Diesen Artikel haben fast alle
Staaten der Welt unterschrieben. Damit ist gemeint, dass alle Kinder auf der Welt das Recht haben, vor
Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung geschützt zu werden.
Die Situation weltweitGewalt gegen Kinder gibt es leider in vielen Ländern. Das hat eine Untersuchung zu Tage gefördert, die im Auftrag der
UNO durchgeführt wurde. In vielen Ländern ist Gewalt gegen Kinder sogar erlaubt!
So haben zum Beispiel nur die Hälfte aller Länder auf der Welt verboten, dass Kinder in der Schule körperlich bestraft, also zum Beispiel geschlagen werden dürfen. Auch zwischen Schülerinnen und Schülern kommt es immer wieder zu Gewalt. Körperliche Auseinandersetzungen, Erpressung und
Mobbing richten sich dabei oft gegen Kinder aus ärmeren Familien oder
Minderheiten.
Auch in der
Familie erleben viele Kinder Gewalt. Selbst in den reichen Ländern sterben jedes Jahr 3500 Kinder, weil sie misshandelt oder vernachlässigt werden. Das sind ungefähr zehn Kinder pro Tag. Zwischen 133 und 275 Millionen Kinder und Jugendliche sind weltweit jedes Jahr in ihren Familien Zeugen von gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Mehr als 50.000 Kinder auf der ganzen Welt werden jedes Jahr ermordet. 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen werden jedes Jahr sexuell missbraucht.
Mehr als eine Million Kinder sitzen im Gefängnis – weil sie gebettelt oder geklaut haben oder von zu Hause weggelaufen sind. Gerade in ärmeren Ländern herrschen in
Gefängnissen oft Überfüllung und katastrophale hygienische Bedingungen. Das Personal ist schlecht ausgebildet und überfordert und wird kaum kontrolliert. Die Heranwachsenden haben meist keine Beschwerdemöglichkeiten und werden monatelang, oft sogar jahrelang ohne
Anklage festgehalten.
Viele Kinder leben in einer Stadt oder in einer Gegend, in der sie ständig von Gewalt bedroht sind. Das kann eine besonders üble Ecke sein, in der sich Banden breit gemacht haben. Oder der Wohnort liegt in einem Land, in dem es für Kinder besonders gefährlich ist.
Wie zum Beispiel im Norden von Uganda. Dort haben alle Kinder Angst davor, von der LRA entführt zu werden. Die LRA (Abkürzung für "Lord's Resistence Army" = "Widerstandsarmee des Herrn") ist eine Gruppe von Kämpfern, die die
Regierung in Uganda stürzen möchte. Obwohl sie sich auf Gott berufen, gehen sie dabei äußerst brutal vor. Sie zerstören Dörfer und entführen Kinder. Damit das nicht passiert, bringen sich die Kinder jede Nacht in Sicherheit.
Hier kannst du Janet kennenlernen und etwas über die Situation der Kinder in Uganda erfahren.
Die Situation in DeutschlandSeit 2006 haben Kinder in Deutschland das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. So steht es in einem
Gesetz: "Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig".
Doch das heißt nicht, dass damit alles in Ordnung ist. Leider nicht. Drei Viertel aller Kinder haben schon einmal eine Ohrfeige oder einen Klaps bekommen, ergab eine Befragung. Knapp 30 von hundert Kindern haben schon einmal Prügel bezogen. Die
Polizei ermittelt jedes Jahr etwa 2000 Mal wegen Kindesmisshandlung.
Eine Befragung von Kindern und Jugendlichen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat herausgefunden, dass 12,4 Prozent aller Kinder und 5,6 Prozent aller Jugendlichen aus deutschen Familien schon einmal misshandelt worden sind. Wenn die Eltern aus der Türkei, aus dem arabischen Raum oder aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen, liegen diese Zahlen viel höher: So werden beispielsweise 44,5 Prozent der Kinder aus
türkischen Familien zuhause geschlagen! Auch die Gewalt zwischen den Eltern ist in
ausländischen Familien sehr viel höher als in Familien deutscher Herkunft. Die Kriminologen sehen eine große Gefahr darin, weil Jugendliche mit vielen Gewalterfahrungen später häufig selbst zum Täter werden.
Doch es gibt auch andere Formen der Gewalt außer Schlägen. Die vermutlich häufigste Form der Kindesmisshandlung ist die Vernachlässigung. Immer wieder liest man in der
Zeitung, dass Kinder in völlig verwahrlosten Wohnungen gefunden werden. Die Eltern kümmern sich offensichtlich nicht um sie.
