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Tiere

Frankreich 1916: 12 Pferde und viele Soldaten ziehen eine Kanone während des Ersten Weltkriegs.

Ein Bild aus Frankreich 1916: 12 Pferde und viele Soldaten ziehen eine Kanone.

Nicht nur Menschen, sondern auch Tieren waren für den Krieg im Einsatz: Pferde, Tauben und Hunde. Einige Soldaten nahmen ihre Haustiere mit an die Front, um ihnen Gesellschaft zu leisten.


Auszüge eines Interviews der Kinderreporter vom Bösen Wolf mit Eric Tarabay, Historiker und Experte für Tiergeschichte

Als die Brieftauben twitterten
Brieftauben werden an der Front freigelassen. Zwei Soldaten öffnen einen Korb, aus dem zwei Tauben entfleuchen.

Brieftauben werden von Soldaten auf die Reise geschickt.

Wie viele Brieftauben wurden im Ersten Weltkrieg eingesetzt?
Um die 200.000 Brieftauben.
Wann kamen sie zum Einsatz?
Brieftauben kamen zum Einsatz, wenn durch große Bombenangriffe Menschen ums Leben kamen und auch die Hunde keine Nachrichten mehr übermitteln konnten.
Wie wurden die Tauben trainiert?
Tauben müssen gezüchtet werden, das heißt ein paar Mal trainiert werden. Sie erkennen den Ort, wo sie geboren werden oder angefüttert werden. Sie sind in der Lage zu ihrem Heimatschlag zurückzufinden. Es kommt noch dazu, dass die Bindung zwischen Männchen und Weibchen, aber auch zwischen den Eltern und ihren Jungtieren sehr eng ist. Man brachte die Vögel also in einem Taubenschlag hinter der Front unter, und wenn man eine Taube brauchte, nahm man eine ausgewachsene - meistens ein Männchen- und brachte sie an die Kampflinie. Sobald sie eine Nachricht übermitteln sollte, ließ man sie los. Die Taube dachte dann nur an eines: zum Taubenschlag zurückzukehren. So gelangten Nachrichten von der Front ins Hinterland.
Wie wurden die Brieftauben tranportiert?
Die Tauben werden zusammengebunden und entweder von Soldaten oder von Hunden in einem Körbchen transportiert.
Stimmt es, dass es Brieftauben mit Fotoapparat gab?
Ja. Die deutsche Armee benutzte Brieftauben als Spione. Diese trugen eine zeitgesteuerte Miniaturkamera um den Hals.

Fort de Vaux, Verdun: Ein Beobachtungsturm mit Sehschlitzen  Heute ist auf dem Schlachtfeld eine Gedenkstätte und ein Museum

Fort de Vaux in Frankreich. Heute ist auf dem Schlachtfeld eine Gedenkstätte eingerichtet. Hier sieht man einen Beobachtungsturm mit Sehschlitzen aus dem Ersten Weltkrieg.

Gab es auch Helden unter den Tauben?
Bei der Schlacht von Verdun 1916 zum Beispiel wurden die Soldaten in der Festung von Vaux belagert. Als der Garnisonskommandant am Ende der Schlacht wusste, dass er aufgeben musste, schickte er seine letzte Brieftaube aus, um mitzuteilen, dass er nicht länger Widerstand leisten konnte. Die Taube verließ also die Festung und kam in sehr schlechter Verfassung in Verdun an, da sie unterwegs Gas eingeatmet hatte. Sie wurde wie ein Held gefeiert, da sie die einzige Überlebende aus der Festung war. Sie bekam eine Medaille und eine Urkunde, einen offiziellen Schrieb, der ihre Dienste schilderte. Und noch heute hängt an der Festung von Vaux eine Informationstafel, auf der von ihrem Einsatz berichtet wird.

Pferde im Krieg

Wie viele Tiere gab es im Krieg?
10 bis 11 Millionen Einhufer, also Pferde, Esel und Maultiere wurden von den verschiedenen Kriegsparteien eingesetzt.
Wozu wurden sie eingesetzt?
Die Tiere dienten entweder als Reittiere oder sie zogen Lebensmittel und Kleidung, Kanonen oder Fuhrwerke mit Munition. Sie spielten für den Krieg also eine tragende Rolle. Obwohl es schon Züge, einige Autos und Lastwagen gab, hätte es den Krieg ohne Pferde wohl nicht geben können. Einhufer waren für den Transport unersetzlich, da die Soldaten sonst alles hätten selbst schleppen müssen. Das wäre schwieriger gewesen und es hätte vor allem viel länger gedauert.
Mussten sie viel arbeiten?
1914 verlangte man von den französischen Pferden unverhältnismässig lange Etappen von 80, ja sogar 100 Kilometern pro Tag und mehrere Tage hintereinander. Studien aus der Vorkriegszeit hatten gezeigt, dass sie 25-30 Kilometer nicht überschreiten durften. Darauf folgte eine überdurchschnittliche Sterblichkeit.
Hat man sich nicht um die Pferde gekümmert?
Man hat viel getan, besonders bei den Engländern. Hier haben Bürger den Militärtierärzten geholfen, die verletzten oder kranken Tiere zu behandeln. Bei den Engländern und Deutschen war das sehr wichtig, bei den Franzosen weitaus weniger. Daher sah auch die Sterblichkeitsziffer sehr unterschiedlich aus: Auf englischer und deutscher Seite betrug die Rate 15-20 Prozent. Auf französischer Seite lag sie bei 40 Prozent. Die französischen Soldaten passten also weniger gut auf.
Wer kümmerte sich in der Armee um die Pferde?
Um die Einhufer kümmerten sich entweder die Reiter der Kavallerie, die Artilleristen oder andere Soldaten. Es gab Menschen, denen das Wohl der Pferde sehr wichtig war. Da es viele Verletzte und Tote gab, wechselten die Pferde häufig den Besitzer und das funktionierte nicht immer gut. Manche Soldaten hatten ihre Pferde, Esel oder Maultiere gut im Griff, andere hingegen hatten keine Lust sich mit den Tieren auseinander zu setzen und gingen sehr grob mit ihnen um. Auch hätte es mehr Zeit gebraucht, um die Pferde an den Lärm zu gewöhnen oder an das Zusammenspiel mit ihren Artgenossen. Die Pferde waren oft sehr gestresst, wurden schnell krank und starben dann.
Gab es auch Helden unter den Pferden?
Ja. Bei den Engländern gab es das Pferd "Ragtime", das fünf Medaillen erhielt. Es hat den ganzen Krieg mitgemacht und kehrte nach Kriegsende nach York in England zurück. Und wenn die ehemaligen Soldaten aufmarschierten, dann ließen sie auch Ragtime mit den fünf Medaillen mitlaufen.

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