Mit Kernenergie (umgangssprachlich auch Atomenergie genannt) wird die in Atomkernen enthaltene
Energie bezeichnet. Noch vor 150 Jahren waren die Wissenschaftler davon überzeugt, dass Atome die kleinsten, nicht mehr teilbaren Bausteine unserer Materie sind. Im Jahre 1938 gelang es den deutschen Physikern Otto Hahn und Fritz Strassmann, Atome in kleinere Teile zu spalten. Bei diesem komplizierten Vorgang entsteht sehr viel Energie. Aber es entsteht dabei auch radioaktive Strahlung. Für Menschen ist sie höchst gefährlich, weil die Strahlung menschliche Organe angreift und Krebs erzeugen kann. Wenn die Strahlung sehr hoch ist, kann das sogar zum Tod führen.
Inzwischen verfügen viele
Staaten über das Wissen, wie Kernenergie gewonnen werden kann. Manche Staaten haben diese Technik genutzt, um Waffen herzustellen (Atombomben, Atomraketen, Atomgranaten). Doch eingesetzt wurden die Waffen nur einmal am Ende des Zweiten Weltkriegs – und die Wirkungen waren verheerend. Die Atombomben, die die
Amerikaner 1945 über Hiroshima und Nagasaki abwarfen, haben ungeheure Zerstörungen angerichtet. Tausende von Menschen starben. Viele Menschen haben durch die radioaktiven Strahlungen ihre
Gesundheit verloren, viele starben an den Folgen der Verstrahlung.
Doch die Atomenergie wird nicht nur für die Herstellung von Waffen, sondern auch für friedliche Zwecke eingesetzt. Dabei benutzt man die Hitzestrahlung, die bei der Spaltung entsteht. Sie verwandelt Wasser in Dampf, der wiederum Turbinen für die Stromerzeugung antreibt. In Kernkraftwerken wird bei diesem Prozess die Kernspaltung kontrolliert vorgenommen. Der Brennstoff sind meist die Atomkerne von Uran oder Plutonium. Gegen die gefährliche radioaktive Strahlung, die bei dem Spaltungs-
und Umwandlungsprozess entsteht, werden in diesen Kraftwerken dicke Schutzhüllen aus Beton und Stahl gebaut. Eine hoch komplizierte Technik steuert die Kernspaltung. Doch sicher beherrschbar ist diese Technik nicht. In der Vergangenheit ist es immer wieder zu schweren Unfällen gekommen: in Harrisburg/USA (1979) und in
Tschernobyl/
Ukraine (1986) und in jüngster Zeit im
japanischen Kernkraftwerk Fukushima. Nach einem
Erdbeben und einem gewaltigen Tsunami zeigte sich durch die Beschädigungen der Kernkraftwerke, welche Risiken diese Art der Energieerzeugung für die Menschen bedeutet. Die Gefahr, dass radioaktive Strahlung in die
Umwelt gelangt, ist das große Risiko, das bei dieser Technik gegeben ist.
Hinzu kommt, dass die Abfälle aus den Kernkraftwerken mehrere Tausend Jahre lang gefährliche Strahlung aussenden können. Eine sichere Endlagerstätte für die Abfälle, die bei diesen Brennvorgängen entstehen, ist in
Deutschland und auch sonst in keinem Land der Welt bisher gefunden worden.
In Deutschland gibt es derzeit 17 Kernkraftwerke. Seit die Anlagen gebaut werden, protestieren sehr viele Menschen immer wieder dagegen. Nach der Katastrophe von Fukushima ist die Diskussion darüber, wie lange in Deutschland noch Strom durch Atomkraftwerke gewonnen werden soll, wieder heftig entbrannt. Die sieben ältesten Atomkraftwerke wurden auf Beschluss der
Regierung abgeschaltet. In den nächsten Monaten sollen die Sicherheitsvorkehrungen aller Atomkraftwerke einer genauen Prüfung unterzogen werden.
Einig ist man sich in Deutschland, dass die Energieerzeugung durch Atomkraftwerke keine Dauerlösung sein kann und sie in den nächsten Jahren beendet werden soll. Gestritten wird darüber, wie lange wir noch Atomkraftwerke brauchen, damit die Stromversorgung im Land gesichert ist.
Ergänzt sei, dass man in der Medizin radioaktive Strahlen gezielt einsetzt, um etwa mit Hilfe von Röntgenstrahlung Erkrankungen im Körper aufzuspüren oder durch stärkere Strahlung schnell wachsendes Gewebe wie Tumore gezielt zu vernichten.
Hier findet ihr Beiträge von Kinderreportern und von Experten zu Fragen der Atomenergie
Gerd Schneider/ Christiane Toyka-Seid
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