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Lexikon

Merkantilismus

von und
Die Radierung zeigt den französischen König Ludwig XIV. und seinen Finanzminister Colbert.

Der französische König Ludwig XIV. und sein Finanzminister Colbert.

Der Herrscher braucht Geld

Im Zeitalter des Absolutismus, also zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert, änderten sich die finanziellen Bedürfnisse der Herrscher. Das neu entstandene stehende Heer, die wachsende Zahl der Beamten und die repräsentativen Paläste der Herrscher kosteten viel Geld. Deshalb versuchten die Herrscher, Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen, um mehr Staatseinnahmen zu bekommen. Diese Art der Wirtschaftspolitik wird "Merkantilismus" genannt (abgeleitet vom lateinischen Wort "mercari", das heißt "Handel treiben").

Das Ziel: die Wirtschaftskraft stärken

Um die Wirtschaftskraft der Länder zu stärken, sollten viele Waren an das Ausland verkauft und möglichst wenige Waren im Ausland eingekauft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden hohe Zölle auf Importwaren, also Güter, die ins Land hinein kamen, erhoben. Importiert wurden vor allem billige Rohstoffe, die dann in Manufakturen eine frühe Art der Fabrik - zu teuren Waren verarbeitet und ins Ausland verkauft wurden. Damit die Wirtschaft besser funktionierte, wurden einheitliche Maße bei Münzen und Gewichten eingeführt.

Jean Baptist Colbert

Einer der berühmtesten Vertreter des Merkantilismus war der französische Finanzminister Jean Baptist Colbert. Er führte zum ersten Mal in der Geschichte den Staatshaushalt ein, der über die Einnahmen und Ausgaben Frankreichs Buch führte.

Unterschiedliche Formen des Merkantilismus

Jedes Land entwickelte eine besondere Form dieses Merkantilismus. So wurde in Deutschland besonderer Wert auf eine starke Finanzkraft und die Erhöhung der Bevölkerungszahl gelegt. In manchen Ländern, wie etwa in Frankreich, wurden der Handel und das Gewerbe sehr gefördert, gleichzeitig wurde aber die Landwirtschaft stark vernachlässigt.


Für ExpertInnen: In der Fachsprache heißt der deutsche Merkantilismus „Kameralismus“.

FAQ / Häufig gestellte Fragen

(Frequently Asked Questions - das ist die englische Übersetzung von "häufig gestellte Fragen")
Hannah 23.01.2020

Warum musste ein neues Wirtschaftssystem eingeführt werden?

Redaktion

Hallo Hannah, im Zeitalter des Absolutismus haben sich Länder wie Frankreich hoch verschuldet, um zum Beispiel ein stehendes Heer oder den Hof des Monarchen zu finanzieren. Der erste und berühmteste dieser absolutistischen Herrscher war Ludwig XIV. Eine wichtige Antwort auf die durch die großen Ausgaben des Königs entstandene Finanznot des Staates war die Einführung des Merkantilismus. Dadurch konnten die Einnahmen des Staates deutlich gesteigert werden.

eure weiteren Fragen dazu...

Huhibb 23.11.2020

Was ist merkantilismus

Redaktion

Hallo Huhibb, dazu haben wir hier oben einiges geschrieben. Wir empfehlen dir, den Artikel durchzulesen.

Someone 18.11.2020

Welcher zentrale wirtschaftszweig bestimmte der merkantilismus?

Redaktion

Hallo Someone, im Zeitalter des Merkantilismus war der wichtigste Wirtschaftszweig immer noch die Landwirtschaft. Hier arbeiteten mit großem Abstand die meisten Menschen. Für das Funktionieren des Merkantilismus waren aber andere Wirtschaftszweige viel wichtiger. Ein Beispiel dafür ist die Porzellanherstellung. Im Vergleich arbeiteten in den Porzellanmanufakturen nur sehr wenige Menschen. Aber die Produkte, die sie herstellten, konnten zu hone Preisen ins Ausland verkauft werden. Dadurch konnte sich der Staat wichtige zusätzliche Einnahmen verschaffen.

No name 17.11.2020

Welche Besonderheiten hatte der merkantilismus

Redaktion

Hallo No name, lies doch bitte mal unseren Artikel oben und die Antworten auf die Fragen von anderen Besucher/innen unserer Seite in den FAQ. Da haben wir schon viel zu den Besonderheiten des Merkantilismus geschrieben.

Burger 16.11.2020

Welche Folgen hat der Merkantilismus gehabt?

