MFA + Film Distribution GmbH
Andreas ist erst neun Jahre alt und doch war er mit seinen Eltern schon auf fünf Kontinenten und musste unzählige Male die Schule wechseln. So konnte er nie richtige Freunde gewinnen. Seine Eltern, hochkarätige Wissenschaftler, kümmern sich kaum um ihn und dem netten deutschen Kindermädchen Ellen, der Andreas sein Vertrauen geschenkt hatte, haben sie gekündigt. Auch von der neuen Schule, in der Andreas wegen seines überkorrekten Auftretens und seines geschniegelten Äußeren von den anderen zunächst geschnitten wird, erwartet er nicht viel. Aber er hat Glück. Veronika, die von allen nur Vero genannt wird und direkt neben dem Grundstück von Andreas’ Eltern wohnt, beginnt sich für den Sonderling zu interessieren. Als ein Fan von alten Science-
Fiction-
Filmen glaubt sie, die Eltern von Andreas müssten Außerirdische sein, die in ihrem Labor die Eroberung der Welt vorbereiten. Mit ihrem Verdacht kann sie auch ihre beiden Freunde, den superklugen Kaspar und den coolen Wietse, und schließlich sogar Andreas überzeugen. Gemeinsam beginnen sie, die Eltern von Andreas auszuspionieren. Sie machen eine Reihe von Entdeckungen, die ihre Annahme erhärten. Andreas glaubt am Ende sogar, dass seine Eltern ihn zur Vertuschung ihrer wahren Identität nur adoptiert haben und ihn mit einem Tee vergiften wollen, nachdem er der Wahrheit auf die Spur gekommen ist. Aber es kommt noch schlimmer: Um die wahre Herkunft von Andreas zu erfahren, reisen die Kinder heimlich nach Deutschland und erleben dort einen weiteren Schock. Sie müssen feststellen, dass Ellen offenbar mit Andreas’ Eltern unter einer Decke steckt. Ganz unerwartet scheint sich die Situation zu entspannen, als das Fernsehen berichtet, Andreas’ Eltern hätten eine revolutionäre wissenschaftliche Entdeckung gemacht, die zum Wohle der Menschheit sei. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte.
Wie ist der Film gemacht?
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Der belgische Kinderfilmregisseur Dany Deprez hatte sich bereits in seinem Erstlingswerk Der Ball die Fähigkeit der Kinder zu eigen gemacht, nahtlos zwischen Realität und Fantasie zu wechseln und beides gleich real erscheinen zu lassen. Wie bei einem richtigen Science-
Fiction-
Film für Erwachsene wirken die fantastischen Momente seines Genrefilms genauso real wie der Lebensalltag der Kinder, der von ihren Schwierigkeiten mit den Eltern geprägt ist. Deprez bezieht sich in seinem Film auf zahlreiche Vorbilder von Begegnungen der dritten Art bis zu den alten B-
Pictures aus Hollywood, in denen Aliens die Welt bedrohen. Die Eltern von Andreas wirken tatsächlich wie Außerirdische, sie haben ein seltsames Leuchten in den Augen, tragen fast ständig Sonnenbrillen und führen ein weltfernes Leben, das zunächst nur wenig menschliche Nähe und Wärme erkennen lässt. Auch ihr Luxushaus, in dem sich kein Kind länger aufhalten möchte, ist technisch steril eingerichtet und kaltes blaues Licht unterstützt das Gefühl einer bedrohlich wirkenden Fremdheit. Der Verdacht der Kinder findet auf Seiten der Erwachsenenwelt eine Entsprechung durch die Visionen eines alten Mannes mit geradezu hühnenhafter Statur (2,15 m!), der mehrmals auftaucht und die Kinder zu Tode erschreckt. Die spannungsgeladene Atmosphäre löst sich erst am Ende des Films auf, denn lange bleibt unklar, ob die Eltern und vielleicht sogar Andreas selbst nun Aliens sind oder nicht. Beweise und Gegenbeweise treiben die Handlung bis zum Showdown voran, das schließlich Gewissheit bringt und von Andreas eine mutige Entscheidung verlangt. Besonders sensible und ängstliche Kinder sollten daher auf diese ungewöhnlich intensive Spannung und die extreme Verunsicherung des Helden vorbereitet werden, die dieser Film kunstvoll und handwerklich perfekt vermittelt.
Was ist das Besondere an diesem Film?
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Mit den Mitteln des reinen Genrefilms greift der Film eine Reihe von Problemen auf, die ganz der Alltagswelt von Kindern entlehnt sind. Die Figur des Andreas’ steht als extremes Beispiel für ihr allgemeines Bedürfnis, etwas über die eigene Herkunft zu erfahren. Nur so können sie ein Gefühl von Sicherheit und auch Identität entwickeln. Mit dem Grundgefühl des Vertrauten bzw. Fremden stellt sich ihnen auch die Frage, wem sie überhaupt vertrauen können, den Erwachsenen, den Freunden, den Eltern, und wer von diesen Bezugspersonen bereit ist, ihnen zuzuhören und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und zu akzeptieren. Wie im Horrorfilm geht das in diesem Fall so weit, dass nicht nur echte Zweifel an der Elternschaft auftauchen, sondern Andreas sogar befürchtet, die Eltern könnten ihn umbringen. Die Thematik von Offenheit und Vertrauen bzw. Lüge und Betrug spiegelt sich auch in der familiären Situation der anderen Kinder, insbesondere der von Vero. Sie ist der Ansicht, dass alle Erwachsenen lügen, weil sie weiß, dass ihr Vater eine heimliche Geliebte hat. Mit diesem Wissen kann sie später ihren Vater erpressen, wie überhaupt die Kinder -
erst einmal von den Eltern enttäuscht -
nicht gerade zimperlich mit ihnen umgehen, ihnen nachspionieren, sie behindern und sogar ihre Arbeit sabotieren. Solche problematischen Aspekte fängt der Film auf, indem er gleichzeitig die Freundschaft der Kinder hervorhebt und ihren Mut, sich für den anderen einzusetzen. Ein weiteres Thema des Films ist die bereits in Der Ball angeklungene Umweltverschmutzung. In der "Angstskala" der Kinder hat diese in den letzten Jahren etwas an Gewicht verloren, stattdessen steht nun die Sorge um die eigene Familie an erster Stelle.
Thomas Werner