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Dienstag, 25. November
Sonntag ohne Auto

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Keine Autos und keine Menschen auf der Autobahn am autofreien Sonntag 1973

Keine Autos und keine Menschen auf der Autobahn am autofreien Sonntag 1973

Keine Autos auf den Straßen

Der erste Sonntag in jedem Juli ist für die Menschen im Siegtal in der Nähe der Stadt Köln ein besonderer Tag: Auf einer Strecke von über 100 Kilometern ist nur Fahrradfahren, Joggen, Spazierengehen und Inline-Skaten auf der Straße erlaubt. Die Autofahrer/-innen müssen wegbleiben. Auch anderswo sind Straßen manchmal für Autos gesperrt, weil vielleicht eine neue Brücke eingeweiht wird. Dann gibt es Volksfeste auf der Straße, es wird gegrillt, getanzt und flaniert. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss den Wagen irgendwo abstellen und zu Fuß weitergehen.

Kinder fahren  am autofreien Sonntag auf der Autobahn Rollschuhe.

Kinder fahren am autofreien Sonntag auf der Autobahn Rollschuhe.

Fahrverbote für Deutschlands Autofahrer/-innen

Es sind seltene und besondere Ereignisse, bei denen Fußgänger/-innen und Fahrradfahrer/-innen einmal „Vorfahrt“ haben gegenüber den Autos. Das ist dann auf eine Stadt oder eine bestimmte Gegend beschränkt. Aber wäre es auch möglich, dass an einem Tag in ganz Deutschland keine Autos fahren?
Das hat es tatsächlich einmal gegeben. Am 25. November 1973, heute vor 52 Jahren, fand in Deutschland der erste „autofreie Sonntag“ statt. Kein Auto war weit und breit zu sehen, die Kinder spielten auf den Straßen und in den Fernsehnachrichten sah man menschenleere Autobahnen. Auch an den darauffolgenden drei Sonntagen mussten die Autos in den Garagen bleiben. Was war passiert?

Fahrverbote wegen der "Öl-Krise"

Die Öl-Krise war der Grund für die Fahrverbote. Was aber bedeutete das?
Deutschland und andere westliche Länder wie zum Beispiel die USA oder die Niederlande waren wirtschaftlich von Erdöl abhängig, das damals größtenteils aus den arabischen Staaten kam. 1973 brach im Nahen Osten ein Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten aus. Viele westliche Länder unterstützten Israel. Das missfiel den arabischen Staaten. Um Druck auf die westlichen Staaten auszuüben, verkauften die arabischen Staaten weniger Erdöl an den Westen. Das führte dazu, dass die Preise für Erdöl sehr schnell anstiegen und alle Produkte, die mit Erdöl zusammenhingen, sehr teuer wurden.
Da aus Erdöl unter anderem Kraftstoff für Autos hergestellt wird, waren auch die Autofahrer/-innen von dieser Preissteigerung direkt betroffen. Um weniger Erdöl zu verbrauchen und so auch Kosten zu sparen, überlegten sich Politiker/-innen in Deutschland das Fahrverbot für Autos.

Polizisten kontrollieren am autofreien Sonntag 1973 auf der Autobahn die Einhaltung des Fahrverbots

Polizisten kontrollieren am autofreien Sonntag im November 1973, ob das Fahverbot eingehalten wird.

Die natürlichen Ressourcen sind nicht unbegrenzt

Im Rückblick weiß man, dass das Fahrverbot keine großen Einsparungen beim Erdölverbrauch bewirkt hat. Trotzdem sind die vier autofreien Sonntage im Spätherbst 1973 vielen Menschen in Erinnerung geblieben. Zum einen haben sie gezeigt, dass man zumindest für eine gewisse Zeit auch mal ohne Auto leben kann. Außerdem wuchs bei vielen Menschen das Bewusstsein dafür, dass die Erde nicht unbegrenzt ausgebeutet werden kann. Vielmehr müssen Umwelt und Natur geschützt werden. Bis heute wird diskutiert, wie die Menschheit die knappen Ressourcen der Erde verantwortungsvoll nutzen kann, so dass auch noch zukünftige Generationen ein gutes Leben auf dem „blauen Planeten“ haben. Wenn heute Nachhaltigkeit als eine der wichtigsten Aufgaben für die Politik und für uns alle angesehen wird, dann hat die Ölkrise von 1973 daran einen großen Anteil.