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Lexikon

Reichsgründung/ Deutsches Reich

von
König Wilhelm I. von Preußen wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Das Gemälde malte Anton von Werner. “

König Wilhelm I. von Preußen wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Das Gemälde malte Anton von Werner. “

Ein deutscher Staat

Als „Reichsgründung“ wird die Gründung des Deutschen Reiches im Januar 1871 bezeichnet. Davor hatte es keinen geeinten deutschen Staat gegeben. Deutschland war jahrhundertelang in viele Herrschaftsgebiete aufgeteilt. Aber im 19. Jahrhundert war die Begeisterung für einen deutschen Nationalstaat immer größer geworden. In der Revolution von 1848/49 hatten die Revolutionäre für einen gemeinsamen und freiheitlichen deutschen Staat gekämpft. Aber erst dem preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck gelang es, die deutschen Fürsten von diesem Staat zu überzeugen. Bismarck wurde der erste Kanzler des neuen Reiches.

Nationale Begeisterung

Die Reichsgründung fiel in eine Zeit der großen nationalen Begeisterung in Europa. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten Belgien und Griechenland ihre nationale Unabhängigkeit gewonnen. 1861 war Italien zum Nationalstaat geworden, auch im Osten des Kontinents ersehnten viele Völker Unabhängigkeit und einen eigenen Staat.

Nach der Reichsgründung

Erster deutscher Kaiser wurde der preußische König Wilhelm I. Das Deutsche Reich gab sich eine Verfassung mit einem frei gewählten Parlament. Wahlberechtigt waren alle männlichen Staatsbürger. Die Einzelstaaten, die sich im Deutschen Reich zusammenschlossen, behielten eine starke Stellung. Zu einer Demokratie wurde das Reich nach dem Ersten Weltkrieg mit der Weimarer Reichsverfassung. Nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Geschichte des Deutschen Reiches.

FAQ / Häufig gestellte Fragen

(Frequently Asked Questions - das ist die englische Übersetzung von "häufig gestellte Fragen")
Engel 10.12.2019

Was ist an der Reichsgründung gut und was schlecht

Redaktion

Hallo Engel, die Gründung des Deutschen Reiches ist ein historisches Ereignis, das sich sehr unterschiedlich beurteilen lässt und auch schon im Jahr der Gründung 1871 sehr unterschiedlich beurteilt wurde. Auf der einen Seite war es für die meisten Deutschen in dieser Zeit eine zwangsläufige Entwicklung, dass nun auch die Deutsch sprechenden Menschen einen gemeinsamen Staat haben sollten. In vielen anderen Ländern, beispielsweise in Italien, gab es zu dieser Zeit ähnliche Entwicklungen. Allerdings führte die Art, wie dieses Reich schließlich entstand, dazu, dass viele "Deutsche" außen vor blieben, vor allem die Deutsch sprechende Bevölkerungsgruppe im Vielvölkerreich Österreich-Ungarn. Die Menschen, für die trotzdem mit der Reichsgründung ein Traum in Erfüllung ging, konnten 1871 natürlich nicht ahnen, wie sich dieser neue Staat entwickeln würde. Von Anfang an gab es große innere Auseinandersetzungen, u.a. zwischen der alten landwirtschaftlich orientierten Elite und den aufsteigenden industriellen Schichten. Dazu kam der Aufstieg der Arbeiterbewegung und der Sozialistischen Partei, die alle anderen politischen Gruppen als Bedrohung empfanden. Ein weiteres Konfliktfeld, das mit der erfolgreichen Reichsgründung an Bedeutung gewann, war die Rolle des Deutschen Reiches in der damaligen Weltpolitik. Zum einen gab es jetzt eine neue Macht im Zentrum von Europa, was vor allem Frankreich sehr störte. Dann gab es aber auch den Anspruch dieses neuen Staates, weltpolitisch eine Rolle zu spielen. Viele dieser Konflikte haben dazu geführt, dass die Jahre nach der Reichsgründung politisch unruhig waren. Am Ende viele kleiner innerer und äußerer Auseinandersetzungen stand schließlich der große Konflikt des Ersten Weltkriegs. Aber die Frage, ob die Geschichte anders besser oder schlechter verlaufen wäre, kann niemand beantworten.

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