Kinderrechte machen Kultur bunt: Festivals, Kino, Podcasts und Kreativ-Wettbewerbe
Kultur kann ganz vieles bedeuten: Filme sehen oder machen, spielen, diskutieren, Musik hören, Theater spielen, Geschichten erzählen oder selbst kreativ werden. Kultur umfasst alles, was der Mensch geschaffen hat. Kultur zu erleben oder selbst zu gestalten, macht Spaß.
Es ist auch ein Recht, das Kinder haben:
- In Artikel 31 heißt es: Kinder haben das Recht auf Freizeit, Spiel, Kultur und Teilhabe.
- In Artikel 12 steht, dass Kinder ihre Meinung sagen und mitbestimmen dürfen. Das gilt natürlich auch bei kulturellen Dingen.
- Die Kinderrechte sollen absichern, dass Kinder geschützt und gefördert werden. Das heißt, Kinder sollen gesund aufwachsen, mitreden und mitgestalten können.
Ob auf der Bühne, im Kino, durch einen Podcast oder Schülerwettbewerb: In diesem Kapitel zeigen dir drei Beispiele, wie Kinder Kultur selbst gestalten können. Ganz nebenbei erfährst du dabei auch viel über Kinderrechte.
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Nils Kacirek macht Filmmusik. Hier erzählt er gerade Anna-Lou von den MICHEL MOVIE KIDS, wie die Musik zum Dokumentarfilm „Zirkuskind“ entstanden ist.
Kinderrechte MMK, © Michel Movie Kids
Beim MICHEL Kinder- und Jugend Filmfest in Hamburg werden Kinder für 7 Tage zu Reporterinnen und Reportern. Mit der Unterstützung von Medienpädagog/-innen schauen die 15 Kinder und Jugendlichen Filme an, schreiben ihre Meinung dazu und führen Interviews mit Filmschaffenden.
Die „MICHEL MOVIE KIDS“ veröffentlichen ihre Reportagen, Interviews und Filmbewertungen als Blogbeitrag oder Podcast. Einige Kinder moderieren die Filmvorstellungen oder leiten Gespräche mit dem Publikum. Außerdem gibt es eine Kinderjury, die alle Festivalfilme anschaut und am Ende den Lieblingsfilm der MICHEL MOVIE KIDS auswählt. Die Ergebnisse präsentieren sie in ihrem Blog und in einer 2-stündigen Live-Radiosendung. Ihr wollt wissen, wie so eine Radio-Livesendung klingt? Dann hört mal hier in die Michel-Movie-Kids-Sendung zur Filmmusik von Zirkuskind rein:
MMK Sendung 2025, © Michel Movie Kids
🎥 Zum Film „Zirkuskind“ findet ihr hier auch einen Filmtipp.
Theresa und Sophia:
Grüßli Müsli und herzlich willkommen zu der diesjährigen Radiosendung von uns, den MICHEL Movie Kids. Wir sind die Kinderreporter/-innen und haben das MICHEL Kinder und Jugend Filmfest begleitet. Wir sind Theresa und Sophia und das ist der Anfang unserer Sendung. Los geht's! MICHEL Movie Kids! Und Action!
Ingo:
Hallo, ich bin Ingo Zamperoni und ich bin der Moderator der ARD-Tagesthemen und ihr hört die MICHEL Movie Kids auf TIDE-Radio.
Sprecher 1:
Es geht weiter mit dem nächsten Film. Er heißt Zirkuskind.
Sprecher 2:
Es geht um einen Jungen namens Santino. Seine Familie gehört dem Zirkus Arena und sie reisen mit ihrem Zirkuszelt, ihren Tieren und vielen Menschen durch Deutschland.
Sprecher 1:
Alles, was im Film passiert, ist echt, denn der Film war eine Dokumentation.
Sprecher 2:
Die MICHEL Movie Kids haben den Filmmusiker Nils interviewt. Er hat die Musik für den Film gemacht.
Sprecher 1:
Mal hören, was er so zu erzählen hat.
Yara und Anna-Lou:
Hallo, wir sind Yara und Anna-Lou von den Michel Movie Kids und hier neben uns ist Nils Katschirik.
Nils:
Ich freue mich sehr, hier zu sein.
Yara und Anna-Lou:
Wir freuen uns auch. Du bist der Filmkomponist. Wie beginnt man, an Filmmusik zu arbeiten?
