Bundeswehr hat normalerweise, also wenn
Frieden herrscht, der Bundesminister der Verteidigung. Wenn aber Deutschland von einem Feind angegriffen würde und die Bundeswehr zur Verteidigung des Landes kämpfen müsste, dann hätte der Bundeskanzler das Kommando. Zum Glück ist Deutschland aber, so lange die Bundeswehr besteht, noch nie angegriffen worden. Heute sind viele Soldaten der Bundeswehr bei Friedenseinsätzen der UNO oder der NATO in anderen Ländern im Einsatz. Oftmals hilft die Bundeswehr auch bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Sturmfluten.
Übrigens: Früher waren in der Bundeswehr nur Männer. Seit 2001 können auch Frauen in allen Bereichen der Bundeswehr Dienst leisten.
Bußgeld
Eine Politesse schreibt einen Strafzettel
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Ein
Bußgeld ist eine Strafe, die man für eine Ordnungswidrigkeit bezahlen muss. Wer zum Beispiel zu schnell Auto fährt, verstößt gegen das Straßenverkehrsrecht. Viele Bereiche des Lebens sind durch Anordnungen, Gebote und Verbote geregelt. So darf man beispielsweise seinen Müll nicht einfach in den Park werfen, sondern muss ihn ordnungsgemäß entsorgen.
Wie hoch das Bußgeld ausfällt, hängt von der jeweiligen Ordnungswidrigkeit ab. In sogenannten Bußgeldkatalogen steht, wie hoch eine Strafe für eine bestimmte Ordnungswidrigkeit sein kann. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen werden bestraft, wenn sie Ordnungswidrigkeiten begehen.
Chancengleichheit
Vor dem Gesetz, so fordert es unser Grundgesetz, sind alle Bürger und Bürgerinnen gleich. Im Grundgesetz heißt es: Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Das gilt unabhängig vom Geschlecht, von der Hautfarbe oder der Religion eines Menschen. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob jemand aus einer armen oder reichen Familie stammt, ob er oder sie aus dem Norden oder Süden oder sonst einem Landesteil kommt. Alle Bürger sollen vielmehr die gleichen Chancen bekommen, möglichst viel aus ihrem Leben zu machen. Kinder und Jugendliche sollen deshalb in der Schule und der Ausbildung die gleichen Bildungsmöglichkeiten erhalten, um später einen Beruf zu finden. Sie sollen so gefördert werden, wie sie es von ihren persönlichen Voraussetzungen her benötigen.
Chancengleichheit beinhaltet auch den Versuch auszugleichen, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die durch die schlechte Einkommenssituation ihrer Eltern im Nachteil sind. Chancengleichheit wurde bereits in der Aufklärung Ende des 17. Jahrhunderts gefordert. Sie findet sich in der Allgemeinen Erklärung der UNO und den Grundrechtstexten der Verfassungen der westlichen Demokratien.
Christentum
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Das Christentum ist eine der fünf großen Weltreligionen (neben Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus). Es ist aus dem Judentum hervorgegangen. Über zwei Milliarden Menschen bekennen sich heute weltweit zum Christentum. Christliche Kirchen seht ihr in allen Städten und Dörfern Europas und Amerikas. Das Christentum geht zurück auf Jesus von Nazareth, genannt Christus (das heißt "der Gesalbte"). Er hat vor rund 2000 Jahren in
Palästina gelebt und wurde dort zum Tode verurteilt und ans Kreuz geschlagen. Die Christen glauben, dass Jesus vom Tod auferstanden und der Sohn Gottes ist. Durch seinen Tod am Kreuz, so steht es in der Bibel, hat er die Menschen von ihrer Schuld im Leben erlöst. Seither gilt das Kreuz als das Symbol des Christentums. Die Bibel mit dem Alten und Neuen Testament gilt als Heilige Schrift. Wesentlich im Christentum ist der Glaube an einen Gott, das Bekenntnis zu Jesus Christus, die Gemeinschaft der Gläubigen in der Kirche und der Glaube an das ewige Leben. Dazu gibt es Vorschriften, die man im Leben befolgen soll (die Zehn Gebote).
Schon bald nach dem Tod von Jesus breitete sich das Christentum über das ganze damalige Römische Reich aus. In Rom, der ehemaligen Hauptstadt des Römischen Reiches, lebt bis heute der Papst, der das Oberhaupt der katholischen Christen ist. Innerhalb des Christentums entwickelten sich im Laufe der Zeit verschiedene Gemeinschaften. Im 16. Jahrhundert wollte
Martin Luther vieles in der damaligen Kirche erneuern (das heißt auf Lateinisch "reformieren", deshalb spricht man von der "
Reformation"). Daraus entwickelte sich die protestantische (evangelische) Kirche.
Mehr als die Hälfte aller Christen sind katholisch, etwa 20 Prozent sind evangelisch. Die christlich-
orthodoxe Kirche hat vor allem in Osteuropa viele Anhänger. Die anglikanische Kirche hat ihre meisten Anhänger in England. Daneben gibt es noch viele kleinere unabhängige Kirchengemeinschaften, die alle dem Christentum angehören. Sie verteilen sich über die ganze Welt.
Die Anzahl der Anhänger/innen aller großen Religionen in Deutschland und weltweit findet ihr beim Stichwort "Religion".
Club of Rome
© Club of Rome Deutschland
Der
Club of Rome ist eine "Denkfabrik". Hier tauschen Wissenschaftler, Wirtschaftsfachleute, Staatschefs, Geschäftsleute und andere kluge Leute aus allen fünf Kontinenten ihre Ideen über Zukunftsfragen der Menscheit aus und überlegen, wie unsere Erde verbessert werden kann. Der Club, der 1968 in Rom gegründet wurde und in Hamburg seinen Sitz hat, ist eine sogenannte Nichtregierungsorganisation. Jeder, der gute Ideen hat, wie man zum Beispiel das Miteinander zwischen den Staaten oder die Situation in den Gesellschaften verbessern kann, darf seine Vorschläge einbringen. Die Mitglieder des Clubs treffen sich einmal jährlich auf einer Konferenz zu einem bestimmten Thema. Im Jahr 2004 ging es um "Grenzen der Unwissenheit: Die Herausforderung einer informierten Menschheit". Übrigens: Zu den Mitgliedern dieses Clubs gehören beispielsweise die
niederländische Königin Beatrix und Michail Gorbatschow, der Ex-
Präsident der ehemaligen Sowjetunion.
Datenschutz
Jeder Mensch hat eine Vielzahl von persönlichen Daten. Dazu gehören neben dem Namen, der Adresse und dem Alter auch Angaben über die Familienverhältnisse, das Einkommen, die Herkunft, die Gesundheit, die Hobbys sowie vieles andere. Diese Daten gehören untrennbar zur eigenen Person, sie geben Auskunft darüber, wer wir sind, was wir gerne tun, auch was unsere persönlichen Schwächen sind. Deshalb ist es wichtig, mit diesen Daten sehr sorgsam umzugehen. Viele dieser Daten werden in Ämtern, bei der Arbeitsstelle, bei Banken oder beim Arzt gespeichert, damit man sie bei Bedarf benutzen kann. Diese Daten dürfen aber ohne Genehmigung der betreffenden Person an niemanden weitergegeben werden. Damit soll verhindert werden, dass jemand die Daten unkontrolliert benutzt oder sogar missbraucht.
Recht auf Schutz der persönlichen Daten Alle Menschen haben ein Recht auf den Schutz ihrer persönlichen Daten. 1977 wurde vom Bundestag das erste Datenschutzgesetz beschlossen. In einigen Bundesländern gibt es zusätzlich Landesdatenschutzgesetze. In diesen Gesetzen wird unter anderem festgelegt, dass jeder Bürger über die von ihm gespeicherten Daten Auskunft erhalten kann. Wenn er meint, sie sind unrichtig, dann kann er sie auch wieder löschen lassen. Ein
Bundesdatenschutzbeauftragter und verschiedene Landesdatenschutzbeauftragte wachen darüber, dass diese Bestimmungen eingehalten werden.
DAX
Anzeigetafel für die DAX-Werte in der Frankfurter Börse
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Dax ist die Abkürzung für "
Deutscher Aktienindex". Das Wort "Index" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Liste", "alphabetisches Verzeichnis" oder "Messziffer" zum Beispiel für Preisänderungen. Aktien sind Wertpapiere, die am Börsenmarkt gehandelt werden. Aus den Aktienwerten der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften wird der DAX ermittelt. Die Aktien dieser Gesellschaften werden an fast allen deutschen Börsen gehandelt. Wie auf jedem Markt bestimmen auch am Börsenmarkt
Angebot und Nachfrage den Preis der Aktien. Deshalb kann sich der DAX, der nach einem bestimmten System errechnet wird, ständig ändern. Jede Sekunde erscheint während der Handelszeit auf der großen Anzeigetafel der größten deutschen Börse in Frankfurt der aktuelle DAX-
Wert. So können sich die Aktienhändler immer wieder neu überlegen, ob sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen. Den DAX könnte man also auch als eine Art Richtwert bezeichnen.
Neben dem DAX, auch DAX 30 genannt, gibt es noch eine Reihe anderer "Indices" (das ist die Mehrzahl von Index) für Aktien, die an der Börse gehandelt werden. Man kennt zum Beispiel den DAX 100, (die hundert wichtigsten
Werte) oder den TecDax (die Technologiewerte). Aber das ist eher etwas für die Börsen-
Fachleute...
DDR
Die Flagge der DDR hatte die Farben Schwarz, Rot und Gold und in der Mitte einen Ährenkranz mit Hammer und Zirkel.
Die DDR (das ist die Abkürzung für "Deutsche Demokratische Republik") entstand 1949 aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und endete mit ihrem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990. Sie umfasste das Gebiet der heutigen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-
Vorpommern, Sachsen, Sachsen-
Anhalt und Thüringen. Die DDR verstand sich als
sozialistischer Staat und bezeichnete sich selbst als Arbeiter-
und Bauernstaat. Die politische Macht lag alleine bei einer Partei. Dies war die SED (= Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Freie Wahlen gab es nicht, von Demokratie konnte nicht gesprochen werden. Am
17. Juni 1953 haben viele Menschen in einem Aufstand gegen die Verhältnisse in der DDR protestiert. Doch sie konnten nichts ausrichten, der Aufstand wurde gewaltsam niedergeschlagen. Weil viele Menschen die DDR in den ersten Jahren ihres Bestehens verlassen haben, um im Westen zu leben, haben die Machthaber in der DDR im August 1961 die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland geschlossen und die Berliner Mauer errichtet. 40 Jahre nach ihrer Gründung ist die DDR zusammengebrochen. Dazu haben viele Bürger der DDR beigetragen, indem sie gegen den Staat demonstriert haben. Sie wollten, dass sich die DDR verändert, und sie hatten Erfolg. Ihre friedliche Revolution führte zum Ende der DDR und mündete in die Vereinigung von DDR und Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990. Seither ist dieser Tag der deutsche Nationalfeiertag und wird "
Tag der Deutschen Einheit" genannt.
Deflation
Deflation (auf Lateinisch bedeutet das Wort "Abschwellung") ist das Gegenteil von
Inflation: Auf dem Markt sind zu viele Waren und Güter vorhanden. Das Angebot ist größer als die Nachfrage, aber die Menschen haben nicht mehr Geld, um die Waren zu kaufen. Das führt dazu, dass die Preise fallen. Bei einer Inflation ist hingegen viel Geld im Umlauf, aber zu wenig Ware. Deswegen steigen die Preise.
Delegation
In eurer Klasse ist es wegen des Lärms von draußen zu laut. Ihr könnt euch nicht konzentrieren. Weil der Lehrer das nicht so sieht, soll das Problem der Schulleitung vorgetragen werden. Da ihr nicht alle zum Direktorzimmer laufen könnt, wählt ihr zwei Schülerinnen aus, die das stellvertretend für die ganze Klasse machen sollen. Ihr übertragt, delegiert also diese Aufgabe an die beiden Schülerinnen. Sie sind damit eure Abgesandten, die "
Delegierten". Ihr hofft, dass sie die Aufgabe in eurem Sinne lösen können. Die beiden Schülerinnen bilden eine Delegation, die das Recht hat, für alle Schüler eurer Klasse zu sprechen. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und heißt "Abordnung". Auch Staaten entsenden Delegierte zu Konferenzen und Tagungen, damit diese dort die Interessen ihres Landes vertreten oder auch Verhandlungen führen.
Demagogie
Dieses Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Volksaufwiegelung", "politische Verhetzung". Ein Mensch, dem es gelingt, mit Hilfe von Schmeicheleien, unbewiesenen Behauptungen und Täuschungen andere Menschen für sich und seine politischen Ziele zu gewinnen, wird "Demagoge" genannt. Er gewinnt seine Zuhörer durch falsche Versprechungen. Seine Kritiker macht er schlecht und wiegelt die Leute gegen sie auf. Ein Demagoge ist ein Volksverführer, der alles tut, um an die Macht zu kommen und sie dann gewissenlos auszuüben. Demagogen waren und sind häufig auch Diktatoren (zum Beispiel Adolf Hitler).
Demografie
Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet "
Bevölkerungswissenschaft". Das ist die Lehre über den Zustand und die Entwicklung einer Bevölkerung. Mit "Bevölkerung" bezeichnet man alle Einwohnerinnen und Einwohner eines bestimmten Gebietes, zum Beispiel einer Stadt, eines Landes oder eines Kontinents. Die Bevölkerungswissenschaft untersucht unter anderem, wie viele Menschen in Deutschland (oder anderswo) leben, wie viele Junge und Alte darunter sind und wie sich die Bevölkerungszahl durch Geburten und Sterbefälle verändert. Es interessiert die Demografen, woher die Menschen kommen, die nach Deutschland ziehen, oder wohin diejenigen ziehen, die aus Deutschland auswandern. Die Politik muss auf bestimmte demografische Veränderungen reagieren. Zum Beispiel: Da die Menschen immer länger leben, es also immer mehr alte Menschen gibt, muss die Rentenversicherung darauf reagieren. Die Politiker müssen überlegen, was zu tun ist, damit alle Bürger im Alter finanziell gesichert sind und genug Geld zum Leben haben. Da auch immer weniger Kinder geboren werden, muss die Politik Anreize geben, damit junge Menschen wieder Kinder haben wollen und so die Geburtenrate steigt.
Demokratie
Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Herrschaft des Volkes". In Deutschland gibt es diese Staatsform seit 1949, zuvor gab es sie bereits einmal von 1918 bis 1933. Demokratie heißt: Alle Bürger und Bürgerinnen haben die gleichen Rechte und Pflichten. Über sie herrscht kein Kaiser, auch kein König und kein General. Alle Menschen dürfen frei ihre Meinung sagen, sich versammeln, sich informieren. Es gibt unterschiedliche Parteien, die ihre Vorstellungen in sogenannten Parteiprogrammen kundtun. Die Bürger wählen Personen und Parteien, von denen sie eine bestimmte Zeit lang regiert werden wollen. Und wenn die Regierung ihre Arbeit schlecht macht, kann das Volk bei der nächsten Wahl eine andere Regierung wählen.
In einer Demokratie muss alles, was der Staat tut, nach den Regeln der Verfassung und der geltenden Gesetze erfolgen. In Deutschland stehen diese Regeln im Grundgesetz. Der demokratische Staat ist also immer auch ein
Rechtsstaat.
In Deutschland gab es von 1949 bis 1990 einen zweiten deutschen Staat, die "Deutsche Demokratische Republik", abgekürzt DDR. Obwohl im Staatsnamen der Begriff "Demokratie" vorkam, war die DDR aber keine Demokratie.
Demonstration
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Wenn sich Menschen zu einer öffentlichen Versammlung treffen, in langen Reihen mit Lautsprechern, Plakaten und Spruchbändern durch die Straßen ziehen, handelt es sich um eine Demonstration. Die Demonstranten wollen auf ihre Meinungen und Forderungen aufmerksam machen. Zum Beispiel könnten sich Bauern treffen, um für höhere Preise bei landwirtschaftlichen Produkten zu demonstrieren. Oder es haben sich Arbeiter und Angestellte vor einem Firmengelände versammelt, um gegen Massenentlassungen zu demonstrieren. Und an einem anderen Tag sehen wir viele Leute durch die Straßen ziehen, die laut und deutlich ihre Meinung gegen einen Krieg äußern. Das Wort "Demonstration" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Beweis" oder "Beweisführung". Das Recht, für oder gegen etwas zu demonstrieren, sich zu versammeln und auf diese Weise deutlich und frei seine Meinung zu äußern, ist in den demokratischen Staaten in der Verfassung fest verankert.
Demontage
Mit dieser aus dem Französischen stammenden Bezeichnung ist der Abbau von Maschinen, Gebäuden oder auch ganzen Industrieanlagen gemeint. Der Gegensatz zu Demontage ist Montage. Das heißt, etwas wird auf-
oder zusammengebaut, "montiert".
Mit einer speziellen, genau durchgeplanten Demontagetechnik müssen zum Beispiel Atomkraftwerke abgebaut werden, um Strahlungsunfälle zu vermeiden.
Historisch gesehen wird der Begriff "Demontage" für den erzwungenen Abbau deutscher Industrieanlagen nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg verwendet. Die Siegermächte hatten auf verschiedenen Konferenzen 1945 beschlossen, 1800 Betriebe zu
demontieren. Betroffen waren insbesondere die deutsche Eisen-
und Stahlindustrie sowie Unternehmen der chemischen Industrie. Auch Betriebe des Maschinen-
und Fahrzeugbaus wurden demontiert und als eine Form der
Wiedergutmachung und Kriegsentschädigung ("Reparationen") und in anderen Ländern wieder aufgebaut. Ende 1950 wurde diese Form der Demontage in der Bundesrepublik Deutschland beendet.
Denunziation
Jemand will seinem Nachbarn aus irgendeinem Grund sehr schaden. Er behauptet gegenüber der Polizei, der Nachbar habe ein anderes Auto beschädigt und dies verheimlicht. Er zeigt den Nachbarn aus "unehrenhaften Beweggründen" an. Dies ist eine
Denunziation (das Wort kommt aus dem Lateinischen). Es ist eine unrichtige und ziemlich gemeine Beschuldigung. Jemand anderen zu denunzieren ist verboten und steht unter Strafe. Auch wenn ich jemanden, vielleicht einen Kollegen, dessen Stelle ich gerne hätte, falsch verdächtige und unrichtige Behauptungen in die Welt setze, so ist das eine Denunziation. Ein solches Gerücht kann dazu führen, dass jemand seinen Job verliert. Es gibt auch den Begriff "politische Denunziation". So fürchten sich in Diktaturen viele Menschen davor, von anderen Menschen wegen ihrer politischen Meinung verraten, also denunziert zu werden und dann ins Gefängnis zu kommen oder noch Schlimmeres erleiden zu müssen.
Depression
Dieser Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet "Niederdrückung", "Senkung". Das Wort wird zur Beschreibung von sehr unerschiedlichen Sachverhalten benutzt, die aber alle etwas mit "Niederdrückung" zu tun haben. Zum Beispiel bedeutet "Depression" in der Wirtschaft, dass sich die wirtschaftliche Gesamtentwicklung in einer starken
Krise befindet. Es wird nur wenig produziert, sehr viele Menschen haben keine Arbeit, die Preise für Waren und Dienstleistungen sinken immer mehr (s. auch das Stichwort "Deflation"), die Börse verzeichnet hohe Kursverluste, der Staat nimmt weniger Steuern ein. Somit fehlt ihm auch Geld, um die Wirtschaft wieder wirkungsvoll in Schwung zu bringen. Es kann unter Umständen lange dauern, bis sich die Wirtschaft erholt und wieder wächst. Man könnte sagen, dass die Wirtschaft, die sich im Abschwung, in einer Rezession befindet, in der Depression die Talsohle erreicht hat.
In der Medizin bezeichnet man mit "Depression" eine psychische (seelische) Störung. Die Hauptmerkmale sind länger anhaltende Freudlosigkeit, Antriebsschwäche. Interesselosigkeit und gedrückte Stimmung. Wenn ein Mensch schwere Depressionen hat, so muss er sich psychotherapeutisch oder ärztlich behandeln lassen.
Auch in der Geografie gibt es den Ausdruck "Depression". Eine Landsenke in einem Trockengebiet ohne irgendeinen Abfluss, die unterhalb des Meeresspiegels liegt, wird so genannt. Zum Beispiel ist das Tote Meer, das fast 400 Meter unter dem sonstigen Niveau des Meeresspiegels liegt, eine Depression.
Despot
Im alten Griechenlandwar war der "despotes" der Hausherr, der alles zu bestimmen hatte. Abgeleitet davon ist "Despot" die Bezeichnung für einen Herrscher, der sich keiner Verfassung und keinen Gesetzen verpflichtet fühlt. Entsprechend ist die Despotie oder der Despotismus eine Staatsform, in der das Staatsoberhaupt die absolute und unumschränkte Herrschaft ausübt und sein Volk durch Tyrannei und Willkür beherrscht. Sowohl die absolute Monarchie konnte eine
despotische Herrschaftsform sein als auch eine
Republik, wenn einer oder mehrere Machthaber despotisch oder diktatorisch regierten.
Der Begriff "Despotismus" wird auch in anderen Bereichen gebraucht. Zum Beispiel im Familienleben, wenn ein Vater über alles despotisch bestimmen will. Auch im Leben eines Vereins, einer Gemeinde oder Kirche können sich despotische Herrschaftsformen zeigen, wenn einer alleine oder eine kleine Gruppe sich
radikal gegen einen Mehrheitswillen durchsetzt.
Deutsche Bundesbank
Die
Deutsche Bundesbank ist sozusagen die oberste deutsche Bank. Sie regelt den Geld-
und Zahlungsverkehr und verwaltet die Reserven des
Staates (also zum Beispiel das Gold, das in staatlichen Safes aufbewahrt wird, oder anderes Vermögen, das im Besitz des Staates ist). Außerdem hat die Deutsche Bundesbank die Aufsicht darüber, dass alle Regeln und Vorschriften im deutschen Bankenwesen eingehalten werden. Die Gewinne der Bundesbank gehören dem Staat, aber der Staat muss auch für die Verluste einstehen. Wenn eine Bank oder
Sparkasse sich Geld ausleihen muss, leiht sie es von der Deutschen Bundesbank.
