Das Wort kommt vom lateinischen "morari ("verzögern", "aufschieben"). Mit "Moratorium" bezeichnet man allgemein eine Vereinbarung darüber, dass eine bestimmte Sache für eine gewisse Zeit aufgeschoben wird. Es wird noch Bedenkzeit benötigt, um eine schwierige Aufgabe zu lösen oder einfach nur, um neue Kräfte zu sammeln. Ob im Schulalltag oder im Berufsleben – oft braucht man manchmal eine Frist, um wichtige Entscheidungen treffen zu können.
In der
Politik oder in der
Wirtschaft gehen einem Moratorium meist Gespräche oder Verhandlungen voraus. Expertenkommissionen setzen sich mit Situationen, Forderungen oder Ereignissen auseinander und suchen nach Lösungswegen. Nicht immer findet man aber eine Lösung. Dann vereinbart man, mit einer endgültigen Entscheidung zu warten. Das Problem oder die Aufgabe, die erledigt werden soll, wird nicht unter den Tisch gekehrt oder einfach vergessen. Sondern man will in der Pause einen Weg finden, um die Probleme, die gelöst werden müssen, zu entscheiden.
Beispiele für Moratorien: In der Finanzpolitik kann einem Land, das sich in einer schweren
Krise befindet, die Rückzahlung von
Schulden gestundet werden. Atommächte versuchen, mit Hilfe von Moratorien die Atomtests ausgesetzt. Bei den schwierigen Verhandlungen in der EU über Fischfangquoten wurde 2005 von
Deutschland,
Schweden und
Großbritannien ein Moratorium vorgeschlagen, um die Meere nicht zu überfischen.
Russland setzte mit einem Moratorium 1996 die Todesstrafe aus, ohne sie allerdings offiziell abzuschaffen. Ähnliches geschah im Jahre 2000 auch im
amerikanischen Bundesstaat Illinois. Ganz aktuell war ein Moratorium nach der Ölkatastrophe im Golf von
Mexiko im Juni 2010. Die US-
Regierung beschloss ein auf sechs Monate befristete Moratorium für Tiefseebohrungen.
Gerd Schneider/ Christiane Toyka-Seid