Redaktion

Hallo Burger, diese Folgen waren sehr unterschiedlich. So war der Merkantilismus für die Wirtschaft der Nachbarländer eher ungünstig. Diese Länder bekamen zwar jede Menge Waren aus einem merkantilistischen Land angeboten, diese waren aber auch sehr teuer. Die eigenen Produkte konnte ein Nachbarland dagegen kaum loswerden. Das merkantilistische Land hat ja hohe Einfuhrzölle darauf erhoben, so dass die Waren so teuer wurden, dass niemand sie mehr kaufen wollte oder konnte. Die Kolonien waren oft nur billige Lieferanten von ganz bestimmten Rohstoffen, wie zum Beispiel Baumwolle. Das führte ja schließlich auch zum Konflikt zwischen europäischen Mutterländern und (amerikanischen) Kolonien. Durch den Merkantilismus gab es also wie zu allen Zeiten Menschen, die aus dem Wirtschaftssystem Nutzen zogen, und es gab Menschen, die darunter leiden mussten. Ein Problem des Merkantilismus war darum auch, dass die Menschen mit dem geringsten Einkommen, also die einfachen Bauern und Handwerker, für den Großteil der Steuern aufkommen mussten. In deinem Geschichtsbuch wirst du bestimmt einiges dazu finden.

Emilio 08.11.2020

Wie hat Colbert die Staatseinnahmen gesteigert?

Redaktion

Emilio, Colbert erließ Zölle auf ausländische Waren und steigerte so die Staatseinnahmen. Auch andere seiner Maßnahmen wie die Einführung einer staatlichen Haushaltsführung kamen den Staatsfinanzen zugute. Lies doch mal, was wir heute schon anderen Besucher/innen unserer Seite zu Colbert und dem Merkantilismus geschrieben haben. Du findest die Beiträge bei unseren Antworten auf eure weiteren Fragen unter dem Artikel.

hilan 06.11.2020

wie colbert mit den von ihm vorgenomenen massnahmen die wirtschaft in frankreich ankurbeln wollte und wie sich dies auf den staatshaushalt auswirken sollte

Redaktion

Hallo hilan, Colbert war einer der wichtigsten Vertreter des Merkantilismus. Dessen Besonderheiten haben wir oben im Artikel beschrieben. Colberts spezieller Beitrag war die Einführung des Staatshaushalts. Von da an wurde über die Einnahmen und Ausgaben Frankreichs Buch geführt. Auch die hohe Besteuerung bestimmter Waren wie Mehl geht auf seine Ideen zurück. Dadurch wurden die Einnahmen des Staates vergrößert und die Position der französischen Hersteller gestärkt. Oben in unserem Artikel haben wir schon einiges zu diesem "Erfinder" des Merkantilismus geschrieben. Auch in deinem Geschichtsbuch wird du bestimmt einiges über ihn lesen können.

hilan 06.11.2020

wie colbert mit den von ihm vorgenomenen massnahmen die wirtschaft in frankreich ankurbeln wollte und wie sich dies auf den staatshaushalt auswirken sollte

Sario 04.11.2020

Was meint man mit "Der Merkantilismus belastete die internationalen Beziehungen"

Redaktion

Hallo Sario, wie wir oben geschrieben haben, war es ein wichtiger Gedanke des Merkantilismus, dass ein Staat von einem anderen Staat Rohstoffe kaufte. Diese wurden dann zu hochwertigen Waren weiterverarbeitet und an andere Staaten wieder für viel Geld verkauft. Dadurch konnte der König die Einnahmen des Staates vergrößern. Ein anderes Merkmal war es, dass aus Waren aus dem Ausland hohe Zölle erhoben wurden. Diese wurden dadurch viel teurer und konnten nicht mit den einheimischen Produkten konkurrieren. Das sorgte natürlich für Ärger bei den anderen Staaten, die auch gerne auf diese Weise mehr Geld eingenommen hätten. Letztlich konnte also der Merkantilismus nicht funktionieren, wenn zu viele Staaten gleichzeitig versuchten, auf diese Weise mehr Geld einzunehmen.

Paul 16.03.2015

Was waren die Folgen des Merkantilismus?

Redaktion

Hallo Paul, diese Folgen waren sehr unterschiedlich. So war der Merkantilismus für die Wirtschaft der Nachbarländer eher ungünstig. Diese Länder bekamen zwar jede Menge Waren aus einem merkantilistischen Land angeboten, diese waren aber auch sehr teuer. Die eigenen Produkte konnte ein Nachbarland dagegen kaum loswerden. Das merkantilistische Land hat ja hohe Einfuhrzölle darauf erhoben, so dass die Waren so teuer wurden, dass niemand sie mehr kaufen wollte oder konnte. Die Kolonien waren oft nur billige Lieferanten von ganz bestimmten Rohstoffen, wie zum Beispiel Baumwolle. Das führte ja schließlich auch zum Konflikt zwischen europäischen Mutterländern und (amerikanischen) Kolonien. Durch den Merkantilismus gab es also wie zu allen Zeiten Menschen, die aus dem Wirtschaftssystem Nutzen zogen, und es gab Menschen, die darunter leiden mussten. Ein Problem des Merkantilismus war darum auch, dass die Menschen mit dem geringsten Einkommen, also die einfachen Bauern und Handwerker, für den Großteil der Steuern aufkommen mussten. In deinem Geschichtsbuch wirst du bestimmt einiges dazu finden.