Doch auch wer sein Kind jeden Tag ohne Frühstück und ohne Pausenbrot in die Schule schickt, vernachlässigt es. Wer nie ein Mittagessen auf den Tisch stellt oder wer nie mit seinem Kind spielt, wer nie fragt, was das Kind erlebt hat, was es schön findet oder wieso es traurig ist, vernachlässigt das Kind. Wie häufig diese Art der Vernachlässigung vorkommt, hat noch niemand untersucht.
Auch sexueller Missbrauch kommt – trotz des Kinderrechts auf Schutz vor Gewalt – immer wieder vor. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Nur eine begrenzte Zahl an Fällen wird bei der Polizei angezeigt. Man geht von einer hohen Dunkelziffer aus, also von vielen Fällen, in denen Kinder Opfer sexueller Gewalt werden, die nicht angezeigt werden.
"Kinder sind unschlagbar!" Das konnte man vor einiger Zeit an Plakatwänden lesen. Damit war nicht gemeint, dass Kinder jede Aufgabe besser meistern als Erwachsene. Nein, das Wortspiel wollte auf ein neues Gesetz hinweisen, das Gewalt in der Erziehung verbietet. Eine Ohrfeige ist danach genauso verboten wie Hänseln oder Demütigungen.
Doch noch immer ist die Erziehung in Deutschland nicht gewaltfrei. Den meisten Eltern ist schon einmal "die Hand ausgerutscht" und sie haben ihrem Kind eine Ohrfeige oder einen Klaps gegeben. Ob sie das wohl auch bei ihrem Chef oder Nachbarn machen, wenn sie sich über ihn ärgern?
Wie Kinder darüber denken, könnt ihr euch hier ansehen.
Genauso schlimm wie selbst misshandelt zu werden ist es, Gewalt in der Familie mitzuerleben. Hierzu hat eine Jugendliche bei einem
unicef-
Workshop einen eindrucksvollen Film gedreht. Du kannst ihn dir hier ansehen.
Wortlaut von Artikel 19
- Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung,
Schadenzufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter
Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut. - Diese Schutzmaßnahmen sollen je nach den Gegebenheiten wirksame Verfahren zur Aufstellung von Sozialprogrammen enthalten, die dem Kind und denen, die es betreuen, die erforderliche Unterstützung gewähren und andere Formen der Vorbeugung vorsehen sowie Maßnahmen zur Aufdeckung, Meldung, Weiterverweisung, Untersuchung, Behandlung und Nachbetreuung in den in Absatz 1 beschriebenen Fällen schlechter Behandlung von Kindern und gegebenenfalls für das Einschreiten der Gerichte.
Was bedeutet dieses Recht?Gewalt gegen Kinder ist verboten! Niemand darf Kindern körperlich oder seelisch wehtun. Dafür müssen die Staaten sorgen. Es gibt aber Kinder, die von ihren Eltern, Verwandten oder sogenannten Freunden vernachlässigt, misshandelt und gequält werden. Oder sie werden sexuell missbraucht. Diese Kinder müssen geschützt und ihnen muss geholfen werden.
Die Staaten müssen jeden Erwachsenen bestrafen, der Kindern so etwas antut. Ein Kind muss sich sicher fühlen können -
sonst muss der Staat eingreifen, selbst wenn es die Eltern sind, die dem Kind Schlechtes antun.
LinksWas ist sexueller Missbrauch? Eine einfache Erklärung findest du hier:
www.medienwerkstatt-online.deMarco geht es nicht gut. Er hat etwas Schreckliches erlebt, von dem er niemanden erzählen zunächst niemandem erzählen mag:
www.medienwerkstatt-online.de.
Hier erklärt dir die Polizei, was man unter sexueller Gewalt versteht und was du tun kannst, wenn du so etwas erlebt hast:
time4teen.deHier kannst du dich darüber informieren, was man unter Mobbing versteht. Vor allem aber kannst du deine Erfahrungen schildern und anderen Kindern Tipps geben, wie sie aus Gewaltsituationen herauskommen:
http://mobbing-schluss-damit.de/Die Polizei informiert darüber, was man unter Gewalt alles versteht:
www.polizei.hessen.deIn einer Folge der Kinder-
Nachrichtensendung "neuneinhalb" kannst du hier einen Beitrag über Gewalt an Schulen anschauen:
WDR Neuneinhalb