Nils:
Man bekommt meistens ein Drehbuch oder ein Skript, wenn es ein Dokumentarfilm ist, und dann spricht man natürlich mit den Filmemacherinnen oder Filmemachern und dann überlege ich mir meistens, wie ich mir vorstelle, wie dieser Film klingen soll und was man mit der Musik erreichen möchte im Film. Also man kann ja auch Filme durchaus ohne Musik machen. Es gibt ja ganz tolle Filme auch ohne Musik. Also das heißt, die Überlegung ist immer: Okay, wofür eigentlich Musik?
Yara und Anna-Lou:
Was war deine Inspiration, die Filmmusik zu schreiben?
Nils:
Zirkusmusik hat eine ganz lange Tradition und ganz oft ist es ja auch so, dass die Musik aus den Zirkusfamilien selber kommt, weil oftmals gibt es Musikerinnen und Musiker in den Reihen der Zirkusleute. Oftmals spielen die auch selber zu ihren Vorstellungen und da gibt es natürlich ein großes Repertoire Das habe ich mir angehört und für mich war relativ schnell klar, dass ich mit Akkordeon arbeiten möchte und mit einem relativ kleinen Ensemble arbeiten möchte. U dann habe ich das alles mal so ein bisschen geschüttelt und überlegt: Okay, was brauchen wir eigentlich auch für Musik? Wie erzählen wir die Geschichte von dem Santino musikalisch? Wie können wir noch eine musikalische Ebene einziehen?
Yara und Anna-Lou:
Gab es einen Lieblingsfilm, wo du mal Musik gemacht hast?
Nils:
Also ich finde, Zirkuskind ist einfach schon ein sehr schöner Film. Ich habe den jetzt ja heute auch nochmal gesehen, nachdem ich ihn das letzte Mal im Februar auf der Berlinale gesehen habe, und mit einem gewissen Abstand betrachtet, guckt man nochmal anders auf solche Filme. Also mir hat er Anfang des Jahres auch schon gut gefallen, aber heute hat er mich eigentlich noch mehr berührt. Also die Filme, für die ich die Musik habe, interessieren mich und berühren mich eigentlich immer, weil sonst würde ich nicht die Musik zu diesen Filmen machen. Das können sehr unterschiedliche Filme sein. Das können Dramen, Spielfilme, das können lustige Filme sein. Es können auch Dokumentationen sein, die sehr interessant sind und die ich einfach ganz, ganz spannend finde. Also ich kann jetzt nicht sagen, ich habe jetzt den Lieblingsfilm. Es gibt viele Filme, die ich einfach sehr, sehr gerne mag und sehr gern gucke, auch wenn sie dann fertig sind. Es macht Spaß. Man kann an tollen Projekten arbeiten. Man hat es mit sehr interessanten und tollen Leuten zu tun und bewegt sich in einem tollen Umfeld, wie jetzt hier zum Beispiel auf so einem Filmfest. Das ist einfach ein tolles Umfeld, in dem man arbeitet.
Yara und Anna-Lou:
Vielen, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast.
Nils:
Ja, vielen Dank auch an euch. Sehr gerne.
Im September 2025 zogen Laster durch die Hamburger Stadtteile und veranstalteten an sieben Orten in Hamburg Konzerte und Mitmachaktionen rund um Kinderrechte. Mit Hilfe der Ohrlotsen-Medienpädagog/-innen ist an jedem Standort eine neue Podcast-Episode zu Kinderrechten mit Kindern vor Ort entstanden.
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Bei den Kinderrechte LasterKonzerten 2025 wurden viele Besucher/-innen zu den Kinderrechten befragt.
Die Ohrlotsen haben Erwachsene und Kinder vor Ort interviewt. Sie sprachen mit ihnen über ihre Rechte – zum Beispiel das Recht auf Spiel, Schutz oder Mitbestimmung. Daraus sind Podcast-Folgen entstanden, wie zum Beispiel zu Wunsch-Kinderrechten, die sich die Ohrlotsen wünschen:
© Ohrlotsen
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Bei den Ohrlotsen gibt es immer Medienpädagog/-innen, die helfen können, zum Beispiel bei den Tonaufnahmen. Wie hier beim Kinderrechte-LasterKonzert in Wilhelmsburg.
