In einer
Diktatur werden Personen, die politisch anderer Meinung als die Herrschenden sind, oft verfolgt und aus ihren Ämtern vertrieben. Der
Staat wird von diesen Menschen "gesäubert", damit keine Kritik oder Störung mehr erfolgt. Dieser Begriff der "Säuberung" ist besonders niederträchtig, weil damit der Eindruck erweckt werden soll, dass diese Menschen einen Staat beschmutzen oder dass sie selbst Schmutz wären. Solche (
politischen) "Säuberungen" nahmen im 20. Jahrhundert riesige Ausmaße an. Die
Nationalsozialisten "säuberten" ihren Staat von Menschen, die sie in ihren Rassengesetzen als "minderwertig" bezeichneten. Dies betraf
Juden,
Sinti und Roma oder auch
behinderte Menschen. Das führte schließlich zum
Holocaust, in dem Millionen Menschen ermordet wurden. Auch in der
Sowjetunion gab es unter dem Diktator Stalin gewaltige "Säuberungen". Millionen Menschen verschwanden in Zwangslagern, wo sie sehr oft starben. Eine weitere Form der menschenverachtenden Säuberungspolitik ist die sogenannte ethnische "Säuberung". "Ethnie" ist ein
griechisches Wort und bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die die gleiche
Kultur verbindet. Wenn eine solche Gruppe verfolgt und vertrieben wird, spricht man von "ethnischer Säuberung". Dies geschah zum Beispiel Mitte der 1990er Jahre auf dem Balkan, wo die Serben die Bosnier aus vielen angestammten Orten in Bosnien-
Herzegowina mit
Gewalt vertrieben haben.
Dieses hässliche, menschenverachtende Wort wurde in die Liste der hundert "Unwörter" des 20. Jahrhunderts aufgenommen.
Gerd Schneider/ Christiane Toyka-Seid