Wie so viele fachliche Bezeichnungen stammt auch dieses Wort aus dem Lateinischen und bedeutet "Auftrag", "Weisung". Ein gewählter
Abgeordneter im
Deutschen Bundestag, in einem Stadt-
oder
Landesparlament oder zum Beispiel auch eine Schulsprecherin hat einen bestimmten Auftrag ihrer
Wählerinnen und Wähler erhalten. Sie hat das Mandat, sie zu vertreten. Auch eine
Rechtsanwältin kann das Mandat (den Auftrag) erhalten, jemanden rechtlich zu beraten, dessen Interessen zu vertreten oder einen
Angeklagten beispielsweise vor Gericht zu verteidigen. Denjenige, der ein Mandat, also einen solchen Auftrag erteilt, nennt man "Mandant".
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Gerd Schneider/ Christiane Toyka-Seid
Was bedeutet das, wenn die Abgeordneten ihrem Gewissen unterworfen sind und nicht an Aufträge gebunden sind ?
Antwort der Redaktion:
Hallo Helena, das bedeutet, dass ihnen niemand vorschreiben darf, wie sie sich bei Abstimmungen zu entscheiden haben. In der Praxis ist es häufig so, dass alle
Abgeordneten einer
Fraktion gleich abstimmen. Sie ordnen ihre eigene Meinung dann unter Umständen der ihrer Fraktion unter. Der Fachausdruck dafür ist "Fraktionsdisziplin". Bei besonders schwierigen
politischen Entscheidungen, bei denen es häufig auch um
moralische Fragen geht, wird dieser Fraktionszwang aber ausdrücklich aufgehoben.
Was ist ein Überhangmandat?
Antwort der Redaktion:
Hallo Anna, Überhangmandate entstehen in unserem
Wahlsystem, das eine
Personalisierte Verhältniswahl ist. (Schau da mal unter Wahlsystem in unserem Lexikon nach). Es werden Direktkandidaten direkt gewählt (mit der
Erststimme) und mit der Zweitstimme die Partei gewählt wird. Über die
Zweitstimmen wird ermittelt, wieviele
Kandidaten der Partei zustehen. Ein Beispiel: eine Partei erhält vierzig Prozent der Zweitstimmen, das würde im Beispiel 40 Mandate bedeuten (dies ist aber nur ein Beispiel, es könnte auch 80 oder 100 oder eine ganze andere Zahl bedeuten). Von dieser Zahl an Mandaten, die entsprechend der Zweitstimmen der Partei zustehen, wird die Zahl der Direktkandidaten abgezogen. Also wenn die Partei 10 Direktmandate bekommen hat, stehen ihr bei 40 Gesamtmandaten (wie in unserem Beispiel) noch 30 Mandate (Abgeordnete) zu. Diese
Abgeordneten bestimmt die Partei. (Vor den
Wahlen wird eine sogenannte Liste von den
Parteien erstellt, auf denen stehen diejenigen, die dann für die Partei in das
Parlament kommen können). Wenn nun eine Partei proportional weniger Mandate zustehen, als sie aufgrund von Direktmandaten erhielt, kann sie diese Mandate behalten. Das sind die „Überhangmandate“. Im Beispiel: der Partei stehen 40 Mandate zu, sie hat aber 43 Direktmandate erhalten. Dann gibt es 3 Überhangmandate. Das ist zugegebenermaßen etwas kompliziert, aber hoffentlich trotzdem verständlich für dich.