Lara 04.03.2014

Wie handelte der Staat um die Wirtschaft anzukurbeln?

Redaktion

Hallo Lara, während des Merkantilismus hat der Staat so gut wie alles, was sich in der Außenwirtschaft tat, geregelt und vorgeschrieben. Er hat Steuern und Einfuhrzölle erhoben, auch das Volk musste Steuern an den Lehnsherren zahlen. Der Staat besaß über bestimmte Dinge Handelsmonopole, die nur er handeln und abbauen durfte, zum Beispiel über das Salz oder über Bodenschätze. Darüber hinaus verlangte der Staat zum Schutz seiner Wirtschaft hohe Einfuhrzölle auf bestimmte Waren. In deinem Geschichstbuch findest du sicher viele weitere Informationen.

Lola 13.02.2014

Was ist eine Manufaktur

Redaktion

Hallo Lola, die Manufaktur ist der Vorgänger der Fabrik, also eine Produktionsstätte, in der viele Menschen arbeiten. In den Manufakturen konnte wirtschaftlicher gearbeitet werden, als wenn jeder Arbeiter in Heimarbeit Teile eines Produkts hergestellt hätte. In den Manufakturen kamen auch neue Techniken wie der mechanische Webstuhl oder die Knüpf- und Spinnmaschinen zum Einsatz, die in den kleinen Handwerksbetrieben gar nicht unterzubringen gewesen wären.

Ella 25.09.2012

Wer hat den Merkantilismus "erfunden" oder zum ersten Mal eingesetzt???

Redaktion

Hallo Ella, es gibt keine einzelne Person, die man als Erfinder des Merkantilismus nennen könnte. Es gab auch keine einheitliche Theorie zu dieser Form der Wirtschaftspolitik. Jean Baptist Colbert, der französische Finanzminister von Ludwig XIV., hatte viele Ideen, die zum Merkantilismus gehören. Daher wurde die französische Form des Merkantilismus auch Colbertismus genannt. Der Begriff Merkantilismus leitet sich von dem Wort "mercari" ab, das ist Latein und bedeutet "Handel treiben". Das Wort Merkantilismus wurde aber erst im Nachhinein für die wirtschaftlichen Ideen, Theorien und Handlungsweisen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts verwendet. Soweit wir das wissen, war es Adam Smith, der diesen Ausdruck prägte und die Ideen gleichzeitig kritisierte.

Anna 03.09.2012

Was sind die Vor- und Nachteile am Merkantilismus?

Redaktion

Hallo Anna, die Vorteile dieses Wirtschaftssystems lagen vor allem darin, dass der Staat durch die Kontrolle der Wirtschaft mehr Einnahmen erzielte und so seine gewachsenen Aufgaben (beispielsweise das stehende Heer) finanzieren konnte. Nachteile der merkantilistischen Wirtschaftsmaßnahmen waren vor allem die Vernachlässigung der Landwirtschaft, die hohe wirtschaftliche Belastung des Dritten Standes und die Probleme und Kriege mit anderen europäischen Staaten.

Timo 11.05.2010

Warum hat der Merkantilismus irgendwann nicht mehr funktioniert ?

Redaktion

Hallo Timo, der Merkantilismus ist eine historische Wirtschaftsform, die unter ganz bestimmten Bedingungen - dem Absolutismus - möglich war. Es gibt einige Gründe, die zum Scheitern des Merkantilismus führten. Zum Beispiel war alles darauf ausgelegt, möglichst viel exportieren zu können. Das ging zu Lasten der eigenen Landwirtschaft und es kam zu Hungersnöten. Das konnte auf Dauer natürlich nicht gut gehen. Während des Merkantilismus hat der Staat so gut wie alles geregelt und vorgeschrieben. Dadurch ergriffen die Menschen weniger selbst die Initiative und fühlten sich auch nicht mehr verantwortlich. Teilweise ging der Merkantilismus auch von falschen wirtschaftlichen Voraussetzungen aus. Die Geld- und Warenmenge ändert sich nämlich ständig und bleiben nicht konstant. Zum endgültigen Scheitern führte dann aber, dass die Staatsausgaben für Krieg und Repräsentation einfach zu hoch waren. Außerdem änderte sich auch die gesamte politische Lage in Europa und der Welt, so dass neue Strategien nötig waren. Dadurch entwickelten sich auch neue wirtschaftliche Ideen, zum Beispiel die der "Nationalökonomie" von Adam Smith. Aber Merkantilismus und Absolutismus haben die Entwicklung der europäischen Staaten stark beeinflusst. Zum Beispiel waren es absolutistische Herrscher, die in ihren Gebieten eine moderne Verwaltung mit Beamten, ein neues Steuersystem und ein stehendes Herr einführten. Das sind Elemente, die sich bis heute, in unsere modernen Gesellschaften hinein fortsetzen.

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