Bis 2002 war die Bundesbank auch für den Druck und die Ausgabe der deutschen Banknoten zuständig. Dann wurden die Euro-
Geldscheine und Euro-
Münzen eingeführt. Eine neu gegründete Bank, die
Europäische Zentralbank (EZB), die wie auch die Bundesbank ihren Sitz in Frankfurt am Main hat, ist nun über die Bundesbank gestellt. Sie entscheidet, wie viele Banknoten innerhalb der EU-
Länder, in denen die Euro-
Währung eingeführt wurde, ausgegeben werden. Die EZB passt zusammen mit der Bundesbank und anderen europäischen Banken auch darauf auf, dass die Gemeinschaftswährung Euro stabil bleibt, also die Inflationsrate möglichst niedrig ist.
Die Deutsche Bundesbank wurde übrigens 1957 als unabhängige deutsche Zentralbank gegründet.
Deutsche Nationalhymne
Der Verfasser der Hymne ist August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Er schrieb das "Lied der Deutschen" 1841 auf der Insel Helgoland zu einer Melodie von Joseph Haydn. Nach dem Ersten Weltkrieg erhob der erste Reichspräsident der
Weimarer Republik, Friedrich Ebert, das Lied zur deutschen
Nationalhymne. Seit 1952 ist die dritte Strophe des Liedes Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland.
Deutscher Bundestag
Dies ist der Sitz des Deutschen Bundestages
Bundesbildstelle
"Deutscher Bundestag" ist der Name des deutschen Parlaments. Es arbeitet in der Hauptstadt Berlin. Die Mitglieder des Bundestages, die Abgeordneten, werden für vier Jahre vom Volk gewählt. Die Volksvertreterinnen und Volksvertreter gehören verschiedenen Parteien an. Alle Abgeordneten, die derselben Partei angehören, sitzen bei Versammlungen des Bundestages in einer Fraktion zusammen, wenn Gesetze diskutiert und beschlossen werden. Ein Beschluss kann aber nur gefasst werden, wenn mindestens die Hälfte aller Mitglieder des Bundestages anwesend ist. Zu den wichtigsten Aufgaben des Bundestages gehören die Wahl des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin, die Kontrolle der Regierung, die Gesetzgebung, die Mitwirkung bei der Wahl des Bundespräsidenten und die Wahl der Richter am Bundesverfassungsgericht.
Deutscher Kinderschutzbund (DKSB)
Der Deutsche
Kinderschutzbund wurde 1953 in Hamburg gegründet. Mit seinen über 50.000 Mitgliedern ist er der größte Kinderschutzverband Deutschlands. Grundlage für die Arbeit des DKSB ist die UN-
Kinderrechtskonvention. Danach hat jedes Kind das Recht auf Entwicklung, auf Versorgung und auf Schutz. Der Kinderschutzbund versucht überall da zu helfen, wo Kinderrechte verletzt werden, vor allem wenn es um Kinderarmut oder Gewalt gegen Kinder geht. Der Kinderschutzbund will Kinder stark machen, will, dass ihre Fähigkeiten gefördert und ihre Anliegen ernst genommen werden.
Diäten
Dieses Wort kommt aus dem Lateinischen. Es ist die Bezeichnung für das Geld, das Abgeordnete für ihre Arbeit in den Parlamenten erhalten. Wer in ein Parlament gewählt wird, kann seinen erlernten Beruf zum Beispiel als Lehrer, Rechtsanwältin oder Angestellte in dieser Zeit in der Regel nicht mehr ausüben. Statt des Lohns oder Gehaltes im Beruf erhalten die Abgeordneten deshalb Diäten. Auf diese Weise wird die finanzielle Unabhängigkeit der Abgeordneten gesichert.
Diaspora
Wenn Juden in einer Gegend leben, wo sonst fast nur Menschen mit einer anderen Religion wohnen, leben sie "in der
Diaspora". Oder wenn Christen zum Beispiel in Indien wohnen, leben sie "in der Diaspora", weil dort die meisten Menschen Hinduisten sind. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Zerstreuung" – die Menschen einer bestimmten Religion leben also nicht als große Gemeinschaft zusammen, sondern sind "in alle Welt zerstreut".
Diffamieren
Wenn du von deinem Klassenkameraden etwas behauptest, was nicht stimmt, zum Beispiel er habe gepfuscht (obwohl du es besser weißt), dann steht er vielleicht bei seinem Lehrer nicht gut da. Wenn du ihm – aus welchem Grunde auch immer – das mehrmals antust und andere vielleicht noch mitmachen, dann setzt ihr euren Mitschüler in ein schlechtes Licht, ihr schadet seinem Ruf. Denn nichts anderes heißt das aus dem Lateinischen kommende Wort "
diffamieren": jemanden in seinem Ansehen schädigen, ihn herabsetzen oder ihn in Verruf bringen.
Diktatur
Das Wort kommt aus dem Lateinischen und ist genau das Gegenteil von Demokratie: Nicht die Mehrheit des Volkes bestimmt, sondern einige wenige, zum Beispiel eine einzige Partei oder sogar nur eine einzelne Person: der Diktator. Der Diktator wird meistens nicht gewählt , sondern er bringt sich selber mit Gewalt an die Macht -
häufig mit der Hilfe des
Militärs. Das muss den Diktator oftmals vor dem Volk schützen. Viele Menschen, die in einer Diktatur leben, haben Wut und Angst, können ihre Meinung aber nicht frei sagen. Wenn sie es doch tun, werden sie gefangen genommen, oft verschleppt, ins Gefängnis oder in Arbeitslager gebracht. Es kann passieren, dass sie für immer "verschwinden", weil sie gefoltert und umgebracht werden.
Diplomatie / Diplomat/in
Wenn jemand geschickt seine Worte wählt und verhandelt, dann sagt man auch, er oder sie ist "diplomatisch". "Diplomatie" (das Wort kommt aus dem Griechischen) bedeutet die "Kunst der Verhandlung". Wenn verschiedene Länder miteinander etwas beschließen wollen, müssen die Vertreter der Länder zuerst verhandeln, das heißt miteinander reden und sicherstellen, dass es keine Probleme geben wird. Erst dann, wenn alles vorbereitet ist, unterschreiben die Regierungschefs
Verträge mit anderen Ländern zum Beispiel darüber, dass man eine gemeinsame internationale Schule gründen oder zusammen Geschäfte machen will. Die Menschen, die im Auftrag ihrer Länder miteinander sprechen, nennt man "Diplomatinnen" oder "Diplomaten". Diese Frauen und Männer haben in einer Diplomatenschule die Kunst des Verhandelns gelernt. In den fremden Ländern, wo die Diplomaten ihre Arbeit tun, genießen sie einen besonderen Schutz. Diesen nennt man "
Immunität".
Diskriminierung
Wenn einzelne Menschen oder Gruppen benachteiligt werden, weil sie zum Beispiel eine andere Hautfarbe oder eine andere Religion haben, so werden sie diskriminiert (das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Unterscheidung"). Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Oft spielen
Vorurteile eine Rolle. So haben manche Menschen ohne Grund eine schlechte Meinung von Menschen fremder Herkunft oder mit fremdländischem Aussehen. Sie behandeln diese Menschen deshalb unfair und ungerecht -
sie diskriminieren sie.
Bei der
Diskriminierung spielt oft auch das Geschlecht eine Rolle. So erhalten Frauen im Berufsleben manchmal weniger Gehalt oder Lohn als ihre männlichen Kollegen, obwohl sie die gleiche Arbeit tun. Diese Frauen werden ungleich behandelt. Auch das ist Diskriminierung.
Dividende
Wer eine oder viele Aktien eines Unternehmens besitzt, hat das Recht, am Gewinn des Unternehmens beteiligt zu werden. Diesen Gewinn, der an die Aktionäre verteilt wird, nennt man "
Dividende". Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und heißt genau übersetzt "das zu Verteilende". Wie hoch die Dividende ist, wird von den Aktionären und der Leitung eines Unternehmens festgelegt. Dieser Gewinn kann in Geld ausbezahlt werden. Es ist auch möglich, dass die Aktionäre kostenlos weitere Aktien erhalten. Wenn ein Unternehmen (eine Aktiengesellschaft) keinen Gewinn gemacht hat, gibt es auch keine Dividende.
Doktrin
Dieses Wort stammt aus dem Lateinischen. Es bezeichnet eine politische Lehre, eine Theorie oder ein Grundsatzprogramm. Politiker oder eine Partei können eine solche Doktrin vertreten, die als feste Richtlinie für eine bestimmte Politik dient. So kann es zum Beispiel eine Doktrin geben, die vorgibt, wie die Beziehungen zwischen verschiedenen Staaten und Regierungen gestaltet werden. In Deutschland gab es beispielsweise in den Jahren 1955 bis 1969 die sogenannte Hallstein-
Doktrin. Diese Staatsdoktrin – benannt nach dem ehemaligen
Staatssekretär im Außenministerium Walter Hallstein – galt für die deutsche Außenpolitik. Sie besagte, dass die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen zu allen Staaten verweigerte, die die DDR anerkannten. (Eine Ausnahme war die damalige UdSSR). Die Bundesrepublik wollte damit deutlich machen, dass sie alleine das gesamte deutsche Volk vertrat. Die "Truman-
Doktrin" (benannt nach einem Präsidenten der USA) oder die "Breschnew-
Doktrin" (benannt nach einem Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion) waren weitere Grundsätze, die die internationalen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg stark beeinflusst haben.
Wenn eine Theorie, eine Lehrmeinung oder eine Person als "
doktrinär" bezeichnet wird, dann ist das nicht immer positiv gemeint. Es kann auch heißen, dass sie oder er engstirnig oder einseitig ist. Es gibt auch das Wort "indoktrinieren" -
jemandem die eigene Meinung aufzwingen.
Dritte Welt
Etwa zwei Drittel aller Menschen leben in der sogenannten
Dritten Welt. Mit dieser Bezeichnung sind alle wenig oder unterentwickelten Staaten Afrikas, Asiens, Süd-
und Mittelamerikas sowie der
Karibik und Ozeaniens gemeint.
Der Begriff "Dritte Welt" entstand in den Zeiten des Kalten Krieges, als sich zwei Militärblöcke gegenüberstanden. Der eine Block (die "Erste Welt" – so nannte man die demokratischen Industriestaaten) wurde von den USA angeführt. Dem gegenüber stand der kommunistische, von der Sowjetunion angeführte Block (die sozialistischen Industriestaaten, die "Zweite Welt"). Die Länder, die keinem dieser Blöcke angehörten (die "Blockfreien"), bekamen den Namen "Dritte Welt". Die Erste und Zweite Welt fanden spätestens mit dem Ende der Sowjetunion 1991 ihr Ende. Der Begriff "Dritte Welt" wird heute kaum mehr gebraucht. Man spricht vielmehr von den Entwicklungsländern. Gelegentlich hört man die Bezeichnung "Vierte Welt" für die allerärmsten Länder, die ohne ausländische Hilfe gar nicht überleben könnten.
Drogen
Das Wort "Drogerie" kennt ihr alle. Als "
Drogen" bezeichnete man ursprünglich Stoffe (Blätter, Blüten, Wurzeln), die man zur Herstellung von Medikamenten, von Heil-
oder Anregungsmitteln brauchte. Deshalb heißt ein Geschäft, in dem es solche Mittel gibt, auch Drogerie. Heute wird der Begriff "Drogen" meistens für sogenannte Rauschgifte gebraucht. Je nach Stärke und Zusammensetzung bewirken alle Drogen eine seelische oder körperliche Veränderung im Menschen. Anfangs nehmen Menschen Drogen, um einen für sie angenehmen Zustand zu erreichen. Das kann aber schnell dazu führen, dass sie sich daran gewöhnen und von Drogen abhängig werden. Abhängigkeit aber zerstört die eigene Gesundheit und spielt denen in die Hände, die mit Drogenhandel viel Geld verdienen.
Erlaubte und unerlaubte DrogenEs gibt erlaubte (legale) und verbotene (illegale) Drogen. Genussmittel wie Alkohol, Nikotin oder Kaffee zählen zu den legalen Drogen und sind jedenfalls für Erwachsene überall zu kaufen. Auch bestimmte Schmerz-
, Beruhigungs-
oder Aufputschmittel kann man als legale Drogen in der Apotheke mit oder ohne Rezept kaufen. Illegale Drogen sind Haschisch, Marihuana oder sogenannte Opiate wie Heroin und Kokain sowie viele Drogen, die künstlich (synthetisch) in Labors hergestellt werden. Dazu zählen zum Beispiel Crack und Ecstasy. Der Kauf, Besitz und Gebrauch illegaler Drogen wird in Deutschland hoch bestraft.
Schutz vor unerlaubten DrogenDer Staat will die Verbreitung von Drogen verhindern. Drogen sollen erst gar nicht ins Land kommen. Die Polizei verfolgt kleine und große Händler, die Drogen verkaufen. Schülerinnen und Schüler werden über die Gefahren, die von Drogen ausgehen, informiert. Aufklärung an den Schulen soll die Jugendlichen stark machen, auf Drogen zu verzichten und nicht in gefährliche Abhängigkeit zu geraten. In zahlreichen Einrichtungen, Therapien und Kliniken wird denen geholfen, die abhängig geworden sind, deren Leben bedroht ist und die auf jeden Fall versuchen müssen, von den Rauschgiften wieder loszukommen.
Über die Wirkung von einzelnen Drogen und darüber, welche Schäden ihr
Konsum anrichtet, informieren zum Beispiel die Drogenberatungsstellen.
Durchlaucht
Das ist eine früher gebrauchte ° Anrede für Fürsten ("Euer
Durchlaucht") und Fürstinnen, für Prinzen und Prinzessinnen. Vergleichbar im Englischen wären es die Ausdrücke "Mylord" oder "Mylady", mit denen der hohe Adel angesprochen wird. Mit "Mylord" wird in England auch ein Richter angesprochen, wie ihr vielleicht schon in englischen Filmen gehört habt.
Dynastie
Mit diesem aus dem Griechischen stammenden Wort ("dynastia" heißt auf Deutsch "Macht", "Herrschaft") wird eine Fürstenfamilie oder ein Herrscherhaus bezeichnet. Manchmal stellt eine solche Familie über mehrere Generationen den Landesherrn, weil die Macht immer weiter – meist an den ältesten Sohn -
vererbt wird. Bereits im Altertum gab es mächtige Herrscherhäuser. In Ägypten war es die ptolomäische
Dynastie, im alten
China die Tang-
Dynastie. Im frühen Mittelalter herrschten in Europa zum Beispiel die Merowinger und Karolinger. Im Heiligen Römischen Reich stammten die Herrscher aus der Familie der Salier und der Staufer. Die österreichischen Kaiser waren Habsburger, in Preußen und im Deutschen Reich stellte die Dynastie der Hohenzollern die Könige und Kaiser. Der letzte deutsche Kaiser aus dieser Familie, Wilhelm II., dankte im Jahre 1918 nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ab. Damit endete die Herrschaft der Hohenzollern.
Ehrenamt
Ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in
Vereinen, sozialen Diensten, in der Kirche oder anderen Organisationen für eine Sache, die ihnen besonders am Herzen liegt.
Junge Pfadfinder bei einem Treffen in Thüringen. Ihr Motto: Jeden Tag eine gute Tat!
© AP Photos
Dies tun sie oft, um anderen Menschen zu helfen. So arbeiten zum Beispiel alleine für den Deutschen Kinderschutzbund ungefähr 10.000 Ehrenamtliche und leisten damit einen enormen Beitrag zur Arbeit des Kinderschutzbundes. Menschen, die ein Ehrenamt bekleiden, erhalten keine Bezahlung für ihre Tätigkeit, manchmal werden ihnen ihre Kosten ersetzt.
Übrigens: Es gibt auch Ehrenämter, die übernommen werden müssen, zum Beispiel, wenn das Gericht einen Bürger als Schöffen, also als ehrenamtlichen Richter, in einem Prozess bestimmt. Auch eine ehrenamtliche Tätigkeit als Wahlhelfer ist Pflicht, wenn die Gemeinde jemanden dazu bestimmt. Aber die meisten Ehrenämter sind freiwillig.
Einbürgerung
Ausländer, die bei uns leben, und Menschen, die keine Staatsangehörigkeit haben (Staatenlose), können die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. Bevor eine sogenannte
Einbürgerung oder Naturalisation stattfindet, müssen Voraussetzungen erfüllt sein, von denen wir nur einige nennen können. So muss der Antragsteller in Deutschland wohnen und er darf keine Straftaten begangen haben. Er muss, wie es heißt, seine Unbescholtenheit nachweisen. Außerdem muss für seinen Lebensunterhalt gesorgt sein.
Einen Anspruch auf Einbürgerung haben Ausländer in der Regel nur dann, wenn sie mindestens acht Jahre in Deutschland leben, für sich sorgen können und keine Straftat begangen haben. In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern erwerben mit der Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil seit acht Jahren in Deutschland wohnt. Menschen aus osteuropäischen oder östlichen Ländern, die nachweisen können, dass sie deutsche Vorfahren haben, können ebenfalls eingebürgert werden.
Ein-Euro-Job
Ein-Euro-Jobs soll es für Menschen geben, die lange Zeit arbeitslos sind und "Arbeitslosengeld II" (AGL II) bekommen. So steht es im "Hartz IV-
Gesetz". Die Arbeitslosen sollen mit diesen Jobs die Möglichkeit erhalten, wieder am Arbeitsleben teilzunehmen und etwas zum AGL II dazu zu verdienen. Das können zwischen ein und zwei Euro pro Stunde sein.
Was sind das nun für Jobs? Die Ein-
Euro-
Jobs müssen gemeinnützig sein und dürfen normale Arbeitsplätze nicht verdrängen. So darf zum Beispiel ein Krankenpfleger nicht durch einen "Ein-
Euro-
Jobber" ersetzt werden. Ein Ein-
Euro-
Job muss außerdem zeitlich begrenzt sein. Und er muss dem Arbeitslosen eine Chance auf einen richtigen Arbeitsplatz bieten. Die Ein-
Euro-
Jobs können ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel kann es sich um die Hilfe in einer Stadtbücherei oder beim Bau von Kinderspielplätzen handeln. Vielleicht geht es aber auch um die Pflege von
Parks und Anlagen oder um Angebote in der Nachbarschaftshilfe. Städte, Gemeinden oder
gemeinnützige Einrichtungen, die solche Jobs anbieten, melden das den Arbeitsagenturen, Die Arbeitsagenturen vermitteln diese Jobs an die Arbeitslosen. Ein Arbeitsloser, dem ein "Ein-
Euro-
Job" angeboten wird, muss ihn annehmen, sonst kann das Arbeitslosengeld gekürzt werden. Und wenn er unter 25 Jahre alt ist, kann das AGL II ganz gestrichen werden.
Einkommenssteuer
Fast jede Bürgerin und jeder Bürger in unserem Land muss Einkommenssteuer zahlen. Voraussetzung ist, dass sie oder er einen Lohn, ein Gehalt oder ein anderes Einkommen (zum Beispiel aus Zinsen, Mieten oder aus einer selbständigen Tätigkeit) hat. Jeder Arbeitnehmer und
Gewerbetreibende (das bezeichnet man in der Fachsprache als "natürliche Person") ist steuerpflichtig, denn der Staat braucht das Geld, um seine vielfältigen Aufgaben zu erfüllen. Aktien-
oder andere Kapitalgesellschaften (im Fachausdruck "juristische Personen") müssen
Körperschaftssteuer zahlen, das ist eine besondere Art der Einkommenssteuer.
Wie viel Einkommenssteuer jemand zahlen muss, hängt davon ab, wie hoch das Einkommen ist. Es gibt zwei Arten, wie die Steuer bezahlt wird: Bei den meisten ist es so, dass die Steuern gleich von Lohn oder Gehalt abgezogen und vom Arbeitgeber an das Finanzamt überwiesen werden. Bei dem zweiten Verfahren gibt der Steuerpflichtige nach Ablauf eines Kalenderjahres in seiner Steuererklärung die Höhe seines Einkommens an und das Finanzamt setzt dann die Höhe der Steuern fest. Es gibt zahlreiche Einzelheiten und Ausnahmefälle, die im komplizierten Einkommenssteuergesetz (EStG) geregelt sind.
Einwohnermeldeamt
Jede Bürgerin und jeder Bürger hat in Deutschland die Pflicht, die Behörden über bestimmte Tatsachen und Ereignisse in seinem Leben zu informieren. Wenn man beispielsweise umzieht, muss man das dem Meldeamt seines neuen Wohnortes innerhalb einer bestimmten Frist mitteilen. Auch wenn man einen Kinderausweis, einen Personalausweis oder Reisepass braucht, muss man diesen beim
Einwohnermeldeamt beantragen. Das Amt ist zudem zuständig, wenn es um Namensänderungen, amtliche Beglaubigungen von Dokumenten, Anträge für Aufenthaltsgenehmigungen, Lohnsteuerkarten, Führungszeugnisse, Hundeanmeldungen und zahlreiche andere Dinge geht.
Seit einigen Jahren gibt es in vielen Städten und Gemeinden sogenannte Bürgerämter. Hier können die Menschen alle Dinge erledigen, für die die Gemeinden zuständig sind. Dort gibt es dann nicht nur das Einwohnermeldeamt, sondern zum Beispiel auch die Musikschule oder die Stelle, wo man Anträge auf Schülermonatskarten stellen kann.
Elterngeld
Ende September 2006 beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz zum
Elterngeld. Elterngeld wird vom Staat bezahlt, wenn ein Elternteil, also Mutter oder Vater, nach der Geburt eines Kindes die Arbeitszeit im Beruf verringert oder zeitweise ganz aufhört zu arbeiten, um sich um das Kind zu kümmern.
Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Einkommen des Elternteils. Es beträgt in der Regel 67 Prozent von dem Lohn oder Gehalt, das Vater oder Mutter vor der Geburt verdient hat. Für Menschen mit geringem Einkommen kann es aber auch mehr sein. Es wird aber höchstens 1800 Euro im Monat gezahlt. Diese staatliche Unterstützung zur Förderung der Familien ist nicht dauerhaft, sondern wird nur 12-
14 Monate nach der Geburt des Kindes gewährt.
Embargo
Wenn ein Staat gegen das Völkerrecht verstößt, also zum Beispiel im Krieg absichtlich Krankenhäuser beschießt, dann können andere Staaten mit Strafen (Sanktionen) darauf reagieren. Eine solche Strafe könnte sein, dass an diesen Staat bestimmte Waren nicht mehr geliefert werden oder dass Waren aus diesem Land nicht mehr in andere Länder verkauft werden dürfen. Wenn solche Strafen durchgeführt werden, verhängt man ein "
Embargo". Das Wort kommt aus dem Spanischen und heißt "beschlagnahmen". Früher nämlich wurde ein Land dadurch gestraft, dass seine Schiffe beschlagnahmt wurden und es deshalb keinen Handel mehr treiben konnte. Durch das Embargo soll der Staat dazu gebracht werden, das Völkerrecht wieder zu beachten.
