Wenn ein neuer Bundespräsident oder eine neue
Bundespräsidentin gewählt wird, fand das seit 1979 immer an einem 23. Mai statt. Denn an diesem Tag wurde im Jahr 1949 das
Grundgesetz verkündet. Doch diesmal ist es anders. In diesem Jahr wird am 30. Juni gewählt. Und noch etwas ist in diesem Jahr außergewöhnlich: seit der letzten
Wahl ist erst ein Jahr vergangen, normalerweise aber findet eine Neuwahl alle fünf Jahre statt.
Was ist passiert? Der Grund für die frühzeitige Neuwahl ist der Rücktritt von Bundespräsidenten Horst Köhler am 31. Mai 2010. Noch nie vorher hatte ein Bundespräsident seinen Rücktritt erklärt. Horst Köhler hatte am 1. Juli 2004 sein
Amt angetreten. Am 23. Mai 2009 wurde er wiedergewählt. Eigentlich wäre seine Amtszeit erst 2014 beendet gewesen, denn der Bundespräsident wird alle fünf Jahre gewählt.
Das Grundgesetz schreibt in Artikel 54 vor, dass bei einem Rücktritt des Bundespräsidenten innerhalb von 30 Tagen die
Bundesversammlung zusammentreten muss, um neu zu wählen. Der
Präsident des
Deutschen Bundestages ruft die Bundesversammlung ein. Bis zur Wahl eines neuen Bundespräsidenten oder einer neuen Bundespräsidentin führt der Präsident des Bundesrates die Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten weiter. Dies ist der Präsident des Senates und
Bürgermeister der Freien
Hansestadt Bremen, Jens Böhrnsen.
Die KandidatenKandidaten für die Wahl zum neuen Bundespräsidenten bzw. zur neuen Bundespräsidentin sind der niedersächsische
Ministerpräsident Christian Wulff von der CDU, Joachim Gauck als Kandidat von SPD und Bündnis90/Die Grünen und Lukrezia Jochimsen, die von der
Partei Die Linke ins Rennen geschickt wird.
Christian Wulff wurde am 19. Juni 1959 im niedersächsischen Osnabrück geboren. Er hat Rechtswissenschaften studiert. Bereits als Jugendlicher trat er in die CDU ein. Seit 2003 ist Christian Wulff Ministerpräsident von Niedersachsen. Bei seiner Wahl hofft er auf die Stimmen von CDU, CSU und FDP.
Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock, in der damaligen
DDR, geboren. Er war evangelischer Pastor und setzte sich für die Bürgerrechte und die
Freiheit in der DDR ein. Nach dem Fall der Mauer und der deutschen
Wiedervereinigung wurde er zum "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" gewählt. Einer
politischen Partei gehört der Kandidat der SPD und der Grünen nicht an.
Die Kandidatin der Linken,
Lukrezia Jochimsen, wurde am 1. März 1936 in Nürnberg geboren und studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie. Sie arbeitete als
Journalistin und Autorin. Von 1994 bis 2001 war sie Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks. Heute ist sie kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke.
Die WahlIn der Bundesversammlung sind alle
Abgeordneten des Deutschen Bundestages vertreten. Dazu kommen genau so viele Personen, die von den Landtagen der
Bundesländer gewählt werden. Insgesamt hat die Bundesversammlung 1205 Mitglieder. Gewählt ist, so steht es im Grundgesetz, wer die Stimmen der
Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung erhält. Wird diese Mehrheit in zwei Wahlgängen von keinem Bewerber erreicht, so ist der-
oder diejenige gewählt, der oder die in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen bekommt.
Das Ergebnis
Die Bundesversammlung wählt Christian Wulff (Mitte) am 30. Juni 2010 zum 10. Bundespräsidenten.
© AP Photos
Nach dem dritten Wahlgang stand die Entscheidung fest:
Christian Wulff wurde zum Bundespräsidenten gewählt. Mit 51 Jahren ist er der jüngste Bundespräsident der deutschen Geschichte. Wir gratulieren Christian Wulff herzlich und wünschen ihm viel Glück und Erfolg für seine Amtszeit!
Mehr über das Amt des Staatoberhauptes und seine Aufgaben findest du im
HanisauLand-Lexikon!