Heinz Erhardt in einer Szene aus dem Film "Willi wird das Kind schon schaukeln".
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Heinz Erhardt wäre heute 95 Jahre alt geworden. Er war ein deutscher Dichter, Schauspieler, Entertainer und Musiker.
Etwas "Anständiges" werden?Geboren wurde der Künstler am 20. Februar 1909 in Riga, das ist die heutige
Hauptstadt von
Lettland. Sein Vater war der Kapellmeister Gustl Erhardt. Aufgewachsen ist Erhardt in Riga bei seinen Großeltern. Sein Opa Paul Nelder führte dort ein Musikhaus. Durch ihn lernte Erhardt früh die Musik kennen und lieben. Eigentlich hat der Junge auch gleich nach der Schule etwas mit Musik machen wollen, doch der Großvater war dagegen. Er ließ seinen Zögling erst eine kaufmännische Ausbildung in seinem Musikhaus absolvieren, damit aus ihm etwas "Anständiges" wird.
Beim Kabarett1938, mit 29 Jahren, wurde Erhardts Traum dann aber doch wahr. Er kam nach
Berlin, wo er fortan beim Kabarett der Komiker auftrat. Schon drei Jahre früher hatte Erhardt privat sein Glück gefunden und 1935 die Konsulstochter Gilda Zanetti geheiratet. Die beiden haben sich angeblich in einem Fahrstuhl kennen gelernt.
Untauglich? Heinz Erhardt feierte schon bald als Musiker große Erfolge. Bei all dem Jubel bemerkte er nur am Rande, was sich in
Deutschland zusammenbraute. Die
Nationalsozialisten waren unter Hitler an die Macht gekommen und bauten ihr furchtbares Regime auf. Bald kam es zum
Zweiten Weltkrieg und jetzt war Erhardt unmittelbar selbst betroffen und musste zur Musterung. Zweimal befand man ihn für untauglich, dann entdeckte man sein musikalisches Talent.
Zur Unterhaltung der SoldatenFortan reiste Erhardt mit den Truppen bis an die vorderste Front, um die Soldaten zu unterhalten. Selbst kämpfen musste er aber nicht und außer zu Ausbildungszwecken hat er auch nie eine Waffe in die Hand nehmen müssen. Nach dem
Krieg geriet Erhardt ein halbes Jahr lang in Kriegsgefangenschaft. Als er heimkehrte, hatte die
Familie zwar alles verloren, aber sie waren zumindest noch alle am Leben. Die Erhardts zogen nun nach Hamburg, wo der Komiker als Radiomoderator arbeitete.
Nervös?In den 1950er und 1960er Jahren wurde das Allround-
Talent als Schauspieler bekannt. In Filmen verkörperte er liebenswerte, wenn auch schüchterne und etwas ungeschickte Typen. Die Menschen liebten Erhardts Humor und über seine geistreichen Wortspiele und verdrehte Redewendungen schmunzelt man noch heute. Nebenbei schrieb Erhardt viele Gedichte und Lieder. Was man dem lustigen Erhardt aber gar nicht zutraute, war, dass er fürchterliches Lampenfieber hatte. Er war so nervös, wenn er auf die Bühne gehen sollte, dass er dort eine Brille mit Fensterglas trug. Dadurch sah er so wenig, dass er sein Publikum gar nicht erkennen konnte.
Ehrungen für den Komiker1971 erlitt Erhardt einen Schlaganfall. Danach konnte er zwar noch verstehen, was andere sagen, aber nicht mehr selbst sprechen. Das war für den Komiker ganz furchtbar und er wollte sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Für seine Leistungen erhielt er in seinen letzten Lebensjahren viele Preise und Ehrungen, zum Beispiel das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Am 5. Juni 1979 starb Heinz Erhardt in Hamburg.