Die Konzerte hat der Verein KinderKinder e. V. zusammen mit dem Musik-Team Waldinsel Records und den „Ohrlotsen“ gemacht. Die „Ohrlotsen“ ist ein Kinder-Radioprojekt mit eigenen Radiosendungen, Podcasts oder Hörspielen. Dort überlegen sich Kinder eigene Themen, schreiben Moderationen, führen Interviews und schneiden ihre Beiträge selbst. Bei den Lasterkonzerten gab es auch viele Workshops: Kinder konnten bei einem Graffiti-Workshop sprayen, bei Guido beatboxen lernen oder mit Sebó eigene Songtexte schreiben.
Alle Episoden könnt ihr euch im Ohrlotsen-Podcast anhören oder hier auf ohrlotsen.de.
Theo:
Hi, ich bin Theo von den Ohrlotsen. Ich sitze hier mit Lotta und Freya am Fischmarkt und wir unterhalten uns jetzt mal über Kinderrechte. Zum Einstieg haben wir uns Kinderrechte überlegt, die wir euch gerne zeigen würden.
Lotta:
Meine drei Karten lese ich euch jetzt mal vor: Also, in meiner perfekten Wunschwelt wünsche ich mir, dass es weniger Autos gibt, damit nicht so viel CO2 verbrannt wird. Das ist die erste Karte. Manche Kinder machen ja keinen Sport, weil die Eltern das nicht erlauben. Und ich möchte, dass Kinder Recht auf Sport haben, und wenn sie keine Lust auf Sport haben, müssen sie keinen Sport machen. Ich gebe jetzt mal weiter an Freya, die hat sich nämlich auch ein Recht ausgedacht.
Freya:
Mein Recht wäre ein Recht darauf, respektiert behandelt zu werden. Und zwar meine ich damit, wenn man zum Beispiel in einer Schlange steht, dass Erwachsene einen nicht einfach überholen. Ich gebe jetzt mal weiter an Theo, der hat nämlich auch noch was für euch.
Theo:
Mein erstes Recht ist ein Recht auf Ruhe, weil manchmal im Unterricht, da müssen wir arbeiten und dann wird es plötzlich richtig laut und dann kann man sich zum Beispiel nicht konzentrieren.
Freya:
Eben war Jannis noch da und der hatte auch ein Recht aufgeschrieben, dass man mit zehn schon wählen kann. Theo, hast du eine Idee, warum Jannis das wichtig fand?
Theo:
Ja, schon, weil wahrscheinlich hat Jannis das Recht aufgeschrieben, weil er wahrscheinlich nicht will, dass ein blöder Politiker dann will, dass ein paar Freunde von ihm zum Beispiel aus Deutschland wegmüssen, weil sie eine andere Hautfarbe haben oder so was.
Alle (gesungen):
Eins, zwei, drei, vier: Ich kenn meine Kinderrechte! Lauter! Ich kenn meine Kinderrechte!
Freya:
Das war es jetzt erst mal an der Stelle von uns, von den Kinderrechten, die wir gerne hätten.
Alle:
Steuer hart Backbord! Alle Maschinen scharf! Achtung, Lotse übernimmt das Ruder! Die Ohrlotsen. Wir lotsen euch durch unsere Themen, unsere Musik und unseren Stadtteil.
Rampenlichter Video, © Rampenlichter - DemokARTie 2025/Noemi White
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Alles, was auf der Bühne passiert, haben die Kinder selbst entwickelt: die Ideen, die Texte und die Bewegungen.
„Rampenlichter“ ist ein Tanz- und Theaterfestival in München. Kinder und Jugendliche führen eigene Theaterstücke und Geschichten auf. Die Themen überlegen sie sich selbst. Es geht zum Beispiel um Demokratie, Einsamkeit, Kinderarmut, Respekt oder Gemeinschaft. Während des Festivals können Kinder in Workshops auch Neues ausprobieren, zum Beispiel Theaterübungen machen oder mit anderen Gruppen neue Szenen erfinden. Auch hinter der Bühne machen viele mit: Sie helfen bei Licht und Technik, gestalten Kostüme oder sprechen mit dem Publikum nach den Aufführungen.
Zum Festival gehört auch ein Schulprogramm: Klassen können zuschauen, mitdiskutieren und selbst kleine Theateraktionen ausprobieren. Dafür gibt es extra Projekttage wie „DemokrARTie“ oder „Bühne PUR“.
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