Emigration
Der Begriff kommt vom lateinischen Wort "emigratio". Er bedeutet "wegziehen". Von "
Emigration" spricht man, wenn jemand aus dem Land, aus dem er stammt, wegzieht. Eine Emigration kann freiwillig oder erzwungen sein. Es gibt unterschiedliche Ursachen, wieso Menschen ihr Herkunftsland verlassen: Es kann aus politischen, religiösen oder auch aus wirtschaftlichen Gründen geschehen. Manchmal ist die Emigration eine Flucht vor Verfolgung oder Verhaftung. In den vergangenen Jahrhunderten gab es viele solcher Flucht-
oder Auswanderungsbewegungen. Im 20. Jahrhundert sind nach der russischen Oktoberrevolution 1917 viele tausend Menschen vor den neuen Machthabern geflohen. In Deutschland haben während des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 viele tausend Juden und politische Gegner des Staates ihre Heimat verlassen, um der Verfolgung zu entkommen. 1991/92 gab es eine Emigrationswelle aus den Kriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawien.
Es gibt auch den Begriff "innere Emigration". Davon spricht man, wenn zum Beispiel politische Gegner eines Diktators zwar nicht ihr Land verlassen, um im Ausland zu leben, sich aber innerlich zurückziehen. Sie äußern sich nicht mehr in der Öffentlichkeit. Sie lassen ihre Gegnerschaft zum Regime nicht erkennen, um sich und ihre Familie nicht zu gefährden.
Mit "Emigration" wird nicht nur das Verlassen eines Landes, also die Auswanderung bezeichnet. Auch den Aufenthalt in einem fremden Land nach der Auswanderung bezeichnet man so. Die Menschen befinden sich dann in der Emigration, sie sind Emigranten.
Emission / Emissionshandel
Der Begriff "Emission" stammt vom lateinischen Wort "emittere" ab, was auf Deutsch "aussenden" heißt. Geht ein großes und wirtschaftlich gesundes Unternehmen an die Börse, so werden Anteile an diesem Unternehmen in Form von Aktien ausgegeben, die man kaufen kann. Den Vorgang nennt man "Emission". Der Begriff "Emission" wird aber nicht nur angewendet, wenn es um Aktien geht, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Die Post gibt Briefmarken aus, ein Röntgengerät sendet Strahlen aus, unsere Autos stoßen während der Fahrt Abgase aus und Fabriken produzieren bei der Herstellung ihrer Produkte verschiedene Schadstoffe, die in die Umwelt eingebracht werden. All dies sind
Emissionen. Besonders kritisch sind die Schadstoffe, die Kraftfahrzeuge und Produktionsanlagen an die Umwelt abgeben, insbesondere Treibhausgase, die sich schädlich auf unser
Klima auswirken.
Verringerung von SchadstoffenUm die Umwelt zu schützen, haben viele Staaten beschlossen, diese Schadstoff-
Emissionen zu verringern. Das heißt, die Autos sollen umweltfreundlicher werden und Fabriken müssen ihre Produktionsanlagen mit besseren Filtern versehen oder komplett modernisieren, um die Emissionen zu senken. Hierfür gibt es neuerdings Gesetze und Vorschriften, die genau festlegen, wie der Ausstoß von giftigem Kohlendioxid (CO
2) vermindert werden muss.
Nun haben aber die Staaten nicht nur gesagt, dass die Gifte verringert werden sollen, sie haben im sogenannten Kyoto-
Protokoll auch festgelegt, wieviel Schadstoff-
Emissionen jedes Land herstellen darf. Diese Vereinbarung führt dazu, dass mit Emissionen gehandelt werden kann: Will eine Fabrik mehr CO
2 produzieren, als es die Obergrenze für seine Produktionen vorsieht, so kann es einem anderen Unternehmen, das die vorgeschriebene Grenze des Schadstoffausstoßes nicht ausnutzt, diese nicht ausgenutzten Schadstoffmengen "abkaufen". So kann es seinen eigenen Anteil erhöhen. Diesen Vorgang nennt man "Emissionshandel".
Energiepolitik
Kohlekraftwerk im Ruhrgebiet
© AP Photos
Energiepolitik sorgt dafür, dass wir alle ausreichend mit Energie, also mit Strom, Öl, Benzin, Gas usw. versorgt werden. Das ist in Deutschland, einem Land mit viel Industrie und großen Städten, eine besonders wichtige Aufgabe. Die meiste Energie wird heute durch das Verbrennen von Rohstoffen wie Holz, Kohle und Erdöl hergestellt. Alle Betriebe, alle Eisenbahnen, alle großen Gebäude und Maschinen verbrauchen viel Energie. Aber auch jeder Einzelne von uns braucht Energie, zum Beispiel zum Kochen, Fernsehen oder Mofa fahren. Zum einen gibt es
erneuerbare Energien, das sind zum Beispiel Wasser-
und Windenergie, Biogas oder
Sonnenenergie. (Wenn diese Energien verbraucht sind,
Windräder in einem Rapsfeld in Halle, Sachsen-Anhalt
© AP Photos
entstehen sie wieder neu – deshalb heißen sie "erneuerbar".) Zum anderen gibt es Energiearten, die sich nicht erneuern, also Erdöl, Erdgas, Kohle, Atomkraft. Diese Vorräte sind irgendwann verbraucht. Bei Erdöl schätzt man, dass dies schon in ungefähr 60 Jahren der Fall sein wird (womit werden dann wohl die Autos fahren?). Deshalb ist es besonders wichtig, behutsam mit den vorhandenen Energien umzugehen. Vor allem aber müssen noch mehr Methoden gefunden werden, um die erneuerbaren Energien wie die Sonnenenergie zu nutzen.
Enquête
Wörtlich übersetzt aus dem Französischen heißt das "durchgeführte Untersuchung". Man meint damit nicht die polizeiliche Untersuchung und Aufklärung eines bestimmten Kriminalfalles. Gemeint ist eine amtliche Untersuchung etwa darüber, ob es zu viele Beamte in den Verwaltungen gibt oder ob man die Verfassung verändern muss, damit es leichter wird, Gesetze zu machen. Der Bundestag setzt öfters sogenannte Enquête-
Kommissionen ein. Diese Kommissionen bestehen aus Abgeordneten und Fachleuten, die der Regierung und dem Parlament Berichte übergeben. Darin stehen wichtige Informationen, die die Regierung und das Parlament nutzen sollen, bevor sie ihre Entscheidungen treffen. Jahrelang arbeitete zum Beispiel eine
Enquête-Kommission an einem Bericht über die Folgen der
Gentechnologie (Veränderung des natürlichen Erbgutes von Pflanzen und Tieren), bevor Regierung und Bundestag darüber entschieden haben, was in Deutschland im Rahmen der Gentechnologie erlaubt und was verboten sein soll.
Entnazifizierung
In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 wurden zahlreiche Organisationen in der Verwaltung, bei der Polizei, in der
Rechtsprechung, dem Bildungswesen, in der Wirtschaft und Kultur von den Nationalsozialisten übernommen. Alle wichtigen Stellen wurden von Parteimitgliedern besetzt, die dafür sorgten, dass im Sinne der Machthaber gehandelt wurde.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wollten die Siegermächte, dass alle nationalsozialistischen Organisationen und Einrichtungen möglichst schnell aufgelöst wurden. Dazu führten sie die sogenannte
Entnazifizierung durch: im öffentlichen Leben sollte der Nationalsozialismus ausgeschaltet werden und frühere aktive Nationalsozialisten sollten bestraft werden. Zur Entnazifizierung gehörten zum Beispiel die Kriegsverbrecherprozesse. Die wichtigsten dieser Kriegsverbrecherprozesse waren die "Nürnberger Prozesse", bei denen führende Politiker des nationalsozialistischen Regimes angeklagt und verurteilt wurden.
In der Sowjetischen Besatzungszone, aus der 1949 die DDR entstand, wurde die Entnazifierung bereits 1948 für beendet erklärt. Die Bundesrepublik Deutschland hat 1949 mit ihrer Gründung die Verantwortung für die Entnazifizierung auf ihrem Staatsgebiet übernommen.
Entwicklungsländer / Entwicklungshilfe
Nicht allen Menschen auf dieser Welt geht es so gut wie uns. In vielen Ländern außerhalb Europas herrscht große Armut. Familien hungern, Eltern sind arbeitslos, die Kinder haben zum Teil keine Möglichkeit, lesen und schreiben zu lernen. Viele Kinder müssen sogar selbst hart arbeiten, weil ihre Eltern nicht genug für die Familie verdienen. Viele Menschen werden krank, weil sie keine richtigen Wohnungen haben oder verschmutztes Wasser trinken müssen. Sie können nicht vom Arzt behandelt werden, weil es zu wenig Ärzte und Krankenhäuser gibt. Auch der
Staat kann nicht helfen, weil er zum Beispiel nicht richtig organisiert ist oder falsch geführt wird. Oder der Staat ist verschuldet. Er muss seine Schulden oft mit hohen Zinsen zurückzahlen und besitzt deswegen nicht genügend Geld, um Krankenhäuser oder Schulen zu bauen. Länder, die so arm sind, bezeichnet man als Entwicklungsländer. Viele reiche Länder und private Organisationen versuchen, diese Länder zu fördern, indem sie ihnen sogenannte Entwicklungshilfe anbieten. Damit soll das jeweilige Land so lange unterstützt werden, bis es sich selber helfen kann. Diese Hilfe nennt man auch "Hilfe zur Selbsthilfe". Es werden zum Beispiel Brunnen gebohrt, Lehrerinnen und Ingenieure ausgebildet, Straßen gebaut und bessere Methoden für die Landwirtschaft entwickelt.
Gründe für die ArmutEs gibt viele Gründe dafür, dass die Entwicklungsländer arm sind. In vielen Entwicklungsländern gibt es nicht genug Lebensmittel und Rohstoffe, um die immer schneller wachsende Bevölkerung zu versorgen. Ein weiterer Grund ist, dass viele entwickelte Staaten wie zum Beispiel Deutschland glauben, dass sie ihre eigene Wirtschaft vor billigen Waren aus den Entwicklungsländern "schützen" müssen. Dazu erheben sie sogenannte Einfuhrzölle. Dadurch werden die Waren aus den ärmeren Ländern teurer und können nur noch schlecht verkauft werden. Viele Probleme der Entwicklungsländer haben ihre Ursachen in der Vergangenheit. Die Kolonialmächte haben ihre
Kolonien ausgenutzt und daran gehindert, sich zu gleich starken Handelspartnern zu entwickeln. Probleme bereitet in vielen armen Ländern auch das Klima. Immer wieder gibt es Dürrekatastrophen. Sie haben meist zur Folge, dass die Ernten zerstört werden.
Entwicklungspolitik
Zur Entwicklungspolitik gehören alle politischen Aktivitäten und staatlichen Maßnahmen, welche den Aufbau, die technische und soziale Entwicklung der sogenannten Entwicklungsländer fördern. Grundsätzlich hat die Entwicklungspolitik das Ziel, die Lebensverhältnisse der Menschen in diesen Ländern zu verbessern. Ein wichtiger Teil der Entwicklungspolitik ist die Entwicklungshilfe. Damit ist die Unterstützung der reichen Industriestaaten (der "Geberländer") für die Entwicklungsländer gemeint. Zur Entwicklungspolitik gehören aber auch die Politik und die Maßnahmen dieser Länder (der "Nehmerländer") selber, um ihrer Bevölkerung zu helfen. Dazu zählen zum Beispiel die Versorgung mit Nahrungsmitteln, die Einrichtung von Schulen, der Bau von Brunnen und Straßen sowie der Aufbau von Wirtschaft und Technik. Entwicklungspolitik sollte nicht nur den einseitigen wirtschaftlichen Zielen der "Geberländer" dienen oder den Interessen von privaten oder staatlichen Entwicklungshilfeorganisationen untergeordnet werden. Sie sollte den armen Ländern die Möglichkeit geben, dass sie sich künftig aus eigener Kraft weiter entwickeln können.
Erneuerbare Energie
Ihr kennt sicher Windkraftwerke: die hohen Pfeiler, die man manchmal in der Landschaft sieht. Oben drehen sich Flügel, die durch den Wind angetrieben werden. Sie werden dort aufgestellt, wo es meist sehr windig ist, zum Beispiel an der Küste. Diese Windkraftwerke nutzen den Wind als
Windkraftanlage in der Nordsee
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Energie, weil er sich immer wieder erneuert. Im Gegensatz zu Erdöl oder Kohle, die in unseren Kraftwerken verbrannt werden, um Strom zu erzeugen, gibt es den Wind immer wieder. Auch die Sonne, die Erdwärme und die Bewegung des Wassers kann man nutzen, um Energie zu gewinnen. Das Vorteilhafte, besser gesagt, das Gute daran ist, es wird nichts "ver"-
braucht, sondern nur "ge"-
braucht.
Photovoltaik-Anlage in Marburg. Es ist die erste deutsche Stadt, die alle Hausbauer dazu verpflichtet, auf dem Dach eine Solaranlage einzubauen.
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Zu den erneuerbaren Energien zählen auch die Rohstoffe, die nachwachsen können wie zum Beispiel Holz. Aber auch mit erneuerbaren Energien muss man sorgfältig umgehen. So darf man immer nur eine bestimmte Anzahl von Bäumen fällen, und neu gepflanzten Bäumchen muss man genügend Zeit lassen, um nachzuwachsen. Bei manchen Baumarten, zum Beispiel Eichen, muss man besonders vorsichtig sein, denn sie wachsen nur sehr langsam.
Erster Weltkrieg
Die Schlacht um Verdun im Ersten Weltkrieg
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Der Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918. Deutschland hatte große Schuld an seinem Ausbruch. Auf der einen Seite kämpften Deutschland, Österreich-
Ungarn, die
Türkei und später
Bulgarien, auf der anderen Seite waren es vor allem Frankreich, Großbritannien, Russland,
Belgien,
Serbien, Griechenland,
Rumänien, Italien, die USA und Japan. Über zehn Millionen Menschen sind im Krieg gestorben. Ausgelöst wurde dieser große Krieg durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers im serbischen Sarajevo am 28. Juni 1914. Die tieferen Ursachen dieses
Weltkrieges aber waren lang andauernde Streitigkeiten zwischen den großen europäischen Mächten. Großbritannien, Frankreich, das Deutsche Reich, Österreich-
Ungarn und Russland wollten ihre Macht vergrößern. Sie kämpften um mehr wirtschaftlichen Einfluss auf den Weltmärkten. Vor allem aber führte das militärische Kräftemessen dieser Länder zu immer größeren Spannungen.
Die Folgen des KriegesDeutschland und seine Verbündeten verloren den Ersten Weltkrieg. Die Siegermächte haben im Versailler Vertrag festgeschrieben, welche Folgen das für Deutschland hatte. Die Monarchie im Deutschen Reich wurde abgeschafft, der Kaiser musste das Land verlassen. Grenzgebiete im Osten und im Westen Deutschlands gingen an die Nachbarländer. Außerdem musste Deutschland seine Armee auf 100 000 Soldaten verringern und an die Sieger hohe Schadensersatzleistungen, das nennt man "Reparationen", bezahlen.
Erziehungsberechtigte
Normalerweise sind die Eltern die Erziehungsberechtigten ihres Kindes. Sie übernehmen die sogenannte Personensorge für ihr Kind und damit alle Aufgaben, die das (noch unmündige, noch nicht volljährige) Kind selbst nicht erfüllen kann oder darf. Diese elterliche Sorge steht in einer Ehe dem Vater und der Mutter zu gleichen Teilen zu. Es ist die Pflicht der Eltern, dieses Sorgerecht gemeinsam zum Wohle des Kindes auszuüben. Zum Beispiel entscheiden sie, welche weiterführende Schule ihr Kind besucht, wenn es die nötigen Voraussetzungen erbringt. Aber die Eltern können nicht darüber entscheiden, ob ihr Kind überhaupt die Schule besucht. Denn der Schulbesuch ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Für den Fall, dass die Eltern die Personensorge nicht mehr erfüllen können oder dürfen, entscheidet das Vormundschafts-
oder Familiengericht, wer stattdessen die Erziehungsberechtigung übernimmt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Eltern mit der Erziehung überfordert sind, getrennt leben oder geschieden sind. Maßgebend für das Urteil des
Gerichts ist auf jeden Fall, was für das Kind das Beste ist. Und wenn es schon 14 Jahre alt ist, kann es selber entscheiden, ob es bei dem Vater oder der Mutter bleiben möchte. Alle diese Fragen sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt.
Ethik
Der Begriff kommt vom griechischen Wort "ethos" und bedeutet soviel wie "Sitte", "Gewohnheit", "Herkommen". Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie und befasst sich mit dem menschlichen Handeln. Dazu kann man sich viele Gedanken machen: Wie soll der Mensch handeln, an welchen Werten soll er sich orientieren? Was ist gutes, was ist schlechtes Handeln?
Ihr habt euch sicher schon einmal die Frage gestellt, wann ein Mensch gut oder böse ist. Das ist nicht leicht zu beantworten. Denn dazu muss man nicht nur wissen, was dieser Mensch gemacht hat, sondern auch, wie und warum er es getan hat. Und wenn man diese Fragen stellt, geht man davon aus, dass die Menschen in vielen Situationen die Möglichkeit haben, so oder so zu handeln. Zwar handeln wir oft auf eine bestimmte Weise, weil wir ein Gesetz befolgen wollen. Aber oft können wir uns auch ganz frei entscheiden, ob wir etwas tun oder lassen wollen. Beispielsweise können wir entscheiden, ob wir jemandem bei einem Problem helfen oder ob wir ihn reinlegen, ob wir teilen oder lieber geizig sein wollen. Was wir letztendlich tun, hängt davon ab, welche
ethischen Grundwerte wir achten, zum Beispiel wie hoch wir persönliches Glück bewerten oder die eigene Verantwortung für die Gemeinschaft. Ethische Fragen nach dem Guten und Bösen, nach dem richtigen Leben, nach den sittlichen Werten haben für das Zusammenleben der Menschen eine große Bedeutung. In den Religionen werden diese Fragen sehr oft im Zusammenhang mit göttlichen Geboten beantwortet.
Ethnische "Säuberung"
In einer Diktatur werden Personen, die politisch anderer Meinung als die Herrschenden sind, oft verfolgt und aus ihren Ämtern vertrieben. Der Staat wird von diesen Menschen "gesäubert", damit keine Kritik oder Störung mehr erfolgt. Dieser Begriff der "Säuberung" ist besonders niederträchtig, weil damit der Eindruck erweckt werden soll, dass diese Menschen einen Staat beschmutzen oder dass sie selbst Schmutz wären. Solche (politischen) "Säuberungen" nahmen im 20. Jahrhundert riesige Ausmaße an. Die Nationalsozialisten "säuberten" ihren Staat von Menschen, die sie in ihren Rassengesetzen als "minderwertig" bezeichneten. Dies betraf Juden,
Sinti und Roma oder auch behinderte Menschen. Das führte schließlich zum Holocaust, in dem Millionen Menschen ermordet wurden. Auch in der Sowjetunion gab es unter dem Diktator Stalin gewaltige "Säuberungen". Millionen Menschen verschwanden in Zwangslagern, wo sie sehr oft starben. Eine weitere Form der menschenverachtenden Säuberungspolitik ist die sogenannte ethnische "Säuberung". "Ethnie" ist ein griechisches Wort und bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die die gleiche Kultur verbindet. Wenn eine solche Gruppe verfolgt und vertrieben wird, spricht man von "ethnischer Säuberung". Dies geschah zum Beispiel Mitte der 1990er Jahre auf dem Balkan, wo die Serben die Bosnier aus vielen angestammten Orten in Bosnien-
Herzegowina mit Gewalt vertrieben haben.
Dieses hässliche, menschenverachtende Wort wurde in die Liste der hundert "Unwörter" des 20. Jahrhunderts aufgenommen.
EU: Außenminister/in der Europäischen Union
Jedes Land hat einen Minister oder eine Ministerin, der/die die Interessen des eigenen Landes gegenüber anderen Staaten vertritt. Das ist normalerweise die Aufgabe des Außenministers . In der Europäischen Union wurde mit dem Vertrag von Lissabon, der Anfang Dezember 2009 in Kraft trat, ebenfalls ein solches Amt geschaffen. Es heißt offiziell "Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik". In der Kurzfassung sagt man Außenminister der EU. Gewählt wird der Außenminister für fünf Jahre. Die Person, die dieses Amt innehat, ist "das Gesicht" der europäischen Außenpolitik. Der EU-Außenminister ist zugleich Vizepräsident der Europäischen Kommission sowie Vorsitzender im Rat für Auswärtige Angelegenheiten. Die wichtigste Aufgabe des Außenministers ist es dafür zu sorgen, dass die EU-Mitgliedsstaaten auch wirklich eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik betreiben.
Als erste EU-Außenministerin wurde die englische Politikerin Catherine Margret Ashton ernannt.
EU: Erweiterung
Jeder europäische Staat hat nach dem EU-
Vertrag die Möglichkeit, der Europäischen Union (EU) beizutreten. Inzwischen gehören 27 Staaten zur EU. Weitere Staaten, wie zum Beispiel die Türkei oder
Kroatien, möchten der EU beitreten.
Was erwarten sich die Länder von ihrer Mitgliedschaft in der EU? Sie hoffen darauf, dass ihre Wirtschaft vom europäischen Markt profitiert. Sie erwarten, dass sich mit Hilfe der EU die Länder schneller entwickeln und der Wohlstand wächst. Sie hoffen, dass sich die Demokratie gut entwickelt und es den Menschen besser geht. Und für die EU bedeutet ein geeintes Europa ebenso, dass man miteinander besser Geschäfte machen kann, auf diese Weise Arbeitsplätze entstehen und es den Menschen dadurch besser geht.
