Der Begriff kommt vom lateinischen Wort "emigratio". Er bedeutet "wegziehen". Von "Emigration" spricht man, wenn jemand aus dem Land, aus dem er stammt, wegzieht. Eine Emigration kann freiwillig oder erzwungen sein. Es gibt unterschiedliche Ursachen, wieso Menschen ihr Herkunftsland verlassen: Es kann aus
politischen,
religiösen oder auch aus
wirtschaftlichen Gründen geschehen. Manchmal ist die Emigration eine Flucht vor
Verfolgung oder
Verhaftung. In den vergangenen Jahrhunderten gab es viele solcher Flucht-
oder Auswanderungsbewegungen. Im 20. Jahrhundert sind nach der
russischen Oktoberrevolution 1917 viele tausend Menschen vor den neuen Machthabern
geflohen. In Deutschland haben während des
Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 viele tausend
Juden und politische Gegner des
Staates ihre Heimat verlassen, um der Verfolgung zu entkommen. 1991/92 gab es eine Emigrationswelle aus den Kriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawien.
Es gibt auch den Begriff "innere Emigration". Davon spricht man, wenn zum Beispiel politische Gegner eines
Diktators zwar nicht ihr Land verlassen, um im Ausland zu leben, sich aber innerlich zurückziehen. Sie äußern sich nicht mehr in der Öffentlichkeit. Sie lassen ihre Gegnerschaft zum Regime nicht erkennen, um sich und ihre
Familie nicht zu gefährden.
Mit "Emigration" wird nicht nur das Verlassen eines Landes, also die Auswanderung bezeichnet. Auch den Aufenthalt in einem fremden Land nach der Auswanderung bezeichnet man so. Die Menschen befinden sich dann in der Emigration, sie sind Emigranten.
Gerd Schneider/ Christiane Toyka-Seid