Am Freitag, dem 8. August 2008 brach zwischen Georgien und Russland ein schwerer bewaffneter
Konflikt aus. Am Tag zuvor war die georgische
Armee in Südossetien einmarschiert und hatte die Regionalhauptstadt Zchinwali bombardiert. Viele Menschen starben oder wurden verletzt, Zehntausende flüchteten ins benachbarte Russland, das daraufhin massiv in den Konflikt eingriff und Truppen nach Südossetien schickte. Außerdem wurden Ziele in Georgien bombardiert und die
russische Armee rückte auf dem Territorium des Nachbarlandes weiter vor.
Was ist der Hintergrund dieses Krieges? Seit Monaten hatten die Spannungen zwischen Georgien und seiner Provinz Südossetien zugenommen. Dieses kleine Gebiet mit 75 000 Einwohnern im Norden Georgiens möchte sich abspalten. Die Osseten (neben Südossetien gibt es das doppelt so große Nordossetien, das zu Russland gehört) fühlen sich Russland zugehörig und besitzen in der Mehrzahl entsprechende Pässe. Es ist ein
Volk mit langer Tradition, eigener Sprache und eigenen Bräuchen. Daher wollen sie unabhängig von Georgien sein und beschlossen 1989 die Loslösung.
Ähnliches wie Südossetien strebt auch die im Südwesten gelegene Provinz Abchasien an. Sie möchte sich ebenfalls von Georgien abspalten. Beide Provinzen werfen Georgien seit langem Unterdrückung vor. Auch um Abchasien gab es bereits zahlreiche bewaffnete Konflikte, bei denen Russland ebenfalls die Separatisten, also diejenigen, die sich von Georgien trennen wollen, unterstützte. Georgien, am Schwarzen Meer gelegen (
Hauptstadt Tiflis 4,93 Millionen Einwohner), möchte eine Aufspaltung seines Landes auf jeden Fall verhindern.
In der Geschichte gab es mehrfach Kriege zwischen Russland und Georgien, das sich im Jahr 1918 zum ersten Mal für unabhängig erklärt hatte. Bereits 1921 marschierten russische Truppen in das Land am Kaukasus ein. Jahrzehntelang war Georgien dann ein Teil der
Sowjetunion und erst nach deren Zerfall erlangte es 1991 erneut die Unabhängigkeit wie andere Länder des Kaukasus.
Zum Hintergrund des jetzigen Konflikts gehört auch, dass Georgien mit dem jetzigen
Präsidenten Michail Saakaschwili in das westliche
NATO-
Bündnis strebt. Mehrere Erdölpipelines wurden inzwischen durch das Land gebaut,
amerikanische Soldaten sind als Berater im Land. Russland sieht durch diese
Politik seinen Machtbereich bedroht und somit kann die Militäraktion in Georgien auch als Warnung an den Westen verstanden werden, seine Einflussgebiete nicht weiter nach Osten auszudehnen
In dieser kriegerischen Auseinandersetzung geht es also nicht nur um den Konflikt zwischen Georgien und den Provinzen, die sich von diesem
Staat lösen wollen. Es geht auch um einen Konflikt zwischen Russland und dem Westen (USA und EU) und um die Reichweite ihrer jeweiligen Einflussgebiete. Georgien gehört zu den ehemaligen Sowjetrepubliken, die keine eigenständige Politik unabhängig von Russland machen durften. Dies hat sich nach dem Fall der Mauer 1989 geändert.
Zunächst wurde durch die Vermittlung der EU ein Waffenstillstand zwischen Georgien und Russland ausgehandelt. Nach dem langsamen Abzug russischer Truppen aus Georgien gab es eine erneute Verschärfung des Konflikts.
Russland hat die Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien anerkannt. Der Westen protestierte scharf dagegen. Er sagt, diese Provinzen gehören zu Georgien und Russland dürfe sich nicht einmischen. Eine solche Einmischung verstoße gegen das
Völkerrecht. Zur Zeit versucht die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (
OSZE) zusammen mit der
Europäischen Union (EU) und den
Vereinten Nationen (UN) eine dauerhafte Lösung in dem Konflikt zu finden. Dabei geht es weniger um die Frage, wer den Krieg
angefangen und Schuld daran hat. Ziel ist es , dass die Konfliktparteien Georgien und Russland wieder Vertrauen zueinander fassen und miteinander reden. Dann können auch die vielen Menschen, die während des Krieges von zu Hause
geflohen sind, wieder in ihre Heimat zurückkehren.