EU: Europäischer Gerichtshof
Das ist das höchste Gericht der Europäischen Union. Der Europäische Gerichtshof wurde im Jahr 1957 gegründet und hat seinen Sitz in
Luxemburg. Er muss vor allem darauf achten, dass die Verträge, die zwischen den Mitgliedsstaaten der EU vereinbart wurden, und die rechtlichen Bestimmungen, die in allen EU-
Länder gelten, eingehalten werden. Auch muss dieses Gericht prüfen, ob neue Entscheidungen und Beschlüsse, die von den EU-
Staaten gefasst werden, mit den Gesetzen der EU zu vereinbaren sind.
EU: Europäische Kommission
Die Europäische Kommission muss in der Europäischen Union dafür sorgen, dass die Beschlüsse des EU-
Ministerrats und des
EU-Parlaments auch tatsächlich umgesetzt werden. Wenn ein Mitgliedsstaat ein Gesetz, das alle gemeinsam beschlossen haben, nicht umsetzt oder die Durchsetzung verzögert, kann die Kommission das anmahnen und sogar Strafen verhängen. Die EU-
Kommission ist also eine "Hüterin der EU-
Verträge". Doch sie passt nicht nur auf, dass Beschlüsse verwirklicht werden. Sie kann selber auch vorschlagen, dass das Europäische Parlament oder der
Rat der Europäischen Union bestimmte Gesetze beschließen möge. (Das nennt man "Initiativrecht"). Zu den weiteren Aufgaben der Kommission gehört die Vertretung der Gemeinschaft nach außen. Wenn also die EU mit Staaten, die nicht zur EU gehören, oder auch mit internationalen Organisationen Verträge schließt, wird die EU-
Kommission aktiv.
Die EU-
Kommission besteht derzeit aus 26 Kommissarinnen und Kommissaren und einem Präsidenten. Jedes Mitglied der EU ist in der Kommission vertreten. Die Mitglieder der Kommission werden von den Regierungen der EU-
Staaten vorgeschlagen und nach Zustimmung des Europäischen Parlaments für fünf Jahre ernannt.
EU: Europäisches Parlament
Dieses Parlament mit Vertretern aus verschiedenen europäischen Staaten wurde 1958 gegründet. Nach Gründung der Europäischen Union und ihrer Erweiterung stieg die Zahl der Abgeordneten auf derzeit 736. Gewählt wird das Parlament alle fünf Jahre von den Wahlberechtigten in den Mitgliedsstaaten der EU. Jedes der 27 EU-
Mitgliedsländer kann entsprechend seiner Bevölkerungsgröße eine bestimmte Anzahl von Abgeordneten in das Parlament entsenden. Die größte Gruppe bilden die 99 Abgeordneten aus der Bundesrepublik Deutschland. Das
Europaparlament, wie es auch genannt wird, hat seinen Verwaltungssitz in Luxemburg, seine Tagungen finden in Straßburg statt. Es kann gemeinsam mit dem EU-
Ministerrat europäische Gesetze beschließen. Dieses Mitentscheidungsrecht gilt zum Beispiel bei Fragen des EU-
Haushalts, bei Fragen der Bildung oder des Umweltschutzes, des Gesundheitswesens oder bei kulturellen Fragen. Manche Entscheidungen können nur getroffen werden, wenn das Europäische Parlament zustimmt, zum Beispiel wenn es um die Aufnahme neuer Mitgliedsländer in die EU geht oder um die Ernennung der Mitglieder und des Präsidenten der Kommission der EU oder des Außenministers der EU.
Seit der Gründung der EU sind die Rechte des Europäischen Parlaments immer mehr ausgeweitet worden. Zuletzt geschah das durch den Vertrag von Lissabon, der Ende 2009 in Kraft trat. In diesem Vertrag wurde auch beschlossen, dass die Parlamente der Mitgliedsstaaten der EU mehr Mitsprache bei der Schaffung von neuen Gesetzen in der EU erhalten.
EU: Präsident/in des Europäischen Rates
Seit Ende 2009 gibt es in der EU das Amt des Präsidenten/der
Präsidentin des Europäischen Rates. Die Amtszeit dauert zweieinhalb Jahre, er oder sie wird vom Europäischen Rat gewählt und kann einmal wiedergewählt werden. Mit dem Präsidenten gibt es in der EU nun eine Person, die in und außerhalb der EU für die Europäische Union steht.
Zu seinen Aufgaben gehört es, die Sitzungen des
Europäischen Rates, das sind die sogenannten Gipfeltreffen, vorzubereiten. In der Außenpolitik arbeitet er mit der Hohen Vertreterin der Europäischen Union für Außen-
und Sicherheitspolitik zusammen.
Seit dem 1. Dezember 2009 ist der Belgier Herman Van Rompuy Präsident des Europäischen Rates.
EU: Europäischer Rat
Zeitungen und Fernsehen berichten halbjährlich von einem großen Treffen aller Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Dieses "Gipfeltreffen", an dem auch der Präsident der EU-Kommission teilnimmt, ist eine Tagung des Europäischen Rates. Es findet in dem Land statt, das die Präsidentschaft hat. Diese Präsidentschaft wechselt alle sechs Monate.
Der Europäische Rat trifft die wichtigsten politischen Entscheidungen in der EU. Er legt auch fest, welchen Kurs die EU in der nächsten Zeit steuern wird. Seit Ende 2009 gibt es in der EU das Amt des Präsidenten des Europäischen Rates.
Regelmäßig finden auch Treffen der Ministerinnen und Minister aus den verschiedenen Mitgliedsstaaten statt. (Dies ist dann der Rat der Europäischen Union). Wenn sich die Minister aber nicht einigen können, so entscheiden die Regierungschefs im Europäischen Rat, wie vorgegangen werden soll.
Die Bezeichnungen "Europäischer Rat" und "Rat der Europäischen Union" klingen sehr ähnlich, das wirft man ganz schnell durcheinander. Deswegen eine "Eselsbrücke" zum Merken: "Europäischer Rat" hat weniger Buchstaben als "Rat der Europäischen Union". Und im Europäischen Rat sind auch weniger Mitglieder – nämlich die Staats- und Regierungschefs. Im "Rat der Europäischen Union" sind viel mehr Personen, nämlich alle Minister/innen aus allen Mitgliedsstaaten – das ist der Name mit den vielen Buchstaben!
EU: Europäischer Rechnungshof
Der Europäische Rechnungshof mit Sitz in Luxemburg ist für die gemeinsame Kasse der EU zuständig. Er prüft alle Einnahmen und Ausgaben auf ihre Rechtmäßigkeit. Das Geld, das jedes Mitglied der Gemeinschaft einzahlt, muss für eine wirtschaftliche Haushaltsführung verwendet werden. Das heißt, es darf kein Geld für überflüssige Projekte verschwendet werden. Wie diese Vorgaben eingehalten wurden, ob die Beiträge der EU-Mitglieder sinnvoll eingesetzt wurden, zum Beispiel für wichtigen Straßen- und Schienenbau oder für den Umweltschutz, das kann im jährlich veröffentlichten Bericht des Rechnungshofes nachgelesen werden. Wenn es bei Dienststellen der Europäischen Union Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der Gelder gab, steht das im Bericht des Europäischen Rechnungshofs.
Der Rechnungshof, der 1975 eingerichtet wurde, arbeitet unabhängig. Er unterstützt das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union bei der Kontrolle des gesamten Haushalts der EU. Jedes Mitgliedsland der EU ist mit einer Person im Rechnungshof vertreten. Der Rat der EU ernennt die Mitglieder des Europäischen Rechnungshofes für die Dauer von sechs Jahren.
Euro
Der Euro ist die gemeinsame Währung verschiedener Staaten in Europa. Es sind die folgenden 16 Staaten, die eine
Währungsunion bilden: Belgien, Deutschland,
Finnland, Frankreich, Griechenland,
Irland, Italien, Luxemburg,
Malta, die Niederlande, Österreich,
Portugal, die
Slowakei,
Slowenien, Spanien und
Zypern. Der Euro gilt außerdem in Monaco, San Marino, Vatikanstadt, Montenegro und dem Kosovo.
Euro - Geldscheine und Münzen
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Der Name wurde 1995 von einer Versammlung des Europäischen Rates in
Madrid beschlossen. Ein Jahr später wählten die Staats-
und Regierungschefs der EU-
Länder die Bilder, die auf den Euro-
Geldscheinen zu sehen sind. Sie wurden von dem österreichischen Grafiker Robert Kalina entwickelt. 1997 wurde das Aussehen der Münzen nach Entwürfen des belgischen Designers Luc Luycx festgelegt. Anfang 2002 tauschten die Banken der verschiedenen Staaten der Währungsunion im Auftrag der Europäischen Zentralbank die nationalen Währungen gegen den Euro ein. Auf den Euro-
Scheinen (5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Euro) sieht man auf den Vorderseiten Fenster und Tore. Sie sollen ein Ausdruck für Offenheit sein. Auf den Rückseiten der Banknoten sieht man Brücken unterschiedlicher Baustile von Klassik, Romanik und Gotik und weiteren Stilen früherer Jahrhunderte bis zur modernen Architektur des 20. Jahrhunderts. Dadurch soll gezeigt werden, dass es zu allen Zeiten Verbindungen zwischen den Menschen in Europa gab, dass schon immer Brücken geschlagen wurden. Die Geldscheine sind in allen Ländern gleich. Die Münzen (1, 2, 5, 10, 20, 50 Cent, 1 und 2 Euro) sind nur auf der Vorderseite gleich gestaltet. Auf der Rückseite zeigen sie nationale Motive. Die in Deutschland ausgegebenen Euro-
Münzen zeigen zum Beispiel den Bundesadler, das Brandenburger Tor, das Holstentor in Lübeck oder das Schweriner Schloss.
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
Dieses Gericht wurde 1959 in Straßburg gegründet und hat dort bis heute seinen Sitz. Es achtet darauf, dass die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte von den Staaten, die sie seit 1953 unterzeichnet haben, eingehalten wird. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kann sowohl von Staaten, als auch von einzelnen Personen direkt angerufen werden, wenn sie sich in ihren Grund- und Menschenrechten beeinträchtigt sehen. Die Urteile dieses Gerichtshofes sind bindend und können nicht mehr angefochten werden.
Europa
Deutschland liegt mitten in Europa. Mit einer Fläche von 10 Millionen Quadratkilometern ist Europa nach
Australien der zweitkleinste Kontinent oder Erdteil. So nennt man große zusammenhängende Landmassen mit dazugehörigen Inseln und Meeren. Auf unserem Globus gibt es fünf Erdteile: Asien, Amerika, Afrika, Europa, Australien. Deutschland würde ungefähr 33-
mal in Europa hineinpassen. Das Ural-
Gebirge in Russland grenzt Europa von Asien im Osten ab; im Süden ist das Mittelmeer die Grenze zu Afrika. Westlich und nördlich von Europa liegt der Atlantische Ozean. Der südlichste Punkt Europas liegt auf Zypern, der nördlichste ist das Nordkap in
Norwegen. Würde man vom südlichsten Punkt des Kontinents bis zum nördlichsten reisen, wäre man mit Auto und Schiff -
ohne Staus und Pausen -
vier bis fünf Tage unterwegs.
In Europa gibt es viele verschiedene Länder, darunter auch sehr viele kleine Länder. Insgesamt leben hier über 700 Millionen Menschen. Es werden über 60 verschiedene Sprachen gesprochen.
"Reitende Europa auf dem Stier." Skulptur am Wittelsbacher Brunnen in München
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Viele europäische Staaten haben sich in der Europäischen Union (EU) zusammengeschlossen, um in manchen Bereichen eine gemeinsame Politik zu betreiben.
Woher der Name Europa kommt, wollt ihr noch wissen? Diesen Namen hat man der griechischen Sagenwelt entnommen. "Europa" hieß dort die Tochter eines phönizischen Königs. Sie wurde vom Götterkönig Zeus, der sich als Stier verkleidet hatte, geraubt. Deswegen wird Europa in der Kunst oft als eine Frau mit einem Stier dargestellt.
Europarat
Der
Europarat wurde 1949 gegründet und hat seinen Sitz in Straßburg. Dieser Organisation gehören 47 europäische Staaten an. Auch wenn der Europarat die gleiche
Flagge und Hymne wie die Europäische Union hat, so ist er dennoch eine eigenständige Organisation und unabhängig von der EU. Er darf nicht verwechselt werden mit dem Europäischen Rat oder dem Rat der Europäischen Union (EU-
Ministerrat).
Aufgabe des EuroparatesIm Artikel 1 der Satzung des Europarates ist seine Hauptaufgabe formuliert: "Den engen Zusammenschluss unter seinen Mitgliedern zu verwirklichen.2 Dazu gehört, die Zusammenarbeit auf den Gebieten Wirtschaft, Soziales, Kultur und Wissenschaft zu fördern. Besonders aber soll der Europarat dazu beitragen, dass die Demokratie gestärkt und die Menschenrechte durchgesetzt werden. Fast 200 Konventionen wurden bisher vereinbart, um diese Ziele zu verwirklichen.
Organisation des EuroparatesDer Europarat hat zwei wichtige Organe: Ein Ministerkomitee, in dem die Außenminister/innen der Mitgliedsstaaten beraten, sowie eine Beratende Versammlung, in der Abgeordnete aus den nationalen Parlamenten der Mitgliedsstaaten zusammenkommen. Der Europarat kann keine Gesetze erlassen, seine Versammlungen geben Empfehlungen und Entschließungen.
Jedes Jahr wird am 5. Mai der Europatag gefeiert. Er soll an die Gründung des Europarates und an seine Ziele erinnern.
EU: Europäische Union
Die Europaflagge, das Symbol der EU
Bundesbildstelle
Die Europäische Union (abgekürzt: EU) ist ein Zusammenschluss von europäischen Staaten, die gemeinsame politische Ziele verfolgen. Die EU besteht seit dem 1. November 1993. An diesem Tag haben sich zwölf Staaten, darunter auch Deutschland, zur Europäischen Union zusammengeschlossen. So war es vorher im Vertrag von Maastricht vereinbart worden. Zuvor gab es einen Zusammenschluss europäischer Staaten, die sogenannte "Europäische Gemeinschaft". Jeder Staat in Europa hat die Möglichkeit, der Europäischen Union beizutreten. Allerdings müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist es, dass der Staat, der beitreten will, demokratisch ist. Heute gehören 27 Staaten zur EU. Sie haben insgesamt fast 490 Millionen Einwohner/innen. Wenn alle Staaten, die einen Aufnahmeantrag gestellt haben, in den nächsten Jahren von der EU aufgenommen werden, wird die EU mehr als 30 Mitglieder haben.
Gemeinsame europäische PolitikDie Staaten, die sich in der EU zusammengeschlossen haben, wollen in vielen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen zusammenarbeiten. Sie wollen gemeinsam dafür sorgen, dass der Wohlstand in Europa gesichert wird und die Menschen in Frieden leben können. Eine solche gemeinsame Politik ist manchmal ziemlich kompliziert. Alle Staaten in der Gemeinschaft sind immer noch selbstständige Staaten und haben eigene Regierungen. Da gibt es manchmal Streit zwischen der EU und einzelnen Staaten -
und natürlich auch zwischen den Staaten untereinander. Das ist so wie in einer großen Familie. Da ist eine Einigung nicht immer leicht zu erreichen.
Anfang 1999 wurde eine gemeinsame Währung eingeführt, die in vielen EU-
Staaten gültig ist: der Euro.
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass an den Grenzen zu den Niederlanden, nach Frankreich oder zu anderen EU-
Ländern zwar manchmal noch kleine Kontrollhäuschen stehen, dort aber keine Passkontrollen mehr stattfinden. Früher musste man immer einen Pass vorzeigen, wenn man in ein anderes Land fuhr. Dass das Reisen in Europa von einem Land ins andere heute so leicht ist, zeigt, dass die Menschen auf unserem Kontinent in einem "Gemeinsamen Haus Europa" leben.
Mitglieder der Europäischen UnionZur EU gehören: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn, das Vereinigte Königreich (Großbritannien) und der griechische Teil Zyperns.
Der Begriff "Union" kommt übrigens aus dem Lateinischen und heißt "Vereinigung".
Viele interessante Informationen zu den EU-
Mitgliedsstaaten findet ihr auf dieser
interaktiven Europakarte.
Mit dem
Europa-Puzzle auf dieser Seite könnt ihr eure Kenntnisse testen. Viel Erfolg!
EU: Europäische Zentralbank
Alle Staaten der EU, die an der Europäischen Währungsunion teilnehmen und den Euro als Zahlungsmittel eingeführt haben, haben gemeinsam eine zentrale Bank. Diese Europäische Zentralbank, kurz EZB genannt, wurde 1998 gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist unabhängig. Keine Regierung darf ihr Weisungen geben oder Vorschriften machen. Die wichtigste Aufgabe der EZB ist es, dafür zu sorgen, dass der Euro seinen Wert behält, also stabil bleibt. Die Ausgabe der Euro-Banknoten gehört ebenfalls zu den Aufgaben der EZB. Und die Anzahl der Euro-Münzen, die ein Staat ausgibt, muss ebenfalls von der EZB genehmigt werden. Die EZB darf keiner Regierung in der EU Kredite oder irgendwelche Vergünstigungen gewähren.
Exil
Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "in der Fremde sein", verbannt sein". Menschen werden manchmal in ihrem Heimatland aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt und mit Strafe bedroht. Dem Diktator oder den Regierenden passt es nicht, dass diese Menschen anderer Überzeugung sind und ihre Meinung öffentlich sagen. Den Verfolgten bleibt oft nichts anderes übrig, als ins sichere Ausland zu fliehen, wenn sie überleben wollen. Im Ausland aber befinden sich die Verfolgten im "Exil". (Sie sind emigriert. Dieses Wort kommt auch aus dem Lateinischen und heißt "wegziehen".) Es gibt auch ein aufgezwungenes Exil: Menschen werden verbannt, das heißt aus ihrer Heimat ausgewiesen, vielleicht weil sie die herrschende Regierung kritisiert haben und deshalb gefährlich für die Machthaber geworden sind.
Es kommt auch vor, dass ein Diktator selber ins Exil geht, weil er vom Volk vertrieben wird.
Fahndungsliste
Auf
Fahndungslisten stehen Personen oder Sachen, nach denen gesucht, also gefahndet wird. Das Bundeskriminalamt erstellt solche Listen mit Namen und oft auch mit Bildern von Verbrechern, geflohenen Strafgefangenen oder Personen, die man als Terroristen verdächtigt. Diese Listen werden in den Polizeidienststellen des Landes ausgehängt. Die Beamten, aber auch jede Bürgerin und jeder Bürger werden aufgefordert, nach diesen Gesuchten Ausschau zu halten.
Es gibt auch Fahndungslisten für Diebesgut, zum Beispiel Schmuck und wertvolle Kunstgegenstände wie Gemälde oder Plastiken. Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit tauschen die Polizeibehörden verschiedener Länder auch Fahndungslisten untereinander aus. Ein gesuchter Verbrecher kann in einem anderen Land nicht vor der Verhaftung sicher sein.
Besonders wichtig sind Fahndungslisten gegen die internationale Bekämpfung von Menschen-
und Drogenhandel.
Familie / Familienpolitik
Was Familie ist, wissen wir natürlich alle: Dazu gehören Eltern, Kinder, Großeltern und die weitere Verwandtschaft. Früher lebte die ganze Familie oft unter einem Dach zusammen. So erklärt sich auch das Wort, denn "Familie" kommt von lateinisch "familia", das bedeutet "Hausgenossenschaft". Solche Großfamilien gibt es heute bei uns nur noch selten. Meistens leben Eltern und Kinder in einer Kleinfamilie zusammen.
Unter
"Familienpolitik" versteht man alles das, was eine Regierung tut, damit es den Familien in einem Staat möglichst gut geht. Dazu gehören zum Beispiel Gesetze, die festlegen, dass Familien mit Kindern nicht so viel Steuern zahlen müssen wie andere Leute. Dazu gehören auch Gesetze zur Schulpolitik oder zur Bildungspolitik. Die Elternzeit soll es ermöglichen, dass Mütter und Väter eine Zeitlang weniger in ihrem Beruf arbeiten und sich mehr um ihre kleinen Kinder kümmern können.
Übrigens: Auch in der Botanik und Zoologie, also im Pflanzen-
und Tierreich, wird der Begriff "Familie" gebraucht, um Gemeinsamkeiten von verwandten Pflanzen oder Tieren hervorzuheben.
Fanatismus
Wenn ich von einer Idee besessen bin, mein Ziel
blind und ohne viel Überlegung verfolge, dabei aggressiv, das heißt ohne Rücksicht auf andere handele, bin ich fanatisch (das Wort kommt aus dem Lateinischen). Der Fanatiker lässt nichts mehr neben sich gelten, schon gar keine Menschen, die anders denken als er. Fanatiker hören auf keine Kritik am eigenen Handeln und bekämpfen diese sogar mit allen Mitteln. Im Laufe der Geschichte haben viele politische Bewegungen und Parteien fanatisch ihre gefährlichen Ziele verfolgt. Im Mittelalter gab es einen
Fanatismus, der durch Religion geprägt war. Er hat dazu geführt, dass viele Menschen im Namen Gottes verfolgt oder sogar verbrannt wurden.
Faschismus
Der
Faschismus ist eine politische Bewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Italien entstand. Die Faschisten hatten als Zeichen auf ihren Fahnen und Parteiabzeichen das altrömische Rutenbündel (lateinisch: "fasces"). Die faschistische Partei hat schon bald nach ihrer Gründung unter dem Einsatz von Gewalt und Terror die Macht in Italien übernommen. Der unbedingte Gehorsam gegenüber dem Führer der Bewegung, der Benito Mussolini hieß, war die oberste Pflicht der Mitglieder. Mussolini forderte von seinen Leuten die völlige Unterwerfung unter das rechtsextreme,
rassistische und fremdenfeindliche Gedankengut. Das demokratische Parlament war machtlos geworden. Nur noch der Führer und seine obersten Gefolgsleute bestimmten, was die Menschen zu tun und zu denken hatten. Weil es den Menschen in dieser Zeit wirtschaftlich sehr schlecht ging, sehnten sie sich nach einem starken Führer. Sie hofften, dass er ihnen aus ihrer Not heraushelfen würde. Auch in anderen Ländern, wo es den Menschen nicht gut ging, konnte der Faschismus Fuß fassen, insbesondere in Deutschland, wo er Nationalsozialismus hieß. Der Führer dieser Bewegung in Deutschland hieß Adolf Hitler. Ihr Zeichen war das Hakenkreuz. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war der faschistische Terror in den europäischen Ländern vorbei. Er lebte in südamerikanischen Staaten wieder auf, als dort Diktatoren an die Macht kamen.
Ferienjob
Manche von euch werden sicher schon kleine Jobs in den Ferien gehabt haben, um das
Taschengeld aufzubessern oder sich einen speziellen Wunsch zu erfüllen. Bei solchen Jobs gibt es feste Regeln, die man beachten muss.
Grundsätzlich gilt, dass die Beschäftigung von Kindern in Deutschland verboten ist (Kinder sind laut Gesetz alle, die das 14. Lebensjahr noch nicht beendet haben). Jugendliche ab 15 Jahren dürfen arbeiten, allerdings nur mit Einschränkungen, die im Jugendarbeitsschutzrecht festgelegt sind. In diesem Gesetz steht unter anderem, wie lange die Jugendlichen täglich arbeiten dürfen (die Arbeitszeit muss zwischen 6 Uhr und 20 Uhr liegen) oder auch wieviele Pausen es geben muss. Für zeitlich begrenzte
Ferienjobs zum Beispiel als Zeitungsausträgerin oder Aushilfe in Gaststätten, Bäckereien oder bei Konzerten oder Open-
Air-
Festivals gelten für Schülerinnen und Schüler einige Ausnahmen, weil diese Jobs sich nicht immer innerhalb der genannten Zeiten erledigen lassen. Allerdings müssen auch hier immer die Regeln des Jugendschutzes beachtet werden und das bedeutet, dass es zum Beispiel keine Tätigkeiten sein dürfen, welche die Gesundheit gefährden könnten. Wenn der zeitweilige Job für die Jugendlichen nicht länger als 50 Tage in einem Jahr dauert, müssen keine Versicherungsbeiträge gezahlt werden.
Feudalismus
Der Begriff "Feudalismus" kommt vom lateinischen Begriff "feudum" und heißt abgeleitet "Lehngut". Der Feudalismus war eine Form der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ordnung, die sich im Mittelalter (ungefähr ab dem 10. Jahrhundert) in West-
und Mitteleuropa herausbildete. Der Monarch (Kaiser, König), der Adel und die Kirche waren die Grundbesitzer, ihnen gehörten also die Ländereien. Sie bildeten die führende Schicht und gaben bestimmte Rechte und Land (sogenannte Lehen) an Untertanen für treue Dienste weiter. Diese Untertanen nannte man "
Vasallen". Sie durften das Land nutzen, mussten dafür dem König ergeben sein. Sie mussten bereit sein, dem König zu dienen, zum Beispiel mit dem Feudalherrn (dem Lehnsherrn) in den Krieg ziehen. Den Grundherren wiederum waren die Bauern untertan. Sie bestellten das Land und schuldeten dafür dem Grundherren Abgaben (die Fron). Sie hatten als Unfreie keine eigenen Rechte und oftmals ging es ihnen als Leibeigenen so wie
Sklaven.
Im Zeitalter der Aufklärung, ab dem 18. und mehr noch im 19. Jahrhundert, wurde das vom Handel und Gewerbe lebende Bürgertum in den Städten immer stärker. Nach und nach verlor der Feudalismus an Grundlage und Bedeutung und es begannen bürgerlich-
demokratische Herrschaftsformen.
Finanzamt / Finanzverwaltung
In vielen Bereichen des Lebens haben es die Menschen mit der öffentlichen Verwaltung zu tun. Ein Teilbereich davon ist die Finanzverwaltung, zu deren Aufgaben es gehört, Steuern zu erheben. Diese Steuern werden an den Bund, die Bundesländer und die Gemeinden nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. Die normalen Bürger haben es fast immer mit den Finanzämtern ihrer Stadt zu tun. Das sind die Einrichtungen, die die sogenannte Besteuerung durchführen. Ihre Beamten stellen fest, wer Steuern zu zahlen hat und wie hoch diese sein müssen. Sie überprüfen die Steuererklärungen der Bürger, schicken Zahlungsaufforderungen, führen Kontrollen und sogar Fahndungen durch. Die Finanzämter sind auch auf der Ebene des Bundes tätig, zum Beispiel im Bereich der Zollabgaben oder der Verbrauchssteuern.
Finanzausgleich
Die Steuern, die der
Staat einnimmt, werden zwischen dem Bund, den Ländern und den Gemeinden aufgeteilt. Wie viel Geld jeder dieser drei erhält, ist im Grundgesetz festgeschrieben. Der Bund bekommt zunächst das gesamte Steuergeld. Der sogenannte Finanzausgleich regelt, wie das Geld verteilt wird, wie viel Geld also der Bund an die Bundesländer zu zahlen hat, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können, und wie viel Geld die Gemeinden erhalten.
Es gibt auch den sogenannten
Länderfinanzausgleich. Dieser legt fest, wie die Unterschiede zwischen den reichen Bundesländern und den ärmeren ausgeglichen werden. Die reichen Bundesländer, die zum Beispiel mehr Industrie haben und mehr Steuern einnehmen, müssen den ärmeren Bundesländern etwas abgeben. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass es zu große finanzielle Unterschiede in den deutschen Bundesländern gibt.
Auch in der EU gibt es einen Finanzausgleich: Die reicheren Staaten müssen mehr Geld in die EU-
Kasse einzahlen als die ärmeren Staaten. Die ärmeren Staaten, die nicht so stark entwickelt sind, erhalten mehr Unterstützung als die reichen Staaten der Gemeinschaft. Ziel ist es auch hier, den Lebensstandard in den Mitgliedsstaaten der EU anzugleichen.
Finanzen
Dieser Begriff bedeutet, wenn man ihn frei aus dem Lateinischen übersetzt, "Geld" oder "Geldangelegenheiten". Es heißt ja auch im Sprachgebrauch: Um meine Finanzen steht es aber gar nicht gut. Häufiger hört man auch den Ausdruck "
Staatsfinanzen" oder "öffentliche Finanzen". Das ist ein Sammelbegriff für alles Geld, für alle Ausgaben und Einnahmen des Staates oder der Gemeinde.
Ausgaben können zum Beispiel die Kosten für Straßenbau oder Verwaltung sein, die der Staat hat. Einnahmen können Steuern sein. Es können aber zum Beispiel auch die Eintrittsgelder sein, die die Menschen bezahlen müssen, wenn sie ins städtische Schwimmbad gehen, oder das Geld, das Hausbesitzer bezahlen müssen, wenn die Kanalisation oder die Bürgersteige neu gebaut werden. Es gibt viele tausend Beispiele für die Ein-
und Ausgaben der Stadt und des ganzen Landes.
Flagge
Die deutsche Flagge
Bundesbildstelle
Eine Flagge ist meist ein viereckiges Tuch, bedruckt mit verschiedenen Farben und Zeichen. Es zeigt zum Beispiel die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Land. Im Unterschied zur Fahne kann die Flagge mit einer Leine an Masten oder Stöcken gehisst werden. Schiffe müssen zum Beispiel "Flagge zeigen", damit man erkennt, aus welchem Land sie kommen. Vor öffentlichen Gebäuden weht die Nationalflagge. Bei großen Trauerfällen weht die Flagge auf halber Höhe des Mastes, das heißt dann "Halbmast". Es gibt auch bestimmte, durch Gesetz geregelte Dienstflaggen, zum Beispiel für die Bundeswehr und für die einzelnen Bundesländer. Die Flagge Deutschlands ist quergestreift in den Farben Schwarz, Rot und Gold.
Flüchtling
In Kriegen müssen sehr viele Menschen um ihr Leben fürchten. Sie sind gezwungen, ihre Heimat für eine bestimmte Zeit oder auf Dauer zu verlassen. Sie werden zu Flüchtlingen. In der Vergangenheit gab es immer wieder große Ströme von vielen Tausend oder Millionen Flüchtlingen, die auf der Suche nach einem sicheren Platz zum Leben waren. Es gibt Menschen, die in ihrem Heimatland vor Verfolgung durch die Truppen ihres Staates fliehen, die ihre Hütten und Dörfer verlassen müssen, weil in ihren Heimatstaaten Machtkämpfe zwischen verfeindeten Gruppen ausgetragen werden (diese Flüchtlinge nennt man "Binnen-
Flüchtlinge").
Tamilische Flüchtlinge
© picture-alliance / dpa
Auch die vielen Menschen, die aus fremden Ländern zu uns kommen und Asyl suchen, sind Flüchtlinge. Es gibt unterschiedliche Gründe, wieso Menschen ihre Heimatländer verlassen müssen: manche werden wegen ihrer Nationalität, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder wegen ihrer politischen Ansichten verfolgt. Andere sehen sich wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in ihren Heimatländern oder wegen eines Bürgerkrieges gezwungen zu fliehen. Wieder andere Menschen müssen ihre Heimat verlassen, weil schwere Naturkatastrophen wie
Erdbeben oder Überschwemmungen ihr Land unbewohnbar gemacht haben.
Die UNO hat die Stelle eines Hohen Flüchtlingskommissars (abgekürzt UNHCR) eingerichtet. Diese Organisation beschäftigt sich speziell mit dem Flüchtlingsproblem und hat verschiedene Hilfswerke eingerichtet. Nach den Zahlen des UNHCR sind einschließlich der Binnen-
Flüchtlinge weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht.
Unter den Stichworten "Vertriebene" und "Emigration" hier im Lexikon findet ihr weitere Einzelheiten zum Thema Flucht und Flüchtlinge.
Folter
Foltern bedeutet, einen Menschen mit Absicht so lange zu quälen, bis er Informationen preisgibt oder ein Geständnis über eine Tat ablegt, die er tatsächlich begangen hat oder von der man annimmt, dass er sie begangen hat.
In Deutschland war das Foltern im späten Mittelalter erlaubt, um aus Verdächtigen die vermeintliche Wahrheit herauszupressen. Unter den grausamen Qualen durch Feuer, durch Daumenschrauben, auf der Streckbank und durch viele andere unmenschliche Methoden und Foltergeräte gestanden die Gefangenen meist alles, was die Folterknechte von ihnen wissen wollten. Auch noch bei den sogenannten Hexenprozessen im 16. und 17. Jahrhundert wurden diese furchtbaren Verhörmethoden eingesetzt. Heute ist der Einsatz von Folter in der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen (Artikel 5) und in der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) verboten. Auch in Deutschland ist Foltern ausdrücklich verboten.
Ein irakischer Mann zeigt die Wunden, die ihm durch Folter zugefügt wurden.
© Privat
Trotz aller Verbote werden auf der ganzen Welt aber immer wieder Gefangene auf grausame Weise gequält. Dies zeigt, dass ein Gesetz alleine nicht ausreicht, um Folter abzuschaffen. Jeder Einzelne ist dazu aufgerufen, auf die Einhaltung der Menschenrechte zu achten und Verletzungen der Menschenrechte anzuprangern, auch wenn sie am anderen Ende der Welt geschehen.
Fonds
Dieses französische Wort bezeichnet Geldmittel oder Vermögenswerte, die für bestimmte Zwecke angelegt und verwaltet werden. Als Beispiel: Manche Menschen wollen ihr Geld nicht auf ein Sparkonto einzahlen, sondern sie wollen es investieren. (Ursprünglich kommt das Wort aus dem Lateinischen und heißt "aufwenden" oder "einsetzen"). Sie zahlen es zum Beispiel in einen "Immobilienfonds" ein. Das heißt, sie kaufen sich Anteile an Bürogebäuden, Einkaufszentren, Wohnblöcken oder Ähnliches. Sie hoffen, dass sich der Wert dieser Anteile im Laufe der Zeit steigert und sie dann beim Wiederverkauf der Anteile mehr Geld bekommen, als sie eingezahlt haben. Ähnliches gilt, wenn in "Aktienfonds" und "Investmentfonds", wie diese Anlagen in der Finanzsprache heißen, investiert wird. Auch Staaten oder Staatengemeinschaften bilden Fonds. So wurden beispielsweise mit Hilfe des "
Fonds Deutsche Einheit" Kosten bezahlt, die durch die deutsche Wiedervereinigung entstanden sind.
Fraktion
Übersetzt aus dem Französischen bedeutet das Wort "Bruchteil". Im Deutschen bezeichnet der Begriff eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen politischen Ansichten, die sich freiwillig in einem gewählten Parlament, also in einer Volksvertretung, zusammengeschlossen haben. Das kann zum Beispiel in einem Gemeinde- oder Stadtrat sein oder im Bundestag. Meistens gehören die Mitglieder einer Fraktion derselben Partei an. Manchmal wird aber auch eine Fraktionsgemeinschaft gebildet, wenn die Mitglieder von zwei Parteien ähnliche politische Ansichten haben. Im Deutschen Bundestag bilden zum Beispiel die Abgeordneten der Parteien CDU und CSU seit Jahrzehnten eine gemeinsame Fraktion. Die Fraktionen im Deutschen Bundestag haben eine besondere Bedeutung, da ihre Mitglieder bei der Erarbeitung von neuen Gesetzen in vielen Beratungen mitwirken. Um als Fraktion anerkannt zu werden und dann bestimmte Rechte zu haben und auch entsprechende finanzielle Unterstützung zu bekommen, müssen Voraussetzungen erfüllt sein. So muss eine Gruppe von Abgeordneten, die eine Fraktion bilden will, mindestens fünf Prozent aller im Bundestag vertretenen Abgeordneten ausmachen.
Von "Fraktionszwang" spricht man, wenn auf die Mitglieder einer Fraktion (durch die Fraktionsführung oder andere Fraktionsmitglieder) Druck ausgeübt wird, damit alle bei einer Abstimmung einheitlich wählen.
Frauenbewegung
Jahrhunderte lang hatten Frauen viel weniger Rechte als Männer. Sie durften zum Beispiel keine Schulen oder Universitäten besuchen, keinen Beruf selber bestimmen und auch nicht wählen gehen. Am Ende des 18. Jahrhunderts entstand in vielen Ländern die Frauenbewegung. Sie nahm die Forderung der Französischen Revolution nach der Gleichheit aller Menschen auf und kämpfte um die
Gleichberechtigung von Frauen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. In Deutschland entstanden Frauenvereine und
Frauenorganisationen,
die die Rechte der Frauen verbessern wollten. Fast alle von ihnen forderten das
Wahlrecht für Frauen, die gleiche Schulbildung wie die Männer und die freie Berufswahl. Das Wahlrecht für Frauen wurde in Deutschland erst 1918 eingeführt.
Ende 1960 entstand in Deutschland die sogenannte neue Frauenbewegung, die auch als "Feminismus" bezeichnet wird. Die Feministinnen fordern, dass die Bevorzugung von Männern in der Gesellschaft beendet wird und Frauen mehr Einfluss erhalten. Nur dann könne die Benachteiligung der Frauen überwunden werden. Diese neue Frauenbewegung machte vor allem darauf aufmerksam, dass es zwar viele Gesetze gibt, die die Gleichstellung von Frauen und Männern festschreiben. Tatsächlich aber gibt es immer noch keine Gleichbehandlung. Untersuchungen zeigen nämlich, dass bis heute Frauen in der Gesellschaft immer noch schlechtere Chancen haben als Männer. Heute unterstützen viele Menschen -
Frauen wie Männer -
die Ziele der Frauenbewegung.
Freie Marktwirtschaft
Stellt euch vor, ihr veranstaltet in der Schule einen Markt, auf dem ihr zum Beispiel Spielsachen, Sportgeräte oder Computerzubehör verkauft. Für das Geld könnt ihr dann bei euren Mitschülern verschiedene andere Dinge kaufen oder eure Ware gegen etwas anderes eintauschen. Wenn euch niemand Vorschriften darüber macht, was ihr verkaufen dürft und zu welchem Preis und zu welcher Qualität, so ist das die Grundidee der freien Marktwirtschaft. In einer
Wirtschaftsordnung, die auf der freien Marktwirtschaft beruht, gelten folgende Grundsätze: Es gibt privates Eigentum und einen freien Markt, auf dem Anbieter und Käufer frei (ohne politische oder staatliche Eingriffe) handeln können. Das ist das Prinzip von "Angebot und Nachfrage". Diese Grundsätze sind vor allem in demokratischen Staaten gegeben, wo Freiheitsrechte in der Verfassung garantiert sind. Die Wirtschaftsordnung in Deutschland ist die "
soziale Marktwirtschaft".
Freihandelszone
Wenn keine
Zollschranken oder sonstige Beschränkungen den Handels-
und Dienstleistungsverkehr zwischen Staaten behindern, also Güter frei zwischen den Staaten ein-
und ausgeführt werden können, spricht man von "Freihandel". Staaten, die sich zu einer solchen zollfreien Gemeinschaft zusammengeschlossen haben, bilden gemeinsam eine
Freihandelszone. Deren Ziel ist es, durch ungehinderten internationalen Handel den Wohlstand der Völker zu erhöhen. Die EFTA (Europäische Freihandelszone) und NAFTA (Nordamerikanische Freihandelszone) sind solche Organisationen. Die
Welthandelsorganisation WTO bemüht sich um den Abbau von internationalen Zoll-
und Handelsschranken.
Containerhafen Hamburg
Bildarchiv Reupert
Eine Anmerkung noch: Das Wort "Freihafen" werdet ihr vielleicht auch schon gehört haben. Es ist ein vom übrigen Hafen abgetrenntes Gelände, in dem ausländische Waren zollfrei eingeführt, gelagert, bearbeitet und umgeladen und dann wieder ausgeführt werden. In Deutschland gibt es solche Freihäfen zum Beispiel in Hamburg, Bremen, Emden oder Kiel.
Freiheit
Vereinfacht kann man sagen: Wenn kein Zwang da ist, herrscht Freiheit. Wenn man selbst bestimmen kann, was man tut, ist man frei. Freiheit gehört zu den Grund-
und Menschenrechten und zu jeder modernen Demokratie. Aber völlige Freiheit ist damit nicht gemeint. Meine Freiheit darf die Freiheit der anderen Menschen nicht einschränken. So steht es auch in unserer Verfassung, die man auch "freiheitlich-
demokratische Grundordnung" nennt.
Der Sturm auf die Bastille. Es war der Beginn der Französischen Revolution. Die Menschen forderten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
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In der Vergangenheit gab es ganz unterschiedliche Auffassungen von Freiheit. So waren zum Beispiel in der Antike (etwa 800 vor Christus bis 500 nach Christus) nur die städtischen Bürger und die Herrscher frei und nur sie hatten entsprechende Rechte. Die Mehrheit der Bevölkerung hatte wenige oder gar keine Rechte, viele Menschen lebten in Sklaverei. Auch später im Mittelalter gab es ganz verschiedene Stufen von Freiheit. Freiheit war nicht in einem Gesetz festgeschrieben. Sie war in der Regel davon abhängig, in welcher Stellung die Menschen lebten. Menschen, die Macht, Einfluss und Reichtum hatten, konnten mehr Freiheit genießen als arme Menschen. In der amerikanischen Verfassung von 1787 wurde die Freiheit aller Menschen zum ersten Mal als Verfassungsgrundsatz festgeschrieben. Zwei Jahre später lautete die Parole der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Damals wurden die Grundlagen dafür gelegt, was wir heute unter Freiheit verstehen: Es ist die Freiheit zur freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Begrenzt wird die Freiheit des Einzelnen allerdings durch die Rechtsvorschriften, an die sich jeder halten muss. Die eigene Freiheit endet also spätestens dort, wo die Freiheit anderer geschützt werden muss.
Frieden
Du hast dich mit einem Freund furchtbar gestritten. Beinahe wäre es zu einer Prügelei gekommen. Doch dann seht ihr ein, dass der Grund für den Krach gar nicht so wichtig, vielleicht sogar ganz dumm war. Ihr vertragt euch wieder, habt also Frieden geschlossen. Auch Staaten können sich streiten und wenn es ganz schlimm wird, führen sie Krieg gegeneinander. Der schlimmste war sicher der
Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945). Wenn der Krieg zu Ende ist, herrscht Waffenstillstand oder Frieden. Doch Frieden tritt nicht einfach ein. Man muss sich darum bemühen. Deswegen werden oft sehr lange Gespräche zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern geführt, weil sichergestellt werden soll, dass der Streit nicht gleich wieder ausbricht. Zumeist muss man den Frieden mit Verträgen absichern, das sind dann Friedensverträge. Es reicht aber nicht, nur Frieden zu schließen. Es muss auch dafür gesorgt sein, dass es keinen Grund mehr gibt, Krieg zu führen. Wie kann man das erreichen? Die Friedenspartner nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich dazu Folgendes überlegt: Die Menschen müssen sich besser kennen lernen, sie sollten mehr reisen können und Fremdsprachen beherrschen. Die Grenzen zwischen den Ländern Europas wurden geöffnet. Viele gemeinsame Projekte und Begegnungen von Menschen aus verschiedenen Ländern Europas, auch regelmäßige Treffen zwischen Politikerinnen und Politikern, führten zu mehr Vertrauen. Heutzutage kann man sicher sein, dass es zwischen den Ländern der Europäischen Union keinen Krieg mehr gibt.
Friedensnobelpreis
Bertha von Suttner erhielt 1905 den Friedesnnobelpreis
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Alfred Nobel (1833-
1896) war ein
schwedischer Chemiker und Industrieller. Er erfand unter anderem das Dynamit, was ihn sehr reich machte. Er hinterließ sein Vermögen einer
Stiftung, die seit 1901 jedes Jahr hoch angesehene und mit viel Geld verbundene Auszeichnungen vergibt, die Nobelpreise. Sie werden für besondere Leistungen auf den Gebieten Physik, Chemie, Medizin und Literatur verliehen.
Willy Brandt, deutscher Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger 1971
Bundespresseamt
Eine weitere Auszeichnung ist der Friedensnobelpreis. Er wird an Menschen vergeben, die sich ganz besonders für den Frieden in der Welt eingesetzt haben. Die Schriftstellerin
Bertha von Suttner war die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt. Preisträger war auch der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt, der 1971 für die Aussöhnung zwischen Ost und West ausgezeichnet wurde.
Mutter Teresa erhielt 1979 den Friedesnnobelpreis
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Eine andere Preisträgerin war
Mutter Teresa, die mit ihrem Engagement für die Ärmsten dieser Welt Friedensarbeit geleistet hat.
Nelson Mandela, Friedensnobelpreisträger 1993
© picture-alliance/ dpa/dpaweb
Nelson Mandela wurde für seinen Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen in Südafrika ausgezeichnet.
Führungszeugnis
Dieses Zeugnis (früher hieß es "Polizeiliches Führungszeugnis") hat mit Schule nichts zu tun. In einem Führungszeugnis wird zum Beispiel vermerkt, wenn jemand von einem Gericht zu einer Strafe verurteilt wurde. Jeder, der über 14 Jahre alt ist, kann ein Führungszeugnis beantragen. Der Antrag geht an das sogenannte
Bundeszentralregister in Bonn (das ist eine Einrichtung, die zum Bundesjustizministerium gehört). Ein Führungszeugnis wird manchmal verlangt, wenn man sich für einen bestimmten Beruf bewirbt. Mit dem Führungszeugnis kann man nachweisen, dass man noch nicht verurteilt wurde. Wenn aber jemand zum Beispiel eine Bewährungsstrafe bekommen hat, bei der er sich jede Woche bei der Polizei oder einem Bewährungshelfer melden muss, ist das im Führungszeugnis vermerkt. Allerdings werden bestimmte geringfügige Verurteilungen, die zum Beispiel im Rahmen des
Jugendstrafrechts erfolgen, nicht in das Zentralregister aufgenommen.
Beim Bundeszentralregister wird auch ein sogenanntes Erziehungsregister geführt. Darin stehen alle Entscheidungen der Jugend-
und Vormundschaftsgerichte, die nichts mit Strafe zu tun haben. Wenn beispielsweise ein Jugendlicher in eine Pflegefamilie kommt, wird das dort vermerkt.
Für die Eintragungen in das Zentralregister gilt: Sie werden nach einem gewissen Zeitraum (nach 5 bis 20 Jahren) wieder gelöscht. Das hängt von der Höhe und Art der Strafe ab. Beim Erziehungsregister werden alle Einträge gelöscht, sobald die Person 24 Jahre alt ist.
Fünfprozentklausel
Das Wort "Klausel" ist vom Lateinischen abgeleitet und bedeutet so viel wie "Einzelbestimmung". In Verträgen und Testamenten gibt es solche Klauseln. Im deutschen Wahlgesetz ist die
Fünfprozentklausel eine solche Einzelbestimmung, die für Landtags-
und Bundestagswahlen sowie bei vielen Kommunalwahlen gilt. Sie besagt, dass eine Partei, die sich zur Wahl stellt, mindestens fünf Prozent der abgegebenen Wählerstimmen erreichen muss. Schafft sie es nicht, werden die Wählerstimmen, die für diese Partei abgegeben wurden, nicht berücksichtigt. Sie ist dann für diese Wahlperiode nicht im
Parlament vertreten. Es gibt aber eine Ausnahme: Wenn in mindestens drei Wahlkreisen die
Kandidaten einer Partei von den Wählern mit der
Erststimme direkt gewählt wurden, dann wird die Fünfprozentklausel nicht angewendet.
Bleibt noch die Frage, warum man diese Fünfprozentklausel -
in der Umgangssprache wird sie auch "Sperrklausel" oder "Fünfprozenthürde" genannt -
eingeführt hat. Die Antwort: Es soll auf diese Weise verhindert werden, dass zu viele kleine Parteien in die Volksvertretungen kommen. Dadurch würde die Arbeit in den Parlamenten sehr erschwert werden, weil es zu vielen Konflikten und Streitereien kommen kann und notwendige Entscheidungen möglicherweise nicht getroffen werden können.
Fundamentalismus
Ein Mensch, der fundamentalistisch denkt, hängt starr an überlieferten Grundsätzen, lehnt Neuerungen ab und will sich der modernen Zeit nicht anpassen. Diese Grundsätze können
politische oder religiöse Überzeugungen sein. So gibt es zum Beispiel
christliche Fundamentalisten, die sich ganz streng auf die Bibel als das Wort Gottes berufen. Ihrer Ansicht nach ist die Bibel in allen Einzelheiten sowohl in der Familie als auch im politischen Leben zu befolgen. Der islamische
Fundamentalismus, der auch
Islamismus genannt wird, fordert die genaue Befolgung der Vorschriften des Koran und der islamischen Gesetze. Fundamentalisten gibt es überall auf der Welt, oft sind sie
intolerant gegenüber Andersdenkenden. Wenn sie fanatisch sind, können sie gefährlich werden für andere Menschen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie ihre Meinung mit Gewalt durchsetzen wollen.
G8 / Weltwirtschaftsgipfel
Die G 8: Deutschland,Großbritannien, Frankreich, Russland, Kanada, USA, Italien, Japan
© Stefan Eling
Diese rätselhafte Abkürzung, die man in den Zeitungen liest, bedeutet "Great Eight", übersetzt die "Großen Acht". Gemeint sind damit die acht führenden Wirtschaftsnationen der Erde. Dies sind in alphabetischer Reihenfolge Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland, USA. Von 1976 bis 1997 hießen sie übrigens G7, da Russland bis dahin nur als Beobachter dabei war. Die "Großen Acht" treffen sich regelmäßig mit dem Präsidenten der EU-
Kommission zu einem "
Weltwirtschaftsgipfel", auf dem die weltweite Wirtschafts-
, Entwicklungs-
und Währungspolitik besprochen wird. Auf diesen Treffen geht es aber auch um andere Fragen, die international besonders wichtig sind, wie zum Beispiel die Bekämpfung von Terrorismus, Drogen-
und Waffenhandel oder Fragen des Umweltschutzes und Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern der Welt.
GAU
Diese Abkürzung steht für "
größter
anzunehmender
Unfall". In Kernkraftwerken zum Beispiel können Unfälle sehr gefährliche Folgen für Mensch und Natur haben. Um solchen Unfällen vorbeugen zu können, überlegen Spezialisten, was alles passieren könnte. Wenn sämtliche schlimmen Pannen eintreten, die man sich nur ausdenken kann, wäre das in so einem Kraftwerk ein
GAU oder Super-
GAU, wie es auch heißt. Es werden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um so gut wie möglich auf die Folgen vorbereitet zu sein. Hierzu gehört auch der Katastrophenplan (
Katastrophenschutz), wo genau geregelt ist, wer was zu tun hat, wenn dieser GAU tatsächlich eintritt. Solch ein verheerender Unfall, der nicht mehr zu kontrollieren war, geschah zum Beispiel 1986 in einem Kernkraftwerk in
Tschernobyl in der
Ukraine. Nach dem Bruch einer Kühlwasserleitung schmolz der Kern des Reaktors. Es gab eine Reihe von Explosionen. Dadurch wurde der Reaktor gesprengt und radioaktive Stoffe wurden freigesetzt, die das Land weithin verseuchten. Viele Menschen starben, bis heute kann ein großes abgesperrtes Gebiet nicht betreten werden. Dieser GAU von Tschernobyl hatte Auswirkungen bis nach Deutschland und andere europäische Länder. Die radioaktiven Stoffe wurden nämlich in große Höhen gewirbelt, dort vom Wind verteilt und regneten noch tausende von Kilometern entfernt nieder. Auch in den USA kam es 1979 in einem Atomkraftwerk bei Harrisburg zu einem schweren Störfall, der beinahe zu einem GAU geführt hätte.
Geburtenrate
Experten klagen über eine niedrige Geburtenrate in Deutschland. Bei einer niedrigen Geburtenrate sinkt die Bevölkerungszahl und es gibt zunehmend mehr alte als junge Menschen. Mit dieser Rate ist gemeint, dass die Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren zurzeit in unserem Land im Durchschnitt 1,4 Kinder bekommen. Das ist natürlich nur eine statistische Zahl. Vielleicht kann man sich das besser vorstellen, wenn man es umrechnet: Auf 1000 Einwohner kamen im Jahr 2008 in Deutschland 8,2 Neugeborene. Damit liegt Deutschland auf einem der hintersten Plätze von den insgesamt 190 Ländern, die es auf der Welt gibt. Aber auch andere europäische Staaten sind weit hinten wie zum Beispiel Italien mit 8,9 Neugeborenen auf 1000 Einwohner. In Niger werden pro 1000 Einwohner jedes Jahr etwa 51 Babys geboren. Das ist Platz eins in der Welt.
Gefängnis
Eine Gefängniszelle
© picture-alliance / ZB
Jemand ist von einem Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er an einem Einbruch oder einem Banküberfall beteiligt war, also gegen ein Gesetz verstoßen hat. Er kommt für eine bestimmte Zeit in ein Gefängnis, um dort seine Strafe zu verbüßen. Ein Gefängnis besteht oft aus mehreren Gebäuden, die von hohen Mauern umgeben sind. Die Fenster sind vergittert, die Ein-
und Ausgänge werden besonders gesichert und bewacht. Es gibt Gefängnisse für Männer, Frauen und Jugendliche. Für die Häftlinge, die im Gefängnis eingesperrt sind, dort ihre Strafe "absitzen", wie es in der Umgangssprache heißt, ist der Tagesablauf genau eingeteilt in Freizeit und Arbeit. Manche können im Gefängnis auch einen Beruf erlernen. Wenn sich Häftlinge gut benehmen, kann ihnen ein Teil ihrer Strafe erlassen werden. Die Häftlinge sollen nach Verbüßung ihrer Strafe möglichst wieder ein normales Leben führen können. Die amtliche Bezeichnung für ein Gefängnis ist "Justizvollzugsanstalt" oder "Strafvollzugsanstalt".
Geheimdienst / Nachrichtendienst
Alle kennen James Bond, Geheimagent mit der Kennnummer 007. Seine Abenteuer sind spannend verfilmt, doch mit der Wirklichkeit eines echten Geheimagenten haben sie nicht viel zu tun. Fast alle Staaten dieser Welt haben Geheimdienste, die man auch "Nachrichtendienste" nennt. Die Geheimdienste sollen über andere Staaten oder auch Personen Informationen beschaffen, die man nicht unbedingt in der Zeitung lesen oder im Fernsehen finden kann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienste sollen zum Beispiel herausfinden, ob irgendwo Terroranschläge vorbereitet werden oder ob ein Staat vielleicht einen Krieg plant, von dem man nichts weiß. Vom Geheimdienst werden zum Beispiel auch die international tätigen Terroristen beobachtet oder der internationale Rauschgifthandel. Wenn solche Gefahren rechtzeitig erkannt werden, können die Geheimdienste ihre Regierungen warnen. Dann kann die Regierung etwas dagegen unternehmen. In Deutschland ist es der Bundesnachrichtendienst (BND), der diese Informationen beschaffen und auswerten muss. Neben dem Bundesnachrichtendienst gibt es den sogenannten "
Verfassungsschutz". Er achtet darauf, dass unser Grundgesetz überall beachtet wird und dass frühzeitig erkannt wird, wenn zum Beispiel Terroristen hier Attentate planen. Der Verfassungsschutz passt auch darauf auf, dass keine Zeitschriften verkauft werden, in denen dazu aufgerufen wird, Menschen Gewalt anzutun, weil sie Ausländer sind oder eine bestimmte Meinung vertreten.
Der dritte Geheimdienst in unserem Land ist der "Militärische Abschirmdienst" (MAD). Er kümmert sich um den Schutz militärischer Anlagen gegen Sabotage und
Spionage. Alle drei Dienste werden von einer Kommission des Parlaments kontrolliert.
Geldwäsche
Dieses Wort meint nicht, dass man schmutzig gewordene Geldscheine und Münzen in eine Geld-
Waschmaschine steckt und sie kommen sauber wie neu wieder heraus. So ähnlich funktioniert es allerdings doch, nur indirekter. Illegales Geld, etwa durch Drogen-
oder Waffenhandel verdient, ist im Sprachgebrauch "schmutziges Geld". Meist handelt es sich dabei um größere Beträge, Hunderttausende oder Millionen von Euro. Würde man mit so einer hohen Summe bei einer Bank ein Konto eröffnen wollen, würde das Geldinstitut wissen wollen, woher das Geld stammt. Daher muss es "gewaschen" werden, das heißt, es muss irgendwie nachgewiesen werden, dass es normal und nicht durch kriminelles Handeln verdient wurde. Dafür kennen Kriminelle viele Wege. Einer soll gezeigt werden: In einem z. B. für Touristen attraktiven Land, wo die Gesetze nicht ganz so streng sind, kauft jemand über Mittelsleute mit schmutzigem Geld ein heruntergekommenes Hotel. Der Hotelbesitzer kann das Geld bei einer Bank einzahlen, denn er hat einen offiziellen Kaufvertrag, worin die Kaufsumme steht. Nun wird weiteres illegales Geld in die Renovierung des Hotels gesteckt und später viel teurer verkauft. Das ursprünglich mit Straftaten eingenommene Geld ist durch diesen Verkauf, nachgewiesen durch entsprechende Verträge, jetzt "sauber" geworden.
Aber Vorsicht: In Deutschland wird der Geldverkehr streng kontrolliert. Die Banken sind verpflichtet, beim geringsten Verdacht auf
Geldwäsche die Polizei zu unterrichten.
Gelöbnis
Menschen im Staatsdienst, zum Beispiel ehrenamtliche Richterinnen oder Beamte, die aus Glaubens-
oder Gewissensgründen keinen Eid ablegen wollen, können dennoch ein Versprechen abgeben, das man mit einem Eid vergleichen kann. Das ist das sogenannte
Gelöbnis, bei dem sie sich verpflichten, dem Staat treu zu dienen. Bei wehrpflichtigen
Soldaten wird dieses Gelöbnis oft öffentlich in einer Feierstunde vorgenommen. Die Soldaten bekräftigen feierlich, dass sie das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer verteidigen wollen. Berufssoldaten leisten den militärischen Diensteid, der auch Treue-
und Gehorsamseid genannt wird.
Gemeinde
Das Ortsschild von Rehberg, einem Ortsteil der Gemeinde Kamern
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Jeder von uns wohnt in einer Gemeinde (man sagt auch "Kommune"). Das kann ein Dorf sein oder, wenn es mehr als 10.000 Einwohner sind, eine Stadt. Im Grundgesetz steht in Artikel 28, dass die Gemeinden alle Angelegenheiten der Gemeinschaft, also der Menschen, die dort leben, selbst regeln dürfen. Das kann der Bau einer neuen Schule oder eines neuen Schwimmbades sein. Dabei muss sich die Gemeinde an das geltende Recht halten. Manchmal trifft die Gemeinde Entscheidungen, die die Einwohnerinnen und Einwohner ärgern, wenn zum Beispiel die Abgaben für die Müllabfuhr oder für das Wasser erhöht werden.
Oft schließen sich mehrere einzelne Gemeinden zu Verbandsgemeinden zusammen, weil die Aufgaben, wie zum Beispiel der Straßenbau, gemeinsam besser zu bewältigen sind.
Es gibt auch die Kirchengemeinde. Das sind Christen, die im Umfeld einer Kirche wohnen und sich durch den Glauben verbunden fühlen.
Gemeinnützigkeit
"Gemeinnutz geht vor Eigennutz" schrieb sinngemäß der französische Schriftsteller und Denker Charles
Montesquieu bereits Mitte des 18. Jahrhunderts. Dieser Satz ist auch heute noch die Grundlage vieler Gesetze. Von Gemeinnutz abgeleitet ist der Begriff "gemeinnützig". Gemeint ist damit eine Tätigkeit, die der Allgemeinheit und nicht nur dem Wohle eines Einzelnen dient. Ein Sportverein ist zum Beispiel gemeinnützig, denn er soll vielen Menschen nützlich sein. Es gibt viele Organisationen, die gemeinnützig sind: zum Beispiel soziale, wohltätige Einrichtungen der Kirchen oder
Institutionen, die sich – wie beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, um Kranke kümmern oder Institutionen, die der Alten-
oder
Jugendhilfe dienen. Auch Vereine und Stiftungen, die sich um die Förderung von Kunst, Kultur, Bildung und Erziehung kümmern, können gemeinnützig sein.
Eine gemeinnützige Organisation kann von bestimmten Steuern befreit werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Gemeinnützigkeit von den Behörden anerkannt ist. Die Gemeinnützigkeit wird aber nur bestätigt, wenn eine solche Organisation nicht das Ziel hat, finanzielle Gewinne zu machen, also Geld zu verdienen. Wer einer gemeinnützigen Organisation eine Geldspende gibt, kann eine solche Spende steuerlich "absetzen", das heißt, er muss weniger Steuern zahlen.
Noch eine Ergänzung: Nach deutschem Recht kann ein jugendlicher Straftäter von einem Richter dazu angewiesen werden, statt eine Freiheitsstrafe zu verbüßen gemeinnützige Arbeit zu verrichten.
Generationenkonflikt
"Wir wollen aber nicht so sein wie unsere Eltern oder unsere Großeltern" – so oder ähnlich hört man es heute und hörte man es in früheren Zeiten von vielen Jugendlichen. Jugendliche wollen vieles anders machen als ihre Eltern. Sie wollen nicht, dass ihnen alles vorgeschrieben wird. Sie wollen sich von der älteren Generation abgrenzen und suchen eigene Wege im Leben. Das zeigt sich zum Beispiel in einer besonderen Jugendkultur mit eigener Musik, anderer Kleidung, anderen Vorstellungen von der Gestaltung des Lebens. Oft erkennen die Jüngeren nicht an, was für die Älteren selbstverständlich war und ist. Sie widersprechen den Eltern und Lehrern. Manchmal kommt es zum Streit und dann ist der Konflikt zwischen den Generationen da. In vielen Gesellschaften und Kulturen gab und gibt es solche Auseinandersetzungen zwischen den Generationen.
Heute spielen dabei auch noch der Kampf um Arbeitsplätze und die beruflichen Chancen eine Rolle. So kritisieren junge Menschen beispielsweise, dass in vielen Berufsfeldern das Lebensalter oder die Dauer der Berufstätigkeit (man nennt das "Dienstalter2) für den Aufstieg und die bessere Bezahlung oft wichtiger sind als die Leistung im Beruf. Dieses sogenannte "Senioritätsprinzip" kann ein Grund für einen Konflikt zwischen den Generationen sein.
Generation / Generationenvertrag
Die Bezeichnung "Generation" kommt aus dem Lateinischen und meint alle innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts geborenen Menschen. Der Abstand zwischen den Generationen ist der durchschnittliche Abstand zwischen den Geburtsjahren von Großeltern, Eltern und Kindern. Nehmen wir an, das wären 25 Jahre. Die Großeltern sind dann die ältere Generation (50 Jahre älter als ihr), ihnen folgt die Generation eurer Eltern (25 Jahre älter als ihr). Ihr und alle mit euch Gleichaltrigen seid die nächste oder die jüngste Generation. Eure Kinder bilden dann 25 Jahre nach eurer Geburt wieder die nächste Generation und immer so weiter. Eine Gesellschaft setzt sich aus mehreren Generationen (Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, Kindern) zusammen.
GenerationenvertragDer Generationenvertrag ist kein echter Vertrag, den alle Menschen unterschrieben haben. Er ist vielmehr eine Idee, ein Grundprinzip, das auf folgende Weise funktioniert: Der Teil der Bevölkerung, der arbeitet, also die jüngere Generation, kommt für die ältere Generation auf, die nicht mehr arbeitet. Die arbeitende Generation zahlt nach diesem Vertrag Beiträge in die Rentenversicherung ein. Diese Beiträge werden aber nicht einfach gespart und an jeden Einzahler später, wenn er selber Rentner ist, wieder ausgezahlt. Dieses Geld dient vielmehr dazu, dass damit die Rente der älteren Generation, die früher selbst auch in die Versicherung eingezahlt hat, bezahlt wird. Und wenn die jetzt Arbeitenden im Ruhestand sind, so werden sie nach diesem Generationenvertrag ihre Rente aus den Beiträgen erhalten, die ihre Kinder, wenn sie arbeiten, in die Rentenversicherung einzahlen.
Genfer Konvention
Viele Staaten haben sich darauf geeinigt, dass es ein ganz wichtiges Ziel in einem Krieg sein sollte, Menschen so gut wie möglich zu schützen. Deshalb haben sie die Genfer Verträge unterschrieben, in denen festgelegt ist, wie man die
Zivilbevölkerung (also die Menschen, die keine Soldaten sind), Flüchtlinge, Verwundete und Kriegsgefangene behandeln muss. Die
Genfer Konvention beinhaltet auch, dass Kriegsgefangene nicht gefoltert oder getötet werden dürfen. Verstoßen ein Staat oder seine Bürger gegen diese Vorschriften, dann können sie vor dem
Internationalen Gerichtshof in
Den Haag angeklagt werden.
Der erste Vertrag wurde bereits 1864 vom Internationalen Roten Kreuz ausgearbeitet und in Genf von zwölf Regierungen unterschrieben. Mittlerweile gibt es insgesamt vier Verträge, die fast jedes Land unserer Erde unterschrieben hat.
Gentechnologie
Menschen, Tiere und Pflanzen sind nach einem "Bauplan" geschaffen, der sich in jeder Zelle befindet. Dieser Bauplan besteht aus sehr vielen Einzelinformatinen, den Genen, die von einer Generation zur anderen durch Fortpflanzung weiter gegeben, vererbt werden. Mit Hilfe der Gentechnologie können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesen Bauplan eingreifen, um ihn nach eigenen Vorstellungen gezielt zu verändern. Körpereigene Stoffe, wie zum Beispiel Insulin, kann man mit Hilfe der Gentechnologie in großen Mengen herstellen. So können Medikamente einfach und preiswert hergestellt werden. Diese Gentechnologie nennt man auch "rote Gentechnologie" (nach der Farbe des Blutes). Ein anderes Ziel der Gentechnologie ist es, Saatgut zu verbessern. Dabei spricht man von "grüner Gentechnologie" (weil die Pflanzen grün sind).
Die Gentechnologie ist sehr umstritten, weil nicht immer klar ist, wie sich Veränderungen des Erbguts in der Natur oder beim Menschen auswirken. Wenn es schädliche Folgen gibt, können diese möglicherweise nur schwer oder gar nicht rückgängig gemacht werden.
Gerechtigkeit
Dass es zwischen den Menschen gerecht zugehen soll, dass man selbst gerecht behandelt wird, wünschen sich die meisten Menschen.
Gerechtigkeit bezeichnet also ein bestimmtes Verhalten, es ist eine Tugend.
Schon die alten griechischen Philosophen wie Aristoteles und Platon dachten über die Gerechtigkeit nach und darüber, dass ohne Gerechtigkeit ein Staat und ein Gemeinwesen nicht funktionieren kann. In einem Rechtsstaat wie der Bundesrepublik Deutschland ist die Gerechtigkeit das oberste Ziel. Es soll möglichst gerecht zugehen im Staat. Die Verfassung und die Gesetze schreiben die Regeln fest, die im Staat gelten, und sie gelten für alle Menschen gleich. Damit soll der äußere Rahmen festgelegt werden, damit es für alle Bürgerinnen und Bürger möglichst gerecht zugeht.
Dass es allerdings nicht immer gerecht zugeht, dass über viele Einzelfragen unterschiedliche Ansichten bestehen, ist eine Tatsache. Ist es zum Beispiel gerecht, wenn alle Menschen, die falsch parken, das gleiche Bußgeld bezahlen müssen, egal wieviel sie verdienen? Die Frage nach der Gerechtigkeit spielt auch für die internationale Politik eine große Rolle. So geht es etwa in den Beziehungen zwischen den armen und reichen Staaten oft alles andere als gerecht zu.
Gericht
Wenn mich jemand verletzt, betrügt, beleidigt oder mir sonst wie Schaden zugefügt hat, kann ich vor ein dafür zuständiges Gericht gehen und klagen. Ein Richter oder eine Richterin werden in einem Gerichtsverfahren feststellen, ob derjenige, den ich verklagt habe, gegen ein Gesetz verstoßen hat. Wenn die Klage begründet ist, verkündet die Richterin in einem Urteil, wie der Beklagte den Schaden wiedergutmachen muss.
Wenn der Beschuldigte gegen ein Strafgesetz verstoßen hat, weil er mir zum Beispiel mein neues Fahrrad mit Gewalt weggenommen und mich dabei auch noch schwer verletzt hat, muss ich zunächst eine Strafanzeige bei der Polizei machen. Dann übernimmt eine
Staatsanwältin oder ein Staatsanwalt die Anklage vor dem Strafgericht. Der Beschuldigte heißt dann vor Gericht Angeklagter und wird, wenn er schuldig ist, zu einer Strafe verurteilt. Zu seiner Verteidigung bekommt er eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt, die darauf achten müssen, dass das Gericht ihn nicht verurteilt, wenn seine Schuld nicht eindeutig bewiesen werden kann. Dann nämlich muss der Angeklagte freigesprochen werden.
Wenn dem Angeklagten ein Verbrechen, zum Beispiel ein schwerer Raub oder sogar die Tötung eines Menschen vorgeworfen wird, für das eine hohe Strafe ausgesprochen werden kann, dann besteht das Strafgericht aus Richtern und "Schöffen". Die Schöffen sind keine Berufsrichter, sondern kommen aus anderen Berufen. Gemeinsam mit den Richtern fällen die Schöffen das Urteil.
Für einen Gerichtsprozess (man sagt oft auch nur "Prozess") gelten genau festgelegte Regeln. Am Ende eines Prozesses wird das Urteil verkündet, das immer mit dem Satz beginnt: "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil ...". Mit diesem Satz wird ausgedrückt, dass die Richter nicht ihre eigene Meinung, sondern nur das verkünden dürfen, was die geltenden Gesetze vorgeben.
Das Wort "Gericht" hat noch eine zweite, völlig andere Bedeutung, die ihr natürlich alle kennt. Schließlich hat jeder ein Lieblingsgericht, oder?
Gesellschaft
In einem
Staat leben viele unterschiedliche Gruppen und Gemeinschaften. Eure Klasse ist eine solche Gemeinschaft, die für eine gewisse Zeit zusammen ist. Es gibt bestimmte Dinge, die diese Gruppen und Gemeinschaften verbinden. Das können gemeinsame Ziele sein – zum Beispiel wollen alle Schülerinnen und Schüler einen Schulabschluss erreichen – oder die gleiche Herkunft, eine gemeinsame Religion, ein besonderes Vertrauen zueinander oder auch andere Dinge. Alle Gruppen und Gemeinschaften gehören zur Gesellschaft eines Staates. Sie leben zusammen in der gleichen staatlichen Ordnung und im gleichen Wirtschaftssystem, und für alle gelten dieselben Gesetze.
So, wie es unterschiedliche Regierungsformen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Gesellschaften auf dieser Welt. Um zwei Beispiele zu nennen: Es gibt Dienstleistungsgesellschaften, wie in Deutschland und den meisten westlichen Staaten, und Agrargesellschaften, in denen die Menschen hauptsächlich von der Landwirtschaft leben. Heute spricht man manchmal davon, dass wir in einer Informations-
und Wissensgesellschaft leben. Damit will man ausdrücken, dass für die heutige Gesellschaft die schnelle Information über Fernsehen und Internet eine besonders wichtige Rolle spielt.
Das Wort "Gesellschaft" wird auch in anderen Bereichen benutzt. In der Wirtschaft gibt es zum Beispiel Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH). Es gibt Gesellschaften, die die Wissenschaft und Kultur fördern wollen, andere engagieren sich im Sport oder für wohltätige Zwecke, wieder andere zum Beispiel in der Entwicklungshilfe. Hier bedeutet "Gesellschaft" das Gleiche wie "Organisation".
Gesetzgebung
Wie entsteht ein Gesetz?
Stefan Eling
1. Schritt: Die GesetzesinitiativeWie entsteht ein Gesetz? Kann ich einfach als normaler Bürger an die Regierung schreiben und zum Beispiel ein Gesetz verlangen, damit ich nicht so viele Jahre zur Schule gehen muss? Und wird dieses Gesetz dann gemacht? So einfach ist es natürlich nicht. Es gibt genaue Vorschriften, wie es zu einem Gesetz kommt. Das kann manchmal ziemlich lange dauern und auch kompliziert sein.
In Deutschland können nur die Bundesregierung, der Bundesrat oder mehrere Mitglieder des Deutschen Bundestages eine sogenannte "Gesetzesinitiative" starten, also den ersten Schritt tun, damit ein Gesetz entsteht.
Wünscht
die Regierung beispielsweise ein neues Gesetz zur Einführung von Mautgebühren auf Autobahnen, dann macht sie dafür einen Gesetzentwurf. Diesen Entwurf gibt sie an den Bundesrat. Der Bundesrat äußert sich dazu und gibt den Gesetzentwurf zur weiteren Beratung in den Bundestag.
Möchte
der Bundesrat, dass ein bestimmtes Gesetz gemacht wird, dann gibt er einen Gesetzentwurf zuerst an die Regierung. Danach kommt der Entwurf in den Bundestag.
Ein einzelner Bürger, der ein neues Gesetz für notwendig hält, kann selbst keinen Gesetzentwurf in den Bundestag einbringen. Er müsste vielmehr einen Bundestagsabgeordneten davon überzeugen, dass dieses Gesetz notwendig ist. Dieser Abgeordnete muss dann noch weitere Mitglieder des Bundestages (derzeit mindestens 30) suchen, die mit ihm zusammen diesen Gesetzentwurf dem Bundestag zur weiteren Beratung vorlegen.
2. Schritt: Die BeratungLiegt dem Bundestag ein Gesetzentwurf vor, dann finden drei Beratungen darüber statt. Diese Beratungen nennt man auch "Lesungen". In der 1. Lesung, der sogenannten Grundsatzdebatte, wird der Gesetzentwurf vorgestellt und die Abgeordneten sagen dazu allgemein ihre Meinung. Dann wird der Gesetzentwurf zur genaueren Überprüfung an einen speziellen Ausschuss des Bundestages geleitet. Dort werden Einzelheiten beraten und Sachverständige befragt. In der 2. Lesung im Parlament berichten die Mitglieder des Ausschusses über die Ergebnisse ihrer Sitzung und was die Experten zu dem neuen Gesetz gesagt haben. Meistens werden Änderungsvorschläge vorgetragen.
3. Schritt: Die BeschlussfassungIn der 3. Lesung kommt es noch einmal zur Aussprache über das Gesetz. Das Für und Wider wird erörtert, vielleicht gibt es weitere Änderungen. Dann kommt es zur Schlussabstimmung. Wenn die Mehrheit der anwesenden Abgeordneten dem Gesetz zugestimmt hat, ist das Gesetz "verabschiedet". In besonderen Fällen braucht ein Gesetz aber die Zustimmung von mehr Abgeordneten. So müssen z. B. zwei Drittel der Mitglieder des Bundestages für ein Gesetz sein, das die Verfassung ändert.
Hat der Bundestag das Gesetz verabschiedet, geht es in den Bundesrat. Die Beteiligung des Bundesrates hängt davon ab, ob ein sogenanntes Zustimmungsgesetz oder ein sogenanntes Einspruchsgesetz vorliegt.
1. Zustimmungsgesetze werden – wie es die Bezeichnung nahelegt – erst gültig, wenn nach dem Bundestag auch der Bundesrat zustimmt. Dazu gehören alle Gesetze, die die Angelegenheiten der Bundesländer besonders betreffen. Aber auch Gesetze, die unser Grundgesetz ändern, oder Verträge mit anderen Staaten gehören dazu.
Was aber passiert, wenn der Bundesrat ein Gesetz ablehnt? Ist es damit endgültig gescheitert? Nein. Es beginnt dann eine erneute Beratung im sogenannten Vermittlungsausschuss. Dort sitzen Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates, die versuchen, doch noch eine Lösung zu finden. Dieser Ausschuss schlägt dem Bundestag wieder Änderungen vor, über die dann erneut abgestimmt werden muss. Wenn bei Zustimmungsgesetzen keine Einigung erzielt werden kann, tritt das Gesetz nicht in Kraft.
2. Bei allen anderen Gesetzen hat der Bundesrat nur ein Einspruchsrecht. Er kann gegen die Einspruchsgesetze nur Bedenken vortragen, kann sagen, dass er ein Gesetz ablehnt. Wenn der Bundesrat tatsächlich einen Einspruch erhebt, wird das Gesetz aber nur aufgeschoben. In einer erneuten Abstimmung kann es der Bundestag doch noch beschließen.
4. Schritt: Unterzeichnung und VeröffentlichungWenn ein Gesetz so beraten und beschlossen wurde, wie es unsere Verfassung vorschreibt, wird das Gesetz von der Bundeskanzlerin oder vom zuständigen Minister unterzeichnet. Dann muss noch der Bundespräsident den Gesetzestext unterschreiben (in der Fachsprache spricht man von "ausfertigen"). Veröffentlicht, also verkündet, wird das Gesetz anschließend im Bundesgesetzblatt. Erst danach tritt es in Kraft und zwar an dem Tag, der im Gesetz festgeschrieben wurde.
Einige Informationen zum Gesetzgebungsverfahren findet ihr hier im Lexikon unter den Stichwörtern Bundestag, Bundesrat, Legislative, Gesetz und Vermittlungsausschuss.
Gesetz
Für viele Bereiche in unserem Leben gelten Gesetze. Wenn ein Stein zu Boden fällt, wirkt das Gesetz der Schwerkraft. Das ist ein unveränderliches Naturgesetz. Ein Autodieb oder ein Einbrecher verstoßen nicht gegen ein Naturgesetz, sondern gegen ein vom Staat erlassenes Gesetz. An diese Gesetze oder Regeln muss man sich halten. Nur dann kann das friedliche Zusammenleben vieler Menschen funktionieren. Was Gesetz ist, wird bei uns von der Bundesregierung, dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat bestimmt. In den Gesetzbüchern werden diese Regeln und Vorschriften (amtlich heißt das Erlaubnis, Verbot oder Gebot) aufgeschrieben.
Gesundheit
Auf dem persönlichen Wunschzettel der meisten Menschen steht die Gesundheit ganz oben. Bei vielen Gelegenheiten wünschen wir sie uns gegenseitig. Was aber versteht man genau darunter? Ist Gesundheit das Fehlen von Krankheit? Oder ist Gesundheit ein anderer Begriff für Wohlbefinden?
Die meisten Menschen werden sagen, dass jemand, der nicht krank ist, gesund ist. Wenn also die körperlichen Fähigkeiten nicht beeinträchtigt sind, ist ein Mensch gesund. Wie aber ist es dann bei alten Menschen? Sind sie schon deshalb krank, weil ihre körperlichen Leistungsmöglichkeiten nicht mehr so gegeben sind wie bei jungen Menschen?
Man könnte meinen, Gesundheit sei ein anderer Begriff für "Wohlbefinden". Aber auch kranke Menschen können sich – zum Glück – wohl fühlen.
Andere Menschen wiederum sagen, dass es bei der Gesundheit besonders darum geht, dass die Menschen seelisch gesund , dass sie zufrieden und glücklich sind – und das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob man im Krankenhaus liegt oder Medikamente schlucken muss.
Gesundheit hat also viele Gesichter. Sie hat auch viel mit der eigenen Einstellung zum Leben zu tun. Gesundheit kann viel dazu beitragen, dass ein Mensch zufrieden ist. Sie ist aber keineswegs Voraussetzung dafür, dass die Menschen ein glückliches Leben führen.
Gesundheitsfonds
Ab 2009 gibt es einen
Gesundheitsfonds, mit dem die Finanzierung der Krankenkassen verbessert werden soll. Der Kernpunkt der neuen Regelung: Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind, müssen einen einheitlichen Beitragssatz an die Krankenkasse bezahlen. Die Beiträge aller Versicherten wandern zunächst in eine große Kasse (das ist der Gesundheitsfonds). Die Gelder aus diesem Fonds werden dann an alle Krankenkassen gerecht verteilt. Es wird also keine Krankenkassen mehr geben, die teurer oder preiswerter als andere sind.
Gesundheitsreform
Oft klagen Menschen darüber, dass sich die Beiträge für die Krankenversicherung jedes Jahr erhöhen. Deshalb versucht die Regierung Wege zu finden, damit die Kosten nicht so steigen, dass sie nicht mehr bezahlbar sind. Es soll nämlich sichergestellt bleiben, dass niemand aus Kostengründen auf medizinische Hilfe verzichten muss. Dies sieht das Prinzip unseres
Sozialstaates vor. Es wurde dazu eine Reihe von neuen Bestimmungen erlassen. Ein Beispiel ist die Praxisgebühr, die seit 2004 bezahlt werden muss. Alle Bestimmungen sind Teil einer umfassenden
Gesundheitsreform. Viele Menschen müssen zum Gelingen der Reform beitragen: Ärztinnen und Ärzte, Versicherte, Krankenkassen, Krankenhäuser und die Pharmaindustrie. Deshalb ist es auch ziemlich kompliziert, zu einer guten Gesamtlösung zu kommen.
Die Herausforderung an eine umfassende Reform sind groß: Die zunehmende Alterung der Gesellschaft, der Rückgang der Erwerbstätigen und dadurch auch der Beitragszahler für die Versicherungen sowie der wachsende medizinische Fortschritt erhöhen die Kosten immer mehr. Die Gesundheitsreform hat zum Ziel, dass die Interessen aller Beteiligten im Gesundheitswesen in gerechter Weise berücksichtigt werden.
Gewaltenteilung
Genauer müsste es "Teilung der
Staatsgewalt" heißen. Gewalt kennt man: Wenn jemand zum Beispiel einem anderen Schaden zufügt, tut er das oft mit Gewalt. Mit "Staatsgewalt" bezeichnet man die Möglichkeiten, die ein Staat hat, um dafür zu sorgen, dass die Gesetze auch eingehalten werden. Wenn jemand gegen Gesetze verstößt, kann er eingesperrt werden. So will der Staat seine
Bürgerinnen und Bürger und damit sich selbst schützen (denn er besteht ja aus den Bürgerinnen und Bürgern). Aber der Staat darf keineswegs machen, was er will. Er muss sich selbst auch an die Gesetze halten. Damit der Staat seine Macht nicht unkontrolliert einsetzen kann, gibt es die Gewaltenteilung. Diese Teilung ist ein Grundprinzip unserer demokratischen Ordnung. Damit soll verhindert werden, dass diejenigen, die die politische Macht haben, ihre Macht missbrauchen. So sollen die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger gesichert werden. Die Staatsgewalt wird bei uns in drei verschiedene Bereiche aufgeteilt:
Die LegislativeDies ist die gesetzgebende Gewalt. Bevor ein Gesetz entsteht, müssen bestimmte Spielregeln eingehalten werden. Die Regierung, der Bundesrat oder mehrere Mitglieder des Deutschen Bundestages starten eine sogenannte "Gesetzesinitiative", tun also den ersten Schritt, damit ein Gesetz entsteht. Im demokratischen Staat entscheidet dann die so genannte "gesetzgebende Versammlung", also das Parlament darüber, ob dieser Vorschlag angenommen und zum Gesetz werden soll. In Deutschland ist es der Bundestag in Verbindung mit dem Bundesrat, der darüber entscheidet. Doch bevor das Gesetz gültig wird, muss es der Bundespräsident erst noch unterschreiben.
Die ExekutiveDies ist die ausführende Gewalt. Die kennt jeder, zum Beispiel in Gestalt eines Polizisten oder der Stadtverwaltung. Sie kümmern sich darum, dass alles seine Ordnung hat und richtig abläuft. Auf der Ebene des
Bundes ist das die Regierung, also der Bundeskanzler und die Minister und Ministerinnen; auf der Ebene der
Bundesländer sind das zum Beispiel die Ministerpräsidenten und die Minister eines Bundeslandes. In den Städten und Gemeinden ist das zum Beispiel die Bürgermeisterin. Die Exekutive hat also dafür zu sorgen, dass die Gesetze nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch im täglichen Leben umgesetzt werden.
Die JudikativeDies ist die
rechtsprechende Gewalt. Wenn jemand gegen die Gesetze verstoßen hat und vor dem Gericht erscheinen muss, dann ist er bei der Judikative gelandet. Da sorgen die
Staatsanwälte und Staatsanwältinnen, die
Richterinnen und Richter dafür, dass Verstöße gegen die Gesetze nach bestimmten Regeln verhandelt werden, und das heißt in den meisten Fällen: Die Täter werden bestraft. Die Richter sind unabhängig. Sie müssen aber die Gesetze beachten. Weder die Regierung noch irgendeine andere Einrichtung oder Person kann sie dazu zwingen, ein Urteil zu fällen, das sie nicht richtig finden.
Gewaltmonopol
Anderen Menschen Gewalt anzutun ist, wie ihr wisst, verboten. Man darf nicht einfach mit brutalen Mitteln seinen Willen durchsetzen und andere schädigen. Wenn man vom
Gewaltmonopol des Staates spricht, meint man damit, dass nur der Staat Gewalt anwenden darf. Das kann mit oder ohne Waffen geschehen. Der Staat muss Recht und
Gesetz, wenn sie bedroht sind, schützen. Allerdings muss er selbst dabei die Gesetze achten. Dieses Gewaltmonopol übt die Polizei aus, zum Beispiel um einen bewaffneten Bankräuber zu stoppen oder um
Terrorakte zu verhindern. Im Kriegsfall gelten besondere Gesetze, auf deren Grundlage das Militär Gewalt ausüben darf. Die Bürger dürfen nur in Ausnahmefällen Gewalt anwenden: wenn sie bedroht werden und in Notwehr handeln. Notwehr bedeutet, dass man keine andere Möglichkeit hatte sich zu verteidigen, und deshalb ist sie nicht strafbar. Ob aber tatsächlich eine Handlung als Notwehr zu beurteilen ist oder ob es sich nur um eine Schutzbehauptung handelt, um eine Gewalttat zu vertuschen, wird von einem Gericht im Ernstfall sehr genau geprüft.
Gewerbe
Jemand beschließt, seinen Posten in einem Amt aufzugeben und stattdessen ein Geschäft aufzumachen. Er wird selbstständig, arbeitet jetzt auf eigene Verantwortung, eigene Rechnung und damit auf eigenes Risiko. Er betreibt nun ein Gewerbe. Alle Handwerksbetriebe bezeichnete man früher als Gewerbebetriebe. Auch das sogenannte Kleingewerbe (kleine Geschäfte und Handel treibende Unternehmen) zählten dazu. Heute werden mit dem Begriff Gewerbe auch industrielle Unternehmen und andere größere Betriebe bezeichnet. Man spricht auch von Gewerbegebieten, wo sich viele große und kleine Unternehmen vom Autohaus bis zu Heimwerkermärkten ansiedeln können. Nach der Gewerbeordnung in Deutschland zählen landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Betriebe sowie alles, was mit Fischerei zu tun hat, nicht zum Gewerbe. Auch die sogenannten "freien" Berufe, zum Beispiel Ärzte, Anwälte, Architekten oder Künstler, betreiben kein Gewerbe.
In Deutschland hat übrigens jede Person das Recht, ein Gewerbe zu betreiben, sofern man dabei nicht gegen ein Gesetz verstößt. Dieses Recht nennt man Gewerbefreiheit.
Gewerkschaft
Vor ungefähr 150 Jahren entstanden in Deutschland die ersten Fabriken. Die Arbeiterinnen und Arbeiter arbeiteten dort oft unter sehr schlechten Bedingungen. Deshalb schlossen sich viele von ihnen zu Selbsthilfe-
oder Schutzvereinen zusammen, um für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, für mehr Lohn und gegen
Kinderarbeit zu kämpfen. Denn sie waren davon überzeugt, dass sie gemeinsam in den Vereinen stärker waren als alleine. Aus diesen Vereinen entwickelten sich die Gewerkschaften. Diese wurden nach und nach als offizielle Vertreter der Arbeiter und Angestellten anerkannt. In Deutschland geschah dies 1918. Heute gibt es für viele verschiedene Berufe Gewerkschaften, so zum Beispiel eine für Lokführer, für Ingenieure, für Bauarbeiter, für Metallarbeiter, für Drucker, für
Journalisten, für Polizisten, Briefträger, Bauern usw. Diese einzelnen Gewerkschaften haben sich im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammengeschlossen. Er hat etwa 6,4 Millionen Mitglieder. Der DGB wiederum ist ein Mitglied des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB). Wenn sich auch die Situation der arbeitenden Menschen seit der Gründung der Schutzvereine und später der Gewerkschaften zum Besseren verändert hat, so sind die Hauptziele aller freien Gewerkschaften in demokratischen Ländern doch fast noch die gleichen wie zu Beginn ihrer Entstehung: Arbeit für alle Menschen, genügend Lohn und Gehalt, um ohne Sorgen leben zu können, kürzere Arbeitszeiten und Mitbestimmung in den Betrieben. Für diese Ziele verhandeln die Gewerkschaften in bestimmten Abständen mit den Unternehmern, und das Ergebnis steht in einem
Tarifvertrag. Wenn sich die Gewerkschaften nicht mit den Unternehmern einigen können, kommt es manchmal zum Arbeitskampf.
Gleichberechtigung
Die Menschen sind gleichberechtigt, wenn sie alle die gleichen Rechte haben. Das ist nicht selbstverständlich. In Deutschland begannen vor etwa 100 Jahren die Frauen um ihre Gleichberechtigung zu kämpfen. Sie wollten die gleichen Ausbildungschancen, sie wollten das Wahlrecht haben (das es in Deutschland erst seit 1918 für die Frauen gibt). Als die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 gegründet wurde, wurde die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz festgeschrieben. Tatsächlich aber gibt es immer noch viele Benachteiligungen von Frauen. Für die Durchsetzung gleicher Rechte von Frauen und Männern setzen sich bis heute vor allem viele Frauenorganisationen ein.
Die Bezeichnung "Gleichberechtigung" kann auch in anderen Bereichen angewendet werden, zum Beispiel im Zusammenleben von schwarzen und weißen Menschen. So haben etwa in Südafrika die schwarzen Menschen die Gleichberechtigung und damit Gleichbehandlung erst vor wenigen Jahren erkämpft.
Globale Erwärmung
Misst man auf unserer Erde (unserem Globus) mit ganz vielen Thermometern an vielen Orten die Temperatur, kommt man im Durchschnitt ungefähr auf 15 Grad. Diese Messungen finden seit vielen Jahren statt. Dabei haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler festgestellt, dass die Oberfläche der Erde sich langsam aber sicher erwärmt. Bis zum Jahre 2100 sagt man eine weitere durchschnittliche Erwärmung von mindestens 1,4 bis maximal 5,8 Grad voraus. Diese unnatürliche Erwärmung wird nach Meinung der meisten Fachleute von uns Menschen verursacht: Von Autos, Heizungen und Kraftwerken werden immer mehr Schadstoffe in die Luft gepustet. Diese Schadstoffe (vor allem Kohlendioxid) entstehen durch die Verbrennung von Benzin, Öl, Gas und anderen Stoffen. So verschlimmert sich der sogenannte
Treibhauseffekt. Denn wie das Glas in einem Treibhaus verhindern Gase in hohen Luftschichten, dass zuviel Wärme von der Erde in den eiskalten Weltraum abgegeben wird. Eigentlich ist es für uns auf der Erde wichtig, dass nicht alle Wärme in den Weltraum entweicht, denn sonst wäre die Temperatur auf der Erde ständig minus 33 Grad. Aber: Etwas Wärme muss abstrahlen können, damit hier die Temperatur für die Menschen erträglich ist. Weil aber die Treibhausgase durch die Schadstoffe immer undurchlässiger geworden sind, kann nicht genug Wärme entweichen, und deshalb wird es auf der Erde immer wärmer.
links: natürlicher Energiekreislauf rechts: "Treibhauseffekt"
© Stefan Eling
Folgen der ErwärmungComputer haben die katastrophalen Folgen dieser Veränderung ausgerechnet. Die Gletscher werden schmelzen, auch die eisigen Polkappen der Erde. Das wird zu einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter führen und weite Küstengebiete in der Welt werden überschwemmt. Es wird zu starken Klimaveränderungen kommen, die schwere Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und die Landwirtschaft haben.
Wissenschaftler und Politiker in vielen Ländern wollen, dass man ganz schnell etwas dagegen tut. Deshalb hat sich eine Reihe von Staaten dazu verpflichtet -
und dies in Verträgen zum Klimaschutz niedergeschrieben -
, durch Gesetze dafür zu sorgen, dass weniger Schadstoffe in die Luft gelangen.
Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass die Forschungen über die Ursachen der globalen Erwärmung noch am Anfang stehen. In der Wissenschaft gibt es dazu eine Reihe unterschiedlicher Meinungen.
Globalisierung
Dieser Begriff kommt von "global" und das bedeutet "weltumspannend". Wahrscheinlich habt ihr schon auf unterschiedlichen Gegenständen ein Schildchen gesehen mit der Aufschrift "Made in Taiwan" oder "Made in China". Warum kommen diese Waren aus China und aus anderen fernen Ländern in unsere Geschäfte?
Die Unternehmen, die Spielzeug oder andere Dinge verkaufen, wollen ihre Waren so preiswert wie möglich herstellen. Sie lassen deshalb die Waren dort produzieren, wo es nicht so viel kostet. In vielen ärmeren Ländern dieser Welt gibt es Fabriken, in denen die Menschen viel weniger Geld für die Arbeit bekommen als in Deutschland. Und wenn zum Beispiel deutsche Unternehmen Fabriken im Ausland bauen, müssen sie dort oft auch weniger Steuern zahlen als hier. Dies führt dann dazu, dass die Herstellung der Waren in ärmeren Ländern billiger ist als in Deutschland. Folglich können die Waren in Deutschland dann auch billiger verkauft werden. Durch die moderne Computertechnologie und die Reisemöglichkeiten ist dies alles viel besser möglich als früher, die Welt ist "näher zusammengerückt".
Probleme der GlobalisierungWenn wir also weniger bezahlen für die Waren, ist die Globalisierung doch nur von Vorteil, oder? Das sehen nicht alle Menschen so. Viele kritisieren, dass bei uns die Preise nur deshalb so niedrig sind, weil die Arbeiterinnen und Arbeiter in den armen Ländern oft für einen Hungerlohn arbeiten müssen. Nicht selten sind es sogar Kinder, die viele Stunden am Tag in den Fabriken schuften.
Manche Menschen fragen, wo denn die Arbeiter und Arbeiterinnen aus Deutschland in der Zukunft Arbeit finden werden, wenn die Unternehmen ihre Fabriken im Ausland aufbauen. Andere Menschen betonen, dass die Globalisierung in armen Ländern Arbeitsplätze für Menschen schafft, denen es dort sehr schlecht geht.
Viele Menschen bemühen sich darum, dass der Handel zwischen den Ländern gerecht und fair zugeht. Dabei ist es besonders wichtig, dass auch in den armen Ländern die Menschen unter menschenwürdigen Lebensbedingungen arbeiten können.
Gouverneur
Das ist in den USA der oberste Beamte eines Teilstaates. (Die USA besteht aus 51 Staaten, die alle von Gouverneuren verwaltet werden). Im
Herbst 2003 wurde zum Beispiel der Filmschauspieler Arnold Schwarzenegger zum neuen Gouverneur von Kalifornien gewählt.
Den Titel "Gouverneur" kann auch der Verwalter einer Kolonie tragen. In Deutschland gibt es heute keine
Gouverneure mehr.
Grenze
Die Grenze ist eine gedachte Linie zwischen zwei Gebieten. Solche Gebiete können Grundstücke, Städte, Dörfer und Staaten sein. Bei Staaten handelt es sich bei dieser Linie um eine Staatsgrenze zwischen zwei benachbarten Ländern. Manchmal verläuft die Grenze entlang natürlicher Trennlinien wie Flüssen und Gebirgen. Zwischen Deutschland und Frankreich ist es zum Beispiel ein Stück des Rheines. Grenzzeichen oder bestimmte Markierungen zeigen an, wo die Grenze verläuft. Man darf sie nicht heimlich überschreiten oder unerlaubte Waren von einem Land in ein anderes transportieren. Meistens muss man an den Grenzen seinen Pass vorzeigen oder Zoll bezahlen. Zwischen den Staaten der Europäischen Union ist das Überschreiten der Grenzen inzwischen ziemlich einfach. Man kann leicht von einem Land in ein anderes reisen, ohne an einem Schlagbaum aufgehalten zu werden. So heißen die farbigen Schranken, die an Straßen für Reisende in ein anderes Land geöffnet oder geschlossen werden können und so den Weg freigeben oder versperren.
Schlagbäume seht ihr auch bei der Ein-
und Ausfahrt von Tiefgaragen. Damit ist die "Bezahlgrenze" zwischen innen und außen angezeigt.
Ihr könnt sicher noch mehr Beispiele für wirkliche oder gedachte Grenzen finden.
Grundeinkommen / Bürgergeld
Wenn in Deutschland von den Lebensbedingungen der Menschen die Rede ist, hört oder liest man oftmals von einem "
Grundeinkommen" oder "Bürgergeld". Das Bürgergeld soll an alle Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt werden, ohne dass in jedem Fall geprüft wird, ob jemand bedürftig ist oder ob er arbeiten will oder nicht. Es soll für alle eine Grundlage zur Existenzsicherung sein. Die Höhe dieses Einkommens, an das keine Gegenleistung gebunden ist, soll vom Staat festgelegt werden und für alle Bürger gleich sein. Mit diesem Bürgergeld ist auch die Idee verbunden, dass die Menschen an den Fragen der Gesellschaft, in der sie leben, teilnehmen können, ohne um das tägliche Überleben kämpfen zu müssen.
In Deutschland werden verschiedene Modelle zum Grundeinkommen diskutiert. Es wird diskutiert, wie hoch ein solches Grundeinkommen sein sollte und wie der Staat es finanzieren soll. So gibt es den Vorschlag, dass das Grundeinkommen etwa so hoch wie die Sozialhilfe oder das Arbeitslosengeld II sein sollte. Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II würden bei Zahlung eines Grundeinkommens dann entfallen. Statistische Berechnungen ergeben, dass die Finanzierung des Grundeinkommens möglich ware.
Die Idee eines Bürgergeldes für alle geht auf den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedmann (1912-
2006) zurück, der diese Existenzsicherung in den 1960er Jahren vorschlug.
Grundgesetz
Auszüge aus dem Grundgesetz auf einer Plexiglas-Wand am Spreeufer in Berlin
© picture-alliance / ZB
Das Grundgesetz (es wird oft mit GG abgekürzt) ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, wie unser Land offiziell heißt. Das Grundgesetz gibt es seit der Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949. In ihm stehen die allerwichtigsten "Spielregeln" für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland. Alle Behörden, Gerichte, alle Bürgerinnen und Bürger müssen sich daran halten. Kein Gesetz, das in unserem Land gilt, darf dem Grundgesetz widersprechen. Damit ihr eine Vorstellung bekommt, was in unserer Verfassung steht, hier ein kurzes Zitat aus dem ersten Abschnitt des Grundgesetzes:
"Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt [...] Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."
Grundrechte / Menschenrechte
"Die Würde des Menschen ist unantastbar", so steht es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes.
© Stefan Eling
Alle Menschen sollten bestimmte Rechte haben, gleichgültig in welchem Land oder
Staat der Erde sie leben. Dies sind die Menschenrechte. Sie wurden von den Vereinten Nationen im Jahr 1948 aufgeschrieben. So sollen die Staaten dieser Welt angespornt werden, sich daran zu halten. Viele Staaten, darunter auch Deutschland, haben diese Rechte in ihrer Verfassung als sogenannte Grundrechte festgeschrieben. Dazu gehören zum Beispiel das Recht auf Leben und auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit. Dies heißt zum Beispiel, dass niemand gefoltert werden darf. Jeder hat auch das Recht, seine Meinung frei zu sagen, ohne dafür bestraft zu werden. Jeder Mensch soll außerdem sicher sein, dass er glauben kann, was er will, er darf keine Nachteile wegen seiner Religion erfahren.
Das Briefgeheimnis ist unverletzlich - so steht es in Artikel 10 des Grundgesetzes.
© Stefan Eling
Das Wahlrecht bestimmt, dass die Menschen in demokratischen Wahlen regelmäßig wählen dürfen; das Recht auf Bildung besagt, dass alle Menschen etwas lernen dürfen, und das Recht auf Eigentum stellt sicher, dass jeder etwas als sein Eigentum besitzen darf. Das sind nur einige der Grundrechte. In vielen Ländern der Welt werden diese Menschenrechte von der Staatsmacht missachtet. Das zeigt, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass die Menschenrechte anerkannt sind, und dass jeder aufpassen muss, dass der Staat diese Rechte auch achtet.
Infos zu anderen Grundrechten findet ihr bei den Stichwörtern "
Versammlungsfreiheit" "Gleichberechtigung" und "Religion".
Haager Abkommen
Das
Haager Abkommen ist ein Vertrag zwischen vielen Staaten, in denen genau festgelegt ist, welche Regeln im Kriegsfall von den Staaten zu beachten sind. Es ist also ein Teil des
Kriegsrechts. Das Abkommen besteht aus mehreren völkerrechtlichen Verträgen. Es ist nach der Stadt Den Haag, der Hauptstadt der Niederlande, benannt, weil es dort abgeschlossen wurde. Die ersten Verträge, die "Haager Landkriegsordnung" genannt wurden, stammen von 1899 und 1907. Später wurden sie durch weitere Vereinbarungen ergänzt. Vereinbart wurde zum Beispiel, dass Waffen, die nur den Zweck haben, so viele Menschen wie möglich zu töten (zum Beispiel mit Giftgas), im Krieg nicht eingesetzt werden dürfen. Weiterhin ist vorgeschrieben, dass
Kulturgüter geschützt werden müssen. Man darf also nicht gezielt Denkmäler oder Kunstschätze zerstören. Es wird auch beschrieben, wie man Kriegsgefangene zu behandeln hat. Hierzu gibt es aber noch besondere Verträge, die in der sogenannten Genfer Konvention zusammengefasst sind.
Haftbefehl
Das Wort "Haft" bedeutete früher in der mittelhochdeutschen Sprache so viel wie "Fessel", "Band". Wenn die Polizei jemanden verhaftet, wird er, wenn man ihn für gefährlich hält, mit Handschellen gefesselt. Eine solche Verhaftung geht aber nicht so einfach. In den meisten Fällen braucht die Polizei einen Haftbefehl. Den beantragt der Staatsanwalt bei einem Richter. Dieser prüft, ob die Gründe, die der Staatsanwalt nennt, ausreichen, um die beschuldigte Person einzusperren, also in Untersuchungshaft zu nehmen. Dabei muss sich der Richter genau an die Vorschriften der deutschen Strafprozessordnung (STPO) halten. In den entsprechenden Paragrafen steht, was der Haftbefehl im Einzelnen enthalten muss, wie bei der Verhaftung und danach vorgegangen werden muss. Denn man kann jemanden nicht einfach festnehmen, wenn der "Tatverdacht" nicht ausreichend ist. In jedem Fall muss der Richter bei einer Vorführung und Befragung des Verhafteten noch einmal alles genau prüfen (in der Fachsprache ist das ein "Haftprüfungstermin"). Es könnte ja sein, dass der Festgenommene inzwischen durch Zeugenaussagen entlastet worden ist. Dann muss der Richter den Haftbefehl zurücknehmen. Oder aber der Richter kann den Beschuldigten gegen die Zahlung einer bestimmten Summe ("Kaution") erst einmal wieder freilassen. Das geht aber nur, wenn die Straftat kein Kapitalverbrechen wie Mord oder schwerer Raub war und das Gericht der Meinung ist, der Täter wird bis zu seinem Prozess nicht flüchten.
Handelsabkommen
Mit Handel wird üblicherweise der Kauf und Verkauf von wirtschaftlichen Gütern und Dienstleistungen bezeichnet. Wenn zwei oder mehrere Staaten einen Handelsvertrag oder ein
Handelsabkommen schließen, dann regeln sie damit den Handel untereinander oder, wie es auch heißt, die gegenseitigen Außenhandelsbeziehungen. In einem solchen Abkommen kann zum Beispiel stehen, dass die Ein-
und Ausfuhr von Gütern zwischen den Ländern ungehindert ablaufen soll. Oder es können Vereinbarungen getroffen werden, die den Zugang zu Häfen oder Flughäfen, die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit, die Lieferung von Rohstoffen oder den Schutz von ausländischen Unternehmen im eigenen Land regeln. Es gibt sehr viele Dinge, die man vereinbaren kann, um den Handel zu erleichtern. Im Zeitalter der Globalisierung, der immer stärker wachsenden internationalen Wirtschaftsbeziehungen, gewinnen die kurz-
oder langfristig geschlossenen Abkommen über die Handelserleichterungen immer mehr an Bedeutung.
Handwerksordnung
Die meisten Bürger haben ziemlich oft mit einem Handwerker zu tun. Das kann eine Friseurin oder ein Installateur sein, eine Optikerin oder ein Automechaniker. Oder es ist eine Bäckerin oder ein Fotograf oder jemand mit einem der anderen zahlreichen Handwerksberufe, die es in Deutschland gibt. Das Handwerk ist nach der Industrie der zweitgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Fast alle Handwerksberufe, die es gibt, sind in der Handwerksordnung festgelegt. Darin ist genau vorgeschrieben, wer einen anerkannten Betrieb führen darf und dass nur Handwerkerinnen und Handwerker mit einer Meisterprüfung Lehrlinge ausbilden dürfen.
Die Handwerkskammern vertreten die Interessen der Handwerker in der Öffentlichkeit. Außerdem regeln sie zum Beispiel die Berufsausbildung der Handwerker oder schlichten bei Streitigkeiten zwischen Handwerkern und ihren Kunden. Sie führen auch die sogenannten Handwerksrollen. Die dort aufgeführten Betriebe werden nicht nur zuhause, sondern in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union anerkannt. Das heißt, ein Handwerksmeister in Deutschland wird mit seiner Ausbildung in jedem anderen EU-
Land anerkannt und kann mit seinem Betrieb auch in den anderen EU-
Staaten Aufträge ausführen. Auch umgekehrt können Handwerker aus anderen EU-
Staaten hier in Deutschland arbeiten, auch wenn sie nicht die in Deutschland übliche Ausbildung haben.
Hartz IV
In Deutschland gibt es ungefähr 3,5 Millionen
Arbeitslose, die auf dem Arbeitsmarkt eine Arbeit suchen. Um die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, wurden im Sommer 2002 verschiedene Gesetze beschlossen. Diese Gesetze nennt man in der Umgangssprache "Hartz-
Gesetze". (Der Name kommt von dem ehemaligen VW-
Manager Peter Hartz, der damals eine Kommission leitete, in der Vorschläge für die Arbeitsmarktgesetze erstellt wurden.) Das "Hartz IV"-
Gesetz (eigentlich heißt es "Viertes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt") soll dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen, die schon lange Zeit arbeitslos sind, eine Arbeit aufnehmen. Der Grundgedanke des Gesetzes lautet: Fordern und Fördern.
Gefordert wird, dass die Arbeitslosen eine Arbeit auch dann aufnehmen, wenn sie nicht ihrer Ausbildung entspricht oder bei der sie weniger verdienen, als sie es eigentlich erwarten.
Gefördert werden diese Bemühungen durch die Zahlung des sogenannten Arbeitslosengeldes II (ALG II). Dies erhalten alle Arbeitslosen, die arbeiten können, und Anspruch auf Unterstützung haben.
Wie sieht diese finanzielle Unterstützung aus?
Die Unterstützung durch das ALG II erhalten nur Arbeitslose, die das Geld auch brauchen. Um festzustellen, wie viel Geld die Langzeitarbeitslosen genau bekommen, müssen sie sehr ausführlich Auskunft über ihre Vermögensverhältnisse geben. Wer mehr besitzt als eine bestimmte festgelegte Summe (das ist der so genannte Freibetrag), muss erst dieses Vermögen verbrauchen, bevor er Anspruch auf staatliche Unterstützung hat. Aber auch Menschen, die arbeiten, können ALG II erhalten, nämlich dann, wenn sie weniger verdienen, als sie brauchen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.
Bezieher von Hartz IV müssen bereit sein, ihnen angebotene Tätigkeiten auszuüben. Lehnen sie das ab, können sie den Anspruch auf ALG II verlieren.
Hauptstadt
Kannst du mir die Hauptstadt von diesem oder jenem Land nennen? Das ist eine beliebte Quizfrage. Von Deutschland ist es Berlin, von Polen
Warschau, von Schweden Stockholm, das wisst ihr alle. Hauptstadt ist meistens die Stadt eines Landes, in der Regierung und Parlament ihren Sitz haben. Oft ist das die größte Stadt des Landes, das muss aber nicht immer so sein. Washington zum Beispiel ist die Hauptstadt, aber lange nicht die größte Stadt der USA.
Budapest, die Hauptstadt von Ungarn. In diesem Gebäude arbeitet das Parlament.
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London, die Hauptstadt von Großbritannien. Big Ben, der Glockenturm des Parlaments, zeigt es an: bald ist tea-time.
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Paris, Hauptstadt von Frankreich. Seit 1889 ist der Eiffeltum das Wahrzeichen dieser Stadt.
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Das Brandenburger Tor in Berlin, der Hauptstadt Deutschlands
Bundesbildstelle
Hierarchie
Das Wort hat seinen Ursprung im Griechischen. Man bezeichnet damit eine strenge Rangordnung. In einer Hierarchie hat jede Person ihre genau festgelegten Rechte, Befugnisse und Kompetenzen. Nehmen wir das Militär: oben steht der General, dann kommen die Offiziere, Unteroffiziere und schließlich die einfachen Soldaten. Man kann sich eine Hierarchie als eine Pyramide vorstellen: an der Spitze stehen die ranghöchsten Personen, unten die mit dem niedrigsten Rang. Hierarchien gibt es in vielen Bereichen: in der Kirche, in der Verwaltung des Staates, der Länder und der Gemeinden, in der Rechtsprechung und in großen Wirtschaftsunternehmen. In Organisationen, die
hierarchisch aufgebaut sind, können meistens die höher stehenden Personen den unteren Rängen Anweisungen geben. Diese müssen dann ausgeführt werden.
Hinduismus
Dieser Tempel in Prambanan auf der indonesischen Insel Java ist dem Hindu-Gott Shiva gewidmet.
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Der Hinduismus ist die wichtigste Religion in Indien. Er entstand etwa im 2. Jahrtausend vor Christus. Heute leben etwa 800 Millionen Hindus in Indien, weltweit gibt es etwa 880 Millionen Anhänger dieser Religion. Jeder Mensch (Hindu heißt übersetzt "Mensch" ) gehört, davon gehen die Hindus aus, einer bestimmten "Kaste" an. Damit ist eine Gesellschaftsschicht gemeint, die von allen anderen Schichten der Gesellschaft streng getrennt ist. Die oberste Kaste sind Priester (Brahmanen), dann kommen Krieger, Bauern und Handwerker und schließlich Knechte. Außerhalb der Kasten befinden sich die "Parias", die Rechtlosen und Geächteten. Ähnlich wie im Buddhismus müssen die Menschen nach der hinduistischen Lehre einen langen Kreislauf von Wiedergeburt und Tod durchlaufen, ehe sie erlöst werden. Man kann auch als Tier wiedergeboren werden, deshalb essen viele Hindus auch kei