Kinderrechte sollen Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen. Das nennt man auch fördern. Aber was müssen Länder eigentlich dafür tun?
Kinder sollen alles bekommen, was sie für ihre Entwicklung brauchen. Dafür gibt es Regeln, die Förderrechte heißen. Sie sollen sicherstellen, dass Kinder Fähigkeiten entdecken können, Neues lernen und gesund aufwachsen können. Ganz egal, wo auf der Welt sie leben oder aus welcher Familie sie kommen.
Diese Rechte stehen in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Sie verpflichten Länder dazu, Schulen, Sportmöglichkeiten, Krankenhäuser und andere Angebote bereitzustellen, die Kinder unterstützen. Klick dich durch und lerne die einzelnen Rechte kennen!
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Jedes Kind hat das Recht zu lernen – in der Schule und fürs Leben.
In Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention steht, dass Kinder das Recht auf Bildung haben. Sie haben also das Recht, zu lernen. Dafür müssen Länder die Grundschule und möglichst auch weiterführende Schulen kostenlos machen. Lernen findet aber nicht nur in der Schule statt, sondern auch zuhause, draußen, beim Spielen oder in Vereinen. Was auch zu Bildung gehört: Mit einem Handy, einem Computer oder Tablet sicher umzugehen.
Situation weltweit
Weltweit können ungefähr 270 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Manchmal sind die Schulen zu weit weg oder die Familien können sich die Schule nicht leisten. Oder die Kinder müssen arbeiten und etwas dazuverdienen, weil das Geld sonst nicht reicht. In manchen Gegenden dürfen Mädchen nicht zur Schule gehen, weil sie zum Beispiel im Haushalt helfen müssen. Flucht und Krieg machen es betroffenen Kindern schwer, in die Schule zu gehen. In Regionen im Krieg gibt es manchmal gar keine Schule mehr.
Situation in Deutschland
In Deutschland gibt es eine Schulpflicht. Alle Kinder müssen ab dem sechsten Lebensjahr für mindestens neun Jahre in die Schule gehen. Die Grundschule und die weiterführenden Schulen sind kostenlos. Trotzdem ist es für Kinder aus Familien mit weniger Geld, mit einem Migrationshintergrund und für Kinder mit einer Behinderung schwieriger, einen guten Abschluss zu kriegen. Zum Beispiel weil Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können oder Nachhilfe zu viel Geld kosten würde. Außerdem warten Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen häufig lange auf einen Schulplatz.
Und jetzt du!
Was denkst du – besser Unterricht in der Schule oder zuhause lernen? Schreib uns deine Meinung hier im Diskutier mit.
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Spielen und Freizeit haben sind auch Teil der Kinderrechte.
In Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention ist das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung für Kinder festgeschrieben. Spielen ist wichtig, weil Menschen dabei Neues lernen. Außerdem brauchen Kinder Freizeit und genug Pausen, damit sie gesund bleiben. Die einzelnen Länder tragen auch dafür Sorge, dass Kinder Kunst und Kultur genießen und mitgestalten können. Beispiele für Kultur findest du hier.
Situation weltweit
Bestimmt kannst du dir vorstellen, dass nicht jedes Kind die Möglichkeit hat, zu spielen und sich zu erholen. Welche Gründe gibt es dafür? Wenn in einem Land Krieg herrscht oder Kinder fliehen müssen, gibt es wenig Zeit oder es ist nicht sicher, zu spielen. Manche Kinder müssen auch arbeiten oder zuhause helfen und haben deshalb kaum Freizeit. Aber auch die Infrastruktur kann ein Grund sein: Wenn es keine Spielplätze, Vereine oder andere Freizeit-Angebote in der Nähe gibt, haben Kinder wenig Möglichkeiten, ihre freie Zeit so zu gestalten, wie sie möchten. Dann fehlt die Infrastruktur, also die Dinge, die Kinder zum Spielen und für ihre Freizeit brauchen.
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Lernen heißt auch: kreativ sein und eigene Ideen ausdrücken.
Situation in Deutschland
In Deutschland gibt es einige Freizeit-Angebote für Kinder, Ferienprogramme oder Sportvereine. Allerdings werden Kinder bei der Planung oft nicht gefragt, wie sie sich die Angebote wünschen. Außerdem können sich nicht alle Familien die Angebote leisten, weil viele Geld kosten. Manchmal haben Eltern wegen ihrer Arbeit keine Zeit, Kinder hinzubringen oder abzuholen. Oder sie wissen gar nicht von den Angeboten, weil sie nicht in ihrer Sprache beschrieben werden.
Auch in Deutschland haben nicht alle Kinder Zeit für Freizeit und Erholung. Zum Beispiel weil sie viel im Haushalt helfen oder viel für die Schule tun müssen. Manchmal planen Eltern so viel für ihre Kinder, dass sie nicht dazu kommen, sich zu erholen. Deutschland muss aber dafür sorgen, dass das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung eingehalten wird. Zum Beispiel, indem Schulen so gestaltet sind, dass Kinder dort spielen können. Und es nicht so viel Stoff im Unterricht und Klausuren gibt, damit Kinder sich auch erholen können.
Und jetzt du!
Welcher Spieletyp bist du? Hier im Kalendereintrag zum Weltspieltag kannst du dazu abstimmen.
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Kinder und Jugendliche demonstrieren für besseren Klimaschutz.
Artikel 15 der UN-Kinderrechtskonvention hält zwei zusammenhängende Rechte fest: Das Recht, sich zu versammeln und das Recht, sich zu einer Vereinigung zusammenzuschließen.
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Jeder Mensch hat grundlegende Rechte.
Was das heißt? Man spricht von einer Versammlung, wenn Menschen zusammenkommen, um über ihre Meinung zu reden oder sie zu äußern. Das betrifft oft politische Themen. Eine Versammlung hat aber immer ein Ziel und kann eine einmalige Veranstaltung sein und online oder vor Ort stattfinden. Ein wichtiges Beispiel sind Demonstrationen. Wenn sich Kinder nur zum Spielen treffen, ist das keine Versammlung.
In einer Vereinigung treffen sich die Mitglieder normalerweise regelmäßiger als bei einer Versammlung. Vereinigungen gibt es für jeden Lebensbereich. Dazu zählen Sportvereine, Jugendclubs und gemeinnützige Organisationen. Hier kannst du mehr zu Vereinen nachlesen.
Situation weltweit
In einigen Ländern dürfen sich Kinder nicht versammeln oder vereinigen. Oft ist es dann auch den Erwachsenen nicht erlaubt. Das passiert vor allem in Ländern, in denen Menschen ihre Meinung nicht frei äußern dürfen.
In anderen Ländern, wie auch in Deutschland, ist es möglich. Es gibt aber einiges zu beachten. Manche Versammlungen müssen zum Beispiel angemeldet werden, damit die Polizei Straßen sperren kann. Der Prozess und die Dokumente sind selten so erklärt, dass Kinder sie gut verstehen. In manchen Ländern gibt es auch ein Mindestalter oder Eltern müssen zustimmen, wenn ein Kind eine Versammlung oder Vereinigung anmelden oder leiten will.
Situation in Deutschland
In Deutschland kann die Schulpflicht es schwieriger für Kinder machen, sich zu versammeln und zu großen Demonstrationen zu gehen. Ein Beispiel dafür waren die Fridays for Future Demonstrationen. Jeden Freitag sind Schülerinnen und Schüler nicht zur Schule gegangen, um für besseren Klima- und Umweltschutz zu demonstrieren. Hier kannst du zum Thema Demonstrationen und Schulpflicht mitdiskutieren.
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Jedes Kind hat das Recht auf Gesundheit und medizinische Hilfe.
Laut Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht, so gesund wie möglich zu sein. Das heißt, dass es Kindern körperlich und geistig möglichst gut gehen soll. Dafür muss zum Beispiel sichergestellt werden, dass sie zur Ärztin oder zum Arzt gehen und Medizin bekommen können. Sauberes Trinkwasser, ein sicheres Zuhause, eine saubere Natur und gesundes Essen sind wichtig, damit Kinder gar nicht erst krank werden. Deshalb müssen Kinder und Erwachsene auch darüber aufgeklärt werden, wie man sich gesund ernährt.
Hast du zum Beispiel schon einmal etwas von der Ernährungspyramide gehört? Was eine ausgewogene Ernährung damit zu tun hat, kannst du hier im Ernährungsspezial nachlesen.
Situation weltweit
Trotz dieses Rechts haben viele Kinder weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, gesundem Essen oder Medizin. Das ist vor allem in Ländern der Fall, die wenig Geld haben. In manchen Regionen müssen Kinder lange laufen, um Wasser zu holen und die Wasserstellen sind verschmutzt. Fast die Hälfte der Kinder weltweit können sich kein gesundes Essen leisten. Das macht sie anfällig für Krankheiten. Auch Faktoren wie Krieg und Flucht machen es schwierig, genug zu essen und gesund zu leben. Hier kannst du mehr zu Hunger in der Welt nachlesen.
Situation in Deutschland
In Deutschland ist in etwa jedes siebte Kind übergewichtig. Das kann passieren, wenn Kinder zu viel Ungesundes essen und sich zu wenig bewegen. Übergewicht kann krank machen, vor allem wenn Kinder älter werden. Außerdem haben nicht alle Kinder Zugang zu Ärztinnen und Ärzten. Das betrifft vor allem Kinder mit Fluchterfahrung. Aber auch Therapie- und Beratungsangebote für psychisch kranke Kinder sind in Deutschland zu knapp, sodass zum Beispiel Depressionen nicht so schnell behandelt werden können, wie es gut wäre.
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Ein Mädchen mit Down-Syndrom erhält unterstützende Begleitung beim Lernen.
Kinder mit Behinderung haben das Recht auf ein erfülltes Leben. Das sagt Artikel 23 der UN-Kinderrechtskonvention. Das Recht gilt für alle Kinder mit Behinderung, egal ob es eine geistige oder körperliche Behinderung ist. Sie sollen so selbstständig wie möglich leben und aktiv an der Gemeinschaft teilnehmen können. Länder müssen Kinder und ihre Familien dabei so gut wie möglich unterstützen. Zum Beispiel durch Betreuungs- und Informationsangebote, die möglichst kostenlos sein sollten.
Situation weltweit
Ungefähr 240 Millionen Kinder weltweit haben eine Form von Behinderung. Die meisten Menschen mit Behinderung leben in Ländern mit wenig Geld und bekommen kaum Unterstützung. Krieg, Krankheiten und Armut können zu Behinderungen führen. Zum Beispiel weil Kinder gefährliche Arbeit machen müssen, nicht genug zu essen bekommen oder sich Ärzte oder Medizin nicht leisten können. Die Diskriminierung von Kindern mit Behinderung ist ein weltweites Problem. Das heißt, dass Kinder schlechter behandelt werden, weil sie eine Behinderung haben. Kinder mit Behinderung werden mehr als doppelt so oft Opfer von Gewalt als Kinder ohne Behinderung.
Situation in Deutschland
In Deutschland gibt es einige Hürden für Kinder mit Behinderung, an der Gemeinschaft teilzunehmen. Zum Beispiel entscheiden Wohnort, Geld und Besitz einer Familie darüber, wie gut Kinder lernen können. Besonders in Südwestdeutschland gibt es wenige inklusive Schulen, also Schulen, an denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Auch außerhalb der Schule ist es für Kinder mit Behinderung schwieriger, zu lernen und an Freizeit-Angeboten teilzunehmen. Vereine, Transportmittel oder Informationsangebote im Internet sind oft nicht so gestaltet, dass Kinder mit Behinderung sie nutzen können. Deutschland muss aber dafür sorgen, dass diese Barrieren, also Hindernisse, abgebaut und Kinder mit Behinderung gefördert werden. In der Praxis kann das ganz unterschiedlich aussehen. Zum Beispiel durch Spielplätze, die auch von Kindern mit Rollstuhl benutzt werden können. Oder durch Betreuungs-Personen, die Kinder zuhause oder im Schulalltag unterstützen.
Eine Aufgabe von Politik ist es, für eine Umgebung zur sorgen, in der sich alle bewegen können und die niemanden ausschließt. So unterschiedlich kann das aussehen:
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Barrierefreiheit kann ganz unterschiedlich aussehen.
Audio-Geschichte von Babette Braun zum Thema Freundschaft
Barrieren abbauen und Kinder fördern – das klingt ganz schön kompliziert. In der Audio-Geschichte lernst du ein praktisches Beispiel kennen: Die zwei Freunde Salvatore und Henry erzählen von einem Fahrrad mit drei Rädern. Das spezielle Fahrrad hilft Salvatore beim Radfahren und so können sie zusammen spielen. Das Fahrrad ist also ein wichtiges Hilfsmittel für Salvatores Alltag. Je nach Behinderung brauchen Kinder unterschiedliche Hilfsmittel. Das ist wichtig, um Barrieren, also Hindernisse im Alltag (z. B. Treppen), zu überwinden.
Eine Freundschaft und warum ein Fahrrad so wichtig sein kann, © Babette Braun/bpb.de
Henry:
Hallo, ich bin der Henry und bin 12 Jahre alt und der Cousin vom Salvatore.
Salvatore:
Ich heiße Salvatore und bin 11 Jahre alt.
Sprecherin:
Wenn Salvatore redet, dann muss man schon etwas genauer zuhören, um ihn gut zu verstehen. Salvatore bemüht sich zwar, ganz deutlich zu sprechen, aber seine Zunge und die anderen Muskeln wollen nicht immer so wie er. Seinen Cousin Henry juckt das wenig. Ihm sind andere Sachen bei Salvatore wichtiger. Und Salvatore fühlt sich mit Henry auch sehr wohl.
Henry:
Also Salvatore finde ich ziemlich nett. Der hat überhaupt einen netten Charakter, der ist hilfsbereit, der kann auch gut auf sich selbst aufpassen und der ist auch eigentlich für jeden Spaß zu haben.
Salvatore:
Dass er halt Gefühle verstehen kann, dass er auch sehr hilfreich ist.
Sprecherin:
Salvatore ist als kleines Kind viel untersucht worden. Dann haben die Ärzte herausgefunden, dass seine Muskeln schwächer sind als die anderen Kinder und dass das wohl auch nicht mehr weggeht. Es ist für Salvatore viel anstrengender, sich zu bewegen. Das weiß er auch.
Salvatore:
Versuche zwar, mich zu bewegen, aber ich kann das nicht sehr gut. Und außerdem ist es für mich sehr schwierig nachzudenken, aber für andere ist das ganz einfach.
Sprecherin:
Was das bedeutet, ist schwer zu erklären, findet auch Henry. Das muss man eben erlebt haben, glaubt er.
Henry:
Wenn man jetzt nicht direkt einen kennt, dann kann man sich das gar nicht richtig so vorstellen, wie das denn ist. Und ich, ich bin jetzt schon mal öfters, mach ich was mit dem Tore, da kann ich mir schon vorstellen, wie das ist.
Sprecherin:
Wenn Henry und Salvatore sich treffen, Dann hocken sie aber nicht die ganze Zeit in der Wohnung. Am liebsten gehen sie nach draußen.
Henry:
Ich spiele auch gern mit dem Salvatore Fußball und Fangen. Alles, was irgendwie Spaß macht.
Sprecherin:
Oder den Henry auf einem Fahrrad zu fahren. Salvatore fährt Henry sehr gern im Gepäckkorb seines Fahrrads durch die Gegend. Salvatore hat nämlich ein Fahrrad, das hinten zwei Räder hat und eben einen großen Fahrradkorb. Auf dem letzten Waldspaziergang hat sich Henry einen Spaß daraus gemacht und ist mit seiner Schwester Grete immer in diesen Fahrradkorb hineingesprungen und Salvatore hat sie dann herumgefahren. Das hat ihm gut gefallen.
Salvatore:
Erst haben die mich immer, immer angeschubst und dann hab ich die zwei gefahren. Das